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nicht blos wegen eines an den sogenannten Oberbefehlshaber gerichteten „offenen Schreibens" abstrafen, sondern man wollte den Uebergang zur Verhaftung des permanenten Ausschusses finden, dessen Mitglied Henkel ist. Der Plan war gut, Schade, daß er mißlang. Hr. Henkel rettete fich in daö landständische Gebäude, wo der Ausschuß ohnedem Sitzung hatte.
Waö gcnirt Hrn. Verschücr daS StändehauS? Gegen 5 Uhr rückt derselbe mit 2 Genöd'armen — die Soldaten scheinen keine Lust gehabt zu haben — vor daS StändehauS und faßt hier Posto, unter dem Jubel der Schuljugend. Hr. Verschuer wartet eine ganze Stunde, in dem guten Glauben, Hr. Henkel werde ihm in die Pistolenläufe stürzen. Endlich ermannt fich der Herr und schreitet frisch weg auf die Thür des Ständehauses zu. Leider stieß unser Held hier auf den Vorstand des permanenten Ausschusses, Hrn. Schwarzenberg, der schon längere Zeit mit Erstaunen dem Gebühren des Mannes zugesehen. Auf die Frage Schwarzenbergs, was der Husar wollte, erklärt derselbe, er wolle Hrn. Henkel verhaften. Hr. Schwarzenberg entgegnete dem jungen Herrn, daß er vermuthlich im Irrthum sei, Hr. Henkel sei Mitglied ees permanente» Ausschusses und das Ständehaus sei heilig, vorab gegen solche Gewaltthaten. Die Antwort deö Hrn. Ver- schüerâ war seiner würdig. Er berief sich auf seine Ordre und auf seine Unkenutniß in Sachen der Verfassung und der Stände. DaS heißt, Hr. Verschuer erklärte, daß ihn die Verfassung den Teufel was anging. In demselben Moment, wo der junge Husar diese empörende Antwort gab, zeigte ihm Hr. Schwarzenberg, daß er lange genug als Soldat den Kosaken gegenüber gestanden, um mit solch' einem Menschen fertig zu werden. Hr. Schwarzenberg schlug die eiserne Thür des Ständehauses so heftig vor der Nase des Lieutenants zu, daß derselbe verschiedene Schwellen der Treppe heruntertaumelte, abermals zum unermeßlichen Jubel der Schuljugend.
Als sich Hr. Verschuer wieder gepackt hatte, soll er vorsichtige Drohungen auSgestoßen haben. Wir wissen eS nicht genau, gewiß ist aber, daß Hr. Verschuer ohne Henkel abgezogen ist.
Während dieser Vorfälle steigerte sich die Entrüstung der Stadt auf entsprechende Weise. Die höheren Offiziere waren empört, nicht blos über die Gewaltthaten, sondern auch darüber, daß die Herren Verschuer und Bauer dieselben auf direktes Geheiß Haynau'S verübt hatten, ohne Erlaubniß, ohne Wissen der Vorgesetzten. Hr. Haynau scheint — hieß eS — alle militärische Disziplin lockern, ein neues Militär, eine Polizei für sich und seinen Herr» schaffen zu wollen.
Obristlieutenant Petri zeigte, daß eS Männer gibt, sich solchen Unternehmungen zu widersetzen. Er ließ Hrn. Lieutenant Bauer aufsuchen und gab ihm wegen dessen unbefugten Einschreitens gegen die Presse Stubenarrest. Eine ähnliche That des sich selbst bewußten und gesin- nungStreuen Militärs war von dem Regimentschef des Hru. Verschuer Nicht zu erwarten. Hr. Verschuer kann noch jede Stunde seine Drohungen gegen Hrn. Schwarzenberg auSüben.
Unterdessen hatte der Oberbefehlshaber neue Kinder seiner Laune gezeugt. DaS eine war eine Bekanntmachung, wonach unter den ge- wohnlichen StandrechtSphrasen die Bürgergarde aufgelöst und die Waffenablieferung bis 6 Uhr Abends gefordert wurde. Die Zeitlassung war jedenfalls ein Schreibfehler Seiner Exzellenz. Die Verordnung wurde erst um 6 Uhr publizirt. Schadet nichts, die Waffen wären doch nicht abgeliefert worden, da der Commandeur der Bürgergarde die Weisung ertheilt hatte, nur der Gewalt zu weichen. Welche Maßregeln Hr. v. Haynau nun in dieser Richtung ergreifen will, steht dahin.
DaS andere Schriftstück enthält die Zusammensetzung deö ge- Nannte» KiegSgerichtS. Die Herren Richter sind mit ziemlicher Virtuosität auserlesen, nur daß Einzelne erklärt haben, sie wüßten nicht, wie Hr. v. Haynau sie in solche Gesellschaft habe bringen können.
In der That, daS war für einen Tag genug. ES war genug, um das Volk zum Aeußersten zu treiben, über die Hufarenschwadronen hinweg, die während des Abends und der Nacht die Straßen durchzogen.^ Es war genug, um Hrn. v. Haynau zu lehren, daß ein Volk keine Heerde Vieh ist, daß ein Volk — — — Armes Deutschland.
Es ist nichts geschehen. WaS nun Hr. v. Haynau heute unternehmen wird, steht dahin.
* Kassel, 5. Dkt. — DaS Gcueralauditorat hat den Oberbe- . fehlShaber v. Haynau in Anklagezustaud versetzt, wegen Entsetzung deS DürgergardekommandeurS Seidler und wegen Auflösung der Bürger- garde. Eine weitere Anklage wegen seiner Attentate auf die Presse ist zu erwarten.
* Kassel, 5. Okt. — In aller Kürze wird eine Verordnung erscheinen, welche daâ Zusammengehen und Stehen von mehr als fünf Menschen bei Strafe der Verhaftung untersagt.
f f Kassel, 5. Okt. — Hr. Lieutenant Bauer, der sich daS Verdienst erworben hat, im Auftrage des Hrn. v. Haynau die Verfassung
zu verletzen und fremdes Eigenthum wegzunehmen, ist auf Befehl seines Mandanteu sofort wieder freigelaffen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Hr. Bauer wird auch noch nach Verdienst behandelt werden.
^ Kassel, 5. Okt. — Man erzählt sich, daß gestern Abend fünf Bürgergardengewehre abgeliefert seien. Sage fünf! Hoffentlich erfährt man die Namen der Ehrenmänner.
△ Kassel, 5. Okt. — Im Augenblick verbreitet sich daS Gerücht, ^daß dem Generallieutenant v. Haynau seine eventuelle Verhaftung, falls er auf der Bahn der verfassungswidrigen Gewalt weiter fortschreite, angekündigt worden ist. Generalmajor v. Gerland nebst zwei Auditeuren sollen den Oberbefehlshaber hiervon benachrichtigt haben.
^Kassel, 5. Oktbr. (114 Uhr.) — Der Deputirte Henkel wird noch immer aufgesucht, um denselben zu verhaften.
Man spricht davon, Hr. v. Haynau wolle.im Laufe dieses Tageâ Allarm schlagen und dann die Bürgergardenwaffen beitreiben lassen. Der Bruder der Hyäne hat keine Ruh und keine Nast, bis er entweder im Kastell, beziehungsweise wo anders sitzt, oder den einsamen Thaten seines Bruders ein würdiges Seitenstück aufgeführt hat.
ES Hersfeld, 3. Okt. — Dem Bürgermeister ist vom Verwaltungsamt die Verordnung vom 30. Sept., betreffend die Ernennung des Oberbefehlshabers, nebst des Oberbefehlshabers v. Haynau Bulle: „Nachdem ich vor drei Jahren", in Gestalt von Plakaten zur Bekanntmachung zugeschickt worden. Zweifelhaft, waö er mit den Dingern anfangcn sollte, wandte sich der Bürgermeister mit der Bitte um VcrhaltungSbefehle an die Bezirksdirektion! diese aber erwiderte, sie maße sich nicht an, einer untergeordneten Behörde in diesem Betreff Vorschriften zu machen, sondern überlasse daS Verhalten dem Gewissen deö OrtSvorstandeS. Letzterer hat nun auf heute den Stadtrath zusammenberufen, um dessen Meinung zu vernehmen; es ist keine Frage, daß sich dessen Ansicht seit dem Erlaß eines Protestes gegen die Verordnungen vom 4., 7. und 17. Sept, nicht verändert hat. Die Antwort der Bezirködirektion aber kann man nur mit einem dreimaligen Bravo begrüßen. Denn in der That, wenn unter den gegenwärtigen Umständen nicht jede Behörde auf eignen Füßen steht, nicht jede nach eigner Ueberzeugung handelt, wenn überhaupt nicht jeder Staatsbürger nach dem Wahlspruche lebt: „hilf dir selbst^ so hilft dir Gott", so ist unsere gerechte Sache verrathen und dem Feinde preisgegeben. So lange wir nach oben oder unten hin, nach vornen oder hinten oder neben uns sehen, ehe wir einen Schritt thun, so lange werden wir nie auf einen grünen Zweig kommen.
Selber ist der Mann.
0 Berlin, 3. Oktbr. — Kommende Ereignisse werfen ihren Schatten vor sich her. Erschrecken Sie nicht! Ich spreche nicht im Sinne der „Neuen Preußischen", die ihr Kreuz in der Linken, das gefeiete Schwert in der Rechten, den Schatten einer neuen gefahrdrohenden Revolution herannahcn sieht und sich zum Kampfe rüstet; ich wage eS nicht, der Ansicht der Neuen Preußischen zu sein. Die Creignn,e von denen ich spreche, sind anderer, entgegengesetzter, erfreu icherer .,rt. Die Schatten, die ihnen vorausfliegen, werden von m,t 2»bel begrüßt, von vielen schwarz, weißen Herzen. Welche Freude wird erst sein, wenn die Ereignisse selbst sich offenbaren! Die Schotten — eö sind die „friedliche" Vernichtung der mccklenbur- gilchcn Vcrfastung, der Kriegszustand in Kurhessen, die Aufhebung der Verfassung in Sachsen, die bevorstehenden Konflikte in Dessau, Koburg, Hessen-Darmstadt; die Ereignisse, die kommen sollen, eö find die Aufhebungen der Verfassungen in den großen deutschen Staaten, Oesterreich voran. DaS Sprichwort kehrt sich um: Wie die Knechte, so die Herren! Natürlich, man hat durch die Operationen in den Duodezstaaten der Menge auf den Zahn fühlen wollen, man hat gesehn, es geht, ohne daß man überall den Schwefeläther deö Belagerungszustandes anzuwende» brauchte, die Operationen sind geglückt. Also vorwärts! Oesterreich wird den Schritt zuerst wagen. Ist eS doch längst eine Thatsache, daß nur diejenigen Paragraphen der österreichl- schcn Verfassung noch existiren, die zur Durchführung der Centralisation gebraucht werden, warum auch diese noch beibehalten, da man centra- lisiren kann, auch ohne VerfassungSparagraphenl Es versteht sich von selbst, daß so ein Schritt nicht plötzlich vorgenommen wird, daß man nicht tineö Tags die telegraphische Depesche'lesen kann: Die österre,- chische Verrfassung wird aufgehoben werden. Aber die Nachricht, daß das Messer schon geschärft ist zum Schnitt, ist da, und selten mag ein lieblicherer Klang von Wien herübergetönt sein, alS dieses Mc>- serwetzen. Freilich, welch' Geschrei wird man anfangs hier erheben, wie wird man daS Glück deö kostitutionellen Preußens lobpreisen, gegenüber dem absolutistischen Oesterreich! Aber wie lange wird daS dauern? Bald wird der Jubel der Sehnsucht Platz machen, der Sehnsucht nach einem absolutistischen Preußen, einer so verführerisches Sehnsucht, daß man ihr nicht wird wiederstehen können. Also Hera« ,