Einzelbild herunterladen
 

919

Hon, die sich bis jetzt ein Fürst in einem Momente, wo Thron und Staat zusammenstürzt, hat gefallen lassen müssen

^ 12. Sept. In einer Korrespondenz derDeut. Ztg." and Kassel 10. Sept. steht wörtlich:Die Hornisse hat sich auch wieder blicken lassen, ist aber gewaltig zahm u. s- w." Wir können nicht glauben, daß einer der hiesigen Konstitutionellen eine so wahrhaft kindische Albernheit geschrieben haben soll.

12. Sept. Wie wir den Konstitutionaliâmuö von unserem demokratischen Standpunkle beurtheilen, ist bekannt. Derselbe kämpft gegenwärtig in Kurhessen seinen Todeskampf. Alles, was eine konsti­tutionelle Verfassungsurkunde leisten kann, daS leistet gegenwärtig die unsrige, und wir müssen unsern Gegnern zugestehe», daß ihr ein« müthiger und ausdauernder Verfassungökampf unS viel mehr imponirt, als all' ihre NationalversammlungS - und UnionSschwindeleien.

HFnlda, 10. Sept. Hurrah die Gäul! Der Oberbürger­meister Mackenrodt ist zum Büttel deö Hrn. Hassenpflug avaneirt und hat die KriegâzustandSplakate anschlagen lassen. Man gebe dem Maune einen Orden! Die Straßenjungen haben die Pampflcte wieder abgerissen und in der Kaserne einige Fensterscheiben eingeschlagen. Ein Schulmeister verurtheilte sie, dem Platzmajor Abbitte zu thun.Bon Rechts Wegen!" Der Wacht auf!" lebt noch.

8 Hanan, 11. Sept. Hier ist bis jetzt noch kein Kriegs, znstand proklamirt, da sich der designirte Kommandant, General Müldner v. Mühlenheim weigert, feine Standrechtsfunktion zu übernehmen.

Hannover, 11. Sept. Nachdem es schon mehrere Tage geheißen hat, daß hannöversche Truppen von Hameln auS nach Hessen hinauf spedirt seien, hören wir heute bestimmt die Zahl von fünf Ba­taillonen als an die hessische Gränze beordert, angegeben. Auch der hiesige ^-Korrespondent deSHamb. Korr." bestätigt unsere Mit- theilnng über den Marsch hannöverscher Truppen an die kurhessische Gränze. Gestern Abend spät sammelten sich zahlreiche Haufen vor dem britischen Hotel. Man hörte den Namen Haynau rufen, be­gleitet von gellendem Pfeifen und von Verwünschungen mancherlei Art. AlS der Lärm ziemlich arg wurde, fanden sich einige Palizeibcamtcn auS dem nahe liegenden Polizeilokal ein und nahmen ein paar Ver- Haftungen vor, worüber die Unruhe sich vermehrte. Gegen halb 11 Uhr erschienen drei Abtheilungen Bürgcrwehr, denen eS nach einiger Zeit gelang, die unruhige Menge zu zerstreuen, ohne daß ein ernste­res Einschreiten nothwendig geworden wäre. So berichtet dieZtg. für Nordd.". Demnach wird unser LandSmann, der sich allenthalben einer so lebendigen Aufnahme zu erfreuen hatte; wohl im kurhessischen Kriegszustände von seinen Reisestrapazen auSruhen wollen.

* Darmstadt, 10. Sept. Welcher Art die fast alle Kc- tcgorikn deö Krinnnalkoder unifassende Anklage gegen F e n d t ist, geht auS dem Zeugtnvcihör in wahrhaft lächerlicher Weise hervor. Aus der Rede, welche derselbe bei Gelegenheit der Friedberger VolkSver» sammlung am 20. Aug. 1848 gehalten, erinnern sich einige Zeugen, daß der Angeklagte die Fürsten als Feinde deS deutschen EinheitS. und FrcihritSwerkcS bezeichnet habe. (Gräßlich, welche Unverschämt­heit.) Dabei habe er den Kaiser von Oesterreicheinen blödsinnigen Kretin ", den König von Preußeneinen Kartätschenkönig", den König von Hannovereinen hochmuthigcn Lord und zweifachen Rebellen", den Kurfürsten von Hesseneinen brutalen Untcrossizicr", den König von Würtemberg und den Grvßhcrzog von BadenRebellen" gc- nannt, und dann noch auf die übrigen Fürsten alSZaunkönige und Westentaschcn-Potcntaten, die auf ihren Kackstühlchcn, Throne genannt, säßen", hingewiesen. Mehrere Zeugen hatten auch vonHeinrich den 72,000., Fürsten von Reuß-Kreuz Schwrrcnoth" gehört. Und auf solchen haltlosen Wirthühausklatsch hin wird Fendt vielleicht lebenslänglich in'S Zuchthaus gesteckt werden. Der Prozeß ist noch nicht beendigt.

Frankreich.

B. g. ^ariS , 9. Sept. Mit der Nationalgarde in Cher­bourg ist man sehr unzufrieden, sie gab zuerst das Signal zu dem allgemeinen Rufe: lebe die Republik", und der Kommandant der­selben endete feine Anrede an den Präsidenten folgender Weise:Sollte je die Republik in Gefahr gerathen, so sein sie überzeugt, Hr. Präsi- deut, daß die Nationalgarde von Cherbourg sich mit der Linie ver­einigen und die Republik mit ihrem Blute vertheidigen werde." Die Truppen riefen dagegen sehr eifrig: lebe Napoleon"; nur die Marine - Infanterie desilirte stillschweigend und ist deshalb für drei Tage konsignirt worden. sind bis jetzt 47 Generalräthe bekannt geworden, welche für, und zehn, welche gegen die Revision sich aus- gesprochen haben.

Die halbossiziellen Blätter verfehlen selten eine Gelegenheit, ihren

Antipathien gegen Lord Palmerston Genugthuung zu verschaffen. Bei Besprechung deS Haynau'schen Vorfalls in London sagt bad entrüstete Pouvoir": ist unmöglich, daß bad von der englischen Regie­rung beschützte Laboratorium der Demagogie, deS Sozialismus, des TerroriSmuS und Atheismus nicht sein Gift den arbeitenden Klaffen mittheile, und sie zur Revolution treibe. Daâ Volk ahmt seiner Re­gierung nach, welche alle Revolutionen in Schutz nimmt. Warum ed nicht Generale insultiren, wenn eS seine Regicrnng, den Pabst und die Könige von Griechenland, Sardinien und Neapel insultiren sieht. Palmerston insultirt mit Kanonenkugeln und die Kanaille von London mit Fäusten." ES scheint sonach, daß daS Elysëe daS be­rühmteherzliche Einverständniß" LouiS Philipp'â nicht kultischen will. Dieselben Blätter scheinen den General Changarnier ernstlich zu über­wachen, eS hat sie beunruhigt, daß derselbe gestern den ganzen Tag auf dem Landsitze deâ Hrn. Mole zugebracht hat. Changarnier hat von der Familie Orleans ein Danksagungsschreiben für die Beiwoh­nung bei dem zu Ehren Louis Philipps abgehalteneu Gottesdienste erhalten.

Die Depeschen, welche Hr. Stalin de Persigny von Berlin ge­bracht hat, wurdea für so wichtig gehalten, daß der Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten sofort nach Cherbourg in Gesellschaft des Hrn. Persigny abgereist ist. Letzterer soll binnen Kurzem nach Berlin zurückkehren, wo er zur Regulirung mehrerer wichtigen Angelegenhei­ten erwartet wird.

In Cherbourg hat vorgestern ein Ministerrath staltgefunden, in dem man beschlossen haben soll, alle Nationalgarden, die den Präsi­denten schlecht empfangen haben, aufzulösen. ES fiel allgemein die Kälte auf, mit welcher die Seeleute den Präsidenten empfangen haben. Die Inspektion , die um 9 Uhr Morgens angefangen hat, endigte Abends 6 Uhr. Der Präsident soll erklärt haben, dem großen Banquet der Dezembristen, welche sich in Cherbourg sehr unpopulär gemacht haben, nicht beiwohnen zu wollen. Mehrere Personen, die sich durch einen besonderen Eifer bei der demokratischen Demonstration ausgezeichnet haben, sind verhaftet worden.

t Paris , 9. Sept. Jetzt geht ed los: Der Präsident Bona­parte rückte in Cherbourg in einer forschen Rede keck heraus mit dem Plane, sich eine Amtövcrlängcrung zu ertrotzen. Cherbourg, sagte der Elende (der 1848 noch schwur der Republik treu zu bleiben) sei von seinem Oheim Kaiser Napoleon I. neu gebaut und zum Seehafen erster Größe erhoben: werde also, hoffe er, diese Stadt stets napoleonisch und konservativ (lies: reaktionär) sein, und er wolle von nun ab seine Macht dauernd machen. DaS ist doch klar gesprochen? Er hat hiermit freilich die Todesstrafe verwirkt; aber noch ist die Möglichkeit nicht sie auâzuführen. Man denke sich daS Jauchzen aller Rcaktior.S-, die Trauer aller Demokratie- Journale heutigen MorgenS; denn auf diesem Pfade geht'S schnell zum Mordbrennen und Bürgerkriege. Die Armee scheint wüthig: vivo Napoleon! zu brüllen, ein Infanterist, der vive la Rëpublique schrie, ward auf dem Paradeplatzc selbst vom Kapitän hervorgerufen, entwaff­net und weggeführt. In Lyon zerschlugen Dragoner daS Gypâbilv auf dem Markte, genanntder VolkSmann " Wohin bted Alles führt, ist klar; nur weiß ich nicht, ob die Republik nicht auf einige Jahre in den Hintergrund geschoben werden wird, denn ich glaube nicht an bad, waS z. B. die Schüler des Professor August Comte sagen und schreiben: nämlich, daß diese Reisen deö Präsidenten die republi­kanische Gesinnung der Bevölkerung and Licht brächten. Ich sehe nur, daß eine namenlose Verwirrung an'S Licht gebracht wird, und die Leute heulen bunt durch einander vive la Rëpublique, vive Napoleon und vive Henri; fehlt nur vive le communisme und der berüchtigte mörderische Pfaffenruf von 1815 vive Dieu (eS lebe der gute Gott"), dann sind wir vollständig. Die 86 General- ConseilS der 86 Departement erklären sich mit geringen Ausnahmen für die Umänderung ver Konstitution, doch meistens erst im Jahre 1852.

Italien.

^ §. Nom , 31. Aug. Lord Palmerston soll eine energische Note an die Römische Negierung gerichtet haben, in welcher er vor jeder GcwaltSmaßrcgel gegen Sardinien warnt. Man schreibt aus Perugia, daß dort ein Transport von 14 alâ Mörder verhafteten Personen durchgesuhrt wurde, die zu den angesehensten Familien Ita­liens gehören. Sie gehen nach der Citadelle von Ancona. _

nn ÄuS Sardinien , 3. Sept. Die Zustände in sa» voyen haben trotz dem sonderbaren Auftreten unseres Ministeriums sich in vielen Beziehungen verbessert, da die schwankende äußere out! diesem Volke noch zu fern liegt und die innere Reorganisation deshalb so anhaltend beschäftigt, daß ganz in derselben lebt. Der nun einge-