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Gxtra-Berlage zu M 217 der Hornisse.

s Berlin, 15. September. Wie ich höre, hat die Nachricht von der Flucht des Kurfürsten in den Hof- und hoch aristokratischen Kreisen einen sehr niederschlagen­den Eindruck gemacht. Man ist wüthend über die „feige Flucht" des hessischen Premiers, der sich und die Reaktion so „leichtsinnig und unbesonnen" kompromittirt hat. Man schäumt vor Aerger, daß der blose passive Widerstand einen Fürsten sammt seinen Spießgesellen in die Flucht gesagt hat. „Ist es der Rotte einmal gelungen," sagen sie, „so wird sie's öfter versuchen!" Haha! Sie wird noch mehr versuchen! Der König selbst soll so ärgerlich gewesen sein, daß er ei­nem kurhc'ssischen Offizier, der ihm eine Bitte um Interven­tion überbringen sollte, gar nicht vorgelassen hat. So sagt man und es ist möglich. Die Mißstimmung ist allgemein. Man sieht es daraus, daß selbst die Kreuzzeitung auf Has­senpflug und die «feigen Fürsten" schimpft, „die nichts bes­seres zu thun wüßten, als davon zu laufen, wenn die Sache ernst würde." Trotzdem bleibt es natürlich bei der Inter­vention. Was soll'man auch anderes anfangen? Ein Land ohne Fürsten und Ministerium kann doch unmöglich in Deutschland eristiren! Nach der Rückbenssung der preußi­schen Truppen aus Bocken he im könnte es freilich schei­nen, als wolle man Kurhessen sich selbst überlassen. Aber es scheint eben nur so. Man will Sie sicher machen. Ueber- Haupt nehmen Sie sich vor den Preußen in Acht; Preu­ßen spielt wieder eine sehr perfide Rolle! Allgemein fällt es deßhalb auf, daß sowohl „Urwähler" als „Nationalzei­tung" sich an die preußische Regierung wenden, und diese unterthänigst bitten, doch den bedrängten Kurhessen zu Hülfe zu eilen, und sie zu schützen vor Verfassungsbruch, vor Has- senpflug, vor dem Kurfürsten, vor Baiern, vor Oesterreich! Die preussische Regierung der Schutzengel des kurhessischen Volkes!! Diese untertänigsten Bitten, glauben Sie mir, sind nicht der Ausdruck der demokratischen Gesinnungen Berlins. Mögen Sie Maßregeln ergreifen, welche Sie sollen — alle Truppen, die da kommen, sind Feinde Kur­hessens! Die Absichten Preußens sind bekannt genug. —

** Cassel, am 16. September? Der Kurfürst ist Sonntag Abend lO’A Uhr in Frankfurt eingetroffen. Wenn Fürsten überhaupt einer Lehre zugänglich wären, so würde Seine Königliche Hoheit auf Dero Flucht eine solche erhal­ten haben. Von Anfang bis zu Ende war die unglückliche Reise lediglich ein Spießrutenlaufen. Auf jeder Eisenbahn­station bildete das Volk Spaliere, um dem ausgevissenen Fürsten zu zeigen, daß er auch auswärts die letzten Sym- pathieen verscherzt habe. Schließlich wurden die Demon­strationen so stark, daß der Kurfürst es für besser hielt, sich von der Eisenbahn in eine Postchaise zu retten. Kläglicher hat noch kein Fürst Reißaus genommen.

Ueber die intellectuellen Urheber, resp. Spießgesellen erfährt man nichts Genaues. Sie scheinen sich unterwegs verzettelt zu haben. Wenigstens komint uns eine Nachricht zu, wonach in der Gegend von Cöln nur noch Herr v. Hay- nau an der Seite seines allerhöchsten Herrn gesehen wor­den ist.

Der Sträfling, Hr. Hassenpflug, soll sich vorläufig ir­gendwo verborgen halten. Ein Gerücht, wonach derselbe in Düsseldorf in Prison gebracht worden wäre, ist sehr unwahr­scheinlich.

* Cassel, am 17. September. Hr. Hassenpflua ist in Düsseldorf nicht verhaftet, sondern vom Hrn. Oberbürger­

meister und dem Polizei-Inspektor in einer zweispännige« Chaise gen Cöln entführt, angeblich um ihn dem dortigen Staatsprocurator vorzuführen, wahrscheinlich aber, um für die heile Haut des Fälschers zu sorgen. Sehr christlich!

* Frankfurt, am 16. September. Nicht blos der Kurfürst, sondern das gesummte Kleeblatt seiner Minister ist gestern hier eingetroffen, Hassenpflug freilich etwas später, da er mehr Aufenthalt unterwegs gehabt hat, als der Kurfürst.

* Cassel, am 17. September. Ueber die Irrfahrt unsers Herrn unb seiner Diener erzählt die Cölnische Zei­tung : Der schlimmste Rathgeber der kurhessischen Krone, Has­senpflug, war, wie wir von zuverlässigen Reisenden erfahren, gestern Abends in Begleitung seiner Frau mit Ertrapost in Rheda angekommen und bestieg dort heute Morgens gegen 10 Uhr, bleich und mit entstellten Zügen, den Convoi nach Köln, wie behauptet wird, um nach Belgien zu fliehen, wäh­rend er zu verbreiten sich bemühte, daß'er zunächst nach Cob- lenz reise. Da er von Mitreisenden erkannt worden war, so wurde alsbald auf jeder Station ruchbar, daß der „Hessen Fluch" auf dem Zuge sei, und allenthalben gab sich die all­gemeine Stimmung durch laute Verhöhnungen kund. Kaum war der Zug nach 3 Uhr in Düsseldorf auf dem Bahnhöfe angelangt, als zwei dienstthuende Gensd'armen von der An­wesenheit Hassenpflug's, gegen den bekanntlich wegen erwie­sener Fälschung ein'Urthefl eines preußischen Gerichtshofes besteht, unterrichtet wurden. Ein Reisender, der unterwegs manchen scharfen Blick auf den Flüchtling geworfen, war mit einem der Gensd'armen eben in einem Gespräche begriffen, -als der Minister auf ihn zutrat mit den Worten: „Herr, warum verfolgen Sie mich?" — „Ich verfolge Sie nicht," war die Entgegnung, „ich erzähle nur diesem Manne die Schandthaten Hassenpflug's." — Wenn ich's nun selbst wäre?" — So wird dieser Mann wissen, was er zu thun hat." — Der Gensd'arme bat nun Hassenpflug um seine Legitimation, worauf dieser ein Papier hervorzog. Als der Gensd'arme es entgegennahm, rief eine Stimme: „Lassen Sie Sich nicht dupiren; der Paß möchte nicht richtig sein; es ist ja ein Fälscher!" Auf Ersuchen des Gensd'armen mußte Hassenpflug demselben zur Polizeibehörde in die Stadt folgen. Seine Effecten wurden vom Bahnzuge entfernt, und dieser setzte seinen Weg hieher fort. — Ein späterer Con­voi hat die Nachricht gebracht, daß Hassenpflua nicht, wie man hier sofort allgemein geglaubt, in Düsseldorf wirklich verhaftet worden, sondern gegen 4 Uhr mit Ertrapost nach Langenfeld abgereist sei, um dort den Kurfürsten zu erwarten.

Abends 9 Uhr. Der aus Minden Mittags, wo der berliner Zug noch nicht eingetroffen war, abgegangene Con­voi ist eben in Deutz angelangt. Der Kurfürst von Hessen hat sich auf demselben nebst den Ministern Baumbach und Hapnau bis zur Station Langenfeld befunden, ihn aber auf den Rath eines höheren Polizei-Beamten aus Düsseldorf ver­lassen und mit Ertrapostpferden in seinen Equipagen die Reise auf Frankfurt zu fortgesetzt.

* Darmstadt, am 16. September. Die Kammer hat dem kurhessischen Volke und dessen Vertretern für ihr Ver­halten, gegenüber dem Hassenpflug'schen Verfassungsbruch, den Dank des Vaterlandes ausgesprochen.

△ Cassel, am 17. September. Seit einigen Tagen treibt sich hier ein Mann Namens Schmidts umher, ein geborner Belgier, Schwager des Hrn. Vilmar, rabiater Ultramontaner, unter dem Ministerium Hanstein wegen