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* Kassel, 3. Okt. — Hr. Haffenpflug treibt sein altes, be­kanntes Spiel: er umgibt sich mit gesinnungstüchtigen Leuten seines Schlags. Nächstens werden sich hier die HH. Amtmann Wachs und Polizeirath Müller in die Stelle des Bezirksdirektors und des ersten DerwaltungSbeamten theilen. Im Militär wird ebenfalls preß braus- los versetzt, so daß eins feststeht: Wenn Hr. Haffenpflug demnächst abzieht, so ist man freilich den Ist Hassenpflug los, die s-f-f Has­senpflüge sind aber geblieben.

/X Kassel, 3. Okt. — Der mächtigste Helfershelfer unseres Obergenerals ist Hr. Major Zink, dessen schnelle Carriere mit den vielen Orden zusammenhängt, die er bei wichtigen Missionen an fremde Höfe, Kindtaufen halber rc., sauer verdient haben soll. Lassen wir ihn nun auch bei der Grablegung unseres guten Rechts nicht ohne Sendung bleiben.

* Kassel, 3. Okt. — Es ist spassig. Fordert der Hr. v. Hay- »au alle Bürgergardenoffiziere auf, heute Morgen im Belevueschloß zu erscheinen, um die nöthigen Ermahnungen re. in Empfang zu neh- men. Sehr spassig. Klingt fast, als ob wir türkisch geworden wären und unter einem Pascha ständen. Es verstebt sich, daß eS keinem Offizier einfällt, dem gnädigen Gelüst zu Willen zu sein. Entwaff- nung, Entwaffnung, Hr. v. Haynau. Zieren Sie sich nicht!

Hr. Seidler besorgt fortwährend die Geschäfte des Kommandeurs unserer Bürgergarde. Hr. Eggena hat sofort für die Haynau'schen Geschäfte gedankt.

△ Kassel, 3. Okt. — Wir hören, daß die betreffenden Be­hörden endlich einmal daran denken, die Herren, welche sich hier um- hertreiben, um am hellen Tage die Verfassung zu vernichten, verhaf­ten zu lassen. Voran wird daS Schicksal den Hrn. v. Haynau zu erreichen haben.

Frankfurt, 2. Okt. — DaS Frankfurter Journal versichert, daß die in Frankfurt bisher garnisonirenden preußischen Husaren inS Lager nach Paderborn abgezogen seien. Ihre Stelle würden preußische Uhlauen einnkhmeu.

Oesterreich.

* * Wien, 29. Sept. — Wie überall ist Kurhessen auch hier das Tagesgespräch. ES wird hier als ganz bestimmt angenommen, daß der kurhessische Verfassungsbruch nicht etwa auf der Laune deS Hrn. Haffenpflug, sondern auf dem Kommando der Contrerevolution beruht. Man sieht in der Ferne die Dinge genauer als in der Nähe. Und sollte eS auch wirklich möglich sein, daß ein Haffenpflug aus ei­gene Faust die deutsche und europäische Politik machte? Wäre eS denkbar, daß der Mann ohne Auftrag Union und Bund aneinander- hetzte und die Contrerevolution zur Katastrophe trieb? Nimmermehr! Hr. Haffenpflug thut, waS ihm befohlen ist. Er thut eS nicht im Auftrage Preußens oder Oesterreichs, sondern im Auftrage der Politik, welche über Preußen und Oesterreich steht, der Politik Nesselrode'S. In der Kürze wird man klar in dieser Sache sehn. Dafür birgt die Reise unseres Kaisers nach Vorarlberg, die so eben bekannt wird. Der Kaiser wird dort mit den Königen von Baiern und Würtemberg Zusammentreffen und so, in der Nähe und im Rücken der herrlichen Armeen, das Schicksal, die Theilung Deutschlands, zum Abschluß brin­gen. Das Schach, welches unser Kaiser, seine Könige im Arm, dem Könige von Preußen, seine Zaunkönige an der Brust, bieten wird, ist ein längst virabredeteS, und heißt: Schach der deutschen Freiheit, Schach der deutschen Nation, Schach der französischen Republik. Geben Sie Acht! Und vergessen Sie nicht, daß Kurhessen nolens volens den Grund zu diesem Schach abgeben mußte. O, câ sind kluge Her- ren, diese Radowitze, und — — Schmach über uns, daß wir nicht eben so klug waren.

* * Wien, 29. Sept. — Man spricht von bedeutenden Kriegs- rüstungen, von 30,000 Pferden, welche angekaust werden sollen, von — — Gott weiß, genug! von fürchterlichen Anstalten zu einem fürch­terlichen Kampfe gegen Preußen. Spiegelfechtereien, Thorheiten! DaS drohende Schwert wird den deutschen Unterthanen freilich daS Maul verbieten, wenn dasselbe endlich einmal über den heillosen Ver- rath seiner Fürsten aufschreit, es wird den guten Seelen Angst in die Beine und Zittern ins Herz jagen, — weiter aber nichtâ. Alles Demonstration gegen daâ Volk, keine gegen die Herren Vettern. — — Ueber den großartigen Tanz, den unsere Väter nächstens aufspielen werden, vergißt man alles andere, selbst die menschenfreundliche An- Ordnung Seiner Majestät, wonach den ungarischen Juden die berüch­tigte Strafkontribution erlassen worden ist. Begnadigung zu Pulver und Blei!

Schweiz.

— s — Aus der Schweiz, 24. Sept. — Wollte man mit

Aufmerksamkeit allen BundeSverhandlungen der Neuzeit folgen, so würde man theils sich in Kleinigkeiten verlieren müssen, theils aber auch staunen, wie schnell die Schweiz ihrem Untergange entgegengebt, natürlich nur in einer bildlichen Bedeutung genommen. An daS Wort Schweiz haben sich seit Jahrhunderten die Ideen der Freiheit und Unabhängigkeit ge­knüpft, und das Volk hat mit blinder Zuversicht daran geglaubt, seine Vertreter würden dieses Renommee zu erhalten suchen, eS glaubte so fest daran, daß eS sich willig einschränken ließ und sorgenlos in den Tag hineinlebte. Gegen daS Ausland steht die Sweiz materiell sehr gut, die Steuern sind nicht groß, der Aufwand für Militär- und sonstige Beamten ist sehr gering, daS Volk ist auch in seinen Rechten nicht gar sehr beschränkt, eS sind zumeist Beschränkungen, welche mehr auf den Geist, als auf den Körper berechnet sind und der Mäterialist ist daher glücklich. WaS liegt ihm daran, wenn man ihn für beschränkt an Geist hält, waâ liegt ihm an der Ehre der Nat on? Tretet ihn, schlagt ihn, nur laßt ihm den Geldsack. Nach dem unglücklichen AuS- gang der süddeutschen Revolution nahmen einige Schreihälse daS Maul voll, sie wollten schon mit den Preußen fertig werden, kurze Zeit darauf, als wirklich von einer Invasion die Rede war, hieß eS schon, wie viel Stunden weit die Grenzen freigegeben werden sollten, und als man Konzessionen machte, griffen sie schnell zu und gewährten Alles, ja sie thaten noch mehr, sie schändeten ihr seit Jahrhunderten heiliges Asylrccht. Die Frage mit Neuenburg wird daher, sollten die Forderungen Preußens energisch durchgesetzt werden, bald entschieden sein. Nicht daS Volk hatte es Preußen entrissen, sondern der Zwist der Großmächte, welche stets mit Mißgunst auf diesen Lustbesitz Fried­rich Wilhelms schauten. Neuenburg hat für Preußen keine strategische Wichtigkeit, da eö ohne alle Verbindung mit dem übrigen Preußen, ja sogar Preußisch - Baden steht. Allein die Besetzung durch Preußen macht die Schweiz um einen Kanton, um einen Asylheerd ärmer und die „Propaganda" verliert Terrain. In die Mitte der Asy'gebenden Schweiz ist alsdann plötzlich ein Polizeibüreau deâ Despotismus ge­setzt, wodurch man von Allem unterrichtet ist. Neu^chatel ist um so mehr ein Lauerposten, da eS sehr stark preußisch gesinnt ist und sehr „gutgesinnte" Nachbarn hat. Ist nun gar Louis Napoleon mit Fried- rich Wilhelm einig, so können sie sich über den Jura die Hand rki- chen. England hat dabei gar keinen Schaden und Preußen ist nicht reicher. — Sie werden wohl von der Nachricht der „N. Z. Ztg." er­staunt sein über die Umtriebe der Flüchtlinge in Genf. Diese greift nun in einer ihrer neuesten Nummern auch Joh. Ph. Becker alâ Haupt der furchtbaren Verschwörung an, von welcher Niemand in Genf etwaS weiß. —

Daß sehr oft hungrige Leute umhergehen müssen, weil ihnen daâ Nothwendigste zum Leben fehlt, weil Deutschland so sehr für Schleswig- Holstein sammelt, daß für die armen Flüchtlinge nichts oder sehr wenig zu Stande kommt, das ist sehr wahr. Da trägt eâ sich nun hie und da zu, daß mehrere hungrig und durstig von einem oder mehreren Besitzenden cingeladen weiden und sie so mit einander trinken und essen, wo denn auch Hoffnungen auf eine bessere Zukunft ausgesprochen werden. Von Plänen, um in Deutschland einzufallen, kann höchstens in verrückten Köpfen etwas spucken. — Die eidgenössische Kommission, welche über eine neue Militär-Strafgesetzgebung zu berathen h^t, ist nun fertig. Man hat für Schwurgerichte sich bestimmt, für jede Bri­gade eines; die Verhandlungen sind öffentlich Es ist hier den neueren Ideen Rechnung getragen Eö sind im Ganzen 36 Geschworene, von denen jede Partei 12 streichen kann, die übrigen 12 entscheiden; der Aelteste ist Vorsitzer. Wir sind begierig, wann diese Besserung deâ Mllitär-GerichtSunsugö auch in anderen Staaten vor sich geht, wann man dem Soldaten einen Rechtsschutz gegen die Willkür verleiht.

Frankreich.

* B g. Paris, 29. Sept. — Der Moniteur zeigt heute auf Veranlassung des Ministers deâ Auswärtigen an, daß Hr. Persigny mit keiner amtlichen Sendung nach England beauftragt sei, und daß er sich dahin in eigenen Privatgeschäften begeben habe.

Der Beschluß des Ministeriums, die Umtriebe der Legitimisten nicht länger dulden zu wollen, wird durch folgende Anzeige des „Mo­niteur " bestätigt: „Der Prokurator der Republik hat das Journa „Corsaire" wegen eineâ Artikels „ Die Epoche der Cäsaren" betitelt, der Beleidigung gegen den Präsidenten der Republik enthält, auf der Post und in den Bureaux mit Beschlag belegt. Gegen den Hrn. Courtois, Unterzeichner des Artikels, und gegen Hrn. Laurent, den Geranten deâ Journals, ist ein kriminelles Verfahren eingeleilet worden.

DaS „Evenement" behauptet, genau unterrichtet zu fein, wenn eâ versichert, daß in Folge einer ernstlichen Berathung mit ernsten Männern gepflogen, daS Elysèe feine ganze Ambition auf eine zehn­jährige Präsidentschaft beschränkt habe. Die Absicht der Armeebewi