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ihm damit zuziehen. DaS 28. Linienregiment rief vive Napoleon, weil sein Oberst ihm vorgelogen, wenn »S dies riefe, so würde eS zur Belohnung nach Paris beordert werden, und die Pariser Garnison ist den armen Jungen freilich lieber, als die Cherbourger. Auf dem Admiralschiff schrieen die Matrosen und Seesoldaten auf Kommando: eS lebe der Präsident"; im Generalstab war lange diSkutirt worden, ob die Matrosen siebenmal statteS lebe der König" jetzteS lebe die Republik" oder es lebe Napoleon " oder endlich eS lebe der der Präsident" rufen sollten; man entschied sich, auf Befehl deS Marineministerü gegen vive la republique und für vive le prësi- dent. Als der Zug an Bord trat, schrie ein vorlauter SchiffSzim- mermann vive la lépnblique, worauf die Anderen sagten,nein, daS ist falsch, wir sollen ja vive le president schreien."Nun gut, antwortete der gute Mann, vive le pr&ident.« Die Hasenhand- werkSleute waren am Abend vorher zusammenberufen worden, und die Direktoren sagten, wer nicht vive le president ruft, der wird so­gleich außer Brod gesetzt. Und um diesen Worten Nachdruck zu geben, werden siebenundsiebenzig im Voraus verabschiedet, unter dem Vorwande, eS sei keine dringliche ArbritSbestellung vorräthig. Nämlich diese siebenundsiebenzig waren zufällig dir heftigsten Demokraten. Doch war daS Rufen auf dem Schiffe selbst ziemlich matt, waS ich indessen kei­neswegs als republikanische Gesinnung auSltgen will, sondern als An- Hänglichkeit an den ehemaligen Adnüral, den jetzt verbannten Edh» LouiS Philipps, Prinz von Joinville. Es ist eine seltsame Wuth rin* gerissen bei unserer wie bei der reaktionären Partei, jeglichtS Schrei»» und jegliches Nichtschreien für oder gegen zu deuten und auf solche» bteckenpserkchen 14 Tage lang durch alle vier Seiten deS Journals durchzureiten. Ich halt» das für kindisch und unfruchtbar. Die lange eiserne Märtprepoche von 179 4 bis heute hätte doch bei Gott unS wenigstens belehren sollen, daß die Nation schwankt wie ein Schilfrohr im Teiche. Welch' eine Tollheit, die allernächsten Ereignisse ber nächsten Tage vorhersagen zu wollen! welch' ein Wahnwitz, auS dem bunten Schecken. und Harlikingetümmrl, daS den Präsidenten aus seinen Reisen empfangt, mit Sicherheit ans die Gesinnungen der Bevölkerung schlie­ßen zu wollen! Herr Bonaparte wird bei seiner Rückkehr in Paria, heißt eS, von dem Dezemberbunde mit dem Rufecd lebe der Kaiser Napoleon" empfangen werden; in den Reihen dieses Bundes haben, sagt man, sich sogar Sozialisten eingestellt, theils Abtrünnige, theils s. g. feine Köpfe, die sich einbilden, dem Straßtnkrirgr eine gute Wendung für unsere Partei geben zu können. Was von di»ser Sorte Köpft" zu halten, ist bekannt. So viel ist gewiß, der Parlomrnt-- auSschuß ist sehr beunrubigt durch alle diese Umtriebe der Bonapar­tisten in Abwesenheit deS Parlaments und hält tägliche Sitzungen. Wie d>e Sache abläuft, ist, wiederhole ich zum tausendsten Male, nicht vorder zu sehen, denn eS ist ein Lotteriespirl, und die Worte: Macht der öffentlichen Meinung" u. f. w. sind eitel und gleißend. ES bangt z. B. sehr viel vom Auftrttrn der zwei befreundeten, repu­blikanischen General, Lamoriciere und Cavaignae ab. Wenn diese im großen Augenblick auf das Stadthaus in Uniform reiten und die reiue Demokratie proklamiern, so läuft die ganze Armee zu ihnen über und die UUOU GtnSd'armen in Paris werden ersäuft und mit Keulen »r- schlagen. Aber ein Irrthum ist'S, daß die Arbriter allein tie Sache retten könnten. Ohnehin sind Pflasterbarrikaden unmöglich, seit die Vorstadt St. Antoine und die Boulevards in fön. preuß. Chausseen umgeschaffen wurden. Man müßte, um jetzt noch Barrikaden zu machen, die Möbels au- den Häusern dazu benutzen. Bonaparte soll von Cherbourg aus dem Konnte der Pariser Dezembrist»» jed» Demonstra­tion bet feiner Rückkehr brieflich untersagt haben, waS >ch dem Journal Evenement" nachschreib». Bezeichnend ist, daß Bonapart» (stets in der GeneralSnnisorm der Bürgerwehr, in der er notabene niemals ge­dient hat, statt in dem bescheiden anständigen schwarzen Rocke d»S Prâ. fibenten Nordamerikas) auf dem Verdecke des AdmiralschiffeS eine Mtsse lesen ließ. Also Jesuitenknecht!

sPari», 11. Sept. Die Seele blutet, wenn man die in­famen Schmeicheleien betrachtet, dir dem Präsidenten Bonaparte von der kriechenden Bourgroifi», Aristokratie und Bureaukratie gespendet werde«. DaS nennt dieser feine golden» Pèb»l in einer Republik lebens Kriechen, kriechen, und immer wirdrr krieche«, daS ist die Liebling-brwrgung dieser Mevschenklassrn; tückisch gegen die Außenstehenden, nicht zur Familie Gehörigen, affenartig für die eigene Familie, grausam gegen bad Grsammtvaterland, latzenbaft schmeichlerisch gegen die höheren Staatsbeamte«, träge im Geschäft-, führen, grob gegen die llntcrbcamten , so ist der Normalcharakter je­des französischen, wie deutschen, wie russischen Bureaukraten mittlern und obern Range«. WaS für Teufeleien sich dies» Klit» erlaubt, ohne von d»n nicht zu ihr gehörenden Bürgern gezüchtigt zu werben, bad ist nur demjenigen glaublich, brr rd sieht und selbst hört. Kein deut- scher Leser wird rd z B glauben, daß in der normannischen Stadt

£aën ein uniform irker Bürgerwehr - Lieutenant zweiter Klasse aus dem Ball, dendie Knechte in Gold und Seide" dem Monsieur Bo­naparte gaben, arretirt wurde, weil er vive la rëpuplique gerufen, während 40 50 Bestien in schwarzen Leibröcken mit einem schwar­zen Bande und einer schwarzen Schnalle im Knopfloch (Ab­zeichen deS DezemberbundeS) auf diesem Ball vive Napoleon undeS lebe der Kaiser" bellten; diese dem Lieutenant der Caöner Bürgerwehr ganz unbekannten Gesichter redeten in parisisch und nicht in normandi- scher Aussprache, stießen ihm ihre Fäuste in die Rippen und gaben ihm auch einige s. g. französische Tritte. Nachdem sie ihn der Wache überliefert, verschwanden sie spurlos vom Balle. Der Beleidigte, Hr. Lefevre, kam sofort durch seinen Oberst frei und zurück zum Ball, aber die Rache blieb auS. Soll bad noch lange so bleiben?

B. g. Part- , 11. Sept. Der Präsident ist, uach einer telegra» phischen Depesche vom 10., um 5 Uhr bed Morgen- aus St. 80 batirt, in derselben Stadt mit dem Rufe:ed lebe Napolen" em­pfangen worden. Vor der Stadt stieg ber Präsident zu Pferde und hielt eine Revue der Garnison und ber Nationalgarde ab.

Die verschiedtnartigsttn Gkrücht» verbreiten sich über Vorberei­tungen zu Demonstrationen, welche beim Empfang bed Präsidenten, ber übermorgen hier eintreffen wird, auSgeführt werden sollen. ES sollen die strengsten OrdreS ertheilt worden fein, Jeden, ber rufen wird:eS lebe die Republik" zu verhaften. (Eine Verordnung, die bei ihrer Ausführung auf Schwierigkeiten stoßen bürste.) Den von ben Behörden begünstigten Dezembristen schreibt man aber noch weniger ausführbare Pläne zu; so sollen z. B. während die Auvergnaleu die Pferde bed Präsidenten ouSspannen, um ihn im Triumphe durch die Stadt zu fuhren, die Tuillerien durch eine Dezemberlegion besetzt werden. E- versteht sich von selbst, daß diese Gerüchte nur wenig Glauben finden; sie bienen aber dazu, die Gemüther zu erhitzen und eine Stimmung in der neugierigen Menge vorzubereite«, die bei un­vorhergesehene« Veranlassungen leicht zu Konflikten führen kann. Mög­licherweise sind sie auch mit dieser Absicht in Cirkulation gesetzt worben.

Die Zahl der Generalräihr, dreen Beschlüsse bis jetzt besannt geworben sind, beläuft sich auf 80, wovon sich 50 für, 14 gegen die Verfassung ausgesprochen haben; die übrigen haben dies» Frage gar nicht verhandelt. Alle fünfzig der Revision günstig« Beschlüsse beschränken sich darauf, eine Revision im Allgemeinen zu wünschen, ohne sich über bie Tendenz näher auSzusprechen; die meiffen davon verlangen natürlich, daß sie nur in ber gesetzlichen Frist und Form vorgenomm»« werde. Diese- Resultat hat offenbar die Erwartungen derer getäuscht, welche sich am meisten bemüht hatten, den Departe- mentalräthen eine politische Wichtigkeit zu geben und eine Rolle an- zuweisen, welch, mit dem ihnen gesetzlich verliehenen Charakter unver- rinbar ist. Ohne ihren Verdruß zu verhehl»«, bemühen sie sich aber, bad magere Produkt, so gut cd geht, zu benutzen, nm bie Vornahme einer R»vission der Verfassung nunmehr als unvermeidlich darzustrllen.

Graf Teleki, ehemaliger Gesandte der provisorischen Regierung von Ungarn, proteflirt in einem an alle Redaktionen gerichteten Schrki- ben gegen bie Verläumdung gewisser Journal», w»lche den Kossuth der Unterschlagung mehrerer Millionen und der Kronjuwelen beschul­dig»« und bringt bei dieser Gelegenheit bie gegenwärtige Vage bed Verläumdttr« und seiner Leidensgefährten zur Kenntniß, in welcher sie nur durch bie Großmuth ber türkischen Regierung von bem Hun­gertod gesichert seien.

Man versichert, daß LouiS Philipp vor dem Hinscheiden dem Herzog von Nemours ein kleine« Memoir mit der Aufschrift:Rath­schläge für meine Familie" eingehänbigt habe.

Es hat hier einig,- Aufsehen erregt, daß ber Präsident ber Na- tiovalversammlung, Hr. Dupin, bei der Nachricht von bem Tode Vouid Philipps eine Trau,»messe auf seinem Landgut abhalt»« ließ.

In RivksalteS, einer Stadt bed Pyrrnä,nd,partemknia, sind 40 bid 50 Person,«, welch, einer geheimen (Gesellschaft angrhörte«, ver­haftet worben.

B. g. Pari». Der Präsident soll bei feiner Abreise von Cher- bourg mit ben Rusk«:ed lebe bie Republik, bie Konstitution und bad allgemeine Stimmrecht" begrüßt worben sein. Andrer« Bri'chten zufolge soll fein Abschied besser ald fein Empfang gewesen sein. H"k» wurde bad unglaubliche Gerücht verbreitet, man habe am 8- auf den Präsidenten geschossen. Die Listen für bad Bonapart,sch' Sanaur« tirculireu noch immer; wir sahra heute eine derselbe» iwl^e 4Ooii Unterschriften zählt». Wi» man versichert, soll der Minister - ( die Nativrralgarde von Chrrbvurg auflöst« wollen

Belgien.

- st Brüssel, 11. Srpt. - E-dl'4 ist ben Stptkmbeisrstra zum Entzücken der Vergnügung such ig