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sung einer AntwortSadresse, der unumwundene Antrag auf Steuerverweigerung in der zweiten Kammer beweisen zur Genüge, daß sich unsere Kammerdemokratie ihrer Aufgabe und ihreö Zieles bewußter ist, als es die kurhessische war. DaS wissen die Konstitutionellen sehr wohl, und daher die auffallende Erscheinung, daß die „Deutsche Ztg.", die „Köln. Ztg." und die ganze Gothaer Presse, welche dem kurhess. Landtag und der auS ihm hervorgegangenen konstitutionellen Opposition nicht genug Bewunderung zollen können, unserer zweiten Kammer gegenüber bereits Fiont machen und dieselbe mit Perfidie und Hohn zu überschütten suchen. Und gleichwohl handelt eS sich hier ganz um dieselben Fragen wie dort. Einen Unterschied zwischen Hrn. v. Dalwigk und Hrn. Hassenpflug zu finden, vermag nur Hr. Jaup und Kons. Ein Bischen Opposition gewährt diesen Herren die größte Freude, für passiven Widerstand sind sie bekanntlich passionirt, aber sobald die Sache Ernst zu werden droht — und daS würde sie durch unS werden — so tragen sie unbedenklich den Verhältnissen Rechnung und tröste» sich mit der Union und Schleswig-Holstein. Hr. Jaup hat ganz richtig, wie alle seine Gesinnungsgenossen, herauSgewittert, daß Schleswig-Holstein gegenwärtig die einzige Frage sei, bei der sich bequem und gefahrlos in Patriotismus machen lasse, eine Frage, die in ihrer vieldeutigen Vagheit und Flachheit bereits so ganz nach dem Herzen eines bankerotten Gothaer gemaßregelt sei. Daher stellte er auch in der gestrigen Sitzung der ersten Kammer den Antrag: „die StaatSregierung unverzüglich zu ersuchen und sie zu ermächtigen, die Fordei ung Schleswig-Holsteins alsbald zu berichtigen, und, wenn etwa ihres Erachtens die Forderung an das gesammte Deutschland zu richten sei, dieselbe, da ein solches jetzt nicht existirt, vorschußweise auszuzahlen, sich vorbehaltend, seiner Zeit den Ersatz bei der Gesammtbehörde Deutschlands zu verlangen." Gegen den Antrag als solchen ist natürlich nichts einzuwenden, nur der Umstand, daß ihn gerade Hr. Jaup stellt, derselbe Hr. Jaup, der alles Mögliche thut, um die Energie unserer Kammern zu brechen, und auch gestern wieder die erste Kammer beschlußunfähig machte, als sie dem Dankvotum der zweiten Kammer an das kurhessische Volk beitreten wollte, dieser Umstand beweist, daß unser KonstitutionaliSmuS bis auf Schleswig-Holstein Bankerot gemacht hat. Und an diesem Schleswig-Holstein der Herren Willisen und Be- seler ist auch eben nichts mehr zu verlieren. — Tie Sitzung der zweiten Kammer war von keinem Interesse, eS handelte sich ausschließlich um Legitimationsfragen.
— Einen Beleg für die Mittheilung unseres Korrespondenten lesen wir unter Anderem auch in der „O.-P. A. Z ". Dieselbe schreibt in Bezug auf den Lehnr'schen Antrag aus Rheinhessen: „Unsere demokratischen Volksvertreter geriren sich bereits in Darmstadt als Konventtmitglieder im verjüngten Maßstabe, und scheinen große Eile zu haben, wieder zu ihiem häuslichen Heerde zurückzukehren, denn sonst würden sie nicht mit der Hast aufgetreten sein, wie wir eS in der Sitzung vom 13. wahrgenommen haben." — So lauten übrigens auch die Stimmen in den meisten konstitutionellen Organen. Also hat Hr. Vilmar doch Recht, wenn er die kurhessischen Stände für Rebellen und den Ausschuß für eine provisorische Regierung erklärt. Ist eS nicht so, Hr. Oetker und Henkel?
KarlSrithe, 16. Sept. — Gestern wurde die badische LandeS- zeitung mit Beschlag belegt. Den Anlaß gab ein Artikel, welcher die Rede deâ Abgeordneten Böhme in der letzten Sitzung gegen von Jystein'S Wiedcreinberufung einer scharfen Kritik unterzog. Heute Vormittag wurde daS Blair auf Befehl deS preußischen Stadtkomman- danken unterdrückt, und diese Maßregel hat biâ in die reaktionären Kreise hinein allgemeine Entrüstung erregt. Die Süßigkeiten der preu- ßischen Besetzung zeigen sich täglich mehr. (Nichtsdestoweniger hat der burleske Hr. v Soiron die abenteuerliche Frage an die Negierung, ob und welche Verhandlungen über die kurhessischen Wirren im ^ür: stenkollegium gepflogen seien. Armes Kurhefsen!)
Frankreich.
B. g. Paris, 16. Sept. — Die Gruppirung der Parteien erhält nach und nach bestimmtere Konturen. Aus dem Gemische widerstrebender Elemente scheidet nach und nach die Kristallisation die verwandten Bestand theile heraus, und man fängt endlich an, Freund und Feind zu unterscheiden. Die unnatürlichen Allianzen, welche die Furcht, dieser allgewaltige Diplomat der Gegenwart, zusammenbrachte, lösen sich auf und allmählich entfalten die aufgerollten Banner der sich trennenden Gruppen die Devisen der drei Parteien, welche überall, hier aber am offensten, sich um die Lösung der drei Fragen: was auf- hören, waö bleiben und waS werden soll, streiten, daher die Namen „Partei der Vergangenheit", Partei der Gegenwart" und „Partei der Zukunft". Der Zuwachs an Macht, den die erste dieser Parteien, die Monarchisten, erhalten hat, wenn sich die noch immer bezweifelte Fusion der beiden Bourbonischen Linien bestätigt, muß nothwen
diger Weise die Gegner zum entschiedeneren Auftreten treiben und die Entscheidung beschleunigen. Da wir für politische Prophezeihungen keinen Beruf in uns fühlen, so begnügen wir unS mit der Aufzählung der Streitkräfte und Hülfsmittel, welche für den bevorstehenden Kampf einer jeden Partei zu Gebote stehen. DaS alte, auö Adel und Geistlichkeit bestehende Kontingent der Legitimisten wächst zu einer formi- dabelen Armee heran, sobald die Orleanistcn ihnen die Repräsentanten deS Kapitals und deS großen Besitzes zugeführt haben werden. Ihre Werber sind: Tradition, göttliches Recht und Furcht vor dem Sozialismus. DaS Elysee ist eigentlich nur zu einer Partei geworden, weil und so lange es sich im Besitze der exekutiven Gewalt befindet; der monarchischen Ligue gegenüber bleibt ihm nichts anders übrig, als daS Kaiserthum in daS Fach der Reproducenda zu legen und sich der Partei der Gegenwart anzu'chließen. Diese Taktik kann ihm, wenn eS gut manövrirt, die vor jeder Veränderung zitternden Anhänger des Bestehenden, d. h. die ganze industrielle Bourgeoisie und die kleinen Besitzer zuwenden. Die dritte endlich, die Partei der Zukunft, ist anscheinend niedergekämpft und in sich selbst zerfallen; die Führer sind verbannt, oder im Gefängniß und haben sich noch nicht über ein gemeinsames Programm einigen können. Und doch ist diese verfolgte, mittel - und rathlose Partei der Schrecken der beiden anderen. Sie fürchten nicht die lercht erregbare, immer schlagfertige Armee der Proletarier, nicht den tödtlichen Haß der Demokraten gegen die bevorzugten Klassen; waS sie aber entsetzt, das ist der gestaltlose Feind, der unter dem Namen deö Socialismus unmerkbar den Boden unter ihnen minirt, das ist der Kampf für eine Idee, wofür die vorhandenen Zeughäuser keine Waffen bieten. Je höher sich die Dämme thür- men, desto höher steigt die Fluth und wird sich endlich gewaltsam einen Ausweg bahnen, wenn man nicht bei Zeiten für Ableitungska- näle sorgt. Solche Warnungsrufe hört man täglich aus dem Lager beider Parteien her- und hinüber schallen, der Sekteneifer erlaubt ihnen aber nicht, sich mit etwas Anderem, als mit ihren Parteiinteressen zu beschäftigen.
Die Entrüstung über die Dezembristen hat sich so laut ausgesprochen, daß eâ die Journale deS Elysee für nothwendig gefunden haben, zu erklären: daß die Gesellschaft weder eine Unterstützung vom Elysce beziehe, noch irgend Jemanden aus der unmittelbaren Umge- gebunq deS Präsidenten zu ihrem Mitgliede zähle.
Man schreibt auâ Genua: der Kardinal Lambruschini, der erwählte Beschützer Piemonts, habe dessen Abgesandten Pinelli so wirksam unterstützt, daß alle Aussicht vorhanden sei, der Papst werde in dem Streite mit Piemont nachgeben und Lambruschini inS Ministerium treten. Dagegen will die Union einen Brief aus Rom vom 4. d. M. erhalten haben, demzufolge Pinelli zwar eine Audienz beim Papste erwirkt habe, mit seiner Mission aber vollständig gescheitert sei.
Man sagt; die Verschmelzung der Bourbonischen Linien sei wieder vertagt worden. Man schreibt die Ursache davon der Dazwischenkunft des Hrn. ThierS zu, der Alles aufgeboten habe, um daS Zustandekommen eines von seinem ewigen Rivalen, Hrn. Guizot, unternommenen Werkes zu vereiteln.
In dem gestrigen Ministerrathe ist die Angelegenheit der Gesellschaft deS zehnten Dezember heftig diskutirt worden. Man versichert, mehrere Minister würden auSscheiden, weil sie nicht eifrig genug die Bonapartische Partei unterstützen wollten. — Die Börse ist in Folge der Nachrichten auS Hessen-Kassel und Schleswig-Holstein gefallen.
^ Paris, 16 Sept. — Die Blätter aller Farben hierselbst nehmen innigen Antheil an Kurhessen's Sache, und was höchst bezeichnend, das louiSphilippsche, aristokratische Bourgeois - Journal „deS DebatS", ist entschieden für das hessische Volk gegen die hessische Regierung. DaS Journal ist immer dort für die Freiheit, wo seine ehe- malige Partei, die Bourgeoisie, mit Abgabenzahlung gepeinigt wird. Ob auS der Steuerverweigerung später Republik u. s. w. entsteht, ist diesem Journal einerlei. Aber in der That, so abscheulich ein Journal wie jeneS ist, so dürfte doch sein vier Spalten füllender Leitartikel über Kurhessen, in Berlin, Petersburg und Wien die Reaktion stutzig machen. Das russische Blatt „Assemblee nationale" speit seit fünf Tagen nicht Feuer, nicht Gift, sondern Dreck und Pestdampf gegen daS hessische Volk, und erklärt, eâ sei eine „abgemachte Geschichte", daß alle deutschen Konstitutionen durch deutsche „Militärfürsteu" abgeschafft und die „Aufruhrgcdankcn" Deutschlands durch deutsche „Kar- tätschen" vernichtet werden würden; eher sei kein Heil für daS auf 1815 gebaute Europa zu hoffen. Aehnlich sprechen die legitimistischen Blätter „Gazette de France" und „Opinion publique", wobei die guten Franzosen, wären sie nicht blind, deutlich ersehen müssten, daß die Redensarten der Legitimisten über SteuerbewilligungSrecht der Nationen pure Lügen sind. Die demokratischen Blätter „Presse", „Republique", „National" sind sehr erfreut; „Stöcke" bringt heute ein wahres Loblied dem „Hessischen Volke" und weissagt baldige ^mavjz«