Dritter Jahrgang.
Erscheint täglich, Montags ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementspreiS 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-
Petition (obere Enreugaffe Nr. 1.32) zu ö HIr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Pecitzeile 8 Hlr.
22S. Kassel, Donnerstag den 26. September 1G3O.
L^ An unsere Keser. ^^
Wir ersuchen unsere Leser um ein baldig eß Abonnement, da nur dadurch im neuen Quartal Unregelmäßigkeiten vermieden werden können, und da mir mit Beibehaltung desselben Preises eine Vergrößerung des Blattes beabsichtigen. Das Letztere ist jedoch nur bei einer Zunahme der Abonnenten möglich. Wir hegen das Vertrauen zu unseren politischen Freunden, daß sie gerade in einer Zeit, wie die jetzige, ihr Möglichstes dazu beilragen werden, die demokratische Presse zu stützen und zu heben und ihr die Mittel zu einer größeren Kraft und Ausdehnung zu gewähren.
Die Redaktion der Hornisse.
„Es rnnß noch schärfer genommen werden."
(Worte Seiner Königlichen Hoheit in WilhelmSbad.)
ES ist bereits schärfer genommen. Seine Königliche Hoheit haben einen BundeSdeschluß, gewissermaßen ein unbedingtes Mandat gegen die unbedingten Mandate der kurhessischen Gerichte erwirkt. Die Vun- deSversammlung dekrctirt ohne ein Weiteres, ohne ein Wort über daS Wunder ihres plötzlichen Auferstehens von den Todten zu verlieren, ganz als ob sich daö alles so von selbst verstände, wie allenfalls der Aufgang der Sonne, — sie dekrctirt, daß die Weltgeschichte wieder ihren vormärzlichen Gang zu nehmen habe, daß es fortan wieder keine Stände oder allenfalls nur Stände ohne Rechte gebe, sie bestehlt Wiederherstellung der landesherrlichen Autorität in Kurhessen und verspricht thätige Leihülfe zu diesem löblichen Zweck. Die Bundcöver- sammlung, sage der Bundestag!
Seine Königliche Hoheit haben nunmèhr die Sache so scharf ge- nommc-i als möglich. Sie haben die Welt in Erstaunen gesetzt. Es kommt nur noch auf die weiteren Anordnungen und darauf an, daß dieselben nicht ein ähnliches Schicksal wie die allerhöchsten Ordonnanzen vom 4ten und 7ten erleben, — — nud Seine Königliche Hoheit haben ihren letzten Trumpf auSgespielt.
Der Kurfürst von Hessen der Wied erherst el lcr deâ Bundestags, der erste Fürst, der sich, einem Hassenpflug zu Liebe, in die Eschenheimer Gasse flüchtet, um sich an die verruchte Hand wieder a »zu klamm ern, die im Jahre 48 alö meineidig gebrandmarkt worden war!
Wer hatte daS in den Märztagen 48 erwartet? Wer hätte daS in jener Zeit geglaubt, als Seine Königliche Hoheit im schwarzen Frack durch die Aue spazirten, alS Dieselben mit Ihrem Volke schmol» lirten, sangen und tanzten? Wer hätte gevacht, die Contrerevolution werde sich so unscheinbarer Werkzeuge bedienen, wie deS Kurjürsten von Hessen!
Ein Kurfürst von Hessen Wiederhersteller deS Bundestags! Die ersten Beschlüsse deS Bundestags Dekrete gegen den Eidschwur Seiner Königlichen Hoheit, gegen seine eigenen Gelöbnisse, seine eigene Lerfassung. Sonderbar, höchst sonderbar!
Gab es denn gar keinen andern, gab eS keinen honetteren, nobc- lern Weg, daS hessische Fürstengeschlecht unter die Erde zu bringen, war Hr. Hassenpflug ein so jämmerlicher Ceremonienmeister, daß er kein anständigeres Leichenbegängniß zu arrangiren wußte? Der Kurfürst von Hessen Wiederhersteller des Bundestages!
Eine gewisse Schaam , eine Art Scheu vor Gott und den Menschen hat alle deutschen Fürsten bisher abgehalten, offen für jenes alte Recht, dessen Existenz von Fluch und Lervammniß begleitet war, Partei zu nehmen,--der Kurfürst von Hessen hat's gewagt, der Würfel ist geworfen, ohne den Bundestag könnte der Kurfürst von Hessen mit Fälschern und Betrügern keinen Umgang mehr pflegen. Hahaha !
Hr. Hassenpflug hat sein Ziel erreicht. Der Teufel wollte nicht
allein zur Hölle fahren, er verlangte die Gesellschaft deS Kurfürsten. Hr. Hassenpflug rächt sich für die Fußtritte der dreißiger Jahre, er rächt sich im Auftrage der HH. Gerlach und Stahl, deö Hrn. Rado- witz, der Jesuiten und Mucker ganz Deutschlands.
Der Kurfürst von Hessen war auch ohne den Appell an den Bundestag verloren. Seine Residenz in WilhelmSbad war die Residenz der Päpste in Avignon. Mit seiner Flucht hatte er alle die vergessenen Erzählungen über den kurhessischen Hof wieder aufgewühlt, jene Erzählungen von Wucher und MaUressen, von Menschenhandel und Prügelregiment, von — Gott weiß es, daS kurhessische Fürstengeschlecht gibt hinlänglichen Stoff zu erbaulichen Erzählungen. Die Residenz hatte über den Kurfürsten zu Gericht gesessen und — siehe, eö cristirte kein Kurfürst mehr.
Der Kurfürst von Hessen war ohne den Bund verloren, mit dem Bunde ist er eö doppelt, dreifach. Wie? WaS? Der Bund soll, wie daS Gesetzblatt vom 23. September sagt, die bundcüherrliche Autorität im Kulfürstenthum sicher stellen? Der Bund? Und wenn Seine Königliche Hoheit den Satan hcraufbeschworcn hätten, eS wäre eher möglich gewesen, die landesherrliche Autorität wieder herzustcllcn, als mit Hülfe des Bundes!
Der Kurfürst Wiederhersteller des Bundestags ! Der Bundestag Wiederhersteller der landesherrlichen Autorität in Kurhessen! Und dieser Bundestag ist derselbe Bundestag, der allen Landesherr» den Titel „Verräther ihrer Völker" eingetragen hat, der deutsche Fürsten zum Abscheu der Welt gemacht hat! Man erstaunt über die aberwitzige Logik deS Hrn. Hassenpflug, über die naive Frechheit der Herren von der Eschenheimer Gasse.
Ruft die Kosaken und Baschkiren herbei, oder in vier Woche» ist der Bundestag zum Kinderspott geworden.
Der Kurfürst Friedrich Wilhelm der Letzte restaurirte den Bundestag! DaS war zu scharf genommen, Königliche Hoheit.
Deutschland.
^Kassel, 24. Sept. — Die edle Kreuzzcitung beschäftigt sich fortwährend mit unserm „kleinen Ländchen", obgleich sie sehr ungehalten ist, daß keine Nachrichten von Thatfachen aus Kassel eingehen, so etwas von einem Krawall, einer Militäremeute, einigen Barrikaden und einer provisorischen Regierung. Inzwischen hat sie ihr Augenmerk auf Hrn. Dayrhvffer gerichtet und auf den permanenten Ausschuß. Sie orientirt sich und ihre Leser in ihren Leitartikeln, wie in ihrem Zuschauer über diese Personalien. Sie schreibt in ihrem Leitartikel, daß unsere „tugendhafte Steuerverweigerung" bei den preußischen Konstitutionellen noch immer der Löwe des Tagâ sei. „Freilich ist Hr. Bayrhoffer ein Atheist — heißt eS weiter —, rin Atheist mit einigen Sympathien für den reinen Kommunismus; doch hat er jetzt „einer etwas anrüchigen Vergangenheit daö Siegel einer großen Gegenwart anfgediückl", und die drolligen Vertreter deS Eonstilulio- nallömnö stehen abermals bereit, nach Zuckerbrod und stcufche aufs Beste zu tanzen." Und am Schluffe: »Auf jeden Fall aber besteht der laudständifche Ausschuß in Kurheffen aus wahren sozial- demokra«