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Erscheint täglich, Montagè ausgenom­men. Vierteljährlicher Lbonnementspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex.

Dritter Jahrgang.

Petition lodere Eacengaffe Nr. 132) za O Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

-vt e vor n lsse.

Il 22Ä. Kassel. Mittwoch den 25. September 188V.

SC^ An unsere Leser. ^y

Wir ersuchen unsere Leser um ein baldiges Abonnement, da nur dadurch im neuen Quartal Unregelmäßigkeiten vermieden werden können, und da wir mit Beibehaltung desselben Preises eine Vergrößerung des Blattes beabsichtigen. Das Letztere ist je­doch nur bei einer Zunahme der Abonnenten möglich. Wir hegen das Vertrauen zu unseren politischen Freunden, daß sie gerade in einer Zeit, wie die jetzige, ihr Möglichstes dazu beitragen werden, die demokratische Presse zu stutzen und zu heben und ihr die Mittel zu einer größeren Kraft und Ausdehnung zu gewähren.

Die Redaktion der Hornisse.

Die Weser -Zeitung und die kurhessische Demokratie.

Kein anderes Blatt hat einen solch koketten, pretiösen, gecken­haft geschraubten Ton angeschlagen, wenn eS galt, seine allein selig­machenden Prinzipien den Prinzipien seiner Gegner gegenüberzuhalten, als die graue, dummstolze Weser-Zeitung. Mit größerer Anmaßung hat sich nie ein Journalist zum Richter über Alles, wovon er etwas verstand oder nicht verstand, aufgeworfen, als die Journalisten der Bremer EpicierS. Aber kein anderes Blatt hat sich gleichwohl so viel auf seinen Takt gewußt, als eben dicâ gespreizte Krämerblatt.

Betrachten wir uns diesen konstitutionellen Takt etwaâ näher. Diekurhessische Angelegenheit" gibt der Weser-Zeitung Veranlassung, die konstitutionelle und demokratische Partei Kurhessens zu vergleichen. Es leuchtet ihr zwar ein, daß nurdie Koalition mit der Demokratie dem konstitutionellen Widerstande in Kurhessen ihre (soll heißen seine) volle Wucht und ihren (soll heißen seinen) wirksamen Nachdruck gege. den" habe, nichtâ destoweniger hält sie aber für keinen Raub, wäh­rend der Coalition, mitten im gemeinsamen Lager, hart vor den feindlichen Kolonnen Abrechnung zwischen den beiden Parteien, Gericht über die Demokratie zu halten. Mit dem Takte der Wescr-Zeitnng ist eS vereinbar, jetzt, wo nach den eigenen Worten dieses Blattesder kurhessische Skandal noch keineswegs sein Ende erreicht hat", woder augenblickliche Stillstand nichts als die Ruhe vor dem An- griff" ist, jetzt, gerade in diesem Momente, wo sich aller Augen nach einem Punkte zu richten haben, wo, wenn nöthig wär, alle Par­teien daâ größte ihrer Opfer, daâ ihres eignen Charakters, zu brin­gen hatten, jetzt, gerade in diesem verzweifelten Augenblick der De- mokratieInkonsequenz", einungewaschenes Maul", eineverrückte Konsequenzmacherei" rc. rc. vorzuwerfen.

In der That, ein auffallender Takt und eine noch auffallendere Taktik! Ein Schimpfen und Spotten über den Gegner, dessen Schuld ist, daß Kurhessen im Augenblick die Blicke der Welt auf sich zieht, daß zur Zeit die gestimmte deutsche Demokratie in geschlossener Linie steht! Und wär die kurhessische Demokratie wirklich inkonsequent und verrückt, wie sie, Gott sei Dank! nicht ist, die gewöhnlichste Delikatesse, der einfache gute Geschmack hatte der Weser-Zeitung ver- bieten müssen, der Welt die Ursache deâ gegenwärtigen Sieges in Kurhesscn zu enthüllen, in diesem Moment eine Lache über die Nie- derlage der Demokratie in Kurhessen aufzuschlagen.

Wenn die Weser-Zeitung vom Absolutismus bestochen wäre, sie hätte nicht besser operiren können, als in ihrer Sonnabendönummer. Ihre Taktik ist die Taktik des Hrn. Vilmar, des VolksfreundcS. Oder wäre nicht denkbar, daß die kurhessische Demokratie der offenen Herausforderung die offene Antwort gäbe, daß sie den Vorwurf der Inkonsequenz, der Verrücktheit, desungewaschenen Mauleâ" von sich abzuwälzen suchte, daß sie den hereingeworfenen Streit fortsetzte, der kurhessischen Bewegung ihren eigentlichen Namen gäbe, die Gründe ihrer Betheiligung an derselben enthüllte, daß sie dem Absolutismus einen vielleicht sehr tiefen Blick in die Koalition thun ließ, welche demkonstitutionellen Widerstand seine volle Wucht gegeben hat" V

Wenn der Weser-Zeitung ihre Provokation gelänge, so wäre daS Ziel deâ Absolutismus erreicht, die Elemente der hessischen Bewegung würden sich zersetzen, die Parteien würden sich in die Haare gerathen, die Bewegung ginge nicht an dem Widerstand, sondern an sich selbst zu Grunde. Auf weiter nichts wartet Hr. Hassenpflug. ist die­sem verlorenen Manne unglaublich, daß die rothe Demokratie länger alâ 14 Tage still und schweigend an der Seite der konstitutionellen Partei stehen, daß sie fest und unbeirrt ihren Plan im Auge behalte«, keiner Herausforderung Folge leisten könne, ist diesem durch und durch verdorbenen Menschen ein Mirakel, wie man über ihn, über einen Fälscher, den Kampf der Prinzipien auch nur eine Minute ein- stellen könne. Hr. Haffenpflug ist innig überzeugt, daß die kurhessische Bewegung, deren eigentlichen Inhalt der Mann von Geeifâwalve besser und schlechter beurtheilt, alâ es die Weser-Zeitung vermag, durch ein simples Zögern und Zaudern, durch dasselbe Radowitzsche Tempori- siren, das wir bei der badischen Erhebung kennen gelernt haben, zer­sprengt werden könne.

Hr. Hassenpflug sowohl alâ die Weser-Zeitung verrechnen sich. DaS ist wenigstens gewiß, daß nicht die kurhessische Demokratie die Schuld tragen wird, wenn auch diese Bewegung vor der Kontrerevo- lution zur Salzsäule wird. Aber erst, wenn die Zeit erfüllt ist, wenn wir mehr oder weniger besitzen, alâ der Augenblick bietet, wird die kurhessische Demokratie den Vorwurf wieder aufnehmen, als beruhe die sogenannteKoalition mit der konstitutionellen Partei" auf einer Inkonsequenz, alâ wären die Demokraten von ihrerverrückten Kon­sequenzmacherei" genesen. Die Demokratie wird beweisen, daß sie ist, was sie war.

Deutschland.

** Kassel, 24. Sept. Der erfindungsreiche Korrespondent auâ Kassel in der Deutschen Zeitung ist kaum als Entenfabrikant -zu­rückgeklappt worden, so ersinnt er eine neue Ente. Er behauptet, der Vor- stand des permanenten Ausschusses habe im Auftrag deâ Ausschusses nach WilhelmSbad reisen wollen, um zu konstatiren, wo sich eigentlich die Regierung befinde. Abermals eine Ente Hr. Jagdjäger. Kein wahres Wort auch an dieser Jagdgeschichte!

Kassei, 24. Sept. Die obersten Behörden haben einen Protest nach Wilhtlmobad geschickt gegen die Beschuldigungen der Verordnung vom 17. September. Man trägt sich nun mit dem Ge­rücht einer neuen Verordnung, nach welcher ihnen ein bestimmter Ter­min gestellt werde; sei bis dahin die Buße nicht erfolgt, so gehe e» an die Maßregelung. Sicher! auch ohne Verwarnung!

* Kassel. 24. Sept. DieDeutsche Zeitung" ist endlich dahinter gekommen, daß Hr. Haffenpflug im vollsten Einverständniß mit dem f. g. Bundestag gehandelt hat. Es glaubtS ihr ern Jeder. Ob Hr. Haffenpflug dabei seine Verordnungen w» 4. und 7. eept.. zuvor dem engern Rath zur Billigung unterbreitet, ist ziemlich gleich­gültig, da bei vollkommenem Einverständniß eine solche Billigung auch nachher geschehen wird. Wichtiger aber -st die Nachricht, daß der Bundestag am 20. auf den Bericht deâ berüchtigten Hrn. v. Linde beschlossen habe:Kurhesscn (d. h. der Fälscher Haffenpflug) sollte