Einzelbild herunterladen
 

Dritter Jahrgang.

Petition (obere '»mengoffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu dezieh«^ Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 HUd

Erscheint täglich, Montag« ausgenom­men. Vierteljährlicher Lbonnemrntspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

ÖorNis s e.

^- 232.

Kassel, Freitag den 4. Oktober

1S5O»

An Herrn Generallientenant von Haynau,

Exzellenz.

Exzellenz !

Im Vertrauen auf den BeistandIhres allmächtigen" Gottes, wie Sie sagen, haben Sie Ihr frommes Stillleben verlassen, um als 71jährigergrauer Greis", wie Sie sagen, das Ihnen vertrauteAmt der Gerechtigkeit" zu verwalten und Schwert der Obrigkeit" mit Entschiedenheit zu führen.

an« das So

der

sagen Sie.

Wer ist denn dieser Ihr allmächtiger Gott? Ist daS etwa Gott der Familie Haynau, der Gott deS Standrechts und Mordâ, der Städtezerstörung und der Judenvertilgung und des Weiberauâ- peitschens? Dies« Gott, mein Herr, zählt sehr wenig Anhänger in Kurheffen, und wir zweifeln daran, daß er Ihnen zu Gefallen Pech und Schwefel auf Ihre zahlreichen Feinde regnen lassen wird.

Sie sagen, daß man Ihnen das Amt der Gerechtigkeit anvertraut habe. Sie werden wohl wissen, daß man ein solches Amt bis jetzt wohl, organisirten gesetzlichen Richterbehörden, und nicht alten bibelreitenden Kriegskameraden anzuvertrauen pflegte. Man-, wird Ihnen also Etwas aufgebunden haben. Sie haben sich zufällig das Amt der Ung er ech- tiqkeit aufbürden lassen, da Sie weder den Beruf noch die Kennt­nisse haben, das Amt der Gerechtigkeit auSüben zu können. Sie waren freilich bereits über 59 Jahre alt, als man die Konstitution in Kurhessen beschwor. ES ist Ihnen nicht zuzumuthen, daß Sie noch aründliche Studien darüber hätte» machen sollen.

Sie sagen, daß Sie daS Schwert der Obrigkeit mit Entschieden- Heit führen wollten. Eine gute Obrigkeit braucht kein Schwert gegen ihre Unterthanen, außer daS Henkerschwert gegen einzelne Uebelthäter so lange die Todesstrafe nicht abgeschafft ist. Sie werden also wohl daâ Henkerschwert mit diesem Schwert meinen, und mit dieser Obrig­keit die Wilhelmâbader Landeâverräther- Gesellschaft.

Deshalb haben Sie ganz recht, wenn Sie fühlen, daß Ihr über- nommeneö Amt in den Augen der Verführten und Verführer, das heißt in den Augen dieses ganzen Landes und in den Augen der aanren Welt ein schmachvolles »st. Doppelt schmachvoll für N ein^n 71jährige»! Greis, der wohl gethan sich vorzubere.ten, au daß er seingraues Greisenhaupt" mit Ehren in btt Grube gebracht ^"»-- ^ ^Vto Ruh« 3»«« H°m B-â-, d» H»-»-

Alter 2-cann. Qbrem alten Schwerte sowohl für s£ Ä » f * wffc R" r-»-»-» Mmme Streiche au-suhre« werden ^ ^ ^ ^ keine jüngere Kraft

Konnten S»e ^h __ wußte es denn klar werden, daß empfehlen «" Sie selbst sind. I aIttn Wurmstichen Stützen bte absolutistische ^Altersschwäche zusammenbrechen können? Mw^Ä Ayrern Landesherrn und der Monarchie überhaupt ersparen ^""^' - , ^ selbst leisten Aber auch Nrer ^ "ist Ihr Verwandter S.e da e.ntn üblen Dienst. ^^^te denn klar werden, daß Das hatten S,e bedenken soll . Anhänger hat, daß er nur noch Ihr regierender Verwandter so ^ ^ ^ mmag. Genügte eS nicht, durch die Verwandtschaft etwas au z V getwa#Mw Sr. daß das gesammt« StaatSm,»,ster»un Laut Brabant, selbst König!. Hoheit besteht, muß denn daS ganze Haus ^raoa , i

w^»«âfisaHEsaäaEsaMsaasaB in seinen abgestorbenen Nebenzweigen, zugreifen, um die gefährdete Krone zu retten?

Wohlan! fromme Exzellenz ! Benutze» Sie die paar Tage, die Ihnen Ihr Gott noch lassen wird und versuchen Sie daâ Hauâ Brabant mit Blut auf seinen verlassene» Thron wieder festzukitte». Versuchen Sie, einer Monarchie mit der Entschiedenheit Ihres Schwertes zu Hülfe zu kommen und in beschränktem Maßstab dem Ruhm Ihres großen Bru­ders nachzueifern.

Alter Mann! Sie werden verhältnißmäßig in aller Eile noch weit genug bringe» können. Sie können sich den Namen verdienen können: Henker von Kurhessen, oder Hyäne von Kassel. ES ist nicht Viel, aber ist doch Etwaâ! Sie können es dahin bringen, daß man vor Ihnen zittert, wo sie gebieten, und Sie maffacrirt, wo Sie keine Gewalt haben. Das wissen Sie! ES schmeichelt Ihrer 71jährigen Eitelkeit, die sich hoch und theuer vermißt, die Völker lehren und bekehren zu wolle».

Aber daS wissen Sie nicht, daß Sie Ihrem Landesherrn de» Stuhl vor die Thür setzen helfen, daß Sie Ihrem Hause Brabant die altererbte Krone zertrümmern nnd IhrVaterland" au seine lau­ernden Nachbarn verrathen helfen.

Armer schwacher Greis! Fahre dahin in Deinem Aberwitz! Der Herr, Dein Gott, hat Dich hart geprüft, und Du hast nicht be­standen vor seinem Angesicht. Fahre dahin, ein ohnmächtiges Werk­zeug der Thorheit und deâ WahosiuuS^ Opfere so viel blutige Opfer, wie Du willst, ergrauter Verblendeter, an Deinem Grabe wird die Jugend dieses Landes stehn vielleicht unter Fluch und Ver­wünschung aber gewiß nicht ohne ein mitleidiges Lachen.

S ch l e S w i g - H o l st i e n.

6 Hamburg, 1. Okt., Abends 9 Uhr. Auch mit dem heutigen Bahnzug ist keine Nachricht von Schleswig-Holstein einge- troffea. Ein schleSwig-holsteinscher Parlame»tair, der nach Fried­richstadt geschickt worden, um die däuische Besatzung zur Uebergabe aufzufordern, hat eine ablehnende Antwort erhalten und soll deßhalb der Angriff erneuert werden. Latour du Pin soll daselbst komman- dir«». Ein Reisender, der mit dem Abendzug von Rendsburg ge­kommen, theilt mit, daß daS Bombardement heute von 7 bis 11 Uhr lebhaft stattgefunden habe und daß die Sache gut zu stehen scheine. Nach einer Pause von 2 Stunden, um 1 Uhr Mittags, ist wieder Geschützdonner gehört. ,

Der dänische Postmeister von Tönningex soll mit der Kasse vo» 12,000 Thlr. nach Rendsburg geschickt und auch daselbst angekommen sei». Wie eS heißt, haben die SchleSwig-Holsteiner Tönningeu wieder freiwillig geräumt. 77 Gefangene sind nach Glückstadt ge­bracht.

» Altona, 2. Okt. Tönningen ist abermals von unsern Truppen und zwar durch 4 Kompagnien accupirt. DaS Bombardement Friedrichstadts dauert fort.

O Berlin, 1- Okt. Wenn mau nichts Gutes hat, muß man sich mit Schlechtem begnügen; wenn eS kein neues politisches Faktum gibt, so haben wir wenigstens Versammlunge« nicht po­litischen Charakters, über die Sie mir ein Wort erhuben wollen. Alle Tage gibt eS keine Ernennung zum Minister deS heißeren, - gleich die Ernennungen seiner Kreaturen bald nachfolgen wer , aj^ ewig oben auf bleibt unser vielgestaltiger, immer mieber f 9 mei»derathâ eröffnet. Mit feierlichem Zweckeffcu h^ . g verordneten von den guten Berlinern Abschied ge«o ^verordnete» die sie zuletzt noch durch die Ausschließung der 24 Stadtâdneee» g,d-â!t, ist dm» ,i» düft--, s»w<,g-»d° S».-- Miwa«/