ein Rennthier und ein Hase in einer Person. Oder wollte er nur die eilende StaatSidee unterwegs anhalten und zurückführen? —
Deutschland.
* Kassel, 19. Sept. — Für Schleswig-Holstein ist gesorgt und das Vaterland vollständig gerettet. Hören wir! „Da in Schleswig-Holstein das Bier so schlecht und bei dem gegenwärtigen Gesund- heitözustande nicht zuträglich ist, hat ein wackerer Münchener Bürger, der Löwenbrauer Hr. Brey, kürzlich ein Faß Doppelbier dorthin ge- sandt. Jetzt haben mehrere dortige Brauer zusammen über 100 Eimer Bier jur Versendung nach SchleSwig-Holstein bestimmt." Halbpart Hr. Wi'llr'sen?
* * Kassel, 20. Sept. — Auch im hiesigen Bezirk sind die betreffenden Behörden bereits mit den Vorarbeiten für die neuen Ständewahlen beschäftigt.
△ K aUel , 20. Sept. — Wir haben gestern in einem Extrablatt die Verordnung mitgetheilt, wodurch Hr. Hassenpflug die Behörden abermals einzuschüchtern versucht. Wir können heute versichern, daß das Hassenpflug'sche Machwerk kein anderes Gefühl, als das deS M i t l e i d e n S rege gemacht hat. Der Greifswalder Sträfling ist glücklich unter die Stufe des Lächerlichen hinabgesunken.
* Kassel , 19. Sept. — Die städtischen Wahlen sind vollendet und haben zu folgendem Resultat geführt:
I. als ständige Mitglieder deâ Bürgerausschuffes, auö der Klasse der hochbesteuerten Bürger, wurden gewählt: Schwarzenberg, O.G. Anwalt; A. Wagner, Zimmermeister; Fehrenberg, Mühlenbcständer; Schneider, Bäckermeister; Nebelthau, Oberpostmei- ster; G. Eggena, Fabrikant; G. Luckhardt, Buchhändler; Crede, Kaufmann; LouiS Pfeiffer, Banquier; G. Rittershausen, Kaufmann; Lücken sen.: Schreinermeister; St. G. Giede, Metzgermeister.
11. als ständige Mitglieder deS Bürgerausschusses, ohne Rücksicht aus Steuerzahlung: P. Rothfels, Partikulier; Wippermann, Staatsrath; Gundelach, Oekonom; Alsberg, O.G.Anwalt; Schuchardt, Oberbaurath; Philippi, Dr.; H. Eisengarthen, Bierbrauer; Scheuermann, Kaufmann; Fr. Möller, Kaufmann; Fr. Holzapfel, Fabrikant; Harnier, O.G.Anwalt; Jakobi, Küfermeister.
111. als außerordentliche Mitglieder des Bürgerausschusses, auö der Klasse der hochbesteuerten Bürger: E. Koch, Se. kretar; Ely,. Schuhmachermeister; Kümmel, Kaufmann; Kochendörffer, Uhrmacher; Böckel, Schlossermeister; Henkel, O.G.Anwalt; Eysell, Schmiedemeister; Sauer, Schuhmachermeister; Mollat, Metzgermeister; Grahn, Weißbindermstr.; Eberhard, Staatsrath; Allcndörffer, Kürschnermeister ;
IV. als außerordentliche Mitglieder des Bürgerausschusses, ohne Rücksicht aufSteuerzahlung: H. Prevot, Schreinermstr.; G. Pinhard, Lohgerbermstr.; H. Bogt, Fabrikant; Rothamel, Buchhalter; C. Breda, Kaufmann; HaS, Kaufmann; H. Herzog, Schreiner- meister; Ph. Schwarzenberg, Fabrikant; Meyer, Konsistorialrath; Scherb, Kaufmann; Oetker, O.G.Anwalt; Wild, Apotheker.
Wir gratuliren. Hip, Hip: Hurrah!
ES ^erefelb , 18. Sept. — Gestern bat das Notenburger Obergericht den Walkmüller I. H. Braun auf Bingartes wegen Beleidigung des Königs von Preußen in drei Wochen Gefängniß und die Kosten, die sich leicht auf 50 Thlr. und darüber belaufen können, verurtheilt. Hr. Braun soll nämlich im Juli vor. Jahres gegen preußische Landwehr, die bei ihm einquartirt war, geäußert haben: es sei am besten gewesen, wenn der König damals (März 48) erschossen worden, er sei stets im Champagner bekneipt u. dgl. Vier Landwehrleute aus der Provinz Brandenburg hatten dies in Hungen (Großhcrzogihum Hessen) vor einem Offiziere zu Protokoll gegeben und das preußische Ministerium darauf die Anklage betrieven. Damals wollten aber weder Staatsprokurator noch Jnstruktionsrichter auf die Sache eingehen, bis Ersterer vom O. A. Gericht die Weisung dazu erhielt, nach dessen Ansicht der Fall als eine qualisizirte Injurie zu behandeln sein sollte. Sie können sich leicht denken, mit welchen Augen hier fast Jedermann diese Verurteilung ansieht. Eine besondere Härte erblickt man noch in dem Umstande, daß das aus den Räthen Eggena und v. Schenk und dem Assessor Klingender bestehende Gericht gegen den Antrag des Staatsprokurators, der auf 25 Thlr. Geldstrafe lautete, auf Gefängniß erkannte. Hr. Braun hat sofort die Appellation angezeigt. — Ihr hiesiger *** - Correspondent hat in seinem Bericht vom 14. d. M. einen Irrthum mit unterlaufen lassen, was den Stadtrezeptor I. Schimmelpfeng anlangt. Derselbe hat nämlich nichtverwllligte Steuern weder eingefordert, noch im eigentlichen Sinne erhoben, londern bloß etwa 12 bis 16 Steuerpflichtigen auf ihre dringenden Bitten ihre Steuerbeträge in Aufbewahrung genommen , ohne daß er daran dächte, diese Beträge als Steuer âb-
zuliefern, bevor sie zur gesetzlichen Erhebung gebracht sind. — Justizrath Gleim (Justizamt 1) hat (in Folge des eben gedachten Artikels, wie man sagt) die s. g. Verordnung vom 7. d. M. die ohne sein Wissen und Wollen angeheftet und von ihm noch gar nicht bemerkt worden sei, diesen Morgen alsbald abnehmen lassen. Niemand will wissen, wer sie im Gerichtsvorhofe angeschlagen habe.
Hanau, 18. Sept. — Seit gestern Nachmittag sind die Bahn- Höfe der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn mit Militärwachen besetzt. Die Wache am Wilhelmsbad, wo der Kurfürst und die Minister sich aufhalten, ist bedeutend verstärkt worden. (Han. Ztg.)
Berlin, 19. Sept. (N. Z.) — Es verlautet heute, daß zwischen Preußen und Oesterreich in Folge der letzten hessischen Vorgänge nunmehr ein Uebereinkvmmen über ein eventuelles gemeinsames Einschreiten zum Schutz und zur Aufrechterhaltung des monarchischen Prinzips getroffen sei, so daß die Befürchtung, es könnten möglicher Weise auS diesen Vorgängen Konflikte zwischen den deutschen Groß. Mächten selber folgen, plötzlich verschwunden ist. Die Vermuthung, daß hannöverscher SeitS nicht werde eingeschritten werden, erhält heute bereits in positiver Weise ihre Bestätigung.
Berlin, 19. Sept. — DaS „Korr. Bür." meldet über die kurhessischen Verhältnisse Folgendes: „Wir haben bereits mitgetheilt , wie der König von Hannover im Einverständniß mit feinem Ministerium eine militärische HülfSleistung in Kurheffen vorerst abgelehnt habe. Der Adjutant deS Kurfürsten, Hr. v. Eschwege, derselbe Offizier, der auch in Sanösouci war, erhielt zuerst den ablehnenden Bescheid, den auch der Kurfürst trotz seiner persönlichen Anwesenheit in Hannover nicht rückgängig zu machen vermochte. Man verwies hier mit der dem hannoverschen Ministerium eigenen Zähigkeit auf den Bundestag. Baiern hat sich in gleicher Weise gegen die kurhessische Regierung ausgesprochen. In Frankfurt hten der Kurfürst und seine Minister mit dem Grafen Thun und Hrn. v. Kübeck Besprechungen gehabt. Während dieser Konferenzen traf auS Kassel ein Kourier der preußischen Gesandtschaft ein, welcher dem kurfürstlichen Minister v. Baumbach die prcuß. Depesche überbrachte, durch welche, wie bereits gemeldet, notifizirt wird, Preußen werde die ihm zugesicherten Etappenstraßen decken und nicht zugeben, daß fremde Truppen sie pas- sirten. In Folge dieser Depesche fand bei dem im gräflich Schaum- burg'schen Hotel wohnenden Kurfürsten eine Berathung statt, welcher Graf Thun, Hr. v. Kübeck, Hr. Detmold und andere Bevollmächtigte beiwohnten. Graf Thun soll die Versicherung ertheilt haben, daß Oesterreich die kurfürstliche Regierung unterstützen werde. Der engere Bundesrath werde sofort einen Entscheid in der kurhessischen Angelegenheit fällen.
* Frankfurt, 19. Sept. — Die vorgestrige Nummer der „A. A. Ztg." spricht sich über die kurhessischen Zustände dahin aus, daß yaffenpflug ganz unabhängig gehandelt habe, namentlich ohne Vorwissen der Bundesversammlung. Die Stellung des Premiers in Kassel sei eine ganz isolirte gewesen, auch den andern Ministern gegenüber. Nur der Beschluß der Ständekammer habe die HH. Hay- nau und Baumbach bewogen, mit Hrn. Hoffenpflug vorwärts zu gehen. — Die Politik der „A. A. Ztg." ist eine bekannte. Man braucht nur das gerade Gegentheil von alledem anzunchmen, waü sie hier angedeutct hat, und man ist sicher, daö Rechte zu treffen. Niemand würde Hrn. Hasseupflug freudiger gralulirt haben, als die gute Augsburgerin und die noch bessere Bundesversammlung, wenn nur das Wagstück deS Fälschers geglückt wäre. Niemand wird auch schneller einen andern Ton anschlagen und Hrn. Hasseupflug die gemachten Vorwürfe abbilten, als die genannten Herrschaften, wenn nur das Wag- stück deS Fälschers später noch glücken sollte. Vorläufig ist Hr. Haffen- pflug freilich deSavouirt. Und das ist sehr klug von der Bundesversammlung und der Augsburgerin. Man deSavouirt ja niemals auf ewig. ,
*f* Darmstadt, 17. Sept. — Die Verhandlungen in unteren Kammern nehmen ganz denselben Gang, wie in unsereni kurbesfi- schen Nachbarlande und werden auch selbstverständlich zu demselben 31C e führen, nur mit dem Unterschiebe, daß daS Ministerium hier den Hemmschuh der ersten Kammer benutzen kann, um vermöge einer bequemen Geschäftsordnung den Ausbruch der Krisis bis zu dem Zeitpunkte zu verschleppen, wo sich die Contrerevolution von ihrem Erstaunen über die etwas unerwartete Wendung der Dinge in Kassel erholt und zu energischerem Zusammenwirken konsolidirt haben wird. Auf der anderen Seite aber ist vorauszusehen, daß unsere Kammcr- demokratie ihre Majorität mit dem ganzen Ernste deö Prinzips be- nutzen und der konstitutionellen Halbheit auch nicht die geringste Konzession machen wird, denn sie weiß, daß ihre Partei hier all ein in die Bresche treten muß, und daß unsere Bureaukratie kein StaatS- dienstgesetz besitzt, auf daS hin auch nur für wenige Wochen eine g - meinsame Opposition mit derselben zu r.Sk.ren wäre. D.e Zuruckwe.-