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Deutschland.

Hanau, 19. Sept. (F. I.) — Seit einigen Tagen bezieht das Militär verstärkt und ganz feldmäßig die Wachen. Noch um­fangreicher sind jedoch die Sicherheitsmaßregeln, welche in Wilhelms­bad getroffen sind. Eine Abtheilung von circa 100 Mann hält die Hauptwache beim Kurhause besetzt, während in dem Park Piquets auf verschiedenen Punkten aufgestellt sind und Husarenpatrouillen die Umgegend durchstreifen. Auf dem Bahnhöfe befindet sich auch eine starke Wache mit Sack und Pack ausgestellt und längs der Eisenbahn reiten Husarenabtheilungen hin und her.

*^C Hamburg, 19. Sept. — Der Hamburger Bürgerverein hat auf Antrag deS Präsidenten (Dr. GallviS) den Arbeitern in Barcley und PerkinS Brauerei, für die Art, wie sie mit Hrn. Haynau umgesvrungcn sind, eine Dankadresse votirt.

4- Frankfurt, 20. Sept. — Minister Hassenpflug, welcher so eben, 6 Uhr Abends mit Extrapost von Wilhelmsbad kommend, vor dem Allerheiligenthor aussteigen und in einem Fiacker zur Stadt fahren wollte, wurde von mehreren Arbeitern erkannt, gehörig durch- geprügelt und mußte unter Geschrei und Pfeifen hinzugelaufener Bu­ben durch die Flucht das Weite suchen.

* Karlsruhe, 19. Sept. — Es ist eigentlich Zeitverschwen­dung , über badische Zustände zu schreiben. Die Annehmlichkeiten eines Belagerungszustandes sind so ziemlich überall dieselben und, Gott sei Dank, jedem Deutschen hinlänglich bekannt. Am unangenehmsten sind Mittheilungen über standrechtliche Kammerverhandlungen. Gleich­wohl muß erwähnt werden, daß die Beschlagnahme der Landeszeitung die zweite Kammer einmal wieder in Allarm gesetzt und ihr die Frage abgenöthigt hat, ob denn der Belagerungszustand überhaupt ein nothwendiges Ingredienz eines germanischen Staates sei. Hr. Weller war der kühne Held, der diese Frage an den Minister des Innern zu richten wagte. Daß die Kammer vor Entsetzen über eine solche unerhörte Frechheit eines von preußischen Pickelhauben umla­gerten Deputaten nicht in Ohnmacht siel oder sofort Reißaus nahm, ist ein bis jetzt unerklärtes Wunder. Genug, die Frage war gestellt. Und, was noch wichtiger ist, das Ministerium blieb die Antwort nicht schuldig. Sie lautet einfach und bündig dahin, daß vor Beseitigung des Belagerungszustandes die erforderlichen Gesetze fabrizirt werden müßten, welche an die Stelle desselben treten könnten, daß aber die Presse vom Belagerungszustand gar nicht mehr alterirt werde, sobald man nur erst die gehörigen Preßgesetze besitze. Ist das nicht offen gesprochen? An die Stelle des Ausnahmezustandes soll der gesetzliche Belagerungszustand treten und und die Presse wird nickt alterirt wer­den , weil der gesetzlicke Belagerungszustand keine Presse mehr auf­kommen läßt. Wir haben eine bewundernswürdige Logik in den deutscken Landen' Hr. Meller wird sich zufrieden geben.

* Stuttgart. 17. Sept. — Fürst Waldburg-Zeil ist wegen Beleidigung der Regierung zu monatlicher Haft und 200 Fl. Strafe verurteilt.

Frankreich.

ff Paris, 18. Sept: — Das Verhalten Kurhesseus erregt hier außerordentliche Sensation. Die „Republique", in welcher Pierre Lerour schreibt, spricht heute: „Großes und erhabenes Bei­spiel. E'ne nicht zahlreiche Bevölkerung in Deutschland zeigt so eben der Welt, wie man einen —--Prinzen, ein nach Unrecht gieriges Ministerium, worin ein gemeiner Unterschleifer und Spitzbube Namens Hoffenpflug sitzt, durch allbeschloßne, friedfertige Abgaben. Weigerung (?) in Schach halten kann Wir danken den edlcn Hessen dafür, auch uns Franzosen das Exempel gegeben zu haben. DaS hes- sische Militär schlägt sich nicht gegen daS hessische Volk, und auch daS ist ein erhabenes Resultat. Warum, bei Gott, sollte sich auch Bür­ger und Soldat gegenseitig zerfleischen, sobald ein Prinz eS befiehlt? Wären doch die Völker ganz Europas von diesem Geiste durchdrungen! Wie schnell würden dann sämmtliche Schufte mit Orden, sämmtliche Gauner mit der Schreibfeder Hinterm Ohr und mit der grünen Mappe unterm Arm, sämmtliche Wölfe und Hyänen, die sich Hirten der Nationen nennen, wie schnell würden alle diese davon laufen und nicht wiederkehren! Wir danken nochmals dem hessischen Volke." Aehnlich reden die demokratischen Blätter „National", „Democratie pacisique", „Peuple de 1850". Aber so freundlich sie alle für Hessen, so unfreundlich sind sie gegen Schleswigs neuesten Feldzug. — Die Prügel, die General v. Haynau in London schmeckte, dienen auch hier zum Entsetzen aller Reaktionöjournale und zum Frohlocken aller Nevo- lutionöblätter.

B. g. Paris, 18. Sept. — Wenn daS Elysee in seinem Ent­schluß, sich auf die Republik stützen zu wollen, noch schwanken konnte, so werden eS gewiß folgende kategorischen Erklärungeu der Legitimisten

darin bestärkt haben. Die Vorwürfe, welche der „Constitutionel" gegen die Legitimisten in einer sehr heftigen Sprache richtet, und worin er sie deS VerrathS an früher eingegangenen gegenseitigen Derträoen beschuldigt, beantwortet die „Op nwn publique" folgenderweise: „Wir bedauern, dem „Eonstituti'onel erklären zu müssen, daß die Legitimisten nie für eine Regierung de facto stimmen werden, daß eâ ihnen ferner nie in den Sinn gekommen ist, eine Annäherung zwischen dem Grafen Chambord und dem Präsidenten in der Art anzubahnen, um darauâ eine Unterstützung der Präsidentschaft folgern zu können. Nein, nie werden sie die Hand zu einer, wenn auch nur provisorischen Erbaltung der Präsidentschaft reichen. Weit entfernt, zu glauben, daß der Bo- napartismus sie vor einer Revolution bewahren werde, betrachten die Legitimisten ihn vielmehr als revolutionär gefäbrlich. Unser Entschluß — fährt daS Blatt fort — steht fest und ist einstimmig gefaßt, keine Verlängerung der präsidentiellen Gewalt zu Gunsten LouiS Napoleons zuzugeben, und man wird sehen, ob sich nicht die ganze kompakte Rechte der Kammer gegen einen solchen Vorschlag erbeben wird, wenn er vorgebracht werden sollte. Kein AuâkunftSmittel mehr, entweder eine konstitutionelle gesetzliche Erwählung, wie sie Herr LouiS Bona­parte angenommen hat, insofern Frankreich sie zuläßt, oder erbliche Monarchie; und eS gibt ebensowenig zwei Monarchien als eâ zwei Erblichkeiten gibt. Die ganze Rechte ist über diese Frage eintet ; man wird eS nach der Vertagung sehen." Macht sich nach dieser Erklärung daS „Elysëe" noch monarchische Illusionen, so haben die Legitimisten wenigstens keine Schuld daran.

Der große sogenannte Verschwörungsprozeß zu Oran, bei wel­chem 66 Angeklagte, zum größten Theil im Staatsdienste Angestellte, siguriren, wird gegenwärtig vor dem Tribunal derselben Stadt ver­handelt. Auâ der Anklageakte gebt hervor, daß die Beschuldigten eine Gesellschaft mit geheimnißvollen, der Freimauerei nachgeabmten Formen organisirt haben sollen, welche die Propaaanda des Soria- liâmuâ zum Zwecke hatte. Die Anklageschrift erhält durch die Be- schreibung deS ganzen Apparats von Mysterien , Symbolen und Cere- monien bei der Aufnahme der Neophiten, nnd durch die Citirung von Namen, wie St. Juste, Robeöpierre, Marrat, Cromwell u. f. w., die sich die Mitglieder beilegten, einen romantischen Anstrich, der aber am Schlüsse in dem ernsten Anträge zur Verurtheilung der Angeklagten wegen Hochverraths, wegen Versuchs zum Umstürze der Regierung u s. w. aufgcht. Eâ steht jedoch zu erwarten, da außer einigen Pri- vatbricfen keine bestimmten Thatsachen zur Begründung der schweren Ankagepunkte vorliegen, daß das Urtheil nicht so streng ausfallen werde.

Dem Journal des Dëbatâ wird aus Rom unter dem 9. Sept, geschrieben, tu wohlunterrichteten Kreisen behauptet man, der englische Konsularagent in Rom, Hr. Freeborn, werde unverzüglich seine Amts­führung einstellen. — Der Prozeß wegen Ermordung Rosst's, der durch die dazwischen getretenen Ereignisse unterbrochen war, ist wieder ausgenommen worden; man versichert, der Schuldige sei in den Hän­den der Justiz, eS sei aber noch nicht an der Zeit, ihn zu nennen.

Wir haben in der letzten Zeit öfters daraus aufmerksam gemacht, daß die Franzosen ihrer Gewohnheit zuwider anfangen, sich mit den deutschen Verhältnissen zu beschäftigen. Bis jetzt waren es nur Taaes- sragen, die sie behandelten; die „Democratie pacisique" bringt eine längere Abhandlung über deutsche politische Verhältnisse mit einer hi­storischen Einleitung, welche ein tieferes GeschichtSstudinm vorauâsetzt. Der Verfasser, Hr. Eerrcymond, beurtheilt die Verhältnisse von sei­nem Standpunkt alS Demokrat ohne Parteiiibertreibung mit objektiver Schärfe und schließt mit folgender Ansprache an das dentschr Volk: „Deutsches Vaterland, wende deine Dicke zu dem französischen Vater­land und reiche die Freundeshand dem slavischen Vaterlande dar. Du wohnst im Herzen von Europa und berührst alle Völker; pflanze auf allen Punkten deines weiten Kreises daâ Wort »Brüderlich' keit« auf."

England.

I London, 17. Sept. Den englischen Journalen, den hoch' torystischen Kreuzzeitungen „Timeâ" und „Chronicle" hätten die Ar­beiter sicherlich keinen größeren Gefallen erweisen können olâ Hrn. Haynau durchzubläuen, und ihre Editoren sollten sich, der Billigkeit halber, wenigstens öffentlich dafür bei den Brauern der Herren Bar­clay PerkinS u. Comp. bedanken. Waâ hätten die armen Zeitungs­schreiber in dieser leeren Zeit auch angefangen? — Dr^alb wir immer auf Haynau herumgedroschen, und wenn je Etwas in demse - ben zu finden war, so haben eö die Barclay'ichen Brauer und ’s engl. Zeitungen längst herauSgearbcitct. — Am schlimmsten aber komm der „Held" von TemcSvar bei Freund „Punck", diesem kräftigen un vielgelesenen Witzblatte weg, welches einige Gaffenhauerverse auf >Vn fabrizirte und in gutem engl. Holzschnitt in dem Aufzugs ar c , wie ein Kohlenträger den Beschnmrbärteten zum Boxen hcrauSfordeN,