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großen Oper unmöglich gemacht. Und wenn auch diese Lücke sich zur Noth durch andere Musiker ersetzen ließ, so hat man doch 60 Familien auS ihrer Ruhe gerissen und 60 Wohnungen mehr leer gemacht *). Seht ihr, wollt ihr einen Kurfürsten von Hessen zur Nichtflucht zwingen? — Ein Kurfürst von Hessen rächt sich nicht; er verlegt seine Residenz!
* Kassel, 23. Sept. — Durch verschiedene Zeitungen geht die Ente, welche der Kasseler Korrespondent der Deutschen Zeitung erfunden, daß der ständige Ausschuß eine Deputation nach Hanau an den Kurfürst in partibus beabsichtige. Wenn diese Ente in ihrer beharrlichen Wiederkehr selbst einen Wunsch der Kostitutionellen aus- drücken sollte, so wird derselbe doch vermöge der demokratischen Mehrheit des Ausschusses nicht zur Wirklichkeit werden.
Kassel, 23. Sept. — Der landständische Ausschuß hat ge« steru eine Anklage gegen den General Schirmer in Fulda beschlossen und dieselbe sofort an hiesiges Generalauditorat zur Einsetzung eines Militärgerichts in Fulda abgehen lassen. Ebenso ist gegen den Bür- germeister Mackenroth zu Fulda die Anklage wegen Amtsüberschreitung rc. beschlossen und dem Staatöprokurator zu Fulda zugesendet. Der General Schirmer hatte die Konfiskation und Unterdrückung des „Wacht auf!" befohlen und Hr. Mackenroth ihm dazu hülfreiche Hand geboten; außerdem hatte der letztere gegen den Beschluß deö Gemeinderaths die Verordnung, den Kriegszustand betreffend, proklamirt. — Die Stadt- räthe von Gelnhausen und Eschwege haben bei dem Ministerium Protest eingelegt; der von Gelnhausen außerdem eine Dankadresse an den landständischen Ausschuß gelangen lassen.
△ Kassel, 23. Sept. — Noch immer befindet sich ein guter Theil Zeitungen im Dunkeln über den Verlauf der hiesigen eigenthümlichen Ereignisse. Von verschiedenen Seite« verlangt man nach Aufschlüssen. Man vermuthet noch immer irgend welche geheimnißvolle Geschichte«, die Niemand publiziren wolle, man glaubt, die hiesigen Zeitungen berichteten nicht alle vorkomm enden Thatsache». Aber eS ist Nichts passirt, als was berichtet worden. Und daS Geheimniß, daS im Hintergrund steht, ist nicht hier zu suchen, sondern in Frankfurt, Wien und Berlin Ein längst seinem Volk gänzlich gleichgültiger Fürst verschwindet, — weil niedrige Absichten und Pläne --— seiner Umgebung ihn dazu treiben und weil er selbst von seines Nichts- durchbohrendem Gefühl übermannt wird. Ein in allen Herzen abge- storbeuer Herrscher pflqnzt sich in einen günstigen Boden, um den Punkt zu finden, wo von Außen die verhaßte Konstitution auö den Angeln zu hebe» ist. DaS ist Alleâ! — Jeder sieht ihn gleichgültig ziehen. Jeder erwartet mit Gedult die Ansetzung der fremden Hebel. Sonst passirt Nichts. — Nur wahnsinnige Verordnungen durchbrechen als irrende Schwanzsterne die gemüthliche Stille und bringen als böse Propheten uns den Untergang unserer kleinen gemüthlichen Welt stets von Neuem in Erinnerung. — Nach Frankfurt, nicht nach Kassel, meine Herren von der Presse, wenden sie einstweilen ihre Blicke.
— Hanau, 22. Sept. — Frechheit dein Namen ist Hasseupflug. Kommt der fchaamlose Gauner mit Sack und Pack angezogen, nachdem Alleâ von Soldaten vollgestopft ist; vor aller Welt auf offenem Platze hielt er sofort Berathung mit seinen Spießgesellen. — Der hiesige Stadtrath hat eine Adresse an den Kurfürsten gerichtet, worin er die Anwesenheit desselben als unerfreulich bezeichnet und ihn ersucht, sich nach Kassel zurückzubegeben, und die Schlangen, die er an seinem Busen nähre, fortzuschleudern. — Der Kurfürst hat Nichts erwiedert. Er wird gefangen gehalten, wie die Konstitutionellen sagen, Niemand darf zu ihm, und Nichts darf er lesen außer dem Vilmarschen Volkâ- freund, der österreich. Korrespondenz und der neue» Kasseler Zeitung. Folglich ... ?? — sollte man dem Garderegiment den Vorschlag machen, Se. königl. Hoheit zu befreien und ihn im Triumph nach Kassel zurückzuführen. — Aber Hassenpflug hat sich eben 40 Oesen bestellt inü Schloß zu Hanau. Für diesen Winter will das Geschwür sich hier a tont prix festsetzen. Mein Gott, wenn nur das Obcr-Appellationö- Gericht aus Haft erkennen wollte. Daâ Geschwür sollte schon verschwinden. (Warum nicht außerdem auch? Ist nicht auch pagnau von London verschwunden? Oder ist diese Frage zu leidenschaftlich, wie daS Franks. Journal sich auSdrücken würde? Die Red.)
O ^Berlin, 21. Sept. — Gestern stand der Redakteur der „Kreuzzeitnng", der vielberüchtigte Assessor Wagener, vor Gericht, oder hätte wenigstens vor den Schranke» stehen sollen. Ein Redakteur der „Neuen Preußischen" muß sich zu sehr erniedrigt fühlcu, vor der preußischen Justiz zu stehe», die Waldeck freigesprochen hat, noch dazu, wenn eine Verurtheilung in Aussicht steht; Wagener hatte eS deßhalb vorgezogen, zu Hause oder in Zoppot zu bleiben, wo er den Sommer über seine müde» Glieder zu neuen Kreuzritterthaten gestärkt
') Ob an dem Gerücht etwas Wahres ist, daß das Theater mit dem 1. Oktbr. geschlossen oder nach Hanau verlegt werde, muß die Zeit lehren. Die Red.
hat. In der „Neuen Preußische»" befand sich nämlich vor einiger Zeit ein Aufsatz, der über die Juden und deren Wühlerei in unerhörter Weise loSzog und daS ganze Judenthum so gemein schmähte, daß selbst die Breslauer konservativen Judengemeinden de» Entschluß faßten, den Redakteur zu belangen, der nebenbei gesagt, eS gar nicht verschmäht, ächt- und halbjüdische Kräfte bestens für seinen Zweck auâzubeuten. Die Anklage lautete nach irgend einem Paragraphen unseres PreßgesetzeS auf Erregung von Haß und Verachtung gegen eine Klasse der Gesellschaft. Wagener hat den Verfasser nicht genannt, also die Strafe auf sich genommen, schickte aber am Abend vor dem Termine noch einen Brief ein, in welchem als Verfasser deâ Artikels ein hiesiger bekannter Kaufmann genannt war. Der Gerichtshof ging von der richtigen Ansicht auS, daß Wagener den Verfasser ebensogut schon früher hätte neunen können und beschloß die Verhandlung in contumaciam. Der Staatsanwalt trug auf 6mo«atliche Gefängniß- strafe und Verlust der Nationalkokarde an. Eâ wäre wirklich allerliebst gewesen, wenn der Gerichtshof nach Recht und Gesetz den Ne- dakteur der „Neuen Preußischen" zum Verlust der preußischen Nationalkokarde verurtheilt hätte!! Aber es war vorauSzuseho, daß unseren Richtern zu einem solchen wunderhübschen UrtheilSspruch daS Genie fehlen würde. Aecht prosaisch und notabene ächt patriotisch und ungerecht ließen sie eS bei einer Geldstrafe von 40 Thlrn. bewenden und sprachen Hrn Wagener die Kokarde nicht ab, da dessen patriotische Gesinnung männiglich bekannt sei!! So entging die „Neue Preußische" der Blamage, einen Redakteur ohne Nationalkokarde zu besitzen. — Mit Hannover werden die diplomatischen Beziehungen allmählich wieder ausgenommen. Man hat lange genug deâ Anstands halber böse mit einander thun müssen, und Hr. v. Knyphausen wird froh sein, wenn er sein liebes Berlin wiedersieht. So geht Alleâ mit der Zeit wieder in den alten Schlendrian über. Bald wird auch Hr. v. Bülow nach Hannover und Hr. V. Sydow nach Stuttgart reisen. — Nebenbei erwähnt stolziren unsere Konstabler jetzt im schwar weißen Helm und Waffenrock umher. Die berittenen führen auch Pistolen bei sich. 1852 wird, wie Buddelmeier sagt, jeder eine Kanone mit sich herumschleppen, wenigstens wird eâ eine Konstabler-Artillerie geben.
C Hamburg, 22. Sept. — Die Hamburger erbgesessene Bürgerschaft hat in ihrer letzten Sitzung (Donnerstag) plötzlich in allen fünf Kirchspielen den dringenden Wunsch auf durchgreifende Reorganisation unseres gesammten Militärwesens ausgesprochen, welches wohl mit andern Worten heißen soll: „Baldiger Abschluß einer Mi- litär-Kouvention mit Preußen und Abschaffung deâ Bürgermilitärs!" — Dagegen ist die vielseitig gehegte Hoffnung, dieselbe werde sich dem Senate gegenüber dahin äußern, daß eS eine Ehrensache für Hamburg sei, die rückständigen VerpflegungSqelder an Schleswig-Holstein baldmöglichst zu bezahlen, nicht in Erfüllung gegangen.
Hannover, 17. Sept. — Alâ der Kurfürst von Hessen-Kassel am späten Abende des 13. Sept, beim Könige Ernst August war, soll dieser in seinem eigenthümlichen Deutsch zu jenem gesagt haben: „Ist daö Hassenpflug auch hier? Daö muß gleich wieder fort, ich mag daâ Hassenpflug nicht leiden." Ob der König wirklich diese Worte gesprochen hat, kann von mir nicht nachgewiesen werden, indessen sehen sie so auS, als ob sie von ihm herrühren. WaS im klebrigen zwischen dem Könige und dem Kurfürsten verhandelt worden ist, hat man natürlich nicht erfahren. (N. fr. Pr.)
</ Vom Main, 2t. Sept. — Die Abdankungsgerüchte Ihres durchlauchtigsten Reisenden erhalten sich fortwährend. Dummeö Zeug. Daö ist eine alte Geschichte. Er ist schon längst s» gut wie ab gedankt worden, wie Sie zu sagen pflegen. Aber durch wen? Daâ ist die Frage. Einstweilen verbarrikadier er sich gegen jede Gemüthö- störung, da er an einem gelinben Slnfad von cholera morbus leidet, welche bekanntlich mit Affekten wie Furcht, verhaltener Zorn u. dg'. Hand in Hand geht. Ihr Fälscher ist mit Graf Thun ein Herz und eine Seele; in seiner Nähe findet sich der auâ Kassel fortgeschubte Obermüller alö Gesandter S ch m er l in g â. Vom 23. d. M. an wird in Frankfurt eine kurhesische Zeitung unter seiner Führung erscheinen unter dem Namen „Kasseler Zeitung". Eine neue Fälschung. — Der Kurfürst, der nicht flieht, hat gestern in Vilbel daö Bataillon Garde inspizirt, daâ darauf nach Bergen, Hochstedt, Enkheim und Seckbach abging. In Bockenheim, das die Preußen verlassen, ist »och kein hessisches Militär.
X Vom würtb Schwarzwald, 20. Sept. — Unser würtenb. Ministerium Linden-Müller macht Rundreisen im Lande a la Louiâ Napoleon und empfängt im klebrigen seine Parole auâ dem Kablnet von St. Petersburg, dessen Einfluß bei uns durch Heimführung der Kronprinzessin O l g a Nikolairowna Romanow auf Dezennien hinaus gesichert ist. Fürst Gortschakoff und der jüngst hier verstorbene kais. russische geheime EtatSrath v. Born repräsentiren hier den Selbst-