Dritter Jahrgang.
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9h 230.
Kassel. Mittwoch den 2. Oktober
1850.
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Die neueste Verordnung betreffend die gehörige Handhabung des Kriegszustands.
1.
Erstaunen? — Woher das Erstaunen? — Seit anderthalb Jahren waren wir auf diese Schritte vorbereitet und haben unsere Leser darauf vorbereitet. Seit dem Februar 1850 war diese Verordnung so gut wie gegeben. Daß sich Personen finden würden, welche zu solchen Attentaten ihre Hand reichen, darüber haben wir nie den nun« besten Zweifel gehegt. — Die Demokratie, die weiß, wozu die Reaktion fähig ist, die Demokratie hat schon längst alle Schrecken deS Absolutismus im inneistcn Herzen empfunden und überwunden. AIS der König von Preußen sich die schwarz-roth goldnr Binde von der Brust riß , als die Kailerdeputation GagernS in Berlin mit höflichem Hohngelächter zmückgeschickt wurde, als die Nationalversammlungen in Berlin und in Stuttgart mit dem blanken Schwerte auseinander getrieben waren, — da hat die Demokratie mit lautem Kriegsgeschrei zu den Waffen gerufen! Umsonst. — Baden sank in sein Blut, Wien in ein Flammenmeer, Ungarn in Trümmer. — Die Demokratie drückte sich das doppelschneidige Schwert des Gramö und der Wuth in daS zuckende Herz. Aber, ein heiliger Held, überstand sie die dualen! Sie riß es heraus, daâ Schwert der Schmerzen, daS Schwert, daS von dem Blut ihrer Märtyrer überströmt war. Unter den dunklen Cypressen, unter den Leichensteinen der Gräber liegt eâ vergraben— unsinkbar für die blutbesudelten Hände der Mörder, — liegt cS auf- bewahrt als furchtbares Richtschwert bis zu dem heiligen Morgen der jungen Zeit. — Und mit frohem Muth unter Noth, Tod und Gefahren wartet sie der Verfolgungen und trägt sie ohne Zagen und Murren. So sanken unter Jubelhymncn, unter hellem Siegesgesang die ersten Christen unter dem Schwerte der Tyrannen von Rom, unter den Foltern einer aberwitzigen, wüthenden Priesterzunft, — so starben sie den Heldentod unter dem Richtbeil und auf dem lodernden Scheiterhauf. n. Und ein jeder Mord eines heiligen Bekenners wurde zum Sieg bcö Evangeliums, wurde eine Feuertaufe für Tausende, für Millionen.
Die Demokratie weiß, daß der Absolutismus nicht bloß die offene Revolution zerbrechen muß, sondern daß jede Blüthe und jede Frucht der Freiheit von seinem pestilenzialischen Hauch verdorrt zu Boden sinkt. Wo er ist, muß es wüste und leer sein Nur auf Gräbern, auf Schutt und Leichen weht seine schwarze Todten- Fahne. Kein Lüftchen darf sich heben, wo er gebietet. Der Tod ist seine Ruhe, die Vernichtung ist seine Ordnung. — Die De- mokratie ist längst vorbereitet auch den letzten Rest der alten versaft sungsmäßigen Freiheit von seiner ehernen Faust zertrümmert zu sehen. — Darum heran! Heran, rothe Monarchie! Heran auf deine un- versöhnbaren ewigen Feinde!
Aber lausche! lausche! — Leise hebt sich daS flüsternde Lüftchen, das über die Gräber streicht! Verbiete ihm zu flüstern, wenn ku'S vermagst. — Lausche! Lausche! — An dem Gestade seufzt leise die Woge deS ewigen MeercS. Verbiete diese Seufzer, wenn du's ver- magst. Sich! Am nächtlichen Himmel steigt eine handgroße blutrothe Wolke. Halte sie auf in ihrem eiligen Laufe, wenn du die Macht hast. — Horch! es donnert leise in weiter Ferne! — Ha, ist dir nicht die Welt unterthänig? List du nt ht der Vergewaltiger der Erde ? — Und doch weht die Lust immer schärfer, immer wilder, und doch bran- det die Woge immer lauter, und immer großer steigt die Wetterwolke empor über deinem Haupte und immer zürnender rollt der dumpfe Donner? - Lei dem allmächtigen Gott der Wahrheit und Freiheit, der losgelaffene Sturm braust heran und aus dem Himmel steigen herab die Rächer deiner Lästerungen. Deine Speere zerbrechen wie Binsen in deinen Händen und deine Schilder fallen zu Loden dein letzter Tag ist da — dein letzter Tag ,
DaS Strafgericht d eö allmächtigen Gotteâ.
Schleöwig-Holftisn.
C Hamburg, 30. Sept. — Nachdem die ganze schl.-holff. Armee schon seit einigen Tagen mit sämmtlichem schweren Geschütz (sogar die 84Pfünder) ausgerückt war, so daß Rendsburg fast ganz von militärischer Besatzung entblößt ist und bereits gestern das Gerücht sich verbreitet hatte, Friedrichstadt sei von derselben genommen, bringt der heutige Bahnzug die ersten zuverlässigen Nachrichten.
Das Treffen begann gestern um 8 Uhr und wurde von der Batterie Cristiansen eröffnet. Die südlich von Friedrichstadt belegenen, mit schwerem Geschütz versehenen Kanonenböte haben wacker drein geschossen. Von Süderhöft haben die Dragoner und die reitende Batterie einen Angriff gemacht und die Husumer Chaussee wahrscheinlich besetzt. Die Hauptschanze der Dänen ist zerstört. Um 5} Uhr Nachm. ward Friedrichstadt bombardirt und gerickh an mehreren Stellen in Brand. Eine zweite Schanze der Dänen ward zum Schweigen gebracht. Um 7 Uhr ist Benningen nach zweistündigem Kampf von zwei Comp. der Schl.-Holst, gegen 1200 Dänen besetzt. Die Dänen sind nach Garding gezogen. Um 10 Uhr Abends noch immer Bombardement auf Friedrichstadt, dasselbe war bei Abgang der letzten Nachrichten noch nicht in den Händen der Schl.-Holst. Hoffentlich wird der heutige Abendzug wiederum günstige Nachrichten bringen.
Es sind 163 dänische Gefangene, worunter 4 Offiziere, in Lun» den eingebracht.
Deutschland.
** Kassel, 2. Okt. — Wir hören, daß Hr. v. Haynau lediglich auS dem Grunde Oberkommandeur geworden ist, weil derselbe die Ehre hat, Bruder der Hyäne von Brescia rc. rc. zu sein. Seine Königliche Hoheit sollen geglaubt haben, die Bevölkerung Kurhessenâ werde vor dem bloßen Namen dieses Mannes in den Staub sinken. Andere Gründe seiner Ernennung haben wenigstens bis jetzt nicht ermittelt werden können. Bestimmten Nachrichten zufolge ist nämlich der Hr. Oberkommaudeur, was man so nennt, — — ein wenig vom Alter angegriffen, nicht bloâ körperlich, sondern auch geistig. Seine Familie soll ihn deßhalb auch auf den Knien beschworen haben, in seinen alten Tagen nicht noch Affairen mitdurchzumachen, deren Bedeutung er vielleicht nicht mehr recht zu fassen wisse. Hr. v. Haynau hat aber darauf bestanden, seine Kräfte dem Kurfürsten zu widmen, auch die letzten. Jeder nach seinem Geschmack! Das Geschlecht Haynau hat nun einmal die Manie, be — rühmt zu werden.
/X Kassel, 2. Okt. — Unser Ober-Kommandeur macht sich. Nach seiner süperben Bekanntmachung tzsiche daö gestrige Extrablatt) erwartete Jeder, daß der „ergraute Greis" mit Kassel umspringen werde, wie weiland Jehovah mit, Sodom und Gomorrha. Wirklich wurden auch verschiedene „verordnungsmäßige" Bureaux eingerichtet, in deren einem den Unterthanen die Köpfe abgesäbelt, in deren anderem die Steuern abvklroyirt werden sollten; wirklich ließ sich auch Hr. v. Haynau ein paar Schilderhäuser vor seine Wohnung schleppen, und zwar durch Eisengefangene, — indessen war das doch Alles noch kein Pech und Schwefel, am wenigsten das vermuthete Standrecht. Da plötzlich, Mittags 2 Uhr, erhebt sich ein Toben, ein Pfeifen und Trommeln, ein Rennen und Jagen, und — siehe da, die muntere Schuljugend, die gerade Ferien hat, begleitet drei Unteroffiziere und einen Tambour nebst etlichen Gemeinen durch die Straßen Kassels, um sich die Verordnung Seiner Königlichen Hoheit vom 28sten nochmals verordnen und ins Gedächtniß trommeln zu lassen. Hr. v. Haynau gab den ersten Akt feiner mcnschenfnrchtloftn Thätigkeit ! Zu bedauern war, daß die Soldaten über ihre Mission in sehr heitere Laune versetzt schienen und daß die vorlesenden Unteroffiziere vermuthlich an Heiserkeit litten. DaS erwachsene Publikum benahm sich vhngeiahr ebenso, wie eS sich im Vorbeigehen an einer Puppenkomodie zu 'c» nehmen pflegt. Haynau, Haynau,---®’r w°ßCB kcme Unzu-