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— Die „Spen. Ztg.^ ist bis zum heutigen Tage noch fest überzeugt, daß die gegenwärtige Lage der Dinge in Knrhessen nur ihren Grund in dem Zurücktritte von der Union habe. Selbst die „Neue Hessische" hat eS nicht für nöthig gehalten, diese Behauptung nach- zudruckeu.
* — 13. Sept., Mittags 1 Uhr. — Nach einer durchaus glaubwürdigen Mittheilung aus Münden können wir mittheilen, daß der König von Hannover auf die Zumuthung, Truppen nach Kurbessen zu schicken, in englischer Sprache geantwortet hat: „Goddam, kein Mann kommt nach Hessen." — Die vier an die Grenze beorderten Bataillone sollen lediglich zum Schutze des hannöverschen Gebiets bestimmt sein. Wohin wird sich unter solchen Umständen unsere auSgerissene Regierung sammt Königl. Hoheit wenden, um Schutz gegen einen Feind zu suchen, der nirgends zu finden ist, und mit den Ministern selbst Fersengeld gegeben hat?
— 13. Sept.— Der Oberbürgermeister der Residenz, Hartwig, hat heute folgendes Plakat anschlagen lassen:
„Die unerwartete Abreise deâ Landesherr» und seiner Minister hat zu einigen Besorgnissen Veranlassung gegeben, welche nach den rnmitte!st unter den hiesigen Civil- und Militär-Behörden ge- psiogenen Verhandlungen als beseitigt anzusehen find. DieS, Mitbürger, zur Beruhigung! Euer bisheriges Verhalten auf dem Wege der strengsten Ordnung und Gesetzlichkeit hat überall Anerkennung, ja Bewunderung gefunden. Verdient auch fernerhin diesen Ruhm, dann, Mitbürger, wird der Sieg unserer gerechten Sache gewiß sein."
— 13. Sept. — Daß die Gothaer Partei für eine Besetzung Kurhessens durch preußische Truppen passionirt ist, ersehen wir unter anderem and einem Artikel ihres Berliner Organs, der „Konst. Ztg.", in welchem eâ heißt: „Ein nahes Interesse an der alleinigen Besetzung Knrhessenâ durch dessen eigene Truppen hat Preußen in Betreff der vertragsmäßigen Militärstraßen über Fulda und über Kassel. Durch den StaatSvertrag mit Kurhessen find indessen nur kurhessische Truppen, oder solche, welche auf Befehl deS Bundes in daâ Land rücken würden, unmittelbar gebunden, preußische Durchmärsche nicht zu hindern."
* Kassel, 13. Sept. AbendS. Man erfährt jetzt, daß der Kurfürst um 5 Uhr in hannöverisch Münden angekommen war, mit ihm sämmtliche Minister und einer seiner Söhne; er verweilte 10 Minuten, während welcher er sich mit dem Kommandeur der dortigen Truppen unterhielt, undreiste weiter nach Hannover. Seine Söhne soll er aus Wächterâbach nach Frankfurt bestellt haben. — Ueber die Truppenstärke der Hannoveraner an unseren Grenzen hört man bis jetzt nur von 600 Mann in Münden und von 160 Mann in Lutter am Berge (2 Stunden von Kassel). Eine Ordonnanz hat von Münden aud an Hrn. Bauer den Befehl gebracht, daâ Kommando beizubehalten, aber von der Verordnung nur den § 2 (die Staatspolizei betreffend) auszuführen. Auch ist Hrn. Bauer erklärt worden, daß einstweilen die Regierung in die Provinz Hanau verlegt werde; von Bockenheim (d. h. von Frankfurt) werde das Weitere erfolgen. Dagegen brachte um 12 Uhr ein Kourier eine Ordre deâ Hrn. Hayaau, daß die Regierung nicht verlegt werden sollte. — Ein hannöverscher StaabSoffizier ist hier eingetroffen und konferirt mit dem österreichischen Geschäftsträger v. Kübck.
* Kassel, 13. Sept. — Auszug aus dem JnquisitionSprotokolle deS General -Auditoratâ. Kassel, den 13. Sept. 1850. Nr. 399. Betreffend die von dem bleib, landst. Ausschüsse wegen Amtsmißbrauchs, Berfassungsverletzung und Theilnahme an Hochverrath gegen den Ge- verallieutenant Bauer hierselbst erhobene Anklage. — Beschluß: DaS hiesige Garnisonsgericht erhält auf Grund deâ § 33 der Mil.-Str.- Gerichtsordnung hiermit Auftrag: die in der anliegenden Eingabe deâ bl. landst. Ausschusses vom gestrigen Tage zu 3 und 4 bezeichneten, wider den Generallieutenant Bauer hierselbst zur Anzeige gebrachten, behaupteter Maßen in Vollziehung der Verordnung vom 7. d. M. begangenen und hiernach als mit Verletzung der Verfassung verübten Mißbrauch der Amtsgewalt fich darstellenden Handlungen zu untersuchen und sonst auf die Eingabe waS Rechtens zu verfügen. — Dagegen liegt für Ausdehnung deS Auftrags zur Untersuchung der unter 1 und 5 der erwähnten Eingabe angeführten Thatsachen, welche den Thatbestand eineâ Vergehens nicht genügend erkennen lassen, eine Veranlassung nicht vor. — 2) Dem bleibenden landständischen Ausschüsse wird von dieser Verfügung andurch Nachricht ertheilt.
v. Urff, General Major. Eichenberg, General-Auditor.
ch— 14. Sept. Gestern Abend wurde folgende „Bekann*- machung" angeschlagen. „Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Seine Königliche Hoheit der Kurfürst geruhet haben, den Sitz der Regierung bis auf. Weiteres in den Bezirk Hanau zu verlegen. Kassel, am 13. fcept. 1850. Der Oberbefehlshaber Bauer, General-Lieutenant und intermistischer Kommandeur des Armee-Corps." — Demnach scheint cs, als ob der Kriegszustand
noch fortbestehe und Hr. Bauer seine Entlassung entweder nicht ein- gereicht, oder wenigstens nicht erhalten habe.
— 14. Sept. — Ueber die Reise Sr. k. Hoheit und Dero getreuen Haffenpflug erfahren wir bereits einige Details, welche beweisen, daß die Gemüthlichkeit aufgehört hat. Unsere Nachrichten reichen bis Münden.
— 14. Sept. — Wie wir vernehmen, wurde gestern Hr. Ober- müller, der bekanntlich Kurhessen mit Haffenpflug'scher Publizistik beglücken sollte, von hier polizeilich auâgewiesen.
»Hannover, 12. Sept. — Gestern Abend wiederholten sich die unruhigen Auftritte vor der Wohnung deâ Generals Haynau, die zeitig von dem Korps der Feuermänner beseht wurde , während andere Abtheilungen der Bürgerwehr patrouillirten. Die oft zerstreuten zahlreichen Menschenhaufen sammelte» sich dann eben so oft an anderen Plätzen wieder und eS ging schon nicht ohne Benutzung der Waffen ab. Da eâ dem Hrn. General nicht angenehm sein kann, sich hier unter dem Schutze der bewaffneten Macht aufzuhalten, so ist zu hoffen, daß er nicht länger alS in Londou hier verweilen und keinen Anlaß geben wird, die Ruhe einer friedlichen Stadt zu stören. — Wir vernehmen nachträglich, daß Hr. Haynau die Güte gehabt hat, unsere Stadt von seiner Anwesenheit zu befreien. Er ist heute früh abgereist. — (Z- s. N.)
Haynau hat, wie man uns mittheilt, bei seiner Abreise auS Hannover die Absicht geäußert, nach Kassel überzusiedeln. Die neueste Wendung der Dinge dürfte übrigens feiner Reise eine andere Richtung gegeben haben.
OW Dresden, 11. Sept. — So ist denn endlich auch Ihr Ländchen, die Provinz des Pascha Hassenpflug, mit dem Belagerungâ- zustande gesegnet worden. Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt." Hr. Hassenpflug will sich nicht lumpen lassen, er will wenigstens seine Ministerehre zeigen, da von seiner übrigen Ehre nichts mehr zu sehen ist: er will seine Ebenbürtigkeit mit den großen und kleinen Manteuffels offenbar werden lassen, und — er braucht Geld. Der Belagerungszustand soll Ihnen die Hände binden, während Hr. Hassenpflug gemüthlich seinem alten Metier nachgeht und Ihnen die Taschen leert, — natürlich nur zum Besten des Staateâ, und dazu muß erst daâ Volk sein Bestes hergeben. Tragen Sie das Unvermeidliche philosophisch: alle Menschen müssen sterben, und der Belagerungszustand ist ebenso unabwendbar wie der Tod. Freilich ist eâ traurig, daß Sie noch so zuletzt, nachdem die übrige Welt daâ Uebel ziemlich überstanden hat, von dieser konstitutionellen Cholera ergriffen werden mußten.
AuS unserem Ländchen kann ich Ihnen heute die vierte ConfiSka- tion deS neuen Dresdener Journals und die zweite deS Muldentbaler Boten melden. Jene fand statt wegen eines Artikels auö der Ober- postamtSzeitung über die Kompetenz der Kammern; diese wegen Beleidigung deâ jungen österreichischen Dalailama. DaS Leipziger Reibeisen ist nun gänzlich verboten worden, und um seine Erbschaft streiten sich zwei unter dem Titel „Leipziger Volkshalle" erscheinende neue Blätter. Der frühere Redakteur deS Reibeisens, F. Kauffer, wird ein neues politisch-belletristisches Blatt herauSgeben, waS jedenfalls besser und gehaltreicher werden wird, als das Reibeisen, was zu sehr Klatsch- blatt war. Der in Folge der Maiereignisse zu 15 Jahr Arbeitshaus verurtheilte Justizamtmann Hitz sch old in Wolkenstein ist, nachdem das Urtbeil noch in dritter Instanz bestätigt worden ist, zur Verbüßung seiner Strafe nach Waldheim abgeführt. Unsere Kammern machen VergnügungSparthien und zeigen sich ungemein thätig, wenn eS gilt, die Steuern zu erhöhen und die Rechte deS Volkes auSzurotten. Gott segne ihre Studia!
Darmstadt, 10 Sept. — Hr. Dalwigk verspürt der kurhessischen Angelegenheit gegenüber ganz dieselbe Angst, welche Herrn Jaup beim Ausbruch der badischen Erhebung befiel. Wenigstens ist die Maßregel vom 17. September 1849 , die „ Verhütung des Mißbrauchs der Volksversammlungen betreffend", um ein Jahr verlängert, da die Gründe, welche sie hervorgerufen, dem VcrlängerungSdckret gemäß noch fortbcstehen sollen. (Fr. Ztg-)
* J-* Darmstadt, 11. Sept. — Gestern traf der größte Theil der Abgeordneten hier ein und heute wurde bereits zur Wahl der Büreauâ beider Kammern geschritten. In der demokratischen zweiten Kammer ward, wie man vorher wußte, sofort Mohr (pens. KrciSgcrichtüprä- fident auö Ingelheim) zum Präsidenten gewählt, in der ersten Kammer dagegen schwankte die Wahl, acht Stimmen standen gegen acht. Das Loos entschied für Schenk (OberappcllationSratb auö Darmstadt) von der konstitutionellen Partei, dagegen wurde der Demokrat P farrer Dieffenbach auâ Schlitz, Vater des in diesen Tagen vielfach genannten Dr. Ferd. Dieffenbach, der auS der Liste der Pfarramts- kandidaten gestrichen und dem auch feine Privatrehranstalt gesch offen wurde, zum Vizepräsidenten gewählt. Der Landtag wird walnschcin- lich übermorgen (Freitag den 13) förmlich eröffnet werden. ^ir