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fangenen Juristen einer nähern Prüfung unterwerfen, so werden Sie sich gewiß überzeugen, daß Ihr Amt ein durchaus gesetz- und verfassungswidriges ist, daß Sie blos zum Werkzeug dienen sollen, die verbrieften und beschworenen Rechte des Landes mit Füßen zu treten, dem willkürlichsten Despotismus freie Bahn zu brechen. Sie würden nicht das Amt der Gerechtigkeit üben, das Schwerd der verfassungsmäßigen Obrigkeit führen, sondern unter dem Namen Gerechtigkeit Nechtsbruch und Justizmord begehen, Helfershelfer des alle rechtlichen Schranken über den Haufen werfenden, sich lediglich auf den Boden der Gewalt stellenden Despotismus sein. Sie erlangen durch jene gesetz- und verfassungswidrigen Ordonnanzen, aus denen Sie Ihr Amt und Ihre Befugnisse ableiten, nicht mehr rechtliche Gewalt, als jeder Straßenräuber sich über die Vorüberziehenden, ein Räu- berhauptmann sich über seine Leute beizulegen vermag. .
Das kann unmöglich ein Gott wohlgefälliges Amt sein, denn Gott will nicht den Despotismus, sondern will, daß auch die Obrigkeit Gesetz und Recht respektiren, an eine Verfassung gebunden sein soll. Ganz deutlich, Herr General, können Sie dieses lesen im oten Buch Mose, Kapitel 17, Vers 14 bis 20, wo Gott durch Moses dem Volk Israel sagen läßt, wie es gehalten werden solle, wenn sie sich dereinst einen König wählen würden. Da heißt es von diesem Könige unter andern:
„Und wenn er nun sitzen wird auf dem Stuhl seines Königreichs, so soll er dies Gesetz von den Priestern, den Leviten, nehmen und in ein Buch schreiben lassen. Das joll bei ihm sein und soll darinnen leien sein Leben lang, auf daß er lerne fürchten den Herrn seinen Gott, daß er halte alle Worte dieses Gesetzes und diese Rechte, daß er dar
nach thue. Er soll sein Herz nicht erheben über seine Brüder und soll nicht weichen von dem Gebot, weder zur Rechten, noch zur- Linken."
Lassen Sie sich daher, Herr General, durch Herrn Hassenpflugs Ränke und Schwänke, welche nur darauf hiuauslaufen, die Verfassung abzu- schütteln, das hochfahrende Haupt des Despotismus wieder fesselfrei und zügellos zu machen, während er gleisnerisch und heuchlerisch vorgiebt, alle jene Versassungsbrüche geschähen einzig und allein aus Liebe zur Verfassung und zum Zweck deren Aufrechthaltung, nicht verleiten, ein Feind Ihres Vaterlandes, ein Zerstörer dessen rechtlicher Ordnung zu werden und damit auch gegen Gott zu sündigen. Sie sind ein Greis und werden bald vor Gyttes Thron stehen. Dort werden Sie nicht mit Hassenpflug'schen Sophismen und Blendwerken, sondern nur mit einem reinen Gewissen durchkommen.
Werfen Sie daher ein Amt ab, welches gegen göttliche und menschliche Rechte angeht, und wenn Sie Ihrem Fürsten wahrhaft dienen wollen, so sagen Sie ihm dabei:
„Wirf die Schlange von dir, die dich zum Treubruch gegen dein Volk und gegen ganz Deutschland verleitet hat, kehre zurück zu deinem Volk und zu Deutschland, und suche dein Glück in treuer Erfüllung deiner Regentenpflichten durch ein verfassungsmäßiges, dem gemeinen Besten entsprechendes Regiment, aber nicht in der Befriedignng der Habsucht, des Ehrgeizes, der Herrschsucht und anderer Leidenschaften, wozu dich die Schlange reizt."
Cassel im Oktober 1850.
Henkel, Obergerichtsanwalt.
Druck von H. Ho top in Casscl.