Dritter Jahrgang.
petitton (obere iSnkenzrflt y<r, 132) zu 6 Hlr Durch alle Postämter zu beziehe». Inserate die dreispaltige Petitzeite 8 Hlr.
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^ 231.
Kassel, Donnerstag den 3. Oktober
IMO-
Die neueste Verordnung betreffend die gehörige Handhabung des Kriegszustands.
2.
Es ist nur ein Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen. Erhaben ist eö, wenn Orestes , der Muttermünder, über die Bühne schreitet im grimmen Weh, verfolgt von den unversöhnbaren Furien. Lächerlich, wenn Oiestes dabei über einen Schemel stolpert und eine der Furien die Perücke verliert. Ergreifend ist eS, wenn der Vogt Geßler den Wilhelm Tell zum Apfelschuß verurtheilt, lächerlich, wenn ihm dabei plötzlich ein Schlucken ankommt, oder ihn der Krampf in der linken Wake zwickt.
Erhaben ist der Sturm deS Meeres oder ein Gewitter, spassig seine Nachahmung im Mariomttentheater mit Pappe und Kalophonium. Furchtbar war der Belagerungszustand Wiens, furchtbar ist, wenn ein Radetzky über ein ganzes Königreich daS Standrecht verhängt, oder wenn ein österreichischer Haynau ein anderes zu einer großen Nichlstätte macht. Aber lächerlich ist, wenn in Klein-Liliput sechs Manu und ein Unteroffizier den Belagerungszustand einiger kleinen Stätte erklären, in denen Niemand den Finger hebt oder zu heben gedenkt, lächerlich, wenn der Feldmarschall von Katzensingen mit der Nachtmütze auf dem Kopf, dem Schwert der Obrigkeit unter dem rechten und mit der Bibel unter dem linken Arm, und mit dem ellenlangen Zopf im Nacken, mit ungeheurer Entschiedenheit durch die Straßen dümpelt und der kleinen verwunderten Residenzstadt droht, daß kein Stein auf dem andern bleiben soll.
Erhaben ist eS, wenn vor wüthender, ungeheurer Volksmenge Galgen und Rad errichtet und daS Standrecht proklamirt und creku- tirt wiid. Lächerlich, wenn in Kleinscheerau ein Unteroffizier vor jubelnden Kindern und neugierigen Dienstmädchen die ellenlangen Pro- klamationen Serenissimi ablesen muß unter dem Trommelwirbel von vier ganzen Trommeln. Erhaben schließlich ist es, wenn bei dem Namen Napoleon ein Heer von einer halben Million seine Fahnen senkt und seine Kanonen brüllen läßt, furchtbar lächerlich aber, wenn man drei Mann daS Gewehr präsenteren sieht, so oft der Namen Sr. Durchlaucht von Katzensingen von einem vorlesenden Gefreiten aller. Unterthan gst in den Mund genommen wird.
Kurz, vom Erhabenen bis zum Lächerlichen ist der Schritt eben so kurz, wir der Schritt vom Ehrwürdigen zum Kindischen.
Aber lassen wir Klcinliliput und Kleinscheerau und des alten Bibelmarschalls von Katzensingen kriegerisches Stillleben und kommen wir endlich auf die eigentliche Wirklichkeit, auf unser Kurhessen
Respekt meine Herren' Hier gewinnt die Dache eine andere Gestalt. - Daß vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt jß hat der unübertreffliche Hassenpflug weislich und glücklich ver- mieden. Darum wählt er die goldne Milielstraße, die beides ver- meidet und beides versöhnt und die nach dem Namen seines ersten Erfinders heißen wird bis in alle ewigen Zeiten, die Kunst Hassenpflug S.
Zn diese Kunst gehören folgende Kunststucke. Ein angiklagter Fälscher wird Minister. Er erklärt sich für die Verfassung, indem er sie unterwühlt, er zerbricht sie, indem er sie vor fremden Angriffen schütz'. Er erklärt sich auâ Irrthum für Preußen und gegen Oesterreich, und nachher auS Irrthum für Oesterreich und gegen Preußen, wodurch er sich für und gegen beide erklärt hat. Er regiert ohne Geld. Er verhängt den Kriegszustand ohne Krieg und läßt seinen Fürsten eine Reise machen, die den armen Unterthanen als Flucht aa- gerechnet werden, aber keine eigentliche Flucht sein soll. Er gibt Broschüren in Gestalt von Verordnungen heraus und «rläßt hundert Gesetze, blos um hundert andere zur Ausführung zu bringen. Er untersagt den Gerichten jede Cognition seiner Handlungen, er läßt
kein Urtheil mehr zu über seinen Unsinn — und findet doch nur einen ergraueten 71 jährigen Greiâ, dem daS friedliche Stillleben, daS trotz allen Ukasen herrscht, zu langweilig wird und der daS Schwert zur Hand nimmt, um diesem verdammten Stillleben aller Orten ein Ende zu machen.
DaS AlleZ ist weder furchtbar noch lächerlich! — Es ist nur kläglich, scheußlich und widerlich, weil eS zum Furchtbaren zu albern und zum Lächerlichen zu verworfen ist. — Das Alles ist nicht türkisch und nicht russisch, aber auch nicht hessenhomburgisch.
DaS Alles ist kurhessisch.
Schleswig-Holstein.
Hamburg, 30. Sept., Abends 8 Uhr. — Der heutige Abendzug hat noch keine Resultate gebracht. — In den von den Schleswig-Holsteinern genommenen beiden Schanzen haben sie 14 vernagelte Kanonen vorgefunden. — Friedrichstadt ist mit seiner Besatzung cernirt. — Die Einnahme Tönningen'S Seitens der SchleSwig-Hol» steiner bestätigt sich. Die dänische Besatzung, circa 150 Mann , ist theils gefangen genommen, theils niedergemacht. — Zwei gefangene dänische Offiziere sind mit dem Abendzug nach Glückstadt tranöportirt und circa 85 Gefangeue nach Rendsburg gebracht.
* Hamburg, 1. Okt. — Tönningen soll von den Dänen wieder besetzt sein.
Deutschland.
* Kassel, 2. Oktbr. — Dje „A. A. Ztg." spricht sich über Kurhesscn dahin aus, daß hier von Seiten der Regierung eine Grenze erreicht sei, über die nicht hinanögegangen werden könne, ohne eine Revolution unvermeidlich zu machen Generationen der Hessen kaffel- schen Fürsten hätten kein Talent und kein Bedürfniß gefühlt, die Liebe ihres Volkes zu erwerben, Generationen von launenhaften Fürsten hätten dazu gehört, die Anhänglichkeit der Hessen zu entwurzeln. Dieselbe sei dahin. Und Hr. Hassenpflug trage keinen geringen Theil der Schuld. — Wir acceptiren diese offene Kriegserklärung gegen den Kurfürsten , erblicken aber darin den sichersten Beweis, daß Preußen und Oesterreich vollkommen einig sind und daß wir in der Kürze mehr erleben werden, als die Union und den engeren Rath.
* * Kassel, 3. Okt. — Die schriftstellerischen Arbeiten deâ Kurfürsten und seiner Kommis häufen sich in erschreckender Weise. Wir müssen uné also darauf beschränken, sie auszugsweise mitzutheilen.
1) Opus Seiner Königlichen Hoheit. Hochdieselben thun Ihre Willcnkmeinung dahin kund, daß zur Aburtheilung der nicht zum Militär gehörigen Personen ein ständiges Kriegsg richt bestehen soll, und zwar in der Weise gebildet, wie eö über einen gemeinen Soldaten urtheilt: je drei Gemeine, Gefreite, Korporäle, Sergeanten, Second» und Premierlieutenantö, Kapitäne und ein Stabsoffizier.
Wir begrüßen diese Gleichstellung der Appellationâräthe mit den gemeinen Soldaten als einen höchst erfreulichen demokratischen Fortschritt. Vermuthlich werden auch die Appellations- räthe geprügelt werden, wie gemeine Soldaten. Kopf ist Kopf und — — — Rücken ist Rücken.
2) Opus deS Herrn Oberbefehlshabers , Generallieutenants von Haynau, Bruders der Hyäne. Allerhöchstdieselben setzen und verordnen, daß der Kommandeur der Kasseler Bürgergarde, Herr Seidler, wegen Widersetzlichkeit seiner Stelle verlustig, und Hr. Eggena in Besitz bei selben gebracht sei.
DaS Machwerk wird keinen anderen Effekt haben, als nach dem Protest deS Offizierkorps unserer Bürgergarde ihre Entwaffnung. Nach der Entwaffnung geht'ü dann an die Enthauptung. Over sollte die Bürgergarde aktiven Widerstand lrißen ? Wie?