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Dritter Jahrgang.

Erscheint täglich, Montags auègenom- men. Vierteljährlicher Abonnementspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

peditian (obere Enrengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

Mr' 206* Kassel, Dienstag den 3. September 1850.

DaS gestrige Extrablatt, welches die Auflösung der Kammer berichtete, wird unsern Lesern zugegangen sein. Die Redaktion.

Offene Briefe an Seine Königliche Hoheit.

1.

Königliche Hoheit!

Als Sie vor zwei Monaten Ihre Stände auflösten, war das ge­stimmte Volk der Meinung, daß Ew. Königliche Hoheit sich von der Stimmung des Volkes näher unterrichten wollten, ehe Sie auf die Forderungen Ihrer Stände Rücksicht nähmen.

DaS Volk hat abermals gesprochen. Von jetzt an ist es GotteS Stimme geworden, daß Ew. Königliche Hoheit in den Händen eines Menschen stehen, den Ihr Volk, Königliche Hoheit, mit Abscheu von sich stößt, den dem gemeinsten Verbrecher gleichstellt.-

Königliche Hoheit! Ueber Ihrem Sonderwillen steht der geheim- nißvoüe Wille deö Volkes. Täuschen Sie Sich nicht, lachen Sie nicht. Der Wille des Volkes ist etwas, daS nicht entsteht wie ein Werk von Menschenhänden, er ist plötzlich da wie der Frühling, wie der Saft der Birken, wie der Schoß der Eichen.

Der Wille des Volkes hat entschieden. Von jetzt an existirt für Ew. Königliche Hoheit keine Entschuldigung mehr, keine Berufung auf Nnkcnntniß der Dinge, kein Vorschützen eines Irrthums. Sie müssen wissen, daß Sie von einem Bösewicht berathen sind.

Königliche Hoheit! Und dennoch haben Sie das Volk von den Stufen Ihres Throneâ gejagt, dennoch haben Sie gestern in der Morgenstunde erklärt, daß Sie von Ihrem Fälscher nicht ablassen würden!

Königliche Hoheit! Es liegt in der Natur der Sache, daß ein Verbrecher, den die Gesellschaft verworfen hat, keine Mühe scheut, sich Kumpane zu schaffen. Dürfen Ew. Königliche Hoheit sich zu dieser Rolle gebrauchen lassen? Dürfen Sie dem verzweifelten, verstoßenen Mann Gesellschaft leisten? Dürfen Sie in der Liebe deö Volkes so tief sinken, daß Ihnen zuletzt kein Umgang mehr übrig bleibt, als der mit einem Fälscher?

Königliche Hoheit! Die Maßregeln, die Ihnen Hr. Hassenpflug verschlägt, sind nicht die eines guten Engels, sondern die des bösen. Wenn Ihr Premier Sie weit genug von dem Herzen deö Volks ge- drängt hat, wenn Sie plötzlich sehen, daß Ihr Volk sich von Ihnen abgewandt, daß ingrimmig seine Faust geballt hat, daß eS ihm Mühe kostet, einen Fluch auf den Lippen zu ersticken, dann König­liche Hoheit! wird der Fälscher von Greifswald mit Hohnlachen auf feine Kreatur blicken, auf Sie, Königliche Hoheit, da Sie dann keinen andern Weg mehr haben, als vorwärts, vorwärts biâ zur

Königliche Hoheit! Alâ Sic gestern die Kammern auflös'ten, rieselte eS eiskalt durch die Massen Ihrer vermeintlichen Unterthanen. Es war ein Schauer, wie er nur zuweilen über das Volk kommt, der aber auf einen Abschluß in seiner Geschichte, eine Abrechnung in seinem Herzen, der auf zertrümmerte Tempel, gefallene Sterne deu­tet, der Bürgschaft für Unerhörtes, für eine geheimnißvolle, unbe­kannte Zukunft leistet, der einer Offenbarung, einer Gcistcrcrschcinuug vorausgeht. Königliche Hoheit! Jener Schauer bedeutete, daß die Monarchie in Kurhessen zu Ende sei. Lassen Sic Sich nicht daS Gegen- theil oder ein Anderes vorlügen, eS ist so. Wenn Sie weniger alö ein Fürst wären, so reihte es Ihnen vergönnt sein, einmal Ihre Hand auf tat Herz deö Volks zu legen, und Sie würden fühlen, daß für Sie, Königliche Hoheit, kein Blut mehr in den Adern ist, daß Sie hier unten, bei uns, auSgestorben sind.

Königliche Hoheit! Ein traurigeres Ende hat noch keine Monarchie genommen. Ein Fürst kann wahnbefangen Verfassungen vernichten, er kann, im Irrthum über daS Wohl seines Volkes, daS Volk mit Fü­ßen treten, wie tausend Tyrannen thun und gethan haben, in alledem kann noch etwas Moralisches liegen. Die Tyrannen werden fallen, aber mit Ehren. Die Monarchie in Kurhessen, Königliche Ho­heit, ist aber nicht gefallen, weil ihr Träger ein eigensinniger Gesetz­geber, ein stolzer Selbstherrscher gewesen ist, sondern weil er die Liebe eines Fälschers der Liebe deâ Volkes vorgezogen hat. Königliche Hoheit! Eine solche Geringschätzung vergißt ein Volk nie!!!

Kassel, am 3. September 1850.

SchleSwig-Holstein.

C Hamburg, 30. Aug. Ich habe früher von dem Anerbie­ten eines gewissen Klaproth zur Organisirung eines freiwilligen selbstständigen Corps geschrieben, noch ist die Sache in der Schwebe, scheint aber nicht ganz ungünstig für das Projekt zu stehen. Gewiß bliebe im Falle der Annahme dieses Corps nicht vereinzelt dastehen. Man berichtet über die fünf oder sechs schl.-holst. Kanonenboote, die bei den friesischen Inseln stationiren, daß dieselben in Gefahr stehen, von dänischen Schiffen abgeschnitten zu werden. scheint gewiß zu sein, daß sie nicht mehr in die Eider hinein können. Dagegen sind sie von den tiefer gehenden dänischen Schiffen aus ihren jetzigen Stationen nicht sofort zu vertreiben. Zwischen Dänemark und Rußland herrscht augenblicklich die beste entente cordiale. Der russische Großfürst, der jüngst nach Kopenhagen russische Orden überbrachte , nannte in einem Toaste auf daS dänische Heer Dänemark den treuesten Alliirtcn Ruß­lands. " Man will auch wissen, daß die erpreßten Naturallieferungen im Süden Schleswigs, trotz welcher das dänische Heer miserabel be­köstigt wird, an die russischen Kriegsschiffe in der Ostsee verkauft wor­den. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Schles­wig wird geplündert und Dänemark füllt seine Kassen. Ob nun nicht gar diese Lieferungen über den Preis bezahlt werden, d. h. ob sie nicht eine verdeckte Form für direkte russische Subsidien sind, muß sich später hcrauösinden. Sehr unwahrscheinlich ist dieses Sachverhältniß nicht. Die Dänen, einst so ruffenfeindlich, glorificircn sich jetzt mit der russschcn Hülfe. Hamburg sängt wieder einmal an, in ter po­litischen Welt Ehre einzulegen. Die sämmtlichen dänischen Blätter, an ihrer Spitze daâ Regierungsblatt, werfen scheele Blicke auf Ham­burg und bedrohen cs mit direkten Feindseligkeiten bloß weil eS an der Spitze der Unterstützungen für Schl.-Holst. steht. Das AllcS An­gesichts der direkten russischen Hülfe. Einige Anzeichen lassen ver­muthen, daß der Krieg bald wieder einen andern Charakter als in den letzten Wochen annehmen werde. Eine RckognoSzirung hat die Hauptmacht der Dänen am Dannwcrk erblicken lassen. Sie haben ihren linken Flügel fast entblöst, vielleicht um sich auf teil linken Flü­gel deS schl.-holst. HceicS zu werfen.

Deutschland.

^Kassel, 2. Sept. Die Mittheilung verschiedenes konsti­tutioneller Blätter, als habe die rechte Seite der aufgelösten --olan v fammer den Präsidenten Vayrhrffer aufgefordeit, dcrzulegc», war eine Erfindung, deren Absicht wir nicht suchen wollen. " . ...

** Kassel, 2. Sept. - Es lurfi.t hier das Gerücht, in vanaa