Dritter Jahrgang.
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Kassel, Donnerstag den 12. September
1850
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Der Kriegszustand
11.
Wer ist eigentlich der Schrecken, der sich über tiefe Lande gelagert. Ist eS scueö kleine Heer von 11,000 Mann , ein Heer aus unsern Söhnen, unsern Brüdern und nächste« Nachbar«? ..Sind es jene militärischen Befehlshaber, die durch ein Staatödienstgesetz an die Erhaltung der Freiheiten unserer Verfassung festgekettet sind, und die sie bereits einmal vor einem Gewaltakt gerettet haben? Sind cö jene erbärmlichen augendienerischen Seelen, die ihre Ehre und ihr Dasein zur Verfügung der Brutalität und Unvernunft stellen, jene schaam- losen Kreaturen, die sich freiwillig herbeidrängen, um durch Schurkenstreiche goldnen Lohn und nachträglich Hohn und Fußtritte einzuärndten? — Sind eS jene armen, der Willkür ihrer Vorgesetzten ohne Gnade preiSgegebenen Unterbedienten, deren Brod, deren Eri- stenz von einem Wink ihrer unverantwortlichen Gebieter abhängt und deren geistige Bildung selten dahin reicht, die Gesetzwidrigkeit der Handlungen zu ermessen, zu denen sie gedrängt werden. — In Allen diesen liegt kein Schrecken. In einem einzigen verfluchten Namen, in einem einzigen gehaßten und verachtete« Mann drängt sich der ganze Inbegriff dieses Schreckens zusammen. — Hr. Hassenpflug allein ist der Belagerungszustand, bas Kriegs- und Standrecht KurhessenS. Dieser Kriegszustand ist zwar erst am 7. September formell erklärt worden, aber er besteht thatsächlich bereits seit dem Monat Februar, wo der herzlose Abenteurer der höhern Politik als Gesandter deS europäischen StaatSsesuitiSmus von Berlin in Kassel ankam. — Sein Namen und der Bruch der Verfassung sind Ein- und Dasselbe, sein Regiment und die Gewalt ist gleichbedeutend. Und selbst nach dem erklärten Kriegszustand bleibt sich dieser heimtückische schleichende Jesuit getreu. Im Krieg wie im Frieden derselbe widerliche Heuchler. Sein Mund fließt nach wie vor über von heuchlerischen Versicherungen, von Schmeicheleien gegen Alle, die er für schwach, für bestechlich hält, nach wie vor lügt er in seinen Edikten, indem er jedes Recht über den Haufen wirft, von seiner Verfassungstreue, preißt er sich als Schutz und Schirm des Rechts und der Gesetze. In dem- selben Augenblick, wo er endlich offen seine Gesinnung enthüllt, wo er deâ Landes Grundgesetz suspendirt, wo er ihm durch freche Will- kürmaßrcgcln den grausamsten Hohn spricht — in demselben Augen- blicf versichert er dem „dummen Volke", daß alle diese Handlungen daS Gegentheil bedeuten und bezwecken sollen. Kurhessen isi zu kläglichen, aber zu großen Geschicken bestimmt. Hier hat der Absolutismus in feiner gränzenlosesten Verworfenheit sein Lager aufge- Ichlagen, ein Absolutismus, gegen den die blutlechzende Brutalität
eines Hapnaa als Ehrlichkeit und Tugend erscheint. Es ist der sesui- tische Absolutismus. Hier in Kurhessen soll die Probe geliefert werden, wie lange Zeit man nöthig hat, um unter dieser gleisnerischen Maske das Volk in der Folterkammer der schleichenden Demoralisation abzuschlachten. — Jedes ehrliche Herz wendet sich mit Abscheu von diesem ehrlosen und verworfenen Gaukelspiel. Vor diesem Schauspiel schweigt feder Parteiunterschied. — So lasterhaft und gräßlich diese physologische Erscheinung sein mag, sie würde in ihrem vergebneo Ab- mühen, gläubige Seelen und dienstfertige Hände zu finden, nur lächerlich sein, wenn nicht die drohende Riesengestalt der europäischen Gesammttyrannei mit dem Richtschwert ihr zur Seite ständ.
Könnten wir Kurhessen mit der chinesischen Mauer umgebe», zu welcher jener Vilmar vergebens einzelne Backsteine zusammenschleppt, — in einem Augenblick wäre dies Schattenspiel zu Ende. Das Reich Hassenpflug wäre gewesen. — Alle diese Männer, die ihm gezwungen die Hand reichen, bindet nur Eins an ihn — die Person des Fürsten. Und die Person deS Fürsten wiederum fesselt an ihn nur das Ausland. Der Schwerpunkt unseres Schicksals liegt über- all, nur nicht innerhalb der kurhessischen Gränzen. - Hassenpflug weiss und muß cö wissen, daß keiner seiner Diener und Untergebenen, daß weder die Eivil *, noch die Militärgewalten des Landes seine Verbündeten sind oder bleiben. Er weiß, daß die wenigen ehrlosen, gemietheten Abenteurer, die sich ihm mit ihrem Gut und Blut verschrieben, nicht ihn und nicht sich selbst zu retten im Stande sind, wenn nicht mit dem VerfassungSbruch und mit dem Hochverrath der LandeSverrath verbunden wird. Er muß es wissen, daß er damit seinen Fürsten und daS Land, daS er retten z» wollen vorgibt, an fremde Gewalten ausliefern muß. So wird daS, waS an und für sich ein klägliches Possenspiel ist, zu einem ernsten Trauerspiel, — so wird dieses leichte Gewölk über unsern Häuptern zu finstern Wetter- ™ “"^ ^®^ zusammenziehe». Aber eS wird der Blitz der Freiheit sein, der daraus hervorschlägt. Wohlan, tragen wir mit Freuden das Geschick unserer schmerzlichen Entwicklung.
S ch l e ö w i g - H o l st e i n.
c Hamburg, 9. Sept. — Mit dem heute Vormittag in Altona angekommenen Bahnzug traf die Nachricht von zwei bedeutenden Gefechten zwischen den Schleswig-Holsteinern und den Dänen hier ein.
DaS eine fand bei Süderstabel Statt, wo daS He, 9te und Ute schltSwig-holsttinschc Bataillon und daS Ite JägerkorpS mit 6 Ba- taillonen Dänen zusammenstießen: die Letzteren sind aber rasch zurückgewichen und haben ihre Todten und auch theilweise ihre Verwundete« zurückgelassen. Außerdem haben die SchleSwig-Holsteiner 58 Dänt«