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Dritter Jahrgang.

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Erscheint täglich, Montags ausgenom­men. Vierteljährlicher Abonnementspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Cr-

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Kassel, Sonntag den 15. September

1850,

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Die Hornisse" erscheint auch im nächsten Quartal täglich, mit Ausnahme des Montags, in unveränderter Tendenz. Der Äbonnementspreis beträgt 24 Sgr. pro Quartal; für Auswärtige kommt der Postaufschlag hinzu, welcher für die Thurn- und Taxisschen Postanstalten, neueren Bestimmungen zufolge, 3 Sgr. beträgt. Einzelne Nummern werden in der Expedition zu 6 Hlr. abgegeben. Abonnirt wird bei allen Postanstalten des In- und Auslandes, für Kassel in der Expedition, obere Entengasse Nr. 132, sowie bei den Herren I. C. I. Raabe u. Comp. und W. Appel.

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Ueber Hannover nach Boâeuheim

Von Kassel nach Frankfurt reist man in 11 Stunden. Ueber Hannover ist dieser Weg einige Tagereisen weiter. Da eS nun dem Herrn deS Hrn. Hassenpflug nicht zuzumuthen ist, wie jener Graf von Würtemberg ohne Angst fein Haupt in jedes Unterthanen SchooS zu legen, und da die hannöversche Gränze um 8 Stunden näher lag, wie die Frankfurter: so entspricht eS ganz der Hassen- pflugschen Pfiffigkeit, seinen Fürste« nicht, wie der dumme Kauz von Kaufungen, erst in den inländischen Wäldern Brombeeren essen zu lassen, sondern ihn direkt in anderes Gebiet zu schaffen. Vorsicht sst die größte Vorsicht eines großen Herrn. Hundertmal tadelt man die Unvorsichtigkeit der Fürsten und Staatsmänner, gebe man ihnen das Zeugniß , daß sie sehr vorsichtig sind, wenn e S sich um ihr Leben handelt. Man verstehe recht. Vom Leben deS Hrn. Has- senpflug ist die Rede. Der Widerstand der Behörden, die Anklagen deS ständischen Ausschusses, die Bescheide der Gerichte und die Furcht vor neuen, die Aussicht der Verhaftung für den Fälscher und seine Genossen, die bedenkliche Haltung deS Militärs waren Gründe genug zur Abreise und zur äußersten Vorsicht der ministeriellen Hoch- vcrräthcr. Leben ist Freiheit. Wenigstens möchte dies bei der Flucht des Greifswalder Staatsbctrügerü ein - .und derselbe Begriff sein. Welche Gründe für den Kurfürsten zumabgereist werden" vorlagen, weiß man nicht. Man muß sie erfahren. Hassenpflug stürzt ihn mit hinab in den Abgrund, den er selbst seinem Vaterland schon so lange gegraben. Der unglückliche Fürst muß seinen finstern Plänen zu Willen sein.

Er führt ihn über Hannover nach Frankfurt. Der alte Ernst August scheint einstweilen keine große Neigung zu verspüren, einem Hassenpflug zu Gefallen sich in all' die unangenehmen Verwickelungen zu stürzen, die auS einem Einmarsch in Kurhessen erwachsen können, obgleich jetzt der günstige Zeitpunkt gekommen ist, um durch eine Besetzung einiger Törfer und Städte mindestens die Entschädigung zu rcalisircn, welche noch von Hannover wegen Besetzung der Grenzen auS dem Jahr 1849 gefordert wird. Aber ein regierender Fürst, ein Fürst, der seine Residenz bei Nacht und Nebel verlassen, der im Begriff sieht, für ewige Zeiten den Sitz der Negierung dahin zu verlegen, wo er durch fremde Bajonette aller weitern Vorsichtsmaßregeln enthoben ist: ein solcher, st könnte doch ei.'. gen Eindruck auf den alten hypochondrischen Lord machen. Eine Steuerverweigerung und ein des- halb mit Kourierpferden abreiscndcr Kollege sind Gegenstände dcâ höchsten Interesses für regierende Häupter. - ES ist nicht unmöglich,

daß Hr. Hassenpflug die Absicht gehabt hat, seine Residenz in Nenu- dorf aufzuschlagen, um den hannoverschen Truppen daS Vergnüge» seines Schutzes zu gewähren. Er muß jedoch in Münden rc. bereits einige solche Anzeichen erhalten haben, daß dieses Vergnügen nur auf feiner Seite sein werde. Wir erhalten darum eine Verordnung auS dem Reisewagen, daß wir unâ fernerhin mit unsern Petitionen in den Bezirk Hanau zu wenden hätten, etwa nach Bocke nheim bei Frank- furt. Und weiter ging die Reise. In Hannover selbst ließ sich Hanâ Daniel nicht sehn, um daâ Geschäft nicht ganz zu verderben, um viel­leicht doch die Zusage zu erlangen, daß man sich nach Frankfurt rich. ten wolle.

Der Schwerpunkt unserer weiteren Geschicke fällt also nach Frank- furt. Der Hochverräther wird schon die Vorwände finden, um Bun- deShülfe zu requiriren. Vorerst wird er unS an Geldmangel auSzeh- ren lassen, wird er so lange den Widerstand Aller reizen, biâ er dem engern Bund bewiesen, daß nach dem Art. 26 der Schlußakte alle gesetzmäßigen Mittel seinerseits erschöpft seien, um alSdann zu- rückzukehren, wie Leopold von Baden zurückgekehrt ist, als Zer­störer der Verfassung und Verschacherer des Landes.

Der ebenfalls reiseflüchtige Hr. Vilmar hat in seinem Volksfreund angedcutct, daß die Entwickelung der kurhessischen Zustände denselben Verlauf nehmen werde, wie die der badischen. In der That, we- der der Kursürst noch der Hochverräther Hassenpflug haben eS daran fehlen lassen, eine solche Entwickelung herbeizuführcn. So sind diese verblendeten Thoren; so verstehn sie die Geschichte. Die Aehn- lichkeit der Gegenwart mit vergangenen Ereignissen erfüllt sie mit dem Wahn, daß daraus dieselben Resultate hervorgehen müssen. Und sie erreichen Nichts, als daß sie ihre eigne Schuld, ihre eignen Ver- brechen nach dem Muster Fremder gestalten, während die Geschichte selbst unaufhaltsam ihren konsequenten, und dennoch stets neuen Gana fortschreitet.

Ja, Kurhessen ist, wie Sachsen und Baden, gründlich von allen monarchischen Vornrtheilen geheilt, aber die Schicksale jener». der sind eine zu fu chtbare Lehre für und, als daß wir vereinzelt einen Thron oder eine Krone zertrümmern würden, blos, um unter fremden Bajonetten zu verbluten. Daâ Volk allein lernt auS der Vergangenheit. Geht hin, Vcrräthcr! Geht hin, wohin ihr wollt! Eure Flucht ist gleichgültig, ihr wäret nicht vorhanden für und, als ihr vor unsern Augen eure thörichten, eure verwegenen StaatS- streiche versuchtet. Versucht sie, wo ihr wollt, eS bleibt sich gleich.

Leopold von Baden floh bei Nacht und Nebel auS Karlsruhe mir seiner ganzen Regierung. Aber dieser Flucht cing die Bersamm- Inn5 von Offenburg voraus. Der Kurfürst von Hessen reist bei Nacht