tenbige Forien'twi'cklnng, in einem Glas Wasser Stürme erregen, heißt ein thörichtes Spiel treiben. So ist die Demokratie vom ret* tenden Handeln zum müßigen Zuschauer verdammt, zum Mithelfer eines passiven Widerstands, in dem sie den Untergang des ganzen StaatSgebäudes herankommen sieht. Aber sie sieht diesem Untergang mit freudiger Ruhe entgegen, sie hält ihren fetzigen Beruf für erfüllt, wenn sie auS dem Wirrsal dieses kleinen konstitutionellen StaatSschiff- bruchS einen frischen Muth , eine geläuterte Erkenntniß und die un- beugsame Ueberzeugung rettet, daß sie den goldenen Schatz der Zukunft zu heben hat — daß in ihrer Hand allein daS Heil der Nation ruhen wird, wenn sich überall in Deutschland Wahn und Irrthum in sich selbst vernichtet haben. Dann wird keine Gewalt der Welt den Gang der Entwicklung im Schooö deS Vaterlands verhindern und der alte Stamm der Hessen wird darin keine unwürdige Stelle behaupten.
Deutschland.
△ Kassel, 18. Sept. — In den letzten Tagen hat man vielfach die naive Neuigkeit auSzusprengen gesucht, als sei der Kurfürst wirklich nur ein Opfer seiner Minister oder gar--einer hochgestellten Dame, die seit den Märztagen unablässig i n t r i g u i r t habe. Wir wollen eS der konstitutionellen Partei nicht verargen , wenn dieselbe auch jetzt noch an ihren Philosophemen festhält, wir unsererseits haben aber dagegen auch daâ Recht und die Pflicht, Se. königl. Hoheit für die Verwirrung, in die unser Land gestürzt ist, wenn auch nur moralisch, so doch höchstpersönlich verantwortlich zu machen. Wir glauben nicht sehlzugreifen.
* * Kassel, 18. Sept. — Die konstitutionelle Partei macht so eben durch ihr Organ den Vorschlag einer Gesellschaft, welche durch Vorschüsse und GehaltSccksionen für die regelmäßige Gehaltszahlung an die verfassungstreuen StaatSdieuer Sorge tragen solle. Der Vor- schlag ist gut. Ob er zum Ziel führt, ist eine andere Frage, die jedenfalls erst bejaht werden kann, wenn eine Anzahl reicher Bürger mit ihrem Gesammtvermögen der Bank alö Bürgschaft für die Rückzahlung dienen wollten. DaS Unternehmen würde dadurch allen Schein deS Wagnisses verlieren.
* Kassel, 19. Sept. — Heute Morgen ist ein Bataillon vom Garderegiment nach Hanau abgegangen. DaS andere Bataillon wird morgen nachfolgen. Die Stimmung der abmarschirenden Soldaten ist eine für Seine Königliche Hoheit sehr unerfreuliche. — DaS Gerücht, alS würden die Husaren ebenfalls verlegt werden, bestätigt sich nicht. ES scheint, als beabsichtige der Kurfürst im Gegentheil, diesen Truppe» den Empfang der Hannoveraner re. zu übertragen. Nous venons!
* Kassel, 19. Sept. — Dem Korrespondenz-Bureau zufolge reisen dermalen in Kurhessen Agenten umher, die durch bedeutende Geldsummen demokratische Demonstrationen zu Stande bringen sollen. Die Sache ist zu abgeschmackt, alö daß Hr. Haffevpflug zu diesem Mittel gegriffen haben könnte. Die Demokratie hat dermalen sicher daâ geringste Interesse an einem Putsche. Wenn der Kampf mit Hrn. Hasscupflug vorüber ist, werden wir auch über die Ursache dieses Gerüchts zu Gericht sitzen.
W Leipzig, 16. Sept. — Sie haben seit mehreren Tagen keine Nachrichten aus unserem glücklichen Ländchen erhalten, eö war aber nicht der Mangel an Stoff, der mich schweigen ließ, sondern die Ungewißheit, ob die Hornisse noch unter den Lebendigen weilte. Ich eile jetzt, die Lücke in meinen Berichten wieder auSzufüllen. Ihr Hessenland ist gegenwärtig ein konstitutionelles Weltwunder geworden, alle Gothaer möchten vor Vergnügen Purzelbäume schlagen über Ihren gesetzlichen Widerstand, d. h. über dessen einstweiligen glücklichen Er- folg, und sind so übermüthig darüber, daß sie Se. königl. Hoheit ebenso en Canaille behandeln, wie Excellenz Hrn. Fälscher Hassen- pflug. Leider wird die Freude nicht lange dauern. Waâ meinen Sie?
Nachdem unsere erste Kammer das Regierungâdckret über Ab- schaffung der Schwurgerichte bei Preßvergchen unverändert gegen zehn Stimmen angenommen hat, haben die Herren wieder einige Erholung von ihrem schweren Werke nöthig, und sind insgesammt inö Göltzsch- thal gefahren, haben den großen Viadukt besehen, gegessen und ge- trunken, und in jeder Beziehung für daâ Wohl ihrer Konstitution ge- sorgt. — Se. königl. Hoheit der Prinz Albert haben geruht den Unterschenkel zu brechen, indem bei einem Manöver daS Pferd des neben ihm reitenden Erzherzog Albrecht auSgeschlagen und ihn anS Schienbein getroffen hat. Höchstdieselben befinden sich aber schon auf dem Wege der Heilung.
Gegen mehrere der renitenten Professoren ist gegenwärtig eine DiSziplinar - Untersuchung eingeleitet. Der alâ Kirchenhistoriker bekannte Prof. Niedner hat seine Entlassung eingescndct und auch erhalte». — Hapnau ist am Freitage hier durchpassirt, ohne jedoch ge
prügelt zu werden, nur hat er und seine Umgebung einen große« Schreck gehabt, verursacht durch einen betrunkenen Kutscher, der in der Nähe deS Zimmerâ, welches der greise Henker im Gasthof bewohnte, höchst seltsame und entsetzliche Laute von sich gegeben hat, die viel Aehnlichkeit mit dem TodeSröcheln gemordeter Menschen gehabt haben sollen. —
= Schwerin, 14. Sept. — Wie zu erwarten war, ist das StaatSgrundgesetz vom 10. Oktober 1849 durch die Eompromißinstanz zu Gunsten der Ritterschaft vernichtet worden. DaS Jahr 1848 eristirt nicht mehr. Fortan leben wir wieder in der alten gemüthlichen Weise, wo eine Handvoll Junker das Veto gegen daS gesammte Volk bi sitzt. Daâ ist die Folge unserer gemäßigten Opposition und der Rechtsbodenschwindelei. DaS Resultat der Eompromißinstanz war natürlich vorauSzusehen. Und Niemanden wird die Bereitwilligkeit auf- fallen, mit der Hr. v. Bülow daS Verdick feiner Vettern auS Sachsen, Hannover und Preußen zu erequiren weiß. Die Verordnung, mit der wir auf den Erbvergleich von 1755 reduzirt worden sind, lautet ganz simpel wie folgt:
„Friedrich Franz, von GotteS Gnaden Großherzog von Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard, Herr re. In Ausführung des durch Unsere Verordnung vom heutigen Tage verkündeten Urtels deâ zur Entscheidung über den Rechtâbestand der Verfassung vom lOten Oktober v. J. nieder-gesetzte» Schiedsgerichtes, verordnen Wir wie folgt: 1) Daâ am 10. Oktober 1849 pu!lizirte StaatSgrundgesetz für daâ Großherzogthum, sowie die auf Grund desselben bestandene LandeS- Vertretung sind hiermit aufgehoben und treten vom heutigen Tage an außer Wirksamkeit. 2) Wir entbinden hiermit Unsere Beamten und Unterthanen vou den gegen die gedachte Verfassung übernommenen Verpflichtungen. 3) Die Verordnung vom 10. Oktober 1849, betreffend die Aufhebung der landständischen Verfassung (Nr. 20 deâ offiziellen Wochenblattes von 1849), wird hiermit außer Wirksamkeit gesetzt. Gegeben durch Unser Gesammt - Ministerium, Schwerin am 14. September 1850. Friedrich Franz. Graf v. Bülow, v. Schröter. v. Brock."
Laut Schiedâgerichtöspruch sind nun Se. Königl. Hoheit für „verbunden erachtet", |für den Herbst dieses Jahres einen Landtag auSzu- schreiben, d. h. einen Landtag jener alten Art, wo man sicher sein kann, daß alles Andere geschieht, nur nichts zum Wohle deS Landes. Schadet nichts! DaS deutsche Volk bedarf noch ganz anderer Lehren, ehe eS den Blödsinn seiner Konstitutionellen und die Garantie fürstlicher Worte begreift. Uebrigens ist der Landtag vorläufig noch im weiten Felde. Am besten regiert sich's bekanntlich auS freier Faust, ohne alle und jede Volkâbeigabe. Auch die Junker können unbequem fallen.
Frankfurt, 16. Sept.— Die „Köln. Ztg." berichtet: „Der Kurfürst langte gestern Abend um 10 Uhr mit dem letzten Zuge auf der TounuS-Eisenbahn hier an und begab sich sofort in die Villa der Gräfin Schaumburg, wo ihn die Dienerschaft schon seit vorgestern (!!!) erwartet hatte. Gleichzeitig mit ihm traf v Baumbach ein, der im „Römischen Kaiser" abstieg. NachtS um 2 Uhr (?) kam Hassenpflug und fand Quartier im „Englischen Hofe". v. Haynau war gestern Nachmittag schon in Bvckenheim. Heute Vormittag um 10 Uhr beriethen sich die letzteren drei mit dem Kurfürsten. Gleich darauf empfing dieser den österreichischen F.M.-L. v. Schilding. Später haben, dem Vernehmen nach, besondere Besprechungen zwischen den hessischen Ministern und den Bundestags-Mitgliedern stattgefunden. Es heißt, daß Graf Thun dem Kurfürsten nochmals Unterstützung durch österreichisches und baierischeS Militär bei Gewaltthätigkeiten zugesichert habe und daß dieser jetzt zu dem Acußersten entschlossen sei. Nachmittags geht der Kurfürst für seine Person nach Hanan ab, um kört einstweilen zu verbleiben. Um 1 Uhr waren Adjutanten und Dienerschaft schon dahin vorauSgegangen. Die Ministerien werden nach Bocken- heim verlegt, und morgen fiüh ziehen sich die preußischen Truppen von dort zurück. ES herrscht die größte Spannung, insbesondere rechnet man — und wohl mit dem letzten Reste von Vertrauen — auf Preußens Intervention gegen die Anschläge eineS Hassenpflug und deS mit ihm verschworenen Bundestages. (Mit dem letzten Reste von Vertrauen wird's gehen, wie'ö mit dem Vertrauen überhaupt gegangen ist. Die Red.)
Frankfurt, 18 Sept. (N. D. Z.) Zum Gedächtniß der am 18. Sept. 1848 hier auf Seiten der Bürger Gefallenen wurden heute früh auf dem Friedhöfe ihre Gräber mit Blumen und Kränzen geschmückt. Einige Stunden später werden die hiesigen Truppen der Enthüllung einer zum Andenken der gefallenen Soldaten errichteten Säule beiwohnen. — Gestern Nachmittag wurden die drei kurhessischen Fälschcrministcr in Wilhelmèbad bei Hanau gesehen. Im Publikum wunderte man sich vornehmlich darüber, warum diese Leute nicht arretirt