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Dritter Jahrgang.

Petition (obere Entengasse Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

2OS» Kassel, Donnerstag den 5. September 1830.

Offene Briefe an Seine K önigliche Hoheit.

2.

Königliche Hoheit!

Sie haben Ihrem Volk eine neue Ueberraschung bereitet, Kö­nigliche Hoheit. Seit gestern ist derselbe Mann, der, wär' er nicht Günstling Ew. Königlichen Hoheit, jetzt unter der Aufsicht eines Ge- faugenwärterS stehen würde, zum Finanzminister ernannt worden.

Königliche Hoheit! In der ganzen europäischen Contrerevolution hat man Ihnen die schlechteste Rolle zugetheilt.

ES unterliegt keinem Zweifel, Königliche Hoheit, daß es von Seiten der Reaktion auf die gänzliche Beseitigung der. Verfassungen, auf den einfachen Absolutismus abgesehen ist. ES scheint, als hätte die Reaktion sich vorgcnommen, wenigstens nicht ohne einen Rausch zur Hölle zu fahren. Während aber Ihre durchlauchtigen Anvcr- waudlcn sich daS äußerlich honette Geschäft voibehielten, die soge­nannten Märze rungenschaftcn, eine nach der andern, zu knicken und zu unterdrücken, haben Ew. Königliche Hoheit sich geneigt finden lassen, das uralte Recht Leö Volkes, über sein freies Eigenthum frei zu ver­fügen, in Frage zu stellen, d. h. Sie haben Sich den Geldpunkt aus­gewählt.

Königliche Hoheit! Sie haben Ihren freien Willen. Aberderselbe Mann, welcher sich seit 6 Monden sträubt, dem Volke Einsicht in die Finanzen des StaateS zu gestatten, ist, wie Sie wissen, von einem königlichen Gerichte wegcn Fälschung verurtheilt worden. Durften Ew. Königliche Hoheit zu der Ihnen übertragenen Rolle einen solchen Ak­teur nehmen? Durften Sie daS Eigenthum Ihres Volkes durch einen notorischen Betrüger antasten lassen?

Königliche Hoheit! Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich die Ver­nichtung des ständischen SteuerverwilligungSrechtâ nur mit Hülfe eines Spitzbuben durchführen ließ. Wenigstens sind Angriffe auf das Eigen­thum nicht Jedermanns Sache. Aber das ist eS eben, Königliche Ho­heit, waS mich zu der Behauptung veranlaßt, Ihnen sei von der euro­päischen Kontrerevolutiou die schmutzigste Rolle zugetheilt, daß Sie nämlich entweder Fiasco oder Kompagnie mit Sträflingen machen müssen.

Königliche Hoheit! Vielleicht waren Sie der einzige Fürst in Deutschland, der die Rolle, die Sie jetzt spielen, hätte auSschlagen müssen. Wenn Sie die Geschichte Ihres Hauses lesen, Königliche Hoheit, so hat Ihre Familie seit langer Zeit in dem Verdachte ge­standen, als sei eS derselben mehr um die Nebennutzungen der Herrschaft, denn um die Herrschaft selbst zu thun. Königliche Hoheit, Sie wissen, welchen Rang in der Geschielte Ihres HauseS daS Geld entnimmt.

Durften S i e nun, Königliche Hoheit, Sich die Vernichtung des Budgets zum Ziel setzen? Durften Sie nun dieses Ziel einem vcr- urtheilten Verbrecher stecken?

Königliche Hoheit! Die gewöhnlichste Klugheit räth dem Men­schen an, keine Opposition zu machen, wenn der Verdacht eigen­nütziger Absichten nicht gerede sehr fern liegt. Wer die Welt refor- miren will, sei es zum Guten oder zum Bösen, muß wenigstens den Schein der Unparteilichkeit zu wahren suchen.

Königliche Hohkit! Sie werden vermuthlich Ihre Rolle zu Ende spielen. Die Hände, in welche Sie jetzt daS Finanzministerium ge- legt haben, werden ohne Zweifel wissen, waS sich mit dem Eigenthum des Volkes ansangen läßt. Aber, Königliche Hoheit, bedenken Sie, daß an kein anderes Blatt der Weltgeschichte sich so viel Flüche knüpfen, als an jenes, welches von dem Verkauf der hessischen San« deokinder für schnödes Geld berichtet.

Königliche Hoheit! Bedenken Sie, daß Sic von einem Ver­brecher berathen sind.

Kassel, 3. Sept- 1850.

Schleswig-Holstein.

C Hamburg, 2. Sept. Aus den Herzogthümern ist augen­blicklich wenig Neues zu melden. Fortwährend finden kleine Vor- postengefechte Statt, das letzte zwischen Duvenstedt und Stolzbunge, bei welchem 2 dänische Dragoner erschossen und 6 verwundet wurden. Hoffentlich werden aber diese Plänkeleien bald ein Ende nehmen und eS zu einem entscheidenden Kampfe kommen, da die schleSwig-hol- steinsche Armee, besonders die Artillerie, jetzt wieder so vollzählig ist, daß daS Departement deö Krieges sich zu der Anzeige veranlaßt ge­sehen hat, vorläufig keine Artillerie mehr annehmen zu können. Wie ernstlich übrigens SchleSwig-Holsteinischer SeitS ein Kampf beabsichtigt wird, geht nicht nur daraus hervor, daß bei der Kundwerbung des letzten Gefechts alle Truppen und sämmtliche Feldbatterien auSgerückt waren und die Festungswälle Rendsburgs von den Bürgern besetzt wurden, sondern man kann eS auch aus folgenderAnsprache an die Soldaten meiner Avantgarde" vom Brigade-Kommandeur v. Gerhardt entnehmen:

Es ist mir der ausgezeichnet ehrenvolle Auftrag geworden, eine von der Natur und noch mehr durch Eure Mühe und Kraft sehr starke Position nicht allein sehr hartnäckig zu vertheidigen, sondern auch bis auf das Aeußerste zu halten. Die Zahl un­serer Streitkräfte beläuft sich jetzt auf mehr als .... Mann, damit können, w o l l c n und m üss e n wir die ganze dänische Armee nicht allein aufhalten, sondern selbige so schlagen, daß sie das Wiederlom men vergißt. Um aber diesen glänzenden Auftrag auszuführen, bedarf ich vor­zugsweise Eurer angespanntesten Kraft und Eures ausdauerndsten Muthes ; beides werdet ihr ruhmvoll bewahren und so dem Vaterlande und dem kommandirenden General zeigen, daß wir werth sind, auf diesem Posten zu stehen.

ES lebe Schleswig-Holstein!

Euer Euch treu ergebener Kriegökammerad und Brigade-Kommandant v. Gerhardt.

Zufolge irr neulichen Aufforderung gehen mit jedem Zuge Frei- willige nach Rendsburg. Von der Tann hat wirklich die Cholera gehabt und ist der Generalarzt Dr. Stromeper 6 Stunden lang nicht von seinem Bett gewichcn; derselbe ist jedoch jetzt wieder vollständig hergkstellt und versieht seinen Dienst; ebenso der Hauptmann von Al- dosser. Die Cholera soll überhaupt in Rendsburg ganz aufgehört haben und kommen auch in Kiel nur noch einzelne Fälle vor. Die Statthalterschaft von Schleswig-Holstein hat eine neue Note an den Lübecker Senat erlassen und verlangt, daß die Streitfrage wegen deS Schisseövon der Tann" einem Schiedsgericht überwiesen werde. Trotz der vielen darüber in Umlauf gesetzten Gerüchte ist es noch immer ungewiß, ob der dänische General de Meza an seinen im Ge­fecht bei Duvenstedt erhaltenen Wunden gestorben ist; die dänischen Blätter schweigen darüber gänzlich. Die Dänen verfahren in Schles­wig noch immer in gewohnter Weise, es sind wiederum 60 Damen aus Husum in Flensburg eingebracht.

Das Hamburger HauS Hinck u. Comp., welches sich vor 4 Jah­ren mit 5 Mill. Mark insolvent erkläit hatte, hat abermals seine Zahlungen eingestellt. Die Passiva betrag n circa 550,000 Thlr., da­gegen sind die Aktiva, weiche gröstenlheils in überseeischen ConfignationS- S-Lagern bestehen, nach Einkaufspreisen bered net, aus circa 2,200,000 Thlr. veranschlagt, worauf aber an Vorschuß von circa 1,000,000 ßehi* fet ist. Hiernach würde sich, falls die Lager zu den Einkavtsrrer- seu realisirt werden und auch die ausstehende» Forderungen (größten- theils Dubiös) mit 36,000 Thlr. eiogeh», ein Deficit von 100,000 Thlr. Herausstellen^