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lungâweise mit schwerer Strafe belegt werden. Nach zweistündiger Berathung veröffentlichte der Vorsitzende deS Gerichtshofs sodann folgendes Urtheil : „ daß daâ Erkenntniß deS fön t'a I. KreiSgerichtS vom 19. Juli dahin abzuändern, daß der Appellant von der unterm 9. Febr. d. J. erhobenen Anklage der Fälschung freizusprechen, und die Kosten deS Verfahrens außer Ansatz zu lassen, die Akten je» doch zur weitern Erwägung , ob und gegen wen eine weitere Anklage zu erheben sei, der Staatsanwaltschaft vorzulegen seien." AlS Gründe wurden die vom Vertheidiger und Staatsanwalt vorgebrachten ange- führt und hervorgehoben, daß eine neue Anklage wegen Fä lschun g und Erpressung erboben werden müsse. — Ob daS geschieht, wollen wir dahin gestellt sein lasse». Daß dieses Urtheil keinen Einfluß auf daS Urtheil über Hassenpflug überhaupt zu üben vermag, haben Sie schon früher erklärt. DaS aber wollen wir erst abwarten: wie die Constitutionellen sich dem Absolutisten Hassenpflug gegenüber benehmen werden, nachdem der „Fälscher" Hassenpflug von der Anklage freigksprochrn! — AuS der Reise deS Königs nach Warschau wird nichts werden, die Nachricht war auch ohne allen Grund verbreitet worden. — DaS beste Zeichen, daß die schleSw.-holst. Angelegenheit verloren ist, ist die Rückkehr deS Korrespondenten der „Daily NewS", HodgkinS, nach Berlin. Die Engländer sind praktische Leute, sie geben nichts mehr auf die Sache. Der Korrespondent der „ Times ", Filmore, muß freilich einen langsameren Rückzug nehmen. Er hält sich noch in Rendsburg auf. — David Born , der Freihändler der „Urwählerzeitung", geht nach Stettin, um dort für die „Ostfeezei» tung" zu schreiben.
*+* Darmstadt, 24. Sept. — In der gestrigen Sitzung machte der Abgeordnete Müller • Melchiors von Mainz eine Eingabe, worin er die Verwaltung des Ministers v. Dalwigk vom moralischen Gesichtspunkt einer Kritik unterwirft. Er zeigt durch beglaubigte Dokumente, daß Hr. Dalwigk einen Schreiber von Müller-MelckiorS als Spion engagirt hatte, um ihm über daS Treiben Müller-Melchiors Bericht zu erstatte». Unter den Dokumenten befindet sich auch ein Brief deS Dallwigk- Gödscke, worin er den Schreiber Müllers zu sich nach Darmstadt einladet. Wahrlich, die beiden Hessen sind auâerwählt vor dem Herrn, waâ die Ministerfrage betrifft.
Frankreich.
8. g. Paris, 23. Sept. — Die Einigung der beide Bourboni- schen Linien ist durch daâ Manifest des Grafen von Chambord bedeutend erschwert worden Die Orleanisten berechnen schon den Vorsprung, den ihre Partei über die Anhänger deâ göttlichen Rechtâ , welches nichtâ nach dem Rationalwille« fragt, in der öffentlichen Meinung erhalten hat, und werden nicht geneigt sein, die Wucht deS allgemeinen Unwillens, den daS ebenso unkluge als kübne Proklamiren der Grundsätze Ludwig deS Vierzehnten hervorgerufen hat, tragen zu helfen. Die „Gazette de France" konnte nicht länger mehr über ein Dokument schweigen, welches die ganze Presse bespricht. Sie erkennt an, daß die Politik des Hrn. Berryer, zu der er sich seit 15 Jabren bekennt, vom Grafen Chambord offiziell angenommen ist, und ihre Lehre vom Nationalrechte, sowie der Aufruf anS Volk verworfen sind. „Wir wollen", sagt sie, „die Wichtigkeit dieses Zwischenfalls weder leugnen, noch vermindern, und wenngleich unser Respekt für die Autorität, die man voranschiebt, unS zwingt, unsere Empfindungen, welche daS Do- kumrnt in uns hervorgerufen hat, in unserem Herzen zu verschließen, so stehen wir doch keinen Augenblick an, zu erklären, daß dies Cirkular ein in jeher Beziehung bedauernSwertheâ Ereigniß ist, und daß die Veröffentlichung der Namen des offiziellen Comitë'S , für welches man den Gehorsam der legitimistischen Redner und Publizisten in Anspruch nimmt, ein unermeßlicher Fehler ist, von welchem Standpunkte der legitimistischen Meinung man eS auch ansehen will. Die nächste Folge schon wird dieses Urtheil bestätigen, und wir glauben, daß alle, ja selbst vier der bezeichneten Legitimisten mit und hierin übereinstimmen." Die Erklärung deS Hrn. Lsrochesaquelin bringt die „Gazette" ohne Commcntar. DaS „Journal deâ DebatS" sagt, eS befände sich diesmal in dem seltenen Falle, mit der „Gazette de France" einerlei Meinung zu seiu, nur glaube ed, daß nicht blos die Veröffentlichung der Namen, sondern die Wahl selbst ein großer Fehler sei. Die legitimistischen Journale haben sich endlich von ihrer Betäubung erholt, und geben nun den Vorrath von Dialektik, den sie in zwei Tagen gesammelt haben, zum Besten. Der „Courrier franc-ai'S" hat seinen Verstand unglaublich anstrengen müssen, um zu folgendem Raisonnement zu gelangen: „Die Veröffentlichung deâ Circularâ ist allerdings fatal, weil sie ungelegen und unnöthig ist. Hr. Laroche- faquelin hat sich aber ganz und gar über die Tragweite deâ Manife- steâ geirrt, und es ist nichts als ein bedauervSwertheâ Mißverständ- niß, wenn er glaubt, er sei zurückgestoßen; nie ist sein Beistand nöthiger gewesen, als jetzt. Graf Chambord, treu seinem Namen und
seiner Abkunft, kann seine Rechte nicht der Lotterie eines revolutio- nären ScrutininmS anvertrauen; er ist der Sprößling einer langen Reihe von Königen, welche aus dem Grabe erstehen und ein solches Aufgeben ihres und seines Rubmeâ rügen würden. Wenn der Prinz aber daâ Volk nicht aufrufen will, wer hindert denn bad Volk, ihn zu rufen. Es dahin zu bringen, bad iS nun die Aufgabe deS Hrn. Larochejaquelin und seiner Freunde." Die „Assem- blée nationale" hat ein AuSkunftâmittel gefunden, um sich über das Circular noch nicht auSsprech,» zu müssen, sie glaubt nämlich noch immer nickt an die Authenticität des Dokuments, faat aber, daß sie, im Falle sich die Aechtheit bestätige, die neue Verpflichtung ihres Ge- Wissens, die ihr daraus erwachse, mutbig erfüllen werde.
DaS „Evenement" behauptet, man bereite in diesem Augenblick im Elysee eine Botschaft an die Nationalversammlung vor, in welcher LouiS Napoleon sehen Gedanken an einen Staatsstreich oder an bad Kaiserthum deâavouiren , gleichzeitig aber zu verstehen geben wird, daß er sich darin ergeben würde, noch einige Jahre Präsident zu bleiben, wenn eâ sei» müßte.
Belgien.
— st Brüssel, 22. Sept. — In Deutschland dürfte man sich kaum eine genaue Vorstellung von den Chikanen macken, denen die politische», vornehmlich deutschen Flüchtlinge in dem freien konstitutionellen Paradiese auSgesetzt sind. Die belgische Regierung hat eine höllische Furcht vor allen demokratiscken Ideen, weil sie ihren dereinstigen Untergang durch diese erwartet. Mit ihrer Krämerkonstitution verträgt sich nicht einmal der ungestörte Aufenthalt Fremder. Nur ein Pfiff einer europäischen Knutenfamilie, und rasch wirb der Flüchtling zum Lande binauSspedirt, ohne Angabe von Gründen, mit größter Brutalität. DaS republikanische Deutschland wird dafür mit dieser belgischen Musterkarte kurz Federlesens zu machen wissen. Alle 14 Tage müssen die hier «eilenden Flüchtlinge ihren Aufenthalt verlängern lassen; jeher starke Bart wird als demokratisch mit spürnasiger Beamtenimpertinenz verfolgt. Unlängst wurde ein Ungar wegen Tragenâ eineâ ihm von Kossuth verliehenen Ehrenzeichens audgewiefen, ferner ein deutsch- katholischer Pfarrer und A. von Bornstedt, cidevant Redakteur dec Deutscken Brüsseler Zeitung, auf Denunziation und Reklamation. Dem österreichischen Wütherick Havnau wurde seltsamer Weise vom Minister iosinuirt, daß man nicht für seine Sicherheit einsteben könne und ihm daher eine rasche Abreise anemvfeble. Der geheime Sinn dieses Verfahrens aber liegt darin, daß Hr. Leopold einen Volkstumult oder noch Schlimmeres fürchtet.
— st Brüssel. 23. Sept. — Die Septemberfeste, welche von beute an die ganze Stadt in Bewegung setzen, werden diesmal nicht mit dem üblichen Glanze, sondern mit einer gegen die großartige staatSwirtbschaftliche Korruption gewaltig kontrastirenden Sparsamkeit gefeiert. In der Presse, die gerade nichts.Anderes zu thun hat, erhob sich darüber einiges Geschrei, doch ist ed schon wieder verstummt, und in her Tbat, Wad bäffe der Belgier zu feiern! Nack zwanzig Jahren erkaltet die Begeisterung, wenn je eine eristirte. Man hatte seine guten Gründe, wenn man bad Geld lieber für seine Trabanten, die täglich habgieriger und unersättlicher werden, verwendet. Warum sollte man ed zur Belustigung bed Volkes wegwerfen? Waâ nutzt bad Aufwärmen der alten nationalen Erinnerungen; hat der Belgier denn eine Nationalität, wie ihm die zahllosen Regierunqöknechte einreden möchten? Die Masse französischer Beamtenheuschrecken zehrt bad Mark deS Landes, und Nichts bleibt für die Emvorkömmlinge übrig. Dem Aderlaß von 1830 verdankt die Bourgeoisie die Blüthe ihrer Gelckäfte; diese Kaste sollte dankbar sein? War eS nicht Pflicht des dummen Plebs , die der Bourgeoisie unbequemen yolländer zum Lande binauSzujagen, und soll man für getbane Pflicht Dankbarkeit fühlen? Die heurigen Septemberfeste haben daS einzige Verdienst daß man den Panoramenplatz in Kongreßplatz umgetauft hat. Die Söhne reichbesoldeter Beamten mit 3 — 8000 Fr. Gehalt bekommen Freistellen an der Lütticker Universität: direkte Plünderung bed Staatsschatzes zu Gunsten der Reichen. DaS bildet daS Wesen deS politischen LebenS in Belgien. Sehr bezeichnend ist eâ , daß man kürzlich einen gewissen Masion, der gar nickt eristirt, dekorirte. Die Gemeinheit der ministeriellen Blätter geht so weit, daß die „Jndëpendance" bad Auf- bören bed „Pbare" nur deshalb auSsprenqte, um dem Blatte den Todesstoß zu versetze». Der „Pbare" entgegnet, er werde im Gegentheil in den nächste» Tagen täglich erscheinen, — er wolle nur bad konstitutionelle Königtbum und eine strenge Ausübung der Konstitution. So wa« nennen sie hier Radikalismus, und den anderen radikalen Blättern behagt nicht einmal dieser blödsinnige Radikalismus. „Ur- guS" und „Mephistopheles" schimpfen nach Noten auf den halbtodten „Phare".
Fünf Beamte der belgischen Bank haben für 2 < 6,832 Fr. falsche