Dritter Jahrgang.
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Davon gelaufen.
„ Halb zog er ihn, halb sank er hin — Und ward nicht mehr gesehen."
Warum ist der Kurfürst nicht vor aller Welt Augen am hellen Tage abgereis't, nach Potsdam, nach dem Blocksberg oden nach Bocken- beim, oder wohin er sonst wollte? — Die Ergründung dieses Umstandes könnte uns hinreichenden Aufschluß geben über' HassenpflugS geheime Pläne. — Warum mußte diese Abreise daS Aussehen des Davonlaufens erhalten? —
Wenn wir den jesuitischen Gedankengang jeneS Elenden, der den Fürsten in seiner verblendeten Hartnäckigkeit bestärkt, richtig verstehen, so ist der Hauptsatz aller dieser Machinationen , Kurhessen muß de re- linquirt weiden — eS muß eine res nullius für daS beutelechzende Naubgezücht geschaffen werden, über welche eS herstürzen, welche cs zerreißen kann. — Vergebens steht sich Habsburg nach einem Brocken ,um, dem eS Preußen für die Entsagung der Ansprüche in Baden in 'den hungernden Rachen schleudern kann, — vergebens sucht man nach 'der Beschaffung dcâ Kaufgelbs an Preußen für daS unbedingte Ein- gehn auf den Bundestag, für daS offene Aufheben der komische« Union — und für sein Einverständniß zur Bereicherung der Haupt- Mitglieder deS löblichen neuen Fürstenbundes. — Preußen muß Kur- Hessen haben entweder als Provinz, oder als engverbündeteö Mitglied '.seiner Sonderinteressen. Aus diese Gewißheit ist der ganze Plan ^gegründet.
Kurhessen wird daS Kaufgeld, Kurhessen wird die Entschädigung aller preußischen Ansprüche, Kurhessen wird der Kitt der Eintracht und daS Fundament deS Bundestags. Wie man daö macht? — ES ist nicht leicht. Oesterreich fürchtet sich vor Preußen, Preußen vor Oesterreich, und alle Andern fürchten sich vor Beiden. Keiner wagt den ersten Schritt. Aber da sie sich Alle in der gemeinsamen Furcht vor ihren Völkern vereinen, müssen die Völker selbst die Veranlassung geben zum Vorschreiten. — Daö kurhessische Volk ist zu diesem movens auSersehen. Für diesen Plan konnte man natürlich keinen ehrlichen Mann brauchen. Dafür hatte man gerade den Schurken nöthig, den man gefunden hat. Aber man rechnete auch noch auf anderweitige Begünstigungen und Vortheile. Man nahm an, daß der Fürst dieses Landes kein Herz für sein Land habe. DaS konnte man leicht, da daS Gegenlhcü zu den frommen Wünschen der Gothaer gehört. Man nahm aber diesen Mangel in doppeltem Grad an, weil dieser Fürst keinen direkten Nachfolger hat. WaS kann einem solchen Herrn an der Erhaltung des Legitimitätsprinzips liegen, kalkulirte man, was ander
Erhaltung deS Objekts desselben, an dem Lande selbst. So kalku- lirte man. Woher wir daS wissen? Diese Berechnungen sind weltbekannt. Wir sagen nicht, ob man sich dabei täuschte oder nicht, aber man genirte sich weniger, alS man sonst gethan haben würde. Dazu kam die weitere Annahme, daß dieser Fürst nicht der Liebe zum edlen Metall fremd sei. Annahmen genug, um einen Haffenpflug daS Ge- lingen seiner Pläne ohne Weiteres annehmen zu lassen. — Was man dabei dem betrogenen Fürsten vorgespiegelt, steht dahin. So viel ist sicher, daß man ihn belogen. — Der Hochverräter von Greifswalde hat ihm zuerst die Uebereinstimmung der Gerichte mit seinen Staatsstreichen vorgefälscht. Der Betrug kam zi Tage. Waâ alSdann geschah ist zweifelhaft. Vielleicht hat man dem Fürsten von Gefahren für seine Person vorgeredet, vielleicht hat man ihm eine Abreise bei Tage für unmöglich dargestellt , da das Volk ihn nicht lassen würde. — Der Arme! — Daâ Vclk hat ihn schon längst auâ seinem Herzen gelassen — reisen läßt eS ihn danach, wohin er wifl _ eâ läßt ihn gehen, eS läßt ihn kommen. Es gehorcht schwei- gend der Nothwendigkeit — nicht der innern, sondern der von Außen. — So entführte man einen Mann, den Niemand festgehalten hätte.
Mit dieser Entführung sind d.ei Dinge zugleich erreicht. Einmal ist Kurhessen thatsächlich ohne Regierung — der Sitz derselben ist an den Bundestag verlegt — und außerdem zeigt man die Schwäche der kleinen Fürsten, die vor der gesetzmäßigen konstitutionellen Opposition ihres Landes allein schon wie ein herabgebranntes Talglicht jammer- voll verlöschen. Drittens zeigt man und wird zeigen, wohin die kon- stitutionelle StaatSform und die „Steuernichtbewilligung" führt. Kurhessen soll nicht allein zur bewegenden Kraft für den Absolutismus werden, sondern auch zum abschreckenden Beispiel deö Kon- stitutionaliömuS für die Völker. — Durch die Verlegung der Regie- rung unter den Schutz fremder Bajonette kann man nun ruhig ab- warlcn, wie die Sachen sich weiter entwickeln, ob die renitenten Staatödiener still den Hunger ertragen, ob die Spießbürger ihnen weiter borgen, oder ob nicht endlich durch alles DaS daS Volk aus seinem Phlegma herauügetriebcn wird und zuerst ehrerbietig, dann stürmisch eine Zurückkehr verlangt — oder eine Tiirone»t- fcfcunn. DaS ist der Punkt. Dann telegraphirt man nach Berlin, daß unter diesen Umständen eine Besetzung des Landes unumgang iw nothwendig sei; — dort besinnt man sich natürlich; " ^"" es, so müsse man allein vorschrcilen, — und siebe da, an schönen Herbsttag rücken zugleich Baiern und Oesterrnche und Preußen vom Norden in Kurhessen ent. Die - ! V 0 seit -« »m,,n ...» taKaMut » ««--»"- •* Ä2^S hrffcu wird nicht ttwa ter furchtbare Krieg jwrchci , 9