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Vertreter seiner Rechte zu erwarten hat. Wenn es begründet ist, daß dieses Journal, wie man allgemein glaubt, den Stoff zu diesen leitenden Artikeln auS dem österreichischen BotschaftShotel empfängt, so hat sein heutiges Naisonnement allerdings eine große politische Be­deutung.

Gestern ist Lord Normanby hier eingetroffen; er hat seine Ab­wesenheit um einige Tage abgekürzt, um, einem Eliste'schen Blatte zufolge, dringende Maßregeln gegen olle politischen Flüchtlinge zu be- rathen , wozu der englische» Regierung daS bekannte Haynau'sche Mee­ting Veranlassung gegeben haben soll.

Die Journale enthalten heute eine Menge Details über die auö- geübten Brutalitäten der Dezembristen beim Empfange des Präsiden­ten cm Bahnhöfe, welche in zu weit getriebenem Eifer sogar einen Kapitän vom Stabe der Nationalgarde mißhandelten, weil er nicht sogleich „eS lebe der Kaiser" gerufen hatte. Ein Arbeiter wurde, weil er rief „eS lebe die Republik" niedergeworfen, auf der Erde geschleift und erhielt am Kopfe mehrere Schnittwunden.

Der Generalrath deS Departements Gard hat auf den Antrag eines legittmistischen Mitglieds den Wunsch ausgesprochen, daß bei einer eventuellen Revision der Verfassung der Art. 45, welcher die Wiedererwählung deâ Präsidenten untersagt, aufrecht erhalten werde; spricht sich die Revision für die Abschaffung der republikanischen StaatS- form auS, so solle sie durch die legitime Monarchie ersetzt werden.

Der Minister Fould ist heute in Paris «»gekommen. ES sollen sich unter den Personen, welche von den Dezembristen bei der An­kunft deS Präsidenten mißhandelt worden sind, mehrere hochgestellte Männer besinden. Dieselben haben bereits bei dem StaatSprvkuratvr Klage geführt.

In London ist von den dortigen Franzosen eine ewige Messe für LouiS Philipp gestiftet worden.

Der General Ehangarnier hat sich in scharfen Ausdrücken über das Benehmen der Dezembristen sowohl, als über die passive Haltung der Polizei ausgesprochen. — Ein mexikanischer General ist in Havre mit genauer Noth den Mißhandlungen des Volkes entgangen. Bei seiner Abreise nämlich verbreitete sich daS Gerücht, eS sei Haynau; die aufgeregte Menge umringte ihn mit dem Rufe: „Nieder mit dem Schlächter, mit dem Büttel der Frauen re." Glücklicherweise gelang es, den Irrthum aufzuklären, ehe es zu Thätlichkeiten kam. — In Ostende soll ein Kongreß der beiden Bourbouischen Parteien statlsiu- den; mehrere Orleanisten sind bereits dorthin abgereist.

P Paris, 12. Sept. — Die Sachen des Hrn. Louis Bona­parte fielen schlimm: morgen, heißt eö, kommt er zurück nach Paris, und wird fo-tfahren gegen die Mutter aller, die Republik, zu ver­schwöre". Im Department der Mosel hat die bloße Gegenwart deS Buben so heftig gewirkt, daß der Eeneralrath deS Departements die berüchtigte Frage der VerfassungSrevision gar nicht 'einmal be­sprochen wissen wollte; dieselbe höhnische Verachtung gegen den Präsi­denten hegen im Ganzen 5 bis 6 Departementalrathsversammlungen. Alle übrigen wollen Revision, doch fast alle im Jahre 1852 und nur sehr, sehr wenige sofort. Wie dem auch sei, die Sitzungen vom 11. November ab werden fürchterlich heftig werden; die Schurken deS KaiserthumS werden die Verlängerung der präsitcnzlichcn Amtszeit von 4 auf 10 oder 15 oder 20 Jährchen fordern. Möglich, daß sie von der ebenso schurkischen ParlamentSmehrhrit eingeräumt wird Da- nach wird eS alltäglich Attentate mit Kugeln, Eisen, Gift u. s. w. auf Hrn. Bonaparte geben; denn welcher Mensch ist wohl feige genug, sich unter die zehnjährige Dauer solches Schandregiments zu beugen, ohne zu muâseu? — Neues gar nichts.

England.

L Loudon, 13. Sept. — Noch immer treibt sich Ihr geprü­gelter Landsmann Haynou in der Presse umher, noch immer macht er viel von sich reden. Aber nirgends vernimmt man ein Wort deS Mitleids und deö Bedauerns. Die „Times" sieht ganz allein und sucht die Schläge, welche von allen Seiten auf sie regnen, so gut zu parken, als sie es vermag. Diz populären VolkSorgane, die vielge- lcscnen Wochenblätter des Hrn. Rcynvld, der „Roihe Republikaner" von Julian Harniy und andere minder dcmokratiiche Blätter haben den braven Arbeitern der HH. Barcley, Perkins und Comp. öffentlich ihren Dank dafür abgestattct, daß sie „den Mörder, den verruchten Bösewicht u i d Schlächter Haynau, der eS gewagt, seine verabscheu- enswerthe Fratze in diesem Lande zu zeigen, geprügelt, bis er sich genöthigt sah, sich in ein A^chenloch zu flüchten und seine gedemüthigte Person in Sicherheit zu lringen". Die „verb>üderlen Demokraten" hielten sogar ein stark besuchtes Meeting in Farringdon Hall, Snow- Hill ab, in dem sie sich zu Gunsten der Brauer der HH. Barclay, Perkins und Comp. aussprachen und vhngesähr folgenden Beschluß faßten: „Haynau ist als Feind des Menschengeschlechtes außerhalb des Gesetzes zu erklären und der Volksjustiz mit Recht verfallen; daher

haben die Brauer der HH. Bartley, PerkinS nnb Comp. sich um die Menschheit verdient gemacht, indem sie ihn lynchten." Hr. F. Engels (früher Mitredakteur der „Neuen Rhein. Ztg.") sprach den englischen Arbeitern seinen tiefgefühlten Dank für die an seinem Landsmann General Haynau verübte Züchtigung aus, und erntete großen Beifall. Nächsten Montag wird in demselben Wirthshause, in dem der „Held" Haynau sich erst im Aschen loch und dann unter dem Bette der Hausfrau ver« | borgen, ein Konzert zum Besten der ungarischen Flüchtlinge abgehalten werden, welches zahlreich besucht sein wird.

Die bedeutende Anzahl von Werken, welche schon über den un­garischen Krieg und die damit verwandten Ereignisse erschienen sind, wird in der Kürze noch um einS vermehrt werde». Der von dem Mordversuche gegen Kossuth her bekannte Hauptmaunn Brirdy ist dieser Tage auS Konstantinopel hier angekommen, um seine gefahrvolle Flucht und bie mit dem Mordversuch gegen Kossuth (welche» Bürdy bekanntlich vereitelte) näher verwandten Umstände der Oeffentlichkeit zu übergeben. DaS Werk führt den Titel: „DaS HauS Oesterreich als Mör­der". In ungarischer Sprache ist daS Manuskript bereits fertig, jetzt wird eS in'S Deutsche und Englische übersetzt, um in den drei Sprachen zugleich veröffentlicht zu werden. — Wir werden noch inter­essante Beiträge zu der in gewissen „höchsten" Regionen herrschenden „Moralität" und „Menschlichkeit" erhalten. Wann wird daS Maaß voll sein?

In unserer gewaltigen Zeit steht nichts fest, Alles bebt und zittert, und sogar die festesten Felsen, welche sich erhaben über jeden Sturm und allen Ereignissen trotzen zu können wähnten, fangen zu wanken und sich allmählich zu zerbröckeln an. ES liegt etwaS Großes, Heroisches in unserer Zeit, welche weltlichen wie geistlichen Mächten lehrt, daß die Zeit deS blinden Glaubens und Gehorsams verschwunden und die Zrit deS Denkens hereingebrochen ist. Auch die englische Hochkirche, dieses mit dem englischen Staate engverwachsene Institut mit feinen Millionen von Kapitalien und Hunderttausenden von be­zahlten Knechten und Dienern ist in seiner Auflösung begriffen. Der sich von ihr trennende Theil kehrt entweder auS Verzweiflung in den Schooß der katholischen Kirche zurück, oder geht zu einer oder der andern der vielen Diffentergemeinden über. Erst kürzlich hat Lord Fielding seine Reise von Oxford nach Rom angetreten, und Viele dürften, wenn nicht gerade seinem Beispiele folgen, doch der in sich selbst verfallenden Hochkirche Valet sagen. Sic transit gloria mundi! Eines nach dem Andern. Ist erst die Bedeutung und Macht der Hochkirche gebrochen, dann geht eö im Sturmschritte vorwärts und „unsere Fahnen fliegen".

Durch den entstandenen elektrischen Telegraphen zwischen England und Frankreich werden bereits die großartigsten Pläne angeregt. Vor­erst will man England und Irland, dann Irland und Amerika mit dem elektrischen Telegraphen verbinden und so fort einen großen Gürtel um die Welt legen, vermittelst dessen alle Entfernung vernichtet und ein Wclttheil mit dem andern in beständigem Verkehr bleiben kann. Der Plan ist zu großartig, um nicht mit Verwunderung an die Mög­lichkeit zu denken, daß man innerhalb weniger Minuten eine Depesche nach Indien gelangen und eine Antwort zurück erhalten könnte! So gut man einen 30 bis 40 Meilen langen Draht durch die See ziehen kann, sagen die englischen Journale, kann man auch einen tausend Meilen langen und noch längeren den Tiefen dcö Meeres anvertrauem Von dem Unternehmungsgeist der Engländer haben wir jedenfalls noch Großes zu erwarten.

Italien. ,

Ü 8 Turin, 9. Sept. — Der Provinzial, ath von Soree ya eine Bittschrift an das Ministerium gerichtet, in welcher derselbe um Herabsetzung der Zahl der Bischöfe und Verringerung ihres Gcholte , die Unterdrückung der Klöster und Einziehung der geistlichen e petitionirt. .

— Turin, 10. Sept. — Wie man versichert, so ist dennoch vom Papste empfangen worden, und die Gerüchte,^ « habe der Papst denselben erst nach Regulirung gewisser Punkte m Antonelli Audienz ertheilen wollen, haben sich als ungegrüddet erwiest»- Die „Opinione" ist wegen eined Artikels über die weltliche »n geistliche Macht mit Beschlag belegt worden. , . ..

B g. Nom, 4. Sept. — Armelleni, Corballi, Fabri, GnicciSl und Manzoni sind zur Zurückerstattung von 3000 Thlrn., wrlchc c den Wahlen zur konstituirenden Versan mlung verausgabt worden st ' verurtheilt worden. Dieser Auèspruch enthält die Condemna> iv z einer Vermögcnekovfiskation, da dieselben als eine gchetzstchr eh konstituirt waren.

— Neapel. Man nirldct die Absetzung von Genera - Die Regierung hat eine Liste aller bei der letzten Affaire in Calab« betheiligtrn Personen eingefordert, um dieselben gerichtlich verf zu lassen. (Beilage.)