Einzelbild herunterladen
 

— 930 ^

Hoheuzollrrv cttiBreutteh, feie die Gothaer meine», sondern die neue heilige Allianz abgeschlossen werden.

Dazu aber war das Davonlaufen nicht zu entbehren. Die Sache mußte wie eine Flucht auösehen, — zum Schrecken deS Landes, zum Vortheil des Fürsten und zum Ruhme Hrn. Hassenpflugs.

Schleswig-Holstein.

Kiel, 13. Sept. (Hamb. N.) Was uns Laien in unserer Un­geduld als das Vorspiel einer entscheidenden Schlacht erschien, die Expedition von gestern, hat sich als eine große Rekognoöcirung erwie­sen. ES mag ja sein, daß der Kommandirende erst die Schwäche oder Stärke der feindlichen Position auf der ganzen Linie kennen muß, ehe er etwas Entscheidendes unternehmen kann. Von dem rechten Flügel des Feindes hatte man sich diese Kenntniß bereits verschafft, jetzt ist die Untersuchung auch auf seinem linken Flügel gründlich und mit Er­folg angestellt worden. Heute ist nichts mehr vorgefallen, doch ist daâ Hauptquartier noch nicht nach Rendsburg zurückverlegt. Ueber die Haltung der Truppen bei dieser RecognvScirung ist nur Eine Stimme; unsere herrlichen Jungen sind wie zum Tanze vorgegangen, und nach­dem sie „Hannemann" gejagt, ebenso munter zurückgekommen, in der sichern Hoffnung, daß der Tanz bald aufS Neue beginnen werde. Wenn her Däne sich immer eiligst vor unâ hinter seine Schanzen zurückzieht, so muß er dort wenigstens Tag für Tag und Nacht für Nacht beun­ruhigt werden. DaS ist in der letzten Zeit schon trefflich gelungen. Die Gefangenen sagen, daß sie keine Nacht mehr ruhig schlafen könnten, immer von Neuem allarmirt würden. Wir haben gegen 50 Gefangene gemacht. Daâ Lager bei Kochendorf mit seinen znm Theil gedielten und mit Matten belegten Strohhütten haben unsere Soldaten sehr bewundert, aber nichtsdestoweniger in Brand gesteckt, als sie eS ver­ließen. — Eckernförde ist weder von unâ noch von den Dänen besetzt, doch liegt der Hafen voll dänischer Schiffe, welche die Stadt demoliren würden, wenn wir sie besetzten. An den Dänen hat eS nicht gelegen, wenn die „Gefion" noch existirt; das so freundlich in Brand geschossene Holzlager hat das ganz nahe davor liegende Schiff förmlich gebraten, und die Besatzung ist dem Schicksal deâ heil. Laurentiuâ kaum ent­gangen. Der Kommandant soll eine Estafette nach Berlin geschickt haben. Man wird dort zu spät bedauern, die „Gesion" nicht zu rechter Zeit in den Kieler Hafen geborgen zu haben. Ohne Zweifel wird aber der Major Etzel zu energischen Vorstellungen in Kopen- Hagen ermächtigt werden, und diese werden unfehlbar den tiefsten Eindruck machen.

C Hamburg, 14. Sept. — Eckernförde ist von den schl.» holst. Truppen gestern gegen Mittag wieder verlassen, da die däni- schen Kriegsschiffe im Nordentheil bereits mehrere (4) Häuser in Brand geschossen hatten. Später ist dasselbe von circa 80 Dänen besucht worden. Die dänischen Kriegsschiffe liegen vor der Stadt und haben deren Befehlshaber erklärt, daß daü Bombardement nur unter der Bedingung unterbleiben würde, wenn die SchleSwig-Holsteiner die Stadt räumten, welche Letztere am Donnerstag Abend auch nur einen Theil besetzt hatten. Auch auf die Gefion, obgleich mit Preuß. Flagge, sollen von den Dänen mehrere Kugeln geworfen sein.

Vor Misslinde ist daâ Gefecht am 12. wohl am heftigsten ge­wesen ; die Flekkebye Schanzen und bei Holm das Blockhaus sind von den Schleâwig-Holsteincrn genommen; die Dänen wurden auf die Schlei geworfen, worauf Letztere ein sehr starkes Feuern begannen.

Abends spät nahm die schleswig-holsteinsche Armee ihre Position, wie sie sie am Mittwoch hatte, wieder ein. Nicht genug kann die große Entschlossenheit und Präcision gerühmt werden, mit welcher die Braveu den Kampf bestanden haben.

Es werden viele Verwundete in Rendsburg eingebracht; der Ver­lust auf schl.-holst. Seite soll im Ganzen 129 Mann an Verwundeten und Todten betragen, worunter 5 Offiziere, von welchen letzteren keiner schwer verwundet ist.

Der heutige Abendzug hat keine weiteren Nachrichten gebracht. Mit demselben ist Herr Beseler in Altona angenommen.

Deutschland.

O Berlin, 14. Sept. — Soll ich Ihnen den Eindruck be- schreiben, den gestern die Nachricht machte, daß der Kurfürst nebst seinen Spießgesellen nach Hannover geflohen sei? Durch ganz Berlin flog die Nachricht wie ein Blitz; eS war die erste frohe, die wir seit langer Zeit erhalten haben. Die „konstitutionelle Zeitung" hatte die telegraphische Depesche erhalten; sie ließ sie sogleich an der Börse anschlagen und theilte sie den übrigen Redaktionen mit. Zum ersten Male seit langer Zeit habe ich wieder heitere Demokratengesichtcr ge- sehen. ES war ein allgemeines Gefühl der Gnugthuung, daü durch die ganze Stadt ging. Zu gleicher Zeit erfuhr ich freilich, daß die

Intervention beschlossen sei. Hüten Sie sich nur vor den Preu^ ßen, die als Freunde kommen!! — Die Depesche auâ Rendsburg war nicht so erfreulich. Die Schleâwig-Holsteiner haben wieder eine Schlappe erhalten. WaS würde daâ schaden, wenn die Freiheit in Deutschland gerettet würde! Unsere Nationalität wollten wir dann schon wahren. Um die übrige Misère habe ich mich, offen gestanden, wenig bekümmert. ES geschieht auch hier nichts. Alle Aufmerksamkeit ist auf die Ereignisse in Ihrem Lande konzentrirt.

Schweiz.

;r Vom Lemansee, 12. Sept. — Umtriebe der Ultramontanen in allen Ecken und Enden. In Graubündten protestirt der Bischof von Chur gegen die Vereinigung der katholischen Kantonâschule mit der refor- mirten und hat darüber einen rührenden Hirtenbrief erlassen, in welchem er all daS Uebel, daS durch eine solche Vereinigung über die Angehörigen der allein seelig machenden Kirche gebracht werde, in feurigen Farben vorstellt. In dem Projekt-Gesetz über diese Vereinigung hat die Re­gierung natürlich die Trennung deS Religionsunterrichts festgesetzt, aber der Hr. Bischof ignorirt diesen Beschluß, indem er nur andeu­tend von einem Gerüchte spricht, daS über diesen Punkt gehe. Er heißt diese Vereinigung einen Eingriff in daâ Heiligthum der römischen Kirche; er sagt, man werde dadurch ihre Rechte schmälern, in den Herze» der katholischen Zöglinge durch den Umgang mit den refor- mirten Schülern den Glauben gänzlich auSrotten u. s. w. Auf diese Weise wühlt dort ein geistlicher Hirte gegen die bestehende, ihm zu radikale Ordnung und daâ ist kein Wunder. Es ist auch keinS, wenn die „Neue Züricher Zeitung", wo sie diese pfäfsischen Wühle­reien bespricht, sagt: „Ja, wir erblicken in der Kirche ein Institut der Gesellschaft, daS der Freiheit bedarf, wenn eS feine Menschheit- liche Bestimmung erfüllen soll, ein Institut, dessen hohe Bedeutung die StaatöweiSheit nie verkannt hat und daö von den Völkern geschützt würde, wenn es vom Staate verlassen werden sollte u. s. W." — Viel, viel......in einem Athemzug ! Diejenigen Menschen find jedenfalls ebenso so zu bedauern, welche die menschheitliche Bestim­mung der Kirche und die StaatöweiSheit der Züricherin bedürfen, als die Völker, welche dieses Institut, wenn es vom Staate verlassen werden sollte, beschützen würden. Die „N. Z. Ztg." weiß selbst, daß dieâ nicht einmal in der bigotten frommen Schweiz der Fall fein würde, weil das Volk kein Geld dafür ausgäbe. — Ich kann nicht umhin, den Schluß des erwähnten Artikels dieser Zeitung mitzuthei- len, der so interessant ist, daß er Jedem Freude machen könnte: „Die Schweiz namentlich ist in zwanzigjähriger Uebung konstitutioneller Zu­stände dermaßen erstarkt, daß alle jene Kräfte, die sich früher in sonstiger Ueb?rbietung aufrieben, nun zu einer ruhigen Phalanx (oder Neutralität!) verbunden sind, die durch ungerechte Angriffe, eher sich festet und eint , als durchbrochen wird." — — Um auf die ultramon­tanen Wühlereien zurückzukommen! Im Osten wühlt der Hr. v Earl, Bischof zu Chur, im Westen der vertriebene Sonderbündler Bischoff Marilley. Sein Vikar in Genf fängt in neuester Zeit auch an, in­dem er gegen die Schenkung protestirt, welche die Negierung ihren katholischen Bürgern in der Abtretung eines Kirchen-Bauplatzes macht, er protestirt, weil die Verwaltung dieses Besitzes von der Behörde abhängig gemacht werden soll. DaS Sprüchlein:

„Die Kirche hat einen guten Magen, Hat ganze Länder aufgefressen, Und doch noch nie sich übergessen", kennt zwar der Hr. Vikar auch, glaubt auch daran — aber er will daü Geschenk ganz oder gar nicht. DaS ist auch kein Wunder, aber eS ist auch keinS mehr, daß Hr. Fazy, der Revolutionär son 1848, der gefürchtete Radikale, im Jahre des Heils 1850 einen Bauplatz für eine neue katholische Kirche hergibt. Hören wir einen Genfer Radikale» darüber an, welcher sich im „Citoyen", dem Organ der Sozialisten, so darüber auSläßt: Wir sagen mit Recht, daß bic 3cn* fer Demokratie ein anderes Organ, als daâ offizielle Tageoblatt G ie Fazy'sche Revüe") nöthig hat. Man sehe z. B., waS in Beziehung auf daS Terrain geschieht, daS für Erbauung einer katholischen Kirche geschenkt werden soll. Würde man, wenn man der Revue de Geneve glaubte, nicht sagen müssen, daß die Demokraten sehr glücklich seien in der radikalen Stadt, in der Stadt deS LichteS und der Freiheit, dem Aberglauben, der Knechtschaft durch Unwissenheit eme» Tempel mehr sich erheben zu sehen? Aber eS ist dem nicht also und gluck- licherweist ist in Ermangelung einet geschickteren der „Citoyen da, es zu sagen, eS laut zu sagen. Nein, die Demokraten g-b-n freiwillig keinen Zoll Erde für eine solche Errichtung. — Mag die Revue de ©enève auS Gründen, welche nicht schwer zu finden sfind, dre Gunst der Kirchenleute suchen, daS ist unS gleich, aber daß daâ Volk sich dieses SchelmenstückeS theilhaftig mache, daâ wollen wir verhindern. Wir möchten also die kleinen Anschläge der Patrone dieser Revue ein