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welcher vernünftige Mensch kümmert sich denn heutzutage noch um den Tod eines regierende» oder Er-Königs? — Jetzt, wo daS große RevolutionSdrama im fünften Akte spielt, sind Könige und ihre Köpfe um sehr billigen Diskonto zu haben, und eS kann und nur leid thun, wenn der natürliche Tod Eine dieser „geliebten" Kreaturen von der Bühne abruft. Sie sind sicherlich zu waö Anderem, Höherem bestimmt. Und waS sollte man da über den Tod Louis Philipps sagen? Kein Hahn kräht nach dem, der 18 Jahre lang als der Eckstein deâ Königthums gegolten. Er hat es nicht verhindern können, daß die Revolution zu Paris ein Mondkalb von Republik zur Welt gebracht hat, und die Bourgeois haben ihn nicht gebraucht, um auf dem ganzen Contiuentc ihre Polizeiwirthschaft zu etabliren. ES ist auS mit de» Königen und ihrer HauSpolitik, — denn die Völker erwachen. Und wenn die Völker wachen, „dann können die Könige Alle schlafen gehen." — Interessant ist eS deshalb doch, der „Times" und ihrem Correspondenten zu folgen, welcher dem kaiserlichen Reisezug in Frankreich angehängt war, und diese Berichte „Unseres eigenen Correspondenten" (wie man unter der Ueberschrift liest) mit den Berichten anderer Blätter und ihrer „eigenen Correspondenten" zu vergleichen. Man sollte glauben, alle diese Berichte über eine und dieselbe Reise behandelten ganz verschiedene Sachen. Die „TimeS" lebt übrigens nur noch allein in der Illusion, als sei 1850 der Zeitpunkt, eine neue kaiserliche Dynastie in Frankreich zu gründen. Diese Lüge ist wenigstens eben so groß, alS die Unverschämtheit deS „TimeS"- Correspondenten und der Redaktion deS Blattes selbst. Alle englischen Blätter rücken viel eher mit der Wahrheit heraus, und „Morning Post", „Morning Herald", „Daily NewS" rc. bemitleiden den Prinz-Präsidenten ganz so, wie eS ein dummer Junge verdient, der den Mond für die Sonne hält. — Die Kaiser-Aktien sind bedeutend gefallen, — man fühlt eS selbst unter den dickleibigen Bourgeois, daß eS auS ist mit der fürstlichen Herrlichkeit, und daß in der nächsten Zukunft nur Eine Macht noch fortzappeln kann, — die deâ Geldes. — Ja, die Geldherren sind am Ruder, und sie lassen cü den armen Arbeiter bitter genug empfinden. Ich schrieb Ihnen in meinem Letzten über die Arbeitseinstellung der Feuerleute und Lokomotivführer der großen Süd-Ost Bahn. Die Sache ist noch nicht bcigelegt, obwohl die Arbeiter einige Conzessionen zu machen geneigt sind. Die Eisenbahn- Direktoren wollen aber nur von u nb cdi n g t e r Unterwerfung wissen, und mit der verschmitztesten Bereitwilligkeit haben die Direktoren anderer Eisenbahnen den Direktoren der die Löhne herabdrückenden Süd- Ost-Bahn von ihren eigenen Leuten zur AuShülfe überschickt. So wird bet Arbeiter gegen seinen eigenen Bruder gehetzt und gegen sich selbst. Und nicht lange wird eâ dauern, so werden Diejenigen, welche sich zrr Lohnherabdrückung verwenden ließen, ein gleiches Schicksal zu er« t ag n haben! — So sehen wir, wie daS Kapital überall herrscht und sich gegen die Arbeit verbindet, ohne daß die Arbeit sich ernstlich gegen laâ sie bedrückende Kapital auflehne und sich ebenfalls gegen dasselbe vereinige. Darum Arbeiter vereinigt Euch, denn nur Einigkeit macht stark. —
Der elektrische Telegraph zwischen Dover und Calais ist gelegt. Am Mittwoch, 28. d. Abends, kam die erste Nachricht auS Calais in Dover an. Der Draht ist 30 Meilen lang und in Gutta Percha von der Dicke eines Fingers eingehüllt. Er liegt so tief, daß Schiffs- anker, Fischernetze und Seethiere demselben keinen Schaden werden zu- fügen können *). — Die Königin ist auf dem Wege nach Balmoral in Schottland. Auch der Premier begibt sich dahin. — Ihr Landâmann Haynau ist «»gekommen. Die Hyäne wird jedoch hier nicht viel Aufsehen erregen, und am allerliebsten wäre eS John Bull, wenn er mit der ganzen kontinentalen Menagerie von ein- und zweiköpfigen Adlern, Löwen und anderen Raubthieren verschont bliebe. —
Im Handel ziemlich flau. — Die letzten Nachrichten auö Amerika sind nicht ohne Interesse. Kalifornien ist als Staat in die Union ausgenommen und die Bill wegen Regulirnng der Grcnzstrcitigkciten zwischen TexaS und Neu-Mexiko ist auch im Senat durchgcgangcn. Die Srlavenstaaten sind wüthend und drohen mit Abfall. Aber daS hat gute Wege. — Karl Heinzen ist am 28. d. mit Familie nach New - gort abgereist.
Italien.
— nn Aus Savoyen, 28. Aug. — Die Umtriebe der Geistlichkeit dauern fort, ja sie gehen sogar so weit, daß sich Geistliche vermessen, Siccardi als Satan zu erklären, und jenen Leuten zu fluchen, welche sich für die Siccardi'sche Partei erklären. In dieser Weise werden die sonderbarsten Szenen erzählt und namentlich ist es daS weibliche Geschlecht, an welches man sich wendet. Indessen kümmert sich daS Volk wenig um solche Schliche, cs kümmert sich noch wciü-
*J 3ft bereits zerrissen.
ger «m diesen machtlosen Fluch, am so mehr, da sich ein großer Theil der Klerisei bereits für das neue Gesetz erklärt hat. Allerdings wird es übrigens von der Standhaftigkeit der sardinischen Regierung abhängen, ob das Volk der neuen Richtung vertraut und sie in seiner Gewissenhaftigkeit alâ die wahre anerkennt. Alle jene Sonderbarteiten dieses Ministeriums, die Verbannung Bianchi-Giovini's, Felir Pyat und die Sendung Pinelli's konnten in jeder Beziehung zu Ver- muthungen verschiedener Art Anlaß geben und der Stillstand — wenigstens der scheinbare, in der Angelegenheit Franzoni's gab zu der Behauptung, namentlich reaktionärer Blätter, Veranlassung, man habe übereilt gehandelt. Das Volk war wirklich stutzig, ja auch wir werden cs, obgleich in anderer Art, ja wir werden cs noch mehr, wenn wir die entschiedenen Organe sowohl Savoyens alS des übrigen Sardiniens lesen.welche diese einzelnen Verfügungen des Ministeriums in einer Nothwendigkeit suchen und es der Zeit überlassen wollen, darüber Licht zu bringen. Sardiniens Stärke liegt, in der Sympathie des sardinischen Volkes, stützt sich auf die Revolution in Europa; es gibt keinen andern Halt und auch keine andere Möglichkeit sich zu stärken und zu schützen, als rücksichtsloser Fortschritt, unbekümmert um alle Noten Frankreich's und Oesterreich's, gänzliche Vernichtung deS geistlichen Einflusses, der geistlichen Partei. Sardinien ist der Mittelpunkt der radikalen (?) Partei, es muß das Centrum, der Heerd, an dessen Flammen sich das junge Italien erwärmt, werden. — Die Abschaffung der Todesstrafe wird auch bei uns jetzt verlangt werden, ob aber bei der bisherigen Kammer etwas durchzusetzen ist, dürfte bezweifelt werde». —
Bericht der demokratischen Partei der am 2ten September ausgelösten Ständeversammlung an die Wähler.
(Fortsetzung.)
Zwar wurden sofort von dem Ministerium die Neuwahlen ange- ordnet, aber inzwischen war bereits der 30. Juni herangekommen, wo nach der Verfassung eine jede Fortcrhebung der Steuern aufhörte. DaS Ministerium suchte sich in dieser schwierigen Lage durch den permanenten Ausschuß zu decken, der ihm nach § 95 der Verf.-Urk. wenigstens einen Theil der Steuern verwilligen sollte, welche ihm die Ständckanimer nicht bewilligt. Der damalige permanente Ausschuß bestand auS den Herren Schwarzenberg, Eberhard, Nebelthau, Henkel und Schneider. Unter ihnen kein einziges Mitglied der demokratischen Partei des vorigen Landtags, da die damalige konstitutionelle Partei ebenso wie die deS diesmaligen Landtags von der parlamentarischen Regel keine Notiz nahm, wonach eine Partei, welche in der Mehrheit ist, auch Mitglieder aus der Minderheit in die Ausschüsse wählt. — Der permanente Ausschuß bestimmte, daß die indirekten Steuern für Juli und August zwar erhoben, jedoch in die Staatskasse niedergelegt werden sollten. Außerdem erließ der permanente Ausschuß ein Antwortschreiben an den Kurfürsten, der von Schloß Philippsruhe auS, ohne die verfassungsmäßige Gegenzeichnung eines Ministers eine f. g. „väterliche" Ermahnung an feine Kinder, an das kurhessische Volk nämlich, hatte ergehen lassen. ES machte diese fürstliche Privatcrmah- nun allerdings einiges Aufsehen, wie bekannt genug. Ob sie die beabsichtigte Wirkung gehabt, welche üble Rathschläge dem Fürsten davon vorgespicgelt, müssen wir dagegen bezweifeln, da sämmtliche Wahlen gegen daS Ministerium auSsielen, und selbst der einzige Anhänger HassenpflugS in der vorletzten Ständeversammlung, Herr Lieberknecht, nur 5 Stimmen für sich zusammenzubringen vermochte.
So war die Lage der Dinge, alö die Ständeversammlung auf den 22. August zusamincnberufen wurde.
Am 25. August wurden in der ersten vorbereitenden Sitzung vom permanenten Ausschuß folgende 45 Mitglieder für vorläufig legitimirt erklärt: Schwarzenberg, Schenk zu Schweinsberg, Theobald, Bayr- heffer, Weinzierl, Sunkel, Wolf, Oetker, Wenderoth, Gräfe, Möller, Nebelthau, Hasselbach, Kellner, Loth, Knobel, Herwig, Hessen, Nöding, Berlit, Bar, Beuther, Löber, Kompe, Förster, Hillcnbraud, Köster, Lottich, Wippermann, Hartmann, Henkel, v. Winzingerode, Mannâ, Gundlach, HooS, Krug, Eberhard, Schneider, Horbener, Brenner, Lind, MalkmuS, Hausmann, Reinecke, Hecht.
Zurück waren noch die Wahlen von Hünfeld, Hanau und von Eschwege'S Höchstbcsteuerten.
Zum Präsidenten wurde gewählt Bayrhoffer mit 23 gegen 22 Stimmen, die auf Schwarzenberg fielen; pm B'zepra- sidenten Köster mit 23 gegen 21 Stimmen, die NebeU.iau m i. Zu Sekretären wurden ernannt Manns mit 44 uns ^™’lf * im Stimmen. So hatte benn bei der eisten und wichtig» n ^aae.ang,