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O Berlin, 6. Sept. Nur vorwärts! Ru ßland und England verlangen von PreuPen, daß es zu Gunsten d eS dänischen Königs in den HerzogthümernSchleâwig- Holstein interveniren solle, widrigenfalls sie selbst die Herstellung der dänischen Autorität bewerkstelli­ge» würden. Der Gothaer Spektakel dort scheint also zu Ende gehen szu wollen; man wird deS Zauderns überdrüssig, man will energische Mittel anwenden. ES ist gut, daß Alles zu Grunde geht, woran sich noch irgend eine Hoffnung knüpft. Aber es ist eine Schande, daß England die Hand zur Vernichtung eines deutschen VolkSstammeS bietet. Von Rußland hat kein vernünftiger Mensch etwas Anderes erwartet. Rußland knechtet die deutschen Ostsèeprovinzen, Rußland hat die polnische Nationvlität gemordet, Rußland sucht den Tscher- kessen die Schlinge um den Halö zu werfen, Rußland kann nicht anders, es muß alle rebellischen Völker zur Ordnung bringen und am meisten gerade auf die Vernichtung deâ deutschen Volkes bedacht sein, deâ einzigen, daâ auf die Dauer der barbarischen Sündfluth von Osten her widerstehen könnte. Rußland muß akso auch darauf bedacht sein, die Schleswig-Holsteiner von Deutschland loszureißen, sie mit dem unreifen Dänemark zu verschmelzen, daâ früher oder später den russischen Klauen zum Opfer fallen wird. Aber ich sage noch ein­mal, eS ist eine Schande, daß England, dascivilisirte" England, seine Hand zu dem russischen Bubenstück bietet. Was kann England dabei gewinnen? Eine Handvoll Guineen, und darum scheut eS sich nicht, Tausende den russische» Horden hinzuopfern, obgleich ich be­zweifle, daß es soweit kommen wird. Aber das ist die sogenannte englische Freiheit, die nichts ist, als der auSgsbildetste Krämergeist, der nur deßhalb dem Anderen nicht zu nahe tritt, weil er fürchtet, daß ihm dieser im Aerger daS Haus über dem Kopfe anzünden könnte. Was kann den Engländern daran liegen, ob die Herzogthümer deutsch oder dänisch sind? Sie wollen höchstens das Aufblühen dcö deutschen HandelS, die Anlegung von Häfen in den Herzogthümern hindern. Sie würden es nicht wagen, wenn sie nicht auf die Ohnmacht Deutsch­lands spekulirten, wenn sie nicht sicher wären, daß man ihren bruta­len Gelüsten nichts entgegenstellte. Es ist ein unbegreifliches Volk! Den Haynau mißhandeln sie, und was hat er Anderes gethan, als was sie selbst zu thun im Begriff stehen: eine sich erhebende Natio­nalität zu vernichten. Es ist möglich, und im Anfang war man all­gemein der Ansicht, daß England im Hintergründe eigentlich auch in der schleSwig-hotstrrnschen Angelegenheit intriguirk, aber zur Intrigue scheint die Sache jetzt doch zu ernst zu sein. ES wäre wenigstens eine um so größere Schande, wenn England, um irgendwelche Absich- ten gegen Rußland durchzusetzen, ein ganzes Volk hinopferte. Für jetzt ist eS genug, daß Preußen es so weit gebracht hat, zum Exekutor Rußlands und Englands ernannt zu werden, daß man dem deutschen Volke, den deutschen Truppen die Schmach zutraut, auf Befehl des Kaisers von Rußland ihre eigenen Brüder zu zerfleischen! Ja, ihr deutschen Truppen, soweit habt ihr es gebracht, daß selbst der Russe kein Bedenken trägt, euch zn beorvern, gegen wen ihm nur gefällt, und wär' es gegen den eigenen Vater, die eigene Mutter, die nichts wollen, denn als Deutsche zu sterben!

® Berlin, 9. Sept. Ich will Sie nicht mit dem vielen Geschwätz belästigen, das man hier aus jedem Munde über Ihre Zustände hört. Sie müssen am besten wissen, was Sie zu thun haben; Sie wissen auch, wie die Demokratie über die Lage der kurhessischen Dinge denkt, und waâ die Gothaer aushcckeu, kann Ihnen sehr gleich­gültig sein. Ich will Ihnen nur mittheilen , daß allerdings den Anschein hat, als würden Sie das preußische Militär binnen Kurzem auch durch die Thore Kassels marschiren sehen. Ich habe diese Nachricht anâ einer Quelle, der ich manche Nachricht verdanke, die sich nachher bestätigt hat. Sie werden wohl begreifen, daß die Preußen natürlich nicht kommen werden, um Haffenpflug zu unter­stützen, im Gegentheil, vielleicht sogar, um ihn am Verfassungsbruche zu hindern!! Sie werden nur cinrücken, weil zu erwarten steht, daß die Baiern über die hessische Grenze gehen werden, und weil die preußische Eifersucht sich nicht den Rang im Pazifiziren streitig machen lasse» will, d. h. im Grunde, weil man glaubt, daß die Baiern allein nicht fertig, werden würden, und weil ein doppelter Strick besser hält, alâ ein einfacher! Es ist im Ministerrathe offen ausgesprochen worden, daß Preußen, ohne alle Nebensachen, zuerst für die Ruhe und Ordnung in Deutsland zu sorgen habe. Man wird sie also Herstellen, ohne einen Verfafsungsbruch Hassenpflugs zu erlauben, d. h. man wird sich nachher um daS Weitere nicht kümmern. So wird der natürliche Gang der Dinge sein, dessen Ende man übrigens mit gro­ßer Spannung entgegensieht.

Frankreich.

B g. Paris, 7. Sept. Mau hat beinahe ganz aufgehört

sich um die Beschlüsse der Departementalräthe zu bekümmern. Die Listen der der Verfaffungâ revision günstigen Departements, hat sich wieder um 13 vermehrt, ohne daß es zu irgend einer Bemerkung der Presse Veranlassuug gegeben hätte. Es haben bis jetzt 43 Departe­ments die Revision votirt.

Die Journale deö Elysee werfen allen ihren Gegnern auf einmal den Handschuh mit eirrem Müthe hin, der Anerkennung verdient. Ihre täglichen Angriffe gegen die Legitimisten wechseln heute mit einem Angriff gegen die Orleanisten ab und treffen dabei einen ihrer Gegner, der ihnen mehr Besorgnisse einzuflößen scheint, als die ganze übrige Coalition. DasPouvoir" sagt, während demJournal des De- bats" sein Sündenregister vorhält:Wie ist es möglich, daß ein Blatt, welches sich selbst^für monarchisch ausgibt, bei der letzten Prä­sidentenwahl gegen den Neffen des Kaisers, für den Sohn eines Königsmörders und BruderD eines Kommunisten, Partei nahm, dem Alliirten der Ordnung, den^Verbündeten deSNational", dem Ver­treter des Landvolks, den Repräsentanten der Verschwörer vorgezogen hat." Im gemeinsamen Akkord greift auch derConstitutionnel" in einem langen Artikel den General Lamoriciere an, den er in einer detaillirten Lebensbeschreibung als einen mittelmäßigen General und schlechten Politiker darzustellen sich bemüht. Es scheint daraus her­vorzugehen, daß das Elysee nicht mehr für nothwendig hält, die beiden Generale Cavaignac und Lamvriciere mit der bisher beobach­teten Rücksicht zu behandel». Dieselben Journale rügen mit pm- psindlichen Bemerkungen, daß die Schweiz keinen Abgeordneten zu der Begrüßung deâ Präsidenten, als er auf seiner Reise ihre Gränze fast berührte, abgesandt habe. Die Organe der Verschmelzung haben ihre Hoffnungen noch nicht aufgegeben. DerCourrier franeais" und dieAssemblee Nationale" predigen nichts als Einigung aller konser­vativen Elemente, und geben dem Elysëe zu verstehen, es habe nichts Klügeres zu thun, als sich durch ein vernünftiges Unterreden eine an­genehme Zukunft zu sichern.

ES verbreitet sich das Gerücht, Louiö Napoleon sei von der Flotte in Cherbourg mit dem Rufe:es lebe die Republik, lebe Joinville" empfangen worden. Die neuesten Nachrichten melden ein­fach den Empfang des Präsidenten in Cherbourg, und es fällt allge­mein auf, daß die amtlichen Blätter keine näheren Einzclnheiten brin­gen, da man auf gewöhnlichem Wege schon gester» Abend Nachrichten von Cherbourg haben wollte, die den Empfang des Präsidenten in dieser Gtadt nicht sehr günstig schildern. Die Dezembristen sollen an mehreren Orten von der Bevölkerung sehr schlecht behandelt wor­den sei. Lucian Murat soll mit einer Sendung nach St. Peters­burg beauftragt sein.

Haynau scheint durch den Londoner Vorfall von seiner Idee, nach Paris zu kommen, abgegangen zu sein, indem er, wie man und ver­sichert, die für ihn schon gemiethete Wohnung wieder abbestellt hat. Es könnte indessen auch der Fall sein, daß er sich hier inkognito auf­halten will. In dem Büreau des Generals Changarnier soll ein Tagesbefehl auSgefertigt liegen, in welchem er den Offizieren und Soldaten jede Theilnahme an einem Bauguctte ohne feine Erlaubniß untersagt. Die drei in Paris anwesenden Minister haben sich heute Morgen bei dem Vizepräsidenten der Republik versammelt und solle» sich wegen des Auftretens Changarnier'ü berathen haben. Ein Courier ist sofort nach Cherbourg abgesandt worden.

i Paris, 7. Ser< Der Präsident hat auf seiner Fahrt von Evreur bis Caën, nicht viel Freude erlebt, d. h. das Geheul der Füchse und Wölfe deS 10 Dez. hoch lebe der Kaiser ist fast ganz verstummt. Jetzt, heißt eS, hat Nikolas von Rußland ihm ge­schrieben, er wünsche nicht die Kaiserwürde in Frankreich aufgefrischt zu sehen. Zugleich schmeichelt er ihm, seine Amtszeit durch allerlei Bestechungen in Paris, von St. Petersburg herab zu verlängern, aber nur als Präsident. Auf dem Wege, in Lisieur, wo Guizot einst durch die Millionäre und deren Söldner zum Deputirten ernannt war, schrieen die Bauernjungen und Bauerwehr mehr vive la re- publique als die Pariser. Bonaparte ritt hindurch, zwischen den Minister Rouher (ein miserabeler Winkeladvokat und erzreaktionärer Justizminister) und dem Präfekten, beide zu Pferde. Am 5. Sept, kam man in Caün an, der anbefohlene Empfang war recht wie überall, aber nebenbei donnerte oft vive la republique, wo­für, sagt die Chronik des Tages, diesmal der Präsident nicht die Stirn runzelte, sondern lieblich grüßte: er soll nämlich sehr böse aus die Legitimisten sein und einen Anschluß an die Demokraten versuchem In der That fürchtete er, die Legitimisten Eaün'S würden einen ' wall machen, doch reisten Abends vorher schon viele adlige rZam auf'S Land, um ihn nicht anschauen zu dürfen. ES sind die Verstocktesten, welche in Wiesbaden dem Herzog von ^ordeaur a Füßen lagen. Die Rede deS Bürgermeisters an Boüapartc, am - w der süßduftenden Braten und Gemüse, nebst Gegenrede Bonapar