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Dritter Jahrgang.
pedition (obere iEnrengafle Nr. 132) ja 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehe«. Inserate die dreispaltige Pelitzeile 8 HIr.
Die Hornisse.
§?^ 22^. Kassel, Sonnebend den 2K September FGZO.
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<c^ An unsere Leser. ^P
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Die Redaktion der Hornisse.
Der Säbel in der Eschenheimer Gasse und die Union.
Hr. Hassenpflug hat den sogenannten Bundestag in seine Schande verwickelt. Kurfürst, Hasscnpflug, Bundestag sind fortan drei Ausdrücke für dieselbe Sache, für die Vernichtung der Verfassungen, alles und jeden Volksrechts, aller und jeder bürgerlichen Freiheit. Möglich, deß Hr. Hasscnpflug den sogenannten Bundestag auch in seine Blamage vcrwickclt.
Die Bestrebungen des Hrn. Hasscnpflug sind jämmerlich geschei- tert. Der große BoSco ist unter schaltendem Gelächter durch die Hinterthür seines Theaters entschlüpft, nachdem er eben mit unermeßlicher Wichtigthuerei verkündet hatte: „Merken Sie auf, meine Herren, jetzt kommt das Speklakelstück, der Belagerungszustand." Der Belagerungszustand kam nicht und Hr. Hasscnpflug ging.
Diese eigenthümliche Wendung der Dinge ist schwer zu erklären. Klar ist wenigstens, daß sich in der ersten Nacht des Kriegszustandes, ehe sich die ganze Situation gehörig übersehen ließ, ehe das Militär Recht und Unrecht auseinanderlegen konnte, ein ganz anderes Resultat erzielen ließ, als nach einer Woche Zögerung, Energielosigkeit, Schwäche. Jene Woche Bedenkzeit hat den Hasscnpflug'fchen Maß- regeln den Todesstoß gegeben. Sie bedeutete ein böses Gewissen, das Gefühl des Unrechts, den Zweifel.
In der That, eö ist kaum denkbar, daß Hr. Hassenpflug blos von dem Glauben geleitet worden sei, die Steuern würden durch leere Drohungen in die Kassen fl-cßcn, die Verfassung würde auf seinen einfachen Wink zu Grabe gehen. Jener Glauben wird bei der Takuk deö Premiers mitgewirkt haben, mitgewirkt hat auch sicher die s?oss- nung auf eine Emeute, wahrscheinlich ist aber, daß Hasscnpflug leine Drohungen verwirklicht hätte, wenn es nicht gerade sein Wille gewesen wäre, die kurhessische Angelegenheit unter allen Umständen dem Bundestag in die Hände zu spielen, sei eS auf eine tragische oder burleske Weise. ,
Die hessische Affaire ist dem Eschenheimer. Gassen - Clubb in burlesker Form tradirt worden. Eâ frägt sich, ob vom Lächer- lilpcn zum Erhabenen ein eben so kurzer schritt ist, als umgc lehrt vom Erhabenen zum Lächerlichen. Es frägt sich, ob der Bundestag den Kurfürsten und seine Getreuen wieder zu Ehren bririgpp wird.
Zunächst hat der Bundestag nichts gethan, als für Hrn. Haffen- pflug gutgesagt. Wird diese Bürgschaft genügen? Werden die Pro- klamalionen und Ukase des Kurfürsten leichter an den Mann gebracht werden wenn sie von den Vettern zu Wien, München, Hannover rc. kontrasignirt sind? Wird die Eschenheimer Gasse im Stande sein, den Kurfürstlichen Papieren ZwangSkourS zu verschaffen.
Wir zweifeln. Die Papiere werden so wie so zu,ückgewiejcn, die Verordnungen deS Kurfürsten so wie so verlacht werden. Und dann? Darf sich die rhrenwerthe Gesellschaft in Frankfurt ebenso lächerlich machen wie Hr. Hasscnpflug? Jene Gesellschaft, die sich den prahlerischen Namen der deutschen Bundesversammlung beilegt, in der die Coulrercvolution der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konzen-
trirt ist? Wenn daS kurhessische Volk auch der Befehle des Kaiser- und der Könige spottet, so bleibt nichts übrig, als daß Kaiser und Könige so schleunig als möglich ihre Effekten, sich selbst aber zum Teufel packen, oder — — Kaiser und Könige müssen in der That den Säbel der Eschenheimer Gasse blinken lassen.
Also der Säbel, der Flederwisch desselben Bundeöpalais, auf dem vor Kurzem die trikolore Fahne wehte, gegen — nicht gegen eine republikanische Erhebung, nicht gegen die Vertheidiger der Reichsverfassung, nicht gegen unverschämte Unterthanen, sondern gegen ein friedliches Volk, daS ruhig seine Aicher düngt, in feinen Werkstätten sitzt, das nichts, gar nichts will, als das lumpige Recht, einem Minister, wie Hr. Hassenpflug ist, nicht auf Treu und Glauben einige Millionen in die Hände geben zu müssen!
Wo ist der Säbel, der dieses Recht zu Boden schlagen möchte? Wo ist der deutsche Soldat, der sein Schwert trotz der Stimme ganz Europas gegen Kurheffen ziehen will?
Wir haben die Kämpfe von Wien und Berlin, von Dresden und Vaden erlebt, — bie Soldaten halten mit der Niedermetzelung ihrer Brüder geglaubt, ihre Schuldigkeit zu thun. Wer hier im Rechte war, darüber urtheilte die sittliche Ueberzeugung, die Revolution, einst wird die Geschichte darüber richten. Wer aber hier, hier in Kur- Hessen im Rechte ist, darüber gibt es nur zwei Stimmen, von denen die eine von allen Enden der Welt, die andere aus dem Bundeöpalais in Frankfurt spricht; für wen und wider wen hier der Soldat zu streiten hat, darüber hat das kurhessische Militär entschieden, entschieden haben die strengsten Richter nach strengstem Rechte, entschieden hat die Flucht des Kurfürsten, entschieden die Entrüstung aller civili- sirtcn Nationen.
Der Säbel der Eschenheimer Gasse ist der offene Mord und Todtschlag. Der Soldat, der ihn führt, ist verflucht, sein Name steht am Galgen.
Wie nun, wenn der deutsche Soldat keine Lust zu solcher Rolle hätte, wenn der Bayer und der Hannoveraner ihr Schwert von sich würfen und dem ungeheuern Frevel, den sie verüben sollen, den Rücken kehrten! Wie nun, wie dann?
Dann ist die Contrerevolution, dies abenteuerlich hohe Spiel auf ewig verloren, der Flitterland ist gefallen, — die Herren der Eschen- Heimer Gasse stehen in ihrer ganzen jämmerlichen Ohnmacht da.
Das Resultat wäre aber nicht blos die Vernichtung des Frankfurter, sondern auch des Erfurter ClubbS, es wäre der Untergang der, auf alle Fälle solidarisch verbundenen Dynasten. Habe ich Unrecht?
Seht ihr nun, worauf Hr. Hassenpflug spekulirt, seht ihr, daß der Bundestag kein leerer Schall mehr ist? Die Unionsfürsten sind gezwungen, ihres eigenen fürstlichen Interesses wegen gezwungen, die Bundesfürsten vor dem Tode der Lächerlichkeit zu wahren. <vie sind verdammt, ihrer Sippschaft wegen, die vollendete Thatsache der Bundesversammlung ebenso anzuerkennen, wie Oesterreich seiner Sippschaft wegen das Schwert nicht ziehen konnte.
Der Bundestag ruft dem König von Preußen zu: „Stoß zu, gib aber Acht, daß du dir nicht selbst den Todesstoß gibst."
Wird Preußen zustoßen? Wird euch die Union retten? Nein,