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feine Mitwirkung nicht im Einklang der Verfassung, da er überhaupt mit Bewilligung, Erhebung und Verwendung von Steuern nichts zu schaffen habe.
Man erwartet nun stündlich Proklamationen und Verordnungen des Hrn. Ministers, die bereits in Massen gedruckt sein sollen.
Schweiz.
— s — Aus der Schweiz, 29. Aug. — Trotz meinem letz- ten Briefe verwickeln sich doch setzt die Schweizerverhältnisse so sehr, daß ich Ihnen schon heute einen Nachtrag schicken muß. Der neueste bundeSräthliche Beschluß bezüglich der Flüchtlinge bildet noch immer reichen Stoff den Schweizerblättern zur Besprechung und er findet einige, welche ihn loben, wie „N. Z. Z." und die »Trib. suisse«, allein eS sind schale, nichtssagende RaisonnementS, welche die Gemein- heit von den BundeSräthen nicht wälzen kann. Indessen cS ist heute die „Schw.-Dundeö-Zig.", welche unS die Feder in die Hand drückt, um Ihnen einen Begriff zu geben, welche „republikanischen" Ideen manche Schweizerblätter haben. Diese Zeitung protestirt gegen weitere BürgerrechtScrtheilnngen an Ausländer, „indem dadurch die eigenen Landcskinder verdrängt würden und die Nationalität darunter leiden könne"; sie nennt die Ausländer „widerhaarige Elemente", will eS höchstens zugeben, wenn reiche Leute oder solche, welche einen neuen ErwerbSzweig mit sich bringen, angenommen werden. DaS lächerlichste dieses blödsinnigen Machwerks ist, daß den bereits eingebürgerten Fremden gerathen wird, „sich nicht sicher zu halten, indem seiner Zeit eine kleine Revision vorgenommen werden könnte." Diese „schweizerische" DundeSzeitung ist doch eine würdige Vertreterin der Nationalitätsfaselei der Schweiz und sie scheint indirekt darauf anspielen zu wollen, daß in neuester Zeit namentlich viele den nationalen Bestrebungen der Sonderbundspartei „widerhaarige" Elemente sich zeigen, und daß überhaupt dadurch die Widerhaarigkeit gegen mittelalterliche Ideen Wurzel faßt. Diese „kleine Revision" ist gewöhnlich Folge einer Revolution und die Revolution wird allerdings bald vor- genommen, wenn die der Freiheit widerhaarigen Elemente sich erst vollständig gelüftet haben. Auch Wallis eifert Freiburg nach und will Verfassungürevisivn, das Volk wird durch Pfaffen wieder aufgehetzt und der BundeSrath— wird nicht unversöhnlich sein! Der Schweizer wußte stets den Flüchtlingen gegenüber zu sagen, „wir verstehen eine Revolution siegreich und schnell zu vollenden", und rühmte sich mit dem „SonderbunLSfeldzug" und seinen „glorreichen" Folgen. Der Traum war kurz, die Reu' ist lang — sie dürften bald von Vorne anfangen. —
Frankreich.
ff Paris, 31. Aug. — Hr. Bonaparte hat Hundöwuthanfälle: er hat Furcht, von den Republikanern beim Ausruf des Kaiserthums geklopft, vielleicht sogar geköpft zu werden. Seine Umgebung hetzt ihn Tag und Nacht, den Spaß einmal zu riokiren; so treibt ihn z. B. der Dr. med. Marquardt, ein Elsässer, setzt sein Sekretär, Reise- kamerad und nächster Roth, fortwährend zum Kaiserthume an. Den 3. Sept, reist er wieder weiter, nach Cherbourg, wo die Flotte manövriren wird. Die Schurkenpresse, besonders Assemblee und Pou- voir, fordert, auf dieser zweiten Reise möge die Polizei sofort je- dcu demokratischen R u f mit Stockhieben oder Kerker bestrafen. DaS ist heute mit hübschen französischen Buchstaben gedruckt. WaS sagt Deutschland dazu? Vermuthlich, daß die Franzosen von 1850 anspeienswerlhe Schlingel sind, und wahrlich, so wenig ich Franzosen- fresser bin, ich erblasse doch ctwaS, sehe ich dergleichen gedruckt im Jahre 1850, ohne daß in den nächsten 24 Stunden drei Dolche dem Verfasser und Redakteur en chef zwischen die Rippen gedrückt werden. — Die heitere Todesart deS wahrhaft bodenlos schurkischen LouiS Philipp auf seinem herrlichen Lustschlößchen Claremont bei London, im Kreise der Seinigen, die er trotz Alledem immer noch als mehrfache Millionäre zurückließ, dieseâ Hinscheiden in völliger Gemüthö- ruhe mit scherzenden Lippen (frug er doch lächelnd nach seiner Beichte und Oelung seine Frau: „nun, Amalie, bist du zufrieden?" sie ist nämlich miserabel abergläubisch), dieses angenehme Hinscheiden im 67sten Lebensjahre kann auch einen Demokraten toll machen, wenn er seine Brüder, durch dieses sterbenden heitern Sündcrü Partei in'S Elend gestürzt, jammervoll umkommen sieht. Der verstorbene König soll, wird vom 27. d. M. auS Wiesbaden dem Dcmokratenblatt ©iècle geschrieben, öfters zuletzt gesagt haben, „laßt unS nicht niehr Orleans sondern Bourbons sein." Aber die Töchter des Verstorbenen, namentlich die Königin von Belgien und die Herzogin Helena von Orleans (Mutter deS f. g. Grafen von Paris) und der Prinz Joinville, welcher Admiral war, wollen den Thron nicht dem Henri V. abtreten. In Sainte Leonhard verdarb wenigstens die Herzogin Helena dem Hrn. Guizot, der von LouiS Philipp an sie gesandt worden war,
um sie zur Versöhnung mit den Alt-Bourbons zu stimmen, das Spiel völlig, nachdem sie ihn fünf Minuten angehört hatte. Jetzt ist Gui- zot'S Freund, der 48 gestürzte Minister deS Unterrichts, Salvandy, mit einem Plane von Louis Philipp für diese berühmte Versöhnung angelangt; der Hauptsatz darin lautet: „alle Orleans erkennen Henri V. als alleinigen König an". Dies ist-also die abermalige Unglücksbüchse, die der sterbende Teufel über daS zerfleischte Frankreich hohnlächelnv auSstreut.
Italien.
— NN Aus Savoyen, 26. Aug. — Betrachten wir die Be- setzung der höchsten Stellen in Savoyen und daS frühere Auftreten ihrer Inhaber genauer, so finden wir eS sehr begreiflich, daß so oft gegen die bisherige liberale Richtung gehandelt wurde und wird. Diese Beamteten gehören völlig oder zum größten Theile der reaktionären Richtung an. Ja die Deputirten SavoyenS selbst waren zu einem großen Theile (10 von 22) gegen daS Gesetz Siccardi, und unter den 26 Protestircnden bildeten diese so den größten Theil (6 Pie- monteser, 5 Genueser und 5 auS den übrigen sardinischen Provinzen). Es frägt sich nun, sind diese Opponenten wirklich Repräsentanten? und dann wieder: konnte man die bisherige Art deâ Wählens frei nennen? gerecht? Schon voriges Jahr wurde in der Turiner Kammer von Deputirten, freilich nur wenigen, darauf aufmerksam gemacht, daß cö dem gedrückten, verarmten Savoyarden nicht möglich würde, eine Wahl in die Kammer anzunehmcn, weil dadurch seine Familie brodloS sei, indem dieses unglückliche Land keinen Handel, keine Gewerke habe. Schon damals bat man nachgewiesen, wie man gezwungen sei, solche Leute in die Kammer zu senden, welche die Wahl eben annehmen könnten, und daß deshalb meistens Reiche oder unter dem klerikalischem Einflüsse stehende Männer dorthin kämen. Daß aber daS Volk in Savoyen die Fortschrittsbestrebungen gutheißt, daß eS Sympathien dafür fühlt, beweist die sich kundgebende Anhänglichkeit an das Gesetz Siccardi'S und an Santa Rosa. Soll also Savoyen, resp, das savoyische Volk vertreten sein; so müssen die Stelle» der Regierung da neu besetzt, die Deputirtenwahlen frisch vorgenommen und die Verhältnisse im Innern Savoyens so geordnet werden, daß jeder Bürger eine solche Wahl annehmen kann. Beides wird verlangt, um den Reformen Wurzel geben und weitere zur Besprechung und Ausführung bringen zu können. — Gegen den Studiendirektor deS NationaUKol- legiumS in Chambery, L. Pillet, ist Protest eingelegt worden und das Ministerium wurde angegangen, ih» zu entfernen, da er nicht allein gegen die Regierung in Turin agirt, sondern jede Reformbestrebung hintertreibt. Man hat namentlich die Reformirung der Religion im Au^e und belobt einen Abbe Delaquiö, welcher in diesem Sinne dozirt und allgemein geachtet wird. ES ist nicht zu läugnen, daß er Nachahmer findet, sobald man völlige Freiheit cibt und sie sichert. Allein alle Hoffnungen einer Besserung hängen jetzt von der Standhaftigkeit deS Ministeriums ab, und da finden sich manche Befürchtungen. So theilt man unS mit, daß ein thcilweiser Wechsel deS Ministeriums bevorsteht. Man nennt den Marquis Ricci-Albert für die äußeren, den Grafen Pallien für die inneren Angelegenheiten und Plczza als Kultuâ- und Agrar-Minister. In Bezug der Sendung Pinclli'S nach Rom, so soll derselbe nicht wegen der kirchlichen Rechte überhaupt, sondern nur wegen der Feiertage, der Kirchengüter und der Civilehe dahin abgegangen sein Bald wird jedoch diese Sache klarer werden und wir werden dann erfahren, ob Sardinien sich männlich zeigt oder nur koquettirt hat. — Die «Gaz. uff.“ soll nun in französischer und italienischer Sprache erscheinen.
Belgien.
— st Brüssel, 29. Aug. — Ein Feuilletonist der »Tndepen- dence«, zugleich Aufseher der Bibliothek der kön. Bibliothek, Fotis, braucht Geld. Der Minister deS Innern schenkt ihm 1000 Fr., Hr. Fotiö zu einer Vergnügungsreise nach Italien benutzt. Ein Offizier erhält für ein gefallenes Pferd 8000 Fr. vom Agrikultur- fonds: er hatte des Ministers Wahl unterstützt. Dem Sohne eines Lütticher Millionärs werden 2500 Fr. zu einer Reise nach den Antillen bewilligt. Ueber diese in monarchischen und konstitutionell rcpu- blike.iuschen Staaten ganz gewöhnlichen Sitten ereifern sich nur die Oppositionöbläitcr und schreien: NepotiSmuS, Corruption^ Dieselben OppositionSblätter, welche für die „freie" belgische Verfassung schwärmen, die erst jene Corruption erzeugt, und ohne solche nicht bestehen kann. Wollt ihr die Corruption nicht, so werft den saubern Konstt- tutionalismuâ auf den Mist. — Bei Nennung der demokratischen Blätter hatte ich neulich den „Demokrat" von Charleroi vergessen, dessen Redakteur den König vor einigen Wochen um Erlaß einer Geld- strafe von 25 Fr. = 61 Thlr. gebeten hat. Die ganze demokratische Presse eines Landes von 4} Millionen Einwohnern besteht mithin nur