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Beispiele SachsenS und Mecklenburgs ist vielmehr gute Aussicht vor­handen , daß man die Minoritätsspielerei durch das Menuett mit den Landständen von 1847 ersetzen wird. Die „Neue Preußische" hat ja ohnehin die Rechtsbeständigkeit derselben nachgewiesen und die „Neue Preußische" hat immer Recht! Der dicke Dyhrn sollte also zufrieden fein, wenn man ihn überhaupt noch einmal seine konstitutionellen Stoßseufzer auShanchen läßt und sollte nicht darauf dringen, daß dies in Kürze geschehe. Er sollte bedenken, daß Hr. v. Manteuffel in die- sem Drängen leicht Anlaß sinken könnte, die Kammern gar nicht ein« zuberufen, we l sie systematische Opposition machen würden!! Nicht besser steht eS mit dem UnionSparlament. — — Man arbeitet tüchtig an der Konstitur'rung unseres gesinnungsvollen G eme in de ra th S. Man will die Stadtverordneten sobald als möglich loS sein. Es wird deshalb auch nicht lange andauern, und wir sehen den Gemeinde- rath in voller Funktion. Eâ soll mich nur wundern, ob Naunyn oder KrauSnick den Sieg davontragen wird. Sie besitzen beide so treffliche Eigenschaften für einen Berliner Oberbürgermeister, daß die Wahl wirklich schwer fällt. Vorher wahrscheinlich noch wird der König nach Berlin zurückkehren. Sein Einzug wird durch eine große Illu­mination gefeiert werden, die Fenster abgerechnet, die dunkel bleiben.

— Außer den mehrmaligen Haussuchungen in der Redaktion der „Abendpost" und in der Wohnung ihres Faktors, Buchdruckers Bitt­mann, hat man auch eine achtstündige Haussuchung in der Woh­nung des verhafteten Redakteurs der „Ewigen Lampe", Arthur Müller, vorgenommen. Sollte die Haussuchung, bei der kein Plätzchen un­durchstöbert blieb, etwa deshalb so hartnäckig gewesen sein, weil Ar­thur Müller Papiere besitzen soll, die sich auf einen berüchtigten Prozeß vor dem März beziehen, in den sogar Mitglieder deâ königlichen Hauseâ verwickelt waren?? — Mao erzählt sich hier, der Kurfürst von Hessen wolle im äußersten Falle zu Gunsten deâ Großherzogö von Hessen-Darmstadt abdanken. Ich zweifle an der Wahrheit des Ge- rüchtS, aber ich will eS Ihnen doch mittheilen. (Daâ Gerücht läuft schon seit zwei Tagen durch die Zeitungen. Wir haben keine Notiz davon genommen, weil die Constituirung eines neuen „Königreichs" außer aller contrerevolutionären Berechnung liegen muß. Die Red.)

— Schwerin, 17. Sept. — In allen konstitutionellen Mittel- floaten scheinen die Berfassungökämpfe so ziemlich denselben Charakter des passiven Widerstandes annehmen zu wollen. Auch in Mecklenburg nimmt man noch nachträglich einen Anlauf dazu, kommt jedoch wie überall hier im Lande post festum. Die konstitutionelle Partei Lützow ist seit der Entscheidung der Kompromiß. Instanz gänzlich abhanden gekommen und unsere Demokratie beeilt sich, die von jener aufgege­bene Posilion einzunkhmcn. Es ist dieses nicht der erste Fehltritt, den sich diese Partei zu Schulden kommen läßt. Vielleicht dürften sich in keinem anderen Lande Deutschlands so viel demokratische Elemente vor- siiiden, als hier; dieselben wogen jedoch in so elementarischer Bewußt­losigkeit durcheinander, daß sie eS weder zu einem festen Prinzip noch zu einem klaren Zwecke gebracht haben. — Wiggerâ, der Präsident der aufgelösten Kammer, hat dem VerfassungSbruche deS GroßberzogS mit folgendem Schreiben an sämmtliche Mitglieder deS vorhiunigen Landtags geantwortet:

„ An den Herrn N. N. In Grundlage deS § 99 deS Staatâ- grundgefetzeâ hat sich die am 1. Juli d. I. aufgelöste Kammer der Abgeordneten am 24. d. M. in Schwerin zu versammeln. Selbstver- stündlich hat das am Schlüsse der letzten Versammlung fungirende Bureau die Einleitung für den bevorstehenden Zusammentritt zu treffen. Ich anberaume daher auf den 24flen dieses MonatS, Mittags 12 Uhr, eine Sitzung, zu welcher ich Sie hiermit einlade. — In Betreff deâ SitzungSlokalâ werde ich am Abend vor der Sitzung in meiner Woh­nung, in Stern's Hotel, Auskunft ertheilen. Rostock, den 15. Sept. 1850. M oritz W ig ger â."

Hieraus geht hervor, daß unsere Demokratie ernstlich beabsich­tigt, ihre Kräfte in einem erfolglosen Kampfe für eine Verfassung aufzureiben, welche das Werk deS abhandengekommenen Konstitutiona- liâmuâ ist und für die sie kein Herz hat. Eine hübsche Sache um die politische Ehre; daß diese jedoch darin bestehen sollte, daâ Interesse der demokratischen Feinde, welches von diesen selbst feige aufgegeben worden ist, zu vertheidigen und die eigne Partei zu Gunsten der Kon­stitutionellen von der Reaktion vernichten zu lassen, will unS nicht einleuchten. Die Demokratie hat ihre Kräfte zum Kampfe für ihre eigne Sache nöthig genug. Laßt doch die Konstitutionellen vortreten, wenn sie den Muth dazu haben; auf und können sie dem gemeinsamen Feinde gegenüber immer rechnen. Aber in die erste Schlachtreihe eines konstitutionellen Kampfes zu treten, wäre eine um so größere Thor­heit von unâ, da wir auf jene nicht rechnen können.

Wie gründlich Hr. v. Bülow die konstitutionelle Partei inner­halb weniger Monate ruinirt hat, geht schon daraus hervor, daß sebst der nun entschiedene Abfall von der Union nicht die geringste Sen­

sation hier erregt hat, und wenn derlei Völkchen stillschweigend auf die preußische Knute verzichtet, dann ist eâ sicherlich nicht mehr am Leben.

Braunschweig, 16. Sept., Mittags. — Aus zuverlässiger Quelle wird mir mitgelheilt (auch fängt die Nachricht bereits an, sich im Publikum zu verbreiten): Nachdem der Herzog sich entschieden ge­weigert hatte, den preußisch-dänischen Frieden zu ratifiziren, begab sich gestern Nachmittag daâ Ministerium nochmals zu Sr. Hoheit nach Richmond und hat nunmehr seine Demission eingereicht." Ob die De­mission angenommen, ist nicht bekannt. Das Gerücht trägt sich mit einem Ministerium unter dem Vorsitz Campe'â, ja speziell mit einem Ministerium Campe-Koch-Pini. Ist die Nachricht begründet, so er­scheint sogleich eine entschiedene Aenderung der bisherigen Politik alâ gewiß. Daâ Ganze ist indeß eben so plötzlich, als unerwartet und überraschend gekommen. — Eine andere Nachricht sagt, daß daâ Mi­nisterium nur für den Fall abtreten wolle, daß eine Aenderung der Politik überhaupt in Folge der Nichtratisikation eintreten solle. (M. Z.)

Frankreich.

8.^. Paris, 17. Sept. — Die Lösungen häufen sich und die Nationalversammlung wird bei ihrem Zusammentritt über eine Menge. von Anträgen zu entscheiden haben. Die Anhänger der Monarchie rechnen auf eine durch die Vereinigung der Orleanisten gebildete Ma­jorität in der Nationalversammlung mit solcher Zuversicht, daß sie die Frage: „Monarchie oder Republik" schon in der nächsten Sitzung zur Entscheidung zu treiben, alle Anstalten treffen. — Der „Sr'ecle" enthält heute einen langen Brief auâ Ostende, worin die Einigung der Orleanisten mit den Legitimisten, welche dort in einem Familien- kongreffe verhandelt werden sollte, in Abrede gestellt wird. Die Her­zogin von Orleans, die nur auf die Rathschläge deâ Hrn. Tyierâ hört, will keinen ihrer Ansprüche aufgeben und die Königin von Bel­gien soll geäußert haaen: „Ein großer Theil der Unbeliebtheit, die auf den Bourbonen lastet, würde auf uns zurückfallen. Bleiben wir Orleans und warten ab." Daß aber in Ostende dennoch Unterhand­lungen stattfinden sollen, geht daraus hervor, daß man dort stündlich die Ankunft der Herren Salvandy, Duchâtel , Montalivet und Dumon erwartet.

Auf die Nachrichten von der Flucht des Kurfürsten von Kassel versammelte sich sofort ein Ministerrath im Elysee.

In Belleville, dicht an der Barriere von Paris, hat sich eine Diebesbande gebiloet, welche nach Statuten, die sich jetzt in den Hän­den der Behörden befinden, vollständig organisirt war. Hin Haupt­mann, ein Lieutenant, zwei UnterlieutenantS und 12 Unteroffiziere kommandirten eine kleine Diebesarmee von 129 Mann, die in zwölf Adtherlungen zur Ausbeutung der zwölf Arrondissements von Paris abgetheill war. Jede dieser Sektionen hatte einen besonderen Namen, als z. B. Zieher, Auflader, Angeber, Stoßer, Ratten, Beschädiger, Feldprediger u. s. w. Der Kapitän dieses nobeleu Korps wurde gestern in dem Hofe deS öffentlichen Schatzes von einem Polizeiagenten, welcher durch ein verhaftetes Mitglied von den Geheimnissen der Bande unter- richtet war, arrelirt. Es ist ein junger Mann von guter Familie und von vortrefflicher Erziehung, der in der großen Welt unter dem Namen eines Barons deS Ardennes figurirte. Der Chef der „Feld- Prediger" soll ein ehemaliger Priester sein, der kürzlich alâ indischer Mlisionär einer frommen Dame 11,000 Franken abschwindelte und ehrlich an die Vereinskasse ablieferte, welche jedem Diebe ohne Geld alle 14 Tage 450 Franken alö Gehalt auszahlte. Der Kapitän hatte eine sehr ellgante Equipage auS mehreren Wagen bestehend, die so­fort nach der Präfektur gebracht wurde.

Die Gräfin Landsfeld (Lola Montez) ist von ihrer Reife nach England zurückgekehrt, welche sie unternommen hatte, um sich mit thränt Rechtsbeistanve über ihr Verhalten in der neuen Lage zu berathen, in welche sie durch den Tod ihres ersten und daS Verlassen ihres zweiten Mannes versetzt ist. Das Glück scheint diese Frau eben so sehr mit seiner Gunst, alâ mit seinen Capricen zu verfolgen.

Der Akademie der Wissenschaften ist ein merkwürdiges Memoir eingereicht worden; eS besteht in dem Vorschlag, eine Luftflotte zu errichten, welche zur Unterdrückung der Revolutionen angewendet wer­den soll. Der Verfasser detaillirt sein wenig kostspieliges System, dessen bewegende Kraft in der Erzeugung eines starken Lastzuges, durch Einsaugen und Ausstößen der Luft, an den beiden Extremitäten deâ Schlffeü besteht. Dieselbe Methode wird gleichzeitig von zwei Seiten empfohlen. Der französische Gelehrte, Hr. Jovart, schlägt deren An­wendung für den großen Tunnel vor, der Italien und Frankreich mittelst eines Durchstichs der Alpen verbinden soll. Der Oberst Ja­blonowski bietet allen Mächten seine Mitwirkung zur Errichtung von Luflkriegüschifftn nach einem ähnlichen Systeme an.

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