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Grafen v. Chambord aufgeführt sind, welcher sich die oberste Leitung der Politik (politique generale) vorbehalten hat. WaS wird Hr. v. Larvchejaquelin zu diesem gegen ihn gerichteten Manifeste sagen, fragt daS „Evenement".
Alle Schiffe der Flotte von Cherbourg solle» in kleinen Modellen nachgebildet und dem Präsidenten der Republik zum Geschenke angeboten werden. Spiel, kleiner Napoleon!
Die französische Negierung soll in einer Note an den Kardinal Antonelli ihre Zufriedenheit mit den zwei Edikten, welche die römische Regierung am 11. September erlassen, ausgesprochen und dabei die Hoffnung ausgedrückt haben, daß die übrigen organischen Gesetze eben» falls Nachfolgen würden; man zweifelt jedoch allgemein, daß dieses so bald geschehen werde.
Hr. von Humboldt wird in Paris erwartet. — Nach der mor- gigen Revue in Versailles wird der Präsident dem Gesandten von Neapal, Nepaul, und den Offizieren der betheiligten Regimenter ein Banket geben. Im heutigen Ministerrath hat mau beschlossen, die Gesellschaft deS zehnten Dezember zu dcSavouiren.
England.
I-London, 20. Sept. — Die Macht der öffentlichen Mei- »nng ist stärker als die der Kanonen, davon ist Ihr würdiger Kurfürst wohl eben so gut überzeugt als Ihr durchgeprügelter LandSmann Hay. nau. Einen neuen Beweis hiervon gibt uns heute Hr. v. Rothschild in einem an alle Morgenblätter gerichteten Schreiben, in welchem er erklärt, daß er erst jetzt von den Angriffen und Bemerkungen der verschiedenen Blätter gegen ihn, bezüglich der Hayuau'schen Prügel- affaire, unterrichtet worden, da ein schwerer häuslicher Unglücks» fall (der Tod seiner Mutter) seine Entfernung von Hause nöthig ge- macht habe, er also nicht früher habe antworten können. Ueber den Vorfall selbst gibt Hr. v. Rothschild keine Meinung ab, sondern er- zählt nur, daß Baron Haynau sich mit einem Kreditbriefe auf sein HauS eingefunden, und, nachdem er einiges Geld erhalten, daS Verlangen geäußert habe, bei den HH. Barclay, PerkinS u. Comp ein- geführt zu werden. DaS Schreiben, welches Haynau in Folge dessen erhielt, legt Hr. v. Rothschild bei und eS lautet: — „Meine Her» ren! — Wir haben die Ehre den Bringer dieser Zeilen, Se. Exzellenz Baron Haynau bei Ihnen einzuführen und werden Sie unö bc» sonverâ verpflichten, indem Sie dem Baron und seinen Freunden erlauben , die Brauerei zu besehen. Wir verbleiben rc. rc. für N. M. Rothschild u. Söhne B. Cohen."
Hieraus erhellt nun freilich, daß Hr. v. Rotbschild Hrn. Haynau nicht alâ seinen „Freund" eingeführt, wie Anfangs allaemein behauptet wurde. — Der Witz vom Ganzen liegt aber darin, daß Rothschild Haynau's Freund zu sein scheint, oder wenn er cs wirklich ist und war, jetzt wegzulängnen für klug und nöthig findet. Die Beleidigung, welche Hrn. Haynau durch diesen einfachen Brief deâ BaronS Rothschild zugefügt wird, ist wenigstens eben so groß alS die war, welche ihm die Peitsche und Fäuste der Brauer angethan. Wenn sich alle Ehrenmänner von solchen, die Menschheit entehrenden Sub. festen abwendeten, wenn Alle sich von jeder Freundschaft mit ihnen loüsagten, daS wäre die ärgste Strafe, welche solchen Wütherichen zugkfügt werden könnte, denn dann würden sie, dessen sind wir überzeugt, den Gesetzen der Menschlichkeit nie wieder Hohn sprechen und dir Erfahrung machen, daß eS außer ihren wüthenden Baschkirenhorden und Kanonen noch andere Mächte in der Welt gibt, denen man nicht ungestraft Trotz bieten kann. — Die Engländer haben Haynau bereits davon überzeugt, und die Veröffentlichung deS Briefes Rothschilds wäre nicht nöthig gewesen, um darzuthvn, wie tief die Verachtung gegen dieses Haynausche Ungeheuer sich allenthalben kundgibt, welche- jeder Ehrenmann von seiner Seite zu verbannen für nöthig findet, wenn er nicht selbst von jedem gebildeten Manne in die Acht erklärt sein will. — Hätte Hr. v. Rothschild die „Freundschaft" HaynauS (dessen Name sogar auS dem Fremdenbucht der Brauerei gekratzt wurde), nicht abzuweisen vermocht, wir sind überzeugt, er würde nicht wieder zum Parlamentsmitglied der City von London erwählt worden sein. — Daß das englische Volk nicht „jede Verantwortung für diese englische That ablehnt", wie schwarzgelbe Wiener Blätter behaupten, sondern daß eS stolz ist, Männer wie die Arbeiter der HH. Barclay, PerkiuS u. Comp. unter sich zu haben, geht am besten daraus hervor, daß sich ein Comitè zu dem Zwecke gebildet hat, den Brauern ein öffentliches Diner zu geben. Dasselbe wird jedenfalls sehr zahlreich besucht. Einstweilen wird der Vorfall nach allen Seiten hin auSgebeutet; denn nicht nur, daß die „Jllustrirte London News" daS Kohlenloch, den Beltwinkel und die Ueberfahrt deS „Helden" über die Themse durch die Polizei durch gute Holzschnitte verherrlichte, und daS Witzblatt „Punch" ein Gedicht und einige Holzschnitte dem interessanten Vorfall widmete, — auch auf den Gassen wird bereit
em Haynau-Li'ed gesungen und a V Penny per Stück feilgeboten. — Haynau wird noch lange in dem Andenken der Engländer bleiben!__ Die „TimeS", dieses infamste aller infamen Blätter, hat sich bei dieser Gelegenheit, wie dieS so häufig geschieht, wieder in eine Sackgasse verrannt, und eS macht einen guten Eindruck, den „Eraminer" darüber zu lesen. Derselbe stellt nämlich die Aeußerungen der „TimeS" vom vorigen Jahre, alS die Schlächtereien HaynauS in Ungarn hier bekannt wurden, mit ihren eigenen Worten zur Vertheidigung HaynauS zusammen. Früher vertheidigte sie den Kaiser von Oesterreich und schob namentlich die „blutige That", den Grafen Batthyani, schon halbtodt, noch erschießen zu lassen, Haynau in die Schuhe. Achnlich machte sie eS bei den Weiberprügelcien. Jetzt vertheidigt sie Haynau und sagt, er habe im Auftrage seines Herrn gehandelt! Ein erbärmlicheres Blatt kann man sich nicht denken. Noch interessanter wird die Sache, wenn man die Vorlesungen über daS Gastrecht, welche die „TimeS" jetzt hält, mit den ewigen Hetzereien gegen die in der Schweiz und London weilenden deutschen und französischen Flüchtlinge vergleicht Also nur für Metternich, Louis Philipp, Guizot und dergl. Nachteulen soll daS Gastrecht gelten, — für die Demokratie aber ist Neuseeland gut genug. Jetzt läßt sich dieses nämliche Blatt wieder allerlei Absurditäten aus Paris berichten, und man sollte glauben , eS entstünde auS den Hayuau'schen Prügeln eine allgemeine Flüchtlingöd^portation nach Sibirien! Es ist aber so schlimm nicht, denn Englands Regierung ist weit entfernt, dem deutschen oder französischen Standrechtsklatsch irgend welche Aufmerksamkeit zu schenken. Ich wette darauf, Palmerston reibt sich die Hände vor Vergnügen darüber.
Italien.
* ßin Schreiben aus Neapel vom 5. September, welches das Journal »Evenement« veröffentlicht, schildert ganz Calabrien in einem Zustande der Aufregung, der den nahen Ausbruch eines allgemeinen Aufstandes vorhersehen läßt. Die Stadt Cotrone wird von einer Kriegsfreaatte so eben bombardirt; noch kennt man nicht die Veranlassung zu tiefer äußersten Maßregel Bewaffnete Haufen organisiren sich an mehreren Stellen unter der Anführung von proscribirten Volksmänncru. Ferdinand Bianchi und Dominio Fulco fommanbiren zwei ansehnliche Guerillashaufen, deren Operationen einen gemein, schafllichen Plan verrathen Fran^oiè Stoccki, der im Juni 1848 den Aufstand in Calabrien fommantirte, war von der Gensd'armerie angegriffen und gefangen genommen, als Bianchi zu seiner Hülfe herbeieilte und ihn befreite. Die bei dieser Gelegenheit gefangenen Gen's- darmen hat er nach Hause geschickt; dieselben Gensd'armen, fügt der Correspondent hinzu, welche Wciber und Kinder so lange mißhandelten und marterten, bis deren Männer oder Väter sich selbst ihren Henkern überlieferten. — In Nuastro fand der erste Zusammenstoß zwischen den Insurgenten und der Garnison statt, bei welcher Gelegenheit 23 Gensd'armen, 4 Munizipalsoldaten, ein Richter und mehrere Beamten erschossen wurden. Die Militärbehörde hat für diese kleine Stadt allein 900 Verhaftbefehle erlassen, welche die ausdrückliche Weisung enthalten, die Bezeichneten sollen, um das Recht der Justiz zu wahren, tobt ober lebendig abgeliefert werden. Das Schreiben schließt mit einer Schilderung der Zustände in Neapel selbst, wo die eifrigsten Vollzieher der Gewalt nicht mehr im Stande seien, den infamen Zumuthungen der Erekutionsbehörde zu genügen und deshalb ihre Entlassung geben mußten; in diesem Falle befänden sich die Generale Sauget und Guidicc und der berühmte Polizeikommissär de Simone. — Sie knüpft daran folgende Betrachtung: »Es sind drei Jahre her, daß man zur selben Zeit dieselben Symptome in Neapel, in Calabrien, in Sizilien wahrnehmen konnte. Vier Monate später war Sizilien frei und emanzipirt. Was in diesem Augenblicke zum zweiten Male in Calabrien vor sich g^t, erinnert genau an das, was vor drei Jahren am 1. Sept 1847 in Messina vor sich ging. Soll ein neuer Monat September nicht wieder das Vorspiel'ähnlicher Ereignisse sein, wie die waren, welche sich so wunderderbar am 12. Januar 1848 in Palermo erfüllten? — Wenn man Italien, Deutschland und vielleicht selbst Frankreich betrachtet, so fühlt man sich zu denken versucht, daß nichts verändert sei, als das Datum, und daß man sich noch im Jahre 1847 glauben könne.«
Portugal.
B. g. — Ein Schreiben auS Lissabon vom 3. September, welches der „National" veröffentlicht, schil eit die dortige» Zustände als in vollständiger Auflösung begriffen. Man sprach von nichts, als von einer bevorstehenden Militärrevolulion unter der Leitung des Herzogs von Saldanha; eS soll auf die Abdankung Donna Maria'S abgesehen sein. Die Regierung habe nicht einmal hinreichende Macht mehr, die Steuern, die man überall zn verweigern anfange, beizutreiben.