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Rebellen herabwurdigen laßt. Man redet daher von fremden Truppen.

O Berlin, 3. Sept. Das wird ja bei Ihnen eine lustige Geschichte werden. Eben höre ich, daß Ihre Stande gestern aufgelöst worden sind. Waâ weiter? Konflikte werden erwartet, sagte man mir. Oho, dachte ich, die Hessen sind doch sonst ein gesetzliches Volk, sie werden doch keinen Schwupper machen? Hoffentlich nein, sagte mein ministeriöser Berichterstatter, denn sonst käme Preußen in eine sehr unangenehme Lage. Von Rechtswegen muß eS doch alle Rebellen ekrasiren; aber da ist nun die verteufelte Geschichte mit der Union und dem Hassenpflug. Wir dürfen dem Menschen nicht zu Hülfe kom­men, so herzlich oern wir möchten. Denken Sie sich den Spektakel: Nach Wien eine Denkschrift für die Union, nach Hessen Truppen für Len Erbfeind der Union? Das geht nicht. Nun, sagte ich, wie wäre eS denn mit der Parole derKreiszeitung": WaS Bundestag? waS Union? Vor Allem vernichtet die Revolution! Und wie wäre es denn mit Oesterreich? Ach, antwortete er, daö sind faule Sa­chen; für den Nothfall sind nur die Pickelhauben zu gebrauchen. Und dann ist ja auch wohl der Haynau da! Und vor Allem der gesetz­liche Sinn im Volke, replizirte ich. Ja wohl, sagte er mir zu­nickend und ging. Merk eS dir also, Hessenvolk! Preußen bleibt neutral, nur für den Nothfall gibt'S Hiebe. Vor Allem aber rechnet man auf deinen gesetzlichen Sinn!!

Ueber den Ausfall unserer Ge m e in d er at h S w ah le n habe ich noch nichts erfahren können. Sie scheinen bis heute Abend spät noch nicht beendet gewesen zu sein. Ich spreche natürlich nur von der dritten Klasse. In den anderen haben die Wahlen schon stattgefunden und sind zum großen Theil konservativ ausgefallen, wie zu erwarten war. Es wird in der dritten Klasse nicht viel besser werden. Es geht jetzt durch die Zeitungen das Gerücht, außer Rußland und Oesterreich habe sich auch England den Prätensionen Preußens auf Neuenburg günstig erklärt, Frankreich dagegen Schwierigkeiten gemacht. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß Louis Napoleon nicht daran denkt, einen andern Willen zu haben, als der Kaiser Nikolaus, und daß der ChoruS über das Wie? schon einig ist, nur noch nicht ganz über LaS Wann?

O Berlin, 4. Sept. ES war vorauszuschen; die Ge­mein d erathsw ah le n in der dritten Klasse sind durchaus reak­tionär ausgefallen. Nur ein oder zwei demokratische Kandidaten haben Lie Majorität erhalten. DaS wird ein grimmiger Gcmcinderath wer­den; hoffentlich wird Naunyn nun nicht als Präsident der General- Kommission nach Stendal gehen, sondern noch länger die Freude ge- meßen wollen, über solche Räthe zu herrschen. Nuu wird uns auch hoffentlich Se. Majestät wieder mit ihrer Anwesenheit beglücken, und der Hof wird sich sicher fühlen unter dem Schutze der neuen Herren Gemeinderäthe. Ja, ja! Wir sind weit hinter dem März zurück. Damals gab cs doch noch liberale Stadtverordnete, die Sturmpcti- tionen machten, und zu deren Mitgliedern die Herren Kunowsky, Klix, Paalzowutfe zählten, die vor der Tyraunei des Hrn. Seidel wenig­stens davonlicfcn. Jetzt werden wir eine Schaar ächter Stadtvcrtretcr haben, ächt wie dieVolksvertreter in den Kammern, die gehorsamst ihr Ja flüstern und vor jedem Konstabler den Hut ziehen. Mit den Leuten wird sich schon regieren lassen. Die Pauken und Trompeten der Reaktion sind nicht umsonst in Bewegung gesetzt worden. DaS hat man davon, wenn man sich auf Klassenwahlgesetze einläßt und noch dazu unter dem jetzigen Regiment, daS sich den Teufel um seine ei­genen Gesetze schecrt. Denn während auf der einen Seite alle demo­kratischen Vorversammlungen auf daS Strengste untersagt werden, ge­stattet man den reaktionären Vorwühlern sogar, ein Central Comite ihrer Vereine zu bilden, waè nach dem Wortlaut deSGesetzes" streng verpönt ist. Freilich, wir kennen die Gesetzlichkeit der Reaktion!

Wie ich höre, hatte die Adresse ihrer Stände eine große Aufre­gung unter den hiesigen Gothaern hervorgebracht. Sie glaubten, nun müsse Haffcnpflng partout »monistisch werden, und stimmten große Jubellieder an über den Verbleib Hessens bei der Union. Jetzt freilich sind sie wie aufâ Maul geschlagen, hoffen aber nichtsdestoweniger, Hassenpflug werde so kräftigen Gründen nachgeben müssen. Lassen wir sie hoffen und Radowitz dafür sorgen, daß über kurz oder lang die Union" nur noch existirt hat!

OW Dresden, 3. Sept. Die Herren auf dem Landtage scheinen keine große Eile zu haben: sie führen ein recht gemüthliches Leben; jede Woche galten sie ein paar Sitzungen und die übrigen Tage bummeln sie und schlagen ihre 3 Thlr. Diäten todt. Die Finanz- angelegenheitcn sind bisher nur in geheimen Sitzungen verhandelt worden, doch sollen sie nun öffentlich vorgenomnien werden, um den Mißdeutungen zu begegnen, wie der Hr. Finanzminister erklärt. Na- türlich ist daS, was daâ Volk nicht erfahren soll, nun bereits im Ge­heimen abgemacht. Die rrste Kammer ist den Beschlüssen der zweiten in Betreff der Steuern in allen Hauptpunkten beigetreten. Zunächst

haben wir nun die Verhandlungen über daS Dekret, die Aufhebung der Schwurgerichte betreffend, zu erwarten, dann folgt die Revision der Verfassung. Der Regierungsentwurf der Letzteren ist unseren Re­aktionären noch viel zu liberal, wir können daher als sicher erwarten, daß er von den Kammern noch beschnitten und im kreuzritterlichen Sinne verbessert wird. Die Sachsenzeitung kündigt dies bereits an und erklärt, daß sich daS Ministerium Abänderungen in diesem Sinne nicht widersetzen werde. Daö glauben wir recht gern; das Ministerium ist pfiffig, eS will die Kammern als Folie benutzen für feinen Libera­lismus und alles Gehässige ihnen zuschieben. Aber die Herren Beust und ZschinSky werden durch dieses Manöver nicht populärer werden; dergleichen Künste sind schon verbraucht und werden kaum thun Go­thaer noch täuschen.

In Leipzig hat wieder auf allerhöchsten Befehl eine Haussuchung stattgefunden: diesmal bei dem Herausgeber deS LeuchtthurmS, Buch­händler Keil, und eS sind ihm nach Durchsuchung aller Geschäfts- und Privatpapiere einige unbedeutende Briefe mitgenommen worden. Man hoffte wieder Briefe von Flüchtlingen zu finden, denen Keil Unterstützung nachgesendet haben soll. Wittert man wieder eine Ver­schwörung , oder will man die Unterstützung von Flüchtlingen zum Ver­brechen stempeln? Bei unserm saubern Regimente ist AlleS möglich, jede Niederträchtigkeit und jede Dummheit.

Frankreich.

L ^. Paris, 1. Sept. Die Zahl der Departementsrätbe, welche sich für die Revision der Verfassung auSsprechen, mehrt sich nicht in dem Grade, als eS die letzten Berichte der konservativen Presse erwarten ließen. Mehrere Conseils généraux haben beschlossen, sich mit keiner politischen Frage zu beschäftigen, und Andere wie »Mayenne« und »Isere« haben derartige Anträge verworfen. Die Debatten nehmen bei einzelnen Berathungen einen leidenschaftlichen Charakter an und zeugen dafür, daß die Räthe den Einflüsterungen und Rathschlägen der politischen Parteien, mit denen sie immer noch bestürmt werden, Gehör gegeben haben, nnd nicht gesonnen sind, sich bei ihren diesjährigen Berathungen auf das ihnen gesetzlich angewiesene Terrain der DepartementSangelegenheiten zu beschränken. Die Telegraphen sind in unausgesetzter Bewegung. Die Beamten der Telegraphenbüreauâ begeben sich mit Tagesanbruch inâ Ministerium, um die von Minute zu Minute anlangenden Depeschen über die Verhandlungen der Con­seils géneraux zu übersetzen.

Die seit einiger Zeit zirkulirenden Gerüchte von der Zurückberu­fung eines Theils der in den römischen Staaten stationirten Truppen werden durch folgende Nachricht auS Toulon widerlegt: Die Dampf- fregatte Vauban ist heute mit 930 Mann am Bord nach Civita Vecchia abgegangen. Diese Mannschaft ist zur Verstärkung der verschiedenen Abtheilungen der dortigen Division bestimmt. Die Fregatte begibt sich von da direkt nach Neapel, um sich der dort stationirten Eskadre an­zuschließen; wird also nicht, wie man behauptete, ein Bataillon Jäger von Civita Vecchia nach Algier übersetzen.

In seiner offiziellen Abtheilung bringt derMoniteur" heute den Urtheilsspruch der Assisen von PaS de Calais, dem zufolge zwei Ar­beiter, wegen Beleidigungen dcö Präsidenten der Republik bei Absin- gung eines revolutionären LiedeS, jeder zu drei Monaten Gefängniß und 100 Franken Geldbuße verurtheilt worden sind.

Die halboffiziellen Journale veröffentlichen die neue Reiseroute des Präsidenten der Republik. Die Abreise von Paris ist auf den 3ten, die Ankunft in Cherbourg auf den 5ten und die Rückkehr nach Paris auf den 12ten d. M. angesctzt.

Der Herzog von ^'ß' 3amed erklärt heute in einem an den Siüclc" gerichteten Brief den ihn betreffenden, und auf verschiedene Weise erzählten Vorfall in Wiesbaden. Er gesteht ein, einem Manne, der dicht an dem Wagen dcö Grafen Chambord stand, den Hut, uw - chen derselbe nicht abnchmcn wollte, vom Kopfe geschlagen zu haben, wobei er seinen Namen genannt. Er behauptet, keinen Gegcnsch W erhalten und 24 Stunden lang seinen Gegner vergeblich erwartet zu

haben.

li K. Paris, 2. Sept. Der Krieg zwischen den Journalen von Wiesbaden, Claremont und denen des Elisèe ist in vollem Gange. ist ein edler Wetteifer, wer von ihnen Frankreich retten soll, denn daß Frankreich in einem Anfall deö hitzigen Fiebers an einen .grru. gerathen ist, darüber hegen sie keinen Zweifel. ES ist zu w daß einig über einen so edlen Zweck, sie sich über die '. . i iiiQ verständigen können. Jede dieser Parteien empfiehlt ihren Arzt, und eifert, so viel sie nur kann, gegen die Rezepte der Rivalen. Der an- geblich Kranke, gedrängt sich zu erklären, zeigt wenig Vorliebe für die ihm dargereichten Mixturen, und verlangt nichts, ab an wenig Ruhe, um sich von seiner letzten etwaâ lebhaften Aiisircnguvg zuk

Dies ist ungefähr das Bild der gegci wärtigcu politischen Vor-

holen.