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würden. Der Kurfürst , der aus dem Fenster sah, wunderte sich über diese deutliche Verwunderung deü Publikums. Der Staatsprokurator in Hanau wurde avertirt; ob er die Verhaftung vorgenommen hat, wußte unser Gewährsmann nicht. Hr. Hasscupflug soll sehr abgefallen auSsehn. Hier in Frankfurt wurde er, wie man erzählt, in zwei Hotels abgewieseu, wahrscheinlich mehr auS Rücksicht auf die Feuster- scheiben, alS auf die politische Gesinnung, und soll die Nacht in einem Hinterstübchen eines Hotels zweiten Ranges zugebracht haben. Bei einer Villa, die er mietben wollte, soll der Eigenthümer Ersatz für allen dem Hause etwa entstehenden Schaden verlangt haben.

* Darmstadt, 17. Sept. — Gestern ist Fendt wegen deâ weiter ihm angeschuldigten Verbrechens frcigesprochen worden. Eö hat daher mit den 6 Monaten Korrektionâhauö sein Bewenden. Hr. Jaup wird hoffentlich mit dieser Satisfaktion neben der ihm auf dem Friedenskongreß zu Theil gewordenen sich genügen lassen. Die Zeiten ändern sich hoffentlich!

Schweiz.

— s — Aus der Schweiz, 12 Sept. — Das neue Bun­desregiment zeigt sich nun nach und nach in feinem höchsten Glanze, die neuen Herren treten immer zuversichtlicher in ihrer wahren Gestalt auf. Sie wollen jetzt sogar keine Universität haben, weil aus ihr — ihre Feinde erwachsen sind. Man mag hierdurch sehen, wie ernst eS dieser Behörde ist, daS Wohl deS Volkes zu fördern, auf die Bildung der Nation hinzuwirken. Freilich ist eâ leichter, Leute zu regieren, welche an nichts denken, als an ihr Vieh und ihren Käse, als solche, welche nach Bildung streben, welche eine höhere Zukunft sich wünschen, alS dem reinen Materialismus zu fröhnen. Bis jetzt, wo man die Bildung nur von Außen holen konnte, wo nur den Söhnen der Reichen eâ möglich war, gute (auswärtige) Universitäten zu be­suchen, blieb das eigentliche Volk unwissend und ließ sichln seiner Un- wlssenheit sehr leicht leiten. Daâ Aristokraten- oder BourgeoiSthum, was in der Schweiz gleich ist, erhielt sich daher bis heute völlig in der Blüthe. Die KantonSuniversitäten hatten zwar Vortheile, sie machten eS auch fermeren möglich, ein wenig zu erlernen, allein sie waren doch nicht hinreichend, um eine Bildung, wie man sie jetzt begehrt, zu gewähren, und so mußte sich die Schweiz ihre Männer der Wissenschaft fast alle auS Deutschland holen. Würde man diese Universitätchen vereinigen und eine einzige große Eidgenössische bilden, so wäre diesem Uebel abgcholfen, allein auch die Säulen deS Konser­vatismus würden brechen. Darum will man gar keine Univer­sität! Die Republik ist doch sehr weit gekommen! — Solche Kämpfe sind nunmehr an der Tagesordnung und sie werden eö bleiben, bis daâ Volk abermals zu den Waffen greift. Allein gerade das Volk hat sich diese Regierer auf den HalS geladen, weil eö sein Heil nicht verstand und — sind wir offen — weil die andere Partei, die radi­kale, ebenfalls nicht zu regieren wußte. Die Nothwendigkeit, das Volk zu beglücken, eö für die Ideen der Neuzeit zu gewinnen, hätte sie nöthigen sollen, energisch daâ Prinzip der Sozial - Demokratie durchzuführen, nöthigen sollen, daâ materielle Wohl deö Volkes zu begünstigen und, mit einem Worte, eine gleichmäßige Besten e- rung einzuführen. Statt dessen hat man Personen verdächtigt, sich mit Worten befehdet und daü Volk ermüdet, ohne eâ zu erleichtern. Die Kantone, welche am weitesten voran sind: Genf, Waatland, Bern, Tessin rc. haben ihr altes Steuersystem, ja daS berühmte Genf seine indirekten Steuern. Ein materielles Volk, wie die Schweizer, begeistert sich nicht allein für Prinzipien, für Worte; eö will den Vortheil greifen können! — Der Streit zwischen Siämpfli und Stoppani in Tessin, welcher namentlich in dem Schmierblatte, die „N. Z. 3-" aufgegriffcn ist, beweist wieder so recht den Haß dieser Bundcoklike gegen alle freien Ideen, beweist, wie sehr man sich im Schlamme einer feigen Neutralität gefällt, wie wenig der Bundeörath von wirklicher, auf die Entschiedenheit deS Volkes gestützter Freiheit wissen will und wie man lieber den Hausknecht aufgeblasener Nach­barn erträgt, als mit dem Volke sich zu halten und dieses zur kräf­tigen Entschiedenheit zu wecken.

Frankreich.

Ij ß Paris, 15. Sept. — Die lcgitimistischen Journale fan­gen bcreitâ an, alle Vortheile und Wohlthaten aufzuzäblen, welche Frankreich von einer Verschmelzung der monarchischen Parteien zu er­warten habe. Sie versprechen nichts Geringeres, als ein neues Frank­reich zu schaffen, in welchem Tradition, Glaube, Ruhm, Kapital, Arbeit, Intelligenz, Industrie, Ackerbau, Künste und Wissenschaften sich vereinigen werden, um daâ Land groß und glücklich zu machen; auf welche Art sie dies einhellige Zusammenwirken aller Hebel und Kräfte, zur Herstellung deö goldenen Zeitalters, bewerkstelligen wollen, verrathen sie nicht; sie sagen nur, waS sie nicht thun werden. „ES

handelt sich", sagt eineâ dieser Organe, „weder um eine Rückkehr zu Ludwig dem 14ten, noch zu Ludwig dem 16ten oder zu Louiâ Phi­lipp; eâ kann eben so wenig von einer absoluten Monarchie, noch von einem tyrannischen Clerus die Rede sein. Wir haben die Ueber­zeugung gewonnen, daß monarchische oder republikanische Regierungen sich fortan nur halten können, wenn sie dem Fortschritt der Zeit Rech­nung tragen." Ein demokratisches Blatt bemerkt hierauf: „DaS Pro­gramm klingt nicht so übel, eS könnte schon einen verführen, wenn eS nicht so verbraucht wäre und wenn man die gemachte Erfahrung ver­gessen könnte, daß die monarchischen Gewalten, sobald sie installirt sind, den Fortschritt der Zeit nicht mehr vor, sondern hinter sich erblicken."

Die Journale sind heute mit neuen Reklamationen über die er­littenen Mißhandlungen beim Empfang des Präsidenten angefüllt. Man bezeichnet allgemein die Dezembristen als die Urheber dieser Brutalitäten, und es sind bereit zahlreiche Klagen gegen die Poli­zeibeamten eingereicht worden, welche ruhige Zuschauer dieses empö­renden Vandalismus geblieben sind. Unter Anderem ist Hr. Alfred de Meuciaur, Kapitän vom Generalstabe der Nationalgarde, einem von ihm veröffentlichen Schreiben zufolge, bei seiner Rückkehr vom Lande am Eisenbahnhofe von einer dort aufgestellten Bande mit dem Rufe: „Nieder mit den Weißen" angefallen worden. Sein breit- rändriger grauer Hut, der die Mißliebigkeit der Rotte erregt hatte, wurde ihm vom Kopfe gerissen, und von allen Seiten schlug man auf ihn unter dem fortwährenden Geschrei loâ: „Kanaille, schrei, es lebe Napoleon, willst du wohl rufen, eâ lebe der Kaiser". Ein Unbe­kannter, seiner Angabe nach ein höherer belgischer Offizier, rettete ihn mit der größten Anstrengung auö den Händen der Wüthenden. Die Entrüstung gegen die Dezembristen ist allgemein und mehrere Bürger erklären heute in den Journalen, sie würden, da die Polizei sie gegen solche Angriffe nicht mehr schütze, bei ähnlichen Vorfällen sich mit den Waffen in der Hand vertheidigen. Die Regierung muß sich mit energischem Einschreiten gegen die sogenannte Gesellschaft sehr beeilen, wenn sie den bösen Eindruck, den diese gefährlichen Freunde hervorgerufen haben, verwischen will.

Die Dezembristen lassen gegenwärtig eine Bittschrift zirkuliren, worin sie die baldige Revision der Verfassung, Verlängerung der prätentirten Gewalt auf 10 Jahre, Civilliste und Einrichtung der Tuillerien für die Wohnung LouiS Napoleons beantragen. Man wundert sich, daß die Polizei gegen dies Treiben noch nicht einge­schritten sei.

Man spricht von dem AuSbruch eines neuen Zwistes zwischen Changarnier und Lamoriciere, deren Feindschaft von Algier her da- tiren soll.

* Paris, 14. Sept. — Der GrafTeleki veröffentlicht wiederein lan­ges Schreiben, in welchem er diesmal der „Assemblee nationale" auf ihre Verdächtigungen Kossuths mit Anführung von Thatsachen antwortet. Er beweist, daß Kossuth keine Veruntreuungen von Millionen begehen konnte, weil er keine in Händen gehabt habe. Im September 1848 übertrug Kos- such die Verwaltung der Finanzen dem Hrn. Duschek, der sie während der ganzen Dauer der provisorischen Regierung fortführte. Hr. Du­schek lieferte sodann die Vaarschaften, unter vollständig geordneter Rechnnngâablage an die österreichische Regierung ab, deren Beamter er bis heute noch ist. Diese überlieferten Dokumente, fährt Hr. Teleki fort, hatten nicht nur keine Veranlassung zu einem so unwürdigen Verdacht gegen Kossuth ergeben, sondern Hr. Duschek hätte in seiner jetzigen Eigenschaft als österreichischer Beamte in den österreichischen Blättern mit Vorwissen der Regierung die Uneigennützigkeit Kossuth'S öffentlich anerkannt. Wo die ungarische Krone hingekommen sei, daS würde er dem Fragsteller nicht sagen, selbst wenn er eö wüßte; die Krone sei eine heilige Reliquie, daS kostbarste Eigenthum deS Volkeâ, und Niemand als die ungarische Nation habe daâ Recht, sie zu re« klamiren; daß Kossuth sie nicht habe, gehe schon klar auS dem Um­stande hervor, daß er seit dem Betreten deâ türkischen Bodenâ als Gefangener behandelt werde, mithin ohne Mitwissen seiner Wächter nichts besitzen könne. WaS endlich die dritte Beschuldigung, wegen der durch die provisorische Regierung dekretirtcn 500 Hinrichtungen, betreffe, so erbiete er sich, zu beweisen, daß sie eine eben so böS- willige Erfindung sei, als die vorhergehenden, sobald die „Assemblee nationale" die Liste der angeblichen Opfer vorgezeigt haben werde.

Belgien.

— 8t Brüssel, 16. Sept. — Der Gouverneur Ehazal, der 20,000 Fr. alS Generallieutenant und 5000 Fr. für RepräsentationS- kosten erhält, hat eine Gratiöwohnung von 4500 Fr. neuerdings ge- miethet bekommen. Ihren Gunst- und Söldlingen wirft die Regie- rung täglich neue Summen in den unersättlichen Nachen; daö Land ist reich und mag's bezahlen. Der schon früher besprach nen Einziehung der fremden Kupfermünzen lag richtig eine Spekulation zu Grunde.