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Die Hornisse.
91^ 220. Kassel, Freitag den 27. September 1830.
^c^ An unsere Lefer. ^A
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Die Redaktion der Hornisse.
Der Bundestag
Der Bundestag ist reftaurirt. Wenn euch der Name nicht gefällt, so sagt statt dessen „großdeutsche Union", „Frankfurter Klubb", nenut's wie ihr wollt, die Sache bleibt sich gleich. Es ist ganz egal, wie viel oder wie wenig Staaten in der Eschenheimer Gasse vertreten find, die vertretenen Staaten haben sich zur Anerkennung deS alten BundeSrechtâ geeinigt, sie verzichten auf die Schöpfung einer neuen Verfassung, sie laden die übrigen Regierungen zur alten Verfassung ein. Haben sie zu einer solchen Union kein Recht? Kann eS den deutschen Regierungen jemals abgeschnitten werden, sich alâ Räuberbande zu konstituiern?
ES ist wahr, die Bundesverfassung war im Jahre 1848 vernichtet, feierlichst beseitigt, der Bundestag war rite begraben, aber nicht begraben und vernichtet waren die deutschen Fürsten, nicht beseitigt war die Möglichkeit, neue Verfassungen zu oktroyiren , über alte Verfassungen sich zu vertragen. Der Frankfurter „Klubb" of- troyirt dem deutschen Volke die alte Bundesverfassung. Er entschlägt sich der lächerlichen Weitläufigkeit, an die revolutionäre ReichSoerfas- sunq, an Gotha und Erfurt anzuknüpfen, er oktroyirt frisch weg daS alte bekannte Recht, das Recht der Fürsten auf Mord und Todtschlag, auf Ketzergerichte und Staubbesen.
Man fasse die Sache richtig auf. Indem sich die großdeutsche Union rasch und entschlossen in den Besitz deS RamenS Bundestag setzte, lebte sie allerdings der Absicht, die Bundesverfassung als niemals abhanden gekommen zu betrachten, den Bundestag al,o nicht etwa zu reproducireu, sondern nur wieder zu occupiren. Die Absicht ist noch nicht vereitelt. Noch ist eS möglich, daß Preußen zur Metternich- Radowitzschen Vernunft kommt und von Erfurt nach Frankfurt wandert. Aber auch den Fall angenommen, die Theilung Deutschlands sei nicht mehr zu vermeiden, so hat die großdeutsche Union jedenfalls den Vortheil. durch eine Verfassung geknüpft zu sein, wie sie abscheulicher, volksmörderischer nicht erfunden werden kann, trotz den be- rühmten Jesuiten, die seit zwei Jahren gelernt haben, daS Volk mit
Füßen zu treten. ,
Und diese neue Verfassung beruht dann auf dem freien Einver- ständniß dem freien Uebereinfommen der Eschenheimer Gaffen-Fürsten. WaS liegt an dem Widerspruch deS Volks? Die Stimme deS Volks ist seit einem und einem halben Jahre schwach geworden und ans Ohr der Dynasten schlägt nichts als der muntere Donner der Kanonen und daS lustige Pfeifen der Spitzkugeln.
Wehrt euch, sträubt euch, wie ihr wollt. Beharrt meinetwegen bei der Erklärung, daß eine „deutsche Bundesversammlung" ein Ra- mensmißbrauch sei, daß sie nicht existire , - waS er.st.rt .st das Bundesrecht, sind die Bundesgesetze. Sre er.st.reu für die Frankfurter Union. v ,
Die Tristen; des Bundesrechts und der Bundesgesetze ist durch Hrn. Hassenpflug zur vollendeten Thatsache geworden. Während Preußen zauderte, seine Union als fertige- Werk Oesterreich entgegenzustellen, während Oesterreich zögerte, den letzten Schritt in Zachen deâ Bun-
deStagS zu thun, während noch alle deutsche» Fürsten dem letzten kühnen Griff auS dem Wege gingen und zum weiteren Sondiren und Ab- wiegeln riethen, greift die freche, tollkühne Hand des hessischen Premiers in die Felgen des Radeâ unserer Geschichte und treibt die zaudernden Fürsten auf der Bahn, vor der sie eben noch gezittert haben, blitzschnell vorwärts.
Der hessische Mephistopheles hat sein feinstes Stückchen gespielt. Er hat den verhaltenen Wünschen der Tyrannen Worte gegeben, dea gepreßten Seelen Luft gemacht. Der verlorene Mann ist frech und eigenmächtig genug, auch nach Oben hin seine brutale Herrschsucht zu Geltung zu bringen. Richt blos daS Volk, auch die Fürsten müsse« Hrn. Haffenpflug parireu. Und die Fürsten werden eS gern thun.
Einmal mußte der Schritt geschehen. Einmal mußte man seine neue Einigung über daS alte Bundesrecht proklamiren, einmal mußte der gefährliche Gang über Eid und Ebre, Wort und Recht hinaus gegangen werden. Hr Hassenpflug weiß, daß man wohl thut, daS Unvermeidliche schnell zu thun. DaS „rasch und entschlossen" ist nicht blos der Wahlspruch unserer März-, sondern auch der unserer Standrechts- Minister.
Hr. Haffenpflug würde den Schritt schon früher gethan haben, aber der feine Kopf hatte sich in den plumpen Hessen verrechnet. Keine seiner Provokationen wollte verfangen, daS Volk antwortete mit der einfachen Verachtung und — — die einfache Verachtung *ann man nicht hängen lassen. Hr. Haffenpflug griff zu den brutalsten Mitteln, endlich erklärte er daâ Land in Kriegszustand , er zwang feine Behörden zur Opposition, er muthete dem Volke daS Unmögliche zu.
Endlich, endlich! DaS Volk verweigerte den Ordonnanzen deS Kurfürsten den Gehorsam, daS monarchische Prinzip war in Gefahr Der Augenblick, daS Bundesrecht zu restauriren, war da, er war an den Haaren herbeigezogen worden.
Hr. Haffenpflug weiß, waS er thut. Seine befreundeten Regie- rungen können, sie dürfen ihn nicht im Stich lassen. Sie können und dürfen nicht die letzten Mittel der Monarchie der Lächerlichkeit preiS- geben. Hr. Haffenpflug weiß auch, daß Preußen sein Gewehr beim Fuß behalten wird.
Der deutsche Fürstenverrath ist vollendet. Halten wir unS bereit. Einem mutigen Volk gehört die Welt.
Deutschland.
* Kassel, 26. Sept. — Erklärung des bleibenden landständischen Ausschusses in Betreff der Vorordnung vom 23. Sept. 1850.
Eine Kurfürstliche Verordnung vom 23. Sept. 1850 bringt, mit dem Vorbehalt weiterer Vollziehungs-Anordnungen, den Beschluß einer Bundesversammlung vom 2l. d. M. zur allgemeinen Kenntniß, durch welchen die hessische Regierung, auS Anlaß einer vermeintlich vorgekommenen Stcuerverweigerung, aufgefordert wird, alle, einer Bundesregierung zustehenden Mittel anzuwenven, um die ernstlich bedrohte landesherrliche Autorität im Kurfürstenthum sicher zu stellen. Wir aber können eine Bundesversammlung nicht als bestehend anet»