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Petition (obere Enrenzaste Nr. 132) zu 6 Hir. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die drcijpaltige Petitzeile 8 Hlr,

M- 233

1830

Kassel, Sonnabend den 5. Oktober

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Der passive Widerstand.

Passiver Widerstand ist ein eben so großer Unsinn alS ak­tives Dulden z. B-, oder jeder ähnliche Zustand, der in sich sei­nen Gegensatz und damit seine Vernichtung trägt.

Die Konstitutionellen haben bereits mehr als einmal mit diesem Unsinn Fiasko gemacht, am famosesten in Berlin. Sie glaubten jetzt an Kurhessen einen Beleg für die Erhabenheit desselben gefunden zu haben. Jeder Tag, jede 'Stunde aber erfüllt sie mit größerer Be­sorgniß, ob das Lieblingskind ihrer konstitutionellen Lannen, ob dieser edle Wechselbalg von Dulden und Handeln die Pobe bestehe» wird, die man ihm auferlegt.

Da aber der Wechselbalg selbst nur ein Phantom ist, nur ein theoretisches Gebilde doktrinärer Staatsweisheit, da er gar nicht exi- stirt und niemals exsstirt hat, so wird hoffentlich auch für die Blinden nächstens seine Nichtigkeit bewiesen sein.

Jeder Widerstand ist handelnd. Der Widerstand, den die Eng­länder gegen ihre erblichen Könige gemacht haben, deren Einem sie den Kopf vor die Füße legten, war doch gewiß weit von Dulden und Leiden entfernt. Allerdings geht dem Widerstand gewöhnlich eine Zeit voraus, wo man sich Alles gefallen läßt. Die Völker sind stets sehr geduldiger Natur gewesen. Allein eine solche Passivität ist kein Widerstand, und wo dieser anfängt, hört jene auf.

DaS Recht zum Widerstand ist daS Recht zur Revolution, das ] Recht zur Selbsterhaltung eines Volks gegenüber seinen Verderbern. Dieser Widerstand ist in seinen ersten Anfängen stets ein friedlicher; zuerst werden die friedlichen Mittel angerufen, um die Willkür des Despotismus zu brechen. Die englische Revolution begann mit der Klage John Hampdens gegen die ungesetzliche Auflage des Schiffgeldes und hatte den Tod der Minister zur Folge, die jene Steuer erfunden und abgepreßt, ihr Schluß war der Sturz der Dynastie und des Königthums.

So lange die friedlichen Mittel auSreichen, zur Sclbsterhaltung des Einzelnen, wie der Nation, ist kein Grund znm gewaltsamen Wi­derstand. So lange die Staatsregierung mit den Staatsbürgern auf gleichem Gesetzesboden steht, die Gesetze achtet und ehrt, wer sich ih­nen fügt, ist durch den richterlichen Widerstand die Revolution ver­hindert und die Reform möglich. Von dem Augenblick aber an, wo ein Staatsoberhaupt die Bahn des Gesetzes verläßt, und keinem Richterspruch mehr Urtheil oder Gewalt über sich zuerkennt' von diesem Augenblick an ist der friedliche Widerstand zu Ende ist jeder Widerstand zu Ende, wenn nicht der gewaltsame beginnt die Revolution.

Dieser Gedankengang ist so einfach und so natürlich und doch haben die Konstitutionellen versucht, ihn zu verfälschen. Sic haben zwischen dem friedlichen und dem gewaltsamen Widerstand ein Mittel­ding geschaffen, ohne Fleisch und Blut, den passiven Widerstand, Dieses Ding ist Nichts, als der Deckmantel für das reine passive Verhalten der Feigheit ooer der Ohnmacht. Die Demokratie braucht ihn nicht. Sie nimmt die Dinge wie sie find, bei ihrem rechten Namen.

Wo ist in Kurhessen der passive Wiederstand gewesen? Haben wir uicht durch das friedliche Mittel richterlicher Eintscheidungen eine Zeit lang widerstanden? Dieser Widerstand war doch wohl handelnd genug. Jetzt hat die Regierung sich über das Recht gestellt, au» fierhalb'deS gesetzlichen Bodens. Wo stehen wir damit, wo werden wir stehen? Auf dem Boden der Revolution. DaS heißt, daâ Recht, daS wir nicht mit friedlichen Mitteln erhalten können, verpflichtet unS, seine Würde mit Gewalt gegen die Angriffe darauf zu vertheidigen. Folgen wir nicht dieser Pflicht, so müssen wir Al­les ruhig über unS ergehen lassen.

Also, entweder bewaffneten Widerstand oder einfaches Dulden.

Nur ein Wahnsinniger kann dazwischen noch eine andere Möglichkeit entdecken unter dem Namenpassiven Widerstand."

Wenn ihr nicht zu Handeln vermögt, wie es Männern geziemt, wenn ihr euch dem Schicksal, daS über Europa geht mit zermalmen­den Schritt in Ohnmacht beugen müßt wolan, so bekennt es offen und ehrlich wir unterliegen, wir nehmen sie hin, die Schickung,, die uns reif machen soll zum Abschütteln deS letzten Jochs und der neusten Schande, wir ertragen auch diese Prüfung mit Geduld bis die Kraft zur Revolution in den Herzen Aller gezeitigt ist. Aber beschönigt eure Mutlosigkeit, eure Ohnmacht nicht mit eurer hohlklingenden lächerlichen Phrase mit eurem Nichts mit der Lüge vom passiven Widerstand.

Deutschland.

t Gaffel, 5. Okt. Die Katastrophe war, wie wir gestern sagten, wirklich nicht mehr fern. Die große Parade war wirklich keine bloße Demonstration, sondern Hr. Haynau soll auf derselben den Offizieren 'erklärt haben, daß sie sofort ihren Degen abzugeben hätten, wenn sie ferner gesonnen seien, irgend einem seiner Befehle keine Folge zu leisten und statt dessen mit den Blousen die Konstitutiv- nellen haben also nunmehr ebenfalls die Ehre! gemeinschaftliche Sache zu machen. Was die HH. Offiziere geantwortet haben, steht dahin. Vermuthlich haben die meisten den Degen aus dem einfachen Grunde nicht abgegeben, weil sie die Anforderung deS Hrn. Ober­befehlshabers für eine etwas banale hielten. Einige jüngere Herren haben ihn indessen aus purer Liebe zur Sache, deren Herrlichkeit die Parade noch viel glänzender entfaltete, an der Seite behalten.

Um 3 Uhr Nachmittags explodirte die vollgeladene Brust der Standrechtsherren. Zunächst wendete sich der Zorn der Gewaltigen gegen die Pressen. In der Expedition der Hornisse erschien Hr. Lieute- nänt Bauer mit 12 Mann Artillerie, welchen letzteren man aber ei- niges Widerstreben ansah, um den Eigenthümern der Zeitung zu ver­künden, dnß es im Rathe der Gewaltigen beschlossen sei, die vorhan- denen Nummern der Hornisse zu konfisziren, ihre fernere Ausgabe zu verhindern und die Pressen zu versiegeln. Vor der Eröffnung ließ Hr. Bauer das Lokal mit der Weisung besetzen, daß Niemand herauS- gelassen werden solle. Durch dieses Manöver wollte man vermuthlich die leidige amtliche Erstürmung deS Lokals, die Intervention der Poli­zei oder einer Gerichtöperson verhindern.

Hr. Bauer faßte tüchtig zu, gab Verschiedenen seiner Unterge­benen einen Bündel in die Hand, und zog dann ab, ohne von den geladenen Pistolen der Mannschaft Gebrauch gemacht zu haben.

Der ßug ging sodann in die Druckerei unseres Blattes, um hier die Pressen zi? besetzen. (Noch jetzt, Sonnabend Morgen, halten 4 Mann und 1 Unteroffizier Wache.)

Aehnliche Scenen, wie hier, gab in der Druckerei derNeu- Hessischen" und deSVolköboten", wo die Husaren und an ihrer Spitze Hr. Lieutenant Cornberg, auS der Gardeducorps-Nacht zur Genüge bekannt, fungirten.

Hr. Oetker, der Nedakteur der Neuhessischen " und Mitglied Ler Ständekammer, wurde verhaftet, weil derselbe gegen den Gewaltsakt Protest einzulegen versuchte. Die erste Verhaftung, ein Attentat auf die persönliche Freiheit deö Menschen, auf die yer- ligkeit der Gerichte, auf die Verfassung. Hr. Oetker wur e Weiteres auf die Hauptwache und von da mit gehöriger c Kastell geschleppt. , Oetker

Die jungen Herrchen waren nun einmal im Buge- - sollte die Brücke von den Angriffen gegen die Pressez ö B-rhafla-g,» Hst.«. $r. 8i«lmm B«rf*^^ B «f- °pf-rmg«fqiM B-gmftigmg d-S A»d-- »-sch -. ^,»«--«-»»-, Der erste, den sich der zugendliche Husaren p-nselben

war Hr. Henkel. Mit der Verhaftung Henkels wollte man denselven