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SOS

schlugen bie sie mit schönen Worten zur Ordnung weisenden Hai- dscktu und Panduren blutig und warfen mit Steinen nach dem Stuhl- richter, den, wie wir hören, nur die Schnelligkeit seiner Pferde und die Geistesgegenwart deS Kutschers, der vom Pferde geworfen, sich schnell wieder hinaufschwaug, retten konnte. Auch der Pfarrer V. K. entkam nur mit Mühe." Am anderen Tage wurde daS Dorf von einer Kompagnie Soldaten besetzt, 44 Ercadenten arretirt, 18 zu mehrjähriger Eisenstrafc verurtheilt u. s. w. So könnten wir zahllose Belege für den gährenden Auflösungsprozeß, in welchem sich die Mo­narchie befindet, und für Oesterreichs Unfähigkeit zur Herrschaft an­führen.

Nach Briefen auS Warschau erwartet man den Kaiser und die Kaiserin von Rußlaud daselbst. Schon wieder!

Hurrah! die Todten reite» schnell."

Die offizielleOesterr. Corresp." bespricht heute die Kurhessische Angelegenheit. (hübscher Ausdruck das!) Sie richtet ihre Waf­fen nicht nur gegen die demokratische Partei, sondern auch gegen die großpreußische", welche Alles daran setze,den Namen des Mannes, welcher derzeit an der Spitze der Geschäfte in Kurhessen steht, zu ver­unglimpfen und zu diökreditiren." Herr v. Hassenpflug erhält eine sehr warme Lobrede, und es wird der konservativen Partei in Preußen zu Gemüthe geführt, daß sie, ohne die Gefahr der schreiendsten In­konsequenz , nothwendig dessen jetzigem muthigen Kampfe gegen die Strömungen der Demagogie Beifall schenken müsse." Es wird auf den möglichen Einmarsch des baierschen Truppenkorps hingewiesen und im Hinblick auf das Verhalten der preußischen Regierung der Steuer­verweigerung von 1848 gegenüber die feste Zuversicht ausgesprochen, daß dieselbe nicht gegen die kurhessische Regierung Partei ergreifen werde. Die preußische offizielleKonst. Korresp." dagegen muß sehr er­bittert auf Hassenpflug sein und jede Militärhilfe verweigern. Was bedeuten diese verschiedenen Regierungsanfichten? Knutung mit Komödie.

Frankreich.

L.g. Paris, 6. Sept. Ein Journal zählt heute die ver­schiedenen Lösungen auf, welche dem französischen Volke von den ver­schiedenen Parteien zur beliebigen Auswahl geboten werden:

1) Das sogenannte Prinzip unter dem Namen Heinrich des Fünften, deS Erben der vierzehnhundertjährigen Monarchie.

2) Der Graf von Paris, Erbe der Monarchie deS Auswegs.

Der Ranie Louis Napoleon umfaßt zwei Lösungen:

3) Das Kaiserthum, Lösung des 10ten Dezember.

4) Die zehnjährige Präsidentschaft, Lösung des Constitutione!.

5) Präsidentschaft deS Prinzen von Joinville, eine vom OrlcauiS- muS abgeleitete Lösung.

6) Eine Verschmelzung der beiden dynastischen Linien mittelst Adop- tirung deS Grafen von Paris durch den Grafen von Chambord.

7) Adoptirung deS Grafen von Paris durch den Präsidenten der Republik, der sich mit der Herzogin von Orleans vermählen soll.

83 Endlich die Lamartine'sche Lösung, die alle möglichen Lösungen, jedoch nur aus legalem Wege zuläßt.

Die meisten dieser Lösungen, meint das Journal, seien eigentlich nichts als Auflösungen.

Die Organe der Verschmelzung, wie man sie hier nennt, sind ganz trostlos über die immer weiter klaffenden Spaltungen der ver- wandten Parteien.Seht Ihr nicht", rufen sie ihnen zu,daß Ihr vereint kaum mächtig genug seid, dem täglich wachsenden Somalis- muö zu widerstehen, der Euch unfehlbar verschlingen wird, wenn Ihr Eure Halsstarrigkeit nicht Eurer Rettung zum Opfer bringt. Ihr gleicht den Thoren, die auf der von der Fluth verlassenen Sand­fläche Häuser bauen wollen; die nächste Fluth reißt Eure Werke nie­der und bereitet Euch ein sicheres Grab."

Von Joâl sollen in Paris und London Aktenstücke über die Re- gulirung der schleSwig-holsteinschen Angelegenheiten angenommen sein und die Billigung der beiden Regierungen erhalten haben. Man glaubt, daß die Differenzen zwischen den Herzogtümern und Däne­mark in Cherbourg zu Ende gebracht werden.

England.

L Süts^VK , 6. Sept. Habe ich Ihnen nicht immer geschrie­ben, daß die Arbeiter die Einzigen sind, welche hier zu Lande Politik zu treiben verstehen? Ich habe mich nie getäuscht in den braven ehr­lichen Proletariern mit ihren unrasirten Bärten, struppigen Haaren

und harten schwieligen Fäusten. Gestern haben sie wieder eine Probe ihrer politischen Reife abgelegt, die arbeitsamen Sklaven Altenglands, gestern haben sie sich ein unvergeßliches Denkmal gesetzt, gestern haben sie ganz Deutschland, daö gebildete und verbildete Deutschland zu Schanden gemacht, denn gestern haben englische Arbeiter Ihren Landömann, die berüchtigte Hyäne von BrrScia, den k. k. öster­reichischen Generalfeldmarschall Haynau mit Koth beworfen, braun und blau geschlagen, die Kleider vom Leibe ge­rissen und beinahe massakrirt!!! Lassen Sie sich erzählen. Gestern Mittag gegen 12 Uhr begab sich Haynau in Begleitung deö Barons Rothschild, seines Dolmetschers und Adjutanten auf das rechte Ufer der Themse, um die weltberühmte Bierbrauerei der Herren Barcley, Parkims und Comp. zu besehen. Wie eS der Brauch in allen großen Etablissements in London ist, müssen auch hier alle Besucher ihre Namen in ein besonderes Fremdenbuch eintragen. Kaum war dies geschehen, als sich in dem großen Hofraum und dem anstoßenden Ge­bäulichkeiten und Stallungen die Nachricht verbreitete, daß der eben eingetretene Fremde mit dem riesigen Schnurrbarte der berüchtigte Henker Haynau sei. Im Nu versammelten sich die Arbeiter und Stallknechte, mit Stallbesen, Hacken, Aerten, Piken, Schaufeln und Hämmern bewaffnet, im Hofe, und unter dem Rufe: down with the Austrian Lutcher (nieder mit dem österr. Schlächter), kill the Austrian dog (schlagt den österr. Hund todt), hang the scoundrel (hängt den Schurken auf)! und ähnlichen, dem General nicht sehr angenehmen Ausdrücken wurde ein Hagel von Pferdemist, Koth und Steinen auf ihn loSgelassen, dem bald ein Bajonetangriff, ich meine ein Draufschlagen mit Haynauscher Unbarmherzigkeit folgte. Die Be­gleitung des Generals suchte alsbald daS Weite und ihm selbst gelang erst, nachdem er halb todt geschlagen und auch am Schnurrbart zerzaust war, blutend wie ein Schwein und mit in Fetzen ihm vom Leibe gerissenen Kleidern, unter beständigem Herbeiströmen aller am Wasser beschäftigten Arbeiter, die ihn bei den Haaren hielten, in ein nahes Wirthshaus zu flüchten, wo er sich mit dem Instinkt österrei­chischer Generäle in daö Schlafzimmer der Hausfrau ret­tete und unter dem Bette verbarg! Erst die nachrückenden Arbeiter und ein immer mehr anwachsender Zug Menschen, sowie einige nachfliegande Bomben, d. h. Steine und Kohlenstücke, und der wiederholte Ruf: Tear the Austrian dog to pieces! (reißt den österreichischen Hund in Stücke) überzeugten den Wirlhâhauâbesitzer von dem Charakter des fremden zerzausten Schnurrbärtigen, der seiner Ehehälfte sanctissimum eben mit Sturm genommen. ES war eine Scene, wie sie nur London bieten kann und deren Besoldung wert hinter der Wirklichkeit zurückbleiben muß.

Der Ruf nach dem Verfolgten wurde immer drohender und endlich brach die Menge in daS Hauâ selbst ein, welches allenthalben durch­sucht wurde, ohne denHelven" zu finden, der sich ruhig unter dem Bette verborgen hielt, bis ihn eine mittlerweile herbeigeholte starke Abtheilung Polizei erlöste und unter ihrem Schutze über die Themse setzen ließ, da sie es für rathsam hielt, die noch immer belagerten Brücken in der Nähe zu vermeiden. Wer die Riesengestalten dec engl. Bierbrauergesellen und Fuhrleute kennt, wer je diese herkulischen, vier­schrötigen Gestalten gesehen hat, der weiß die Wucht der Schläge zu berechnen, die auf den armen General gefallen sind. Kräftigeren Händen hätte der tapfere General sicherlich in ganz Europa nich überantwortet werden können; bessere Exekutoren als englische Bierbrauergesellen, Stallknechte und Kohlenarbeiter (welche sich cben-j falls daran bcthciligten) könnte man dem deutschen Volke nicht wün­schen, wenn der große Tag der Abrechnung hereinbricht. Wenn man bedenkt, daß dieser Ausbruch deS VolkSunwillcnS ein plötzlicher un vorher nicht angeregter war, so kann man sich eine Idee von den o- fühlen machen, die gegen die deutschen StandrechtShelden in 6^3 a" herrschen. Mögen Andere sich daran ein Exempel nehmen und »> g Hr. Hopnau eS nicht wieder versuchen, sich öffentlich in Lon zeigen. Wir können dem abgeprügcltcn, mit Koth beworfenen »y den " , wir können dem zerzausten chinesischen Schnurrbart (den Arbeiter wirklich auszureißen im Begriffe waren) keinen Tbu Rath geben, als sich zurückzuziehen von aller Öffentlichkeit, bis pn Schandthaten wenigstens theilweise vergessen sind, denn ganz wird man sic nie! Die Firma hat eine Untersuchung deS Vor aus angeordnet'. Da wo alle gleiche Schuld tragen, wird da leicht zu Errathen sein. Hr. Haynau aber hat Gelegenhn men und auf diese frischenLorbeeren" bin, bei seln^r u- nach Deutschland sich von den deutschen Höfen aus Reue fetiren z. lassen. Fiat jusfitia, percat mundus I ,

Kassel. - Verantwortliche Herausgeber: H Heise und Dr. Kellner. Druck der Estienne 'schen Buchdruckern.