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sie ihr Herz hängen können, stärken die Gothaer je^t ihren gebrochenen Muth an der „festen und entschiedenen Sprache", in der die preußische Antwort auf die Aufforderung Oesterreichs, den Bundestag zu beschicken, gehalten sein soll. Sie glauben nicht an die schönen Dinge, welche jene preußische AntwvrtSart enthält, aber dennoch freuen sie sich wie die Kinder über die „feste und entschiedene Sprache", über die schönen und großen Worte, mit denen Hr. v. Radvwitz nicht unterlassen kann, seine Dokumente zu verbrämen. Da heißt eâ: Preu» ßen wird weder jetzt, noch in Zukunft den Bundestag anerkennen oder beschicken; es ist geneigt, an freien Konferenzen Theil zu nehmen; jedem einzelnen Staate müßte daS Recht, mit andern in eine freie parlamentarische Union zu treten, gesichert sein, die Restauration deS Bundestags sei ein Bruch der dem deutschen Volke gemachten feierlichen Verheißungen; endlich wird noch mit sittlicher Entrüstung eS als unwürdig bezeichnet, daß Hr. v. Bülow, der dänische Bevollmächtigte, an den Konferenzen des f. g. Plenums Theil nimmt. Schöne Worte: „weder jetzt, noch in Zukunft, freie parlamentarische Union, Bruch der Verheißungen, unwürdiges Verfahren", schöne Worte, aber sehr, sehr wohlfeil. Die „Kicuzzeitung erörtert schon, waS unter freien Konferenzen zu verstehn ist und wovon die Konferenzen frei sein müssen, nämlich vom Geiste der Revolution, der besonders auch in dem Drei- königSverfaffungSentwurf vom 26. Mai 1849 spuke. Man wird diese Vorschriften beachten uns aus den freien Konferenzen wird sich im alten Glanze der Bundestag entwickeln. Und eS ist gut so; eS ist schade, daß Presse und Vcreinsrecht, überhaupt konstitutionelle Verfassungen noch nicht überall, auch formell und dem Namen nach, aufgehoben sind; eine niederträchtige Nation, wie die deutsche, muß lange getreten werden, bis sie eg fühlt. Hoffentlich werden die Tritte, und durchaus nicht konstitutionelle, preußische, sondern deutlich russische Tritte nicht auöbleiben, und der Anfang damit wird in Schleswig- Holstein gemacht werden. Die Gothaer ahnen das sehr wohl, und Einer von ihnen, wahrscheinlich Hr. GervinuS, heult, wenn die schleswig-holstcinsche Sache unterliege, sei die deutsche konstitutionelle Partei vernichtet (darin geben wir ihm Recht) ; nach ihrer Beseitigung ständen sich nur noch die demokratische und absolutistische Partei gegenüber ; der Kampf werde mit dem Siege der demokratischen Partei endigen, und diese« Sieg werde den Untergang nicht blos von Deutschland, sondern von Europa zur Folge haben. Hirnloser GothalSmuS! Wo soll denn Deutschland oder Europa bleiben? ES kann doch nicht von der Welt weggenommen werden?
Die hiesige Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, diese- nigen 25 Mitglieder, welche kürzlich die Versammlung verließen, um sie beschlußuofähig stu machen und die Annahme eines vom Stadtverordnetenvorsteher, einem ekelhaft schwarz-weißen Spießbürger, ihnen vktroyirten Antrages zu verhindern, waS ihnen auch gelang, und welche bereits f-üher einmal die Versammlung auf ähnliche Weise verlassen hatten, für die noch übrige Dauer ihrer Amtszeit zu excludiren. Wahrscheinlich cristirt die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat nur noch bis zum 1. Oktober, wo die nach der neuen Gemeindeorb- nung gewählten städtischen Behörden an ihre Stelle treten. Wie auf telegraphischem Wege gemeldet wird, ist der alte Gauoer LouiS Philipp am 20. d. M. zu Claremont endlich gestorben.
Frankreich.
,t Paris, 28. Aug — Die ungeheueren Blamagen des Hrn. Bonaparte auf seiner Reise im Elsas und Lothringen bestätigen sich. Zn Metz schrie man nicht blos vive la republique, sondern auch vive Famnestie Der Präsident betrug sich auch dort als Lump, er ließ sechs Nationalgardeoffiziere, die im Audienzsaal vive la republique riefen , vertreten (auf gut königl. preußisch, wie cs scheint) und drückte sich in folgender unerhört pöbelhafter, d. h. junkerartiger Manier auS: „Meine Herren, hören Sie doch endlich auf zu schrei n (und daS sagte der Geck, während er seine s. g. Dezembergesellschaft im Hofe vive Napoleon heulen ließ!) und wenn Sie mir eine War- nung zutheilen wollen, dann irren Sie, denn ich nehme keine an, von wem es auch sei; wollten Sie mich aber aufmuntern, so thaten Sie etwas Unnützes." Spricht das Mondkalb nicht schon echt kaiserlich? Hierauf drehte er dem General Campariol, der so eben die Adresse der Metzer BürgcrariiUerie verlesen wollte, frech den Rücken und schritt mit Ktner gewöhnlichen, blasirten, tückischen, durch Bachus, Venus und Hazardspiel abgematteten Miene dem Balköne zu, um die Bürgerwehr vorbeizichen zu sehen. Welch' ein Schr-ck für den Elenden! auch dies geschah unter dem dreimaligen Ruf vive la republique. In Pont a Mousson, einem kleinen Ort in Lothringen ließ er seinen brutalen Grimm an der dortigen Bürgerwehr aus. Sie schrie: „Wir wollen nichts haben als Republik" — und darauf ließ er ihr eine Stunde darauf durch den Präfekt sämmtliche Waffen wegnehmen und sie für aufgelöst erklären! So wüthet diese Bestie schon jetzt. — Der
preußische wie der belgische Hr. König riechen fein, sie haben ihn in Metz durch zwei hohe Beamte beglückwünschen lassen. — Die Pariser Arbeiterdeputation, die nach Wiesbaden reiste, den Henri V zur Rückkehr einlud, und deren Jeder sein Weinglas, nachdem er mit Henri angestoßen, nach Paris niitnahm, ist achtzig Mann stark gewesen. Darunter glänzen ein junger Sattler, Germain, und ein Gärtner. Heute steht im demokratischen Siècle ein Brief von den Arbeitern Leguermie, Milhes, Salat und Petit gezeichnet, worin diese feurigen Legitimisten ihren Henri V in Schutz nehmen gegen einige (sehr milde) Witzworte des Siècle. Mehrere dieser lieben Leutchen haben allein mit Henri V zu reden die Ehre gehabt. — Der englische Lieutenant Gale, der schon einmal (mit etwas Unglück) hier in die Luft fuhr, verlangt seitdem für jeden Passagier 300 Franken; schon haben sich 150 Personen in 4 Tagen gemeldet. Auch der übel berüchtigte Erzreaktionär Leverrier (bekanntlich Astronom, Professor, Kometenentdecker und Volksvertreter) wird wieder dabei sein.
Italien.
— nn Aus Savoyen, 23. August. — Die Regsamkeit des Volkes nimmt mehr und mehr zu. Täglich neue Berichte über Kirchen- feiere für Santa Rosa und Beweise der radikalen Sympathien in den Kommunalwahlev. Allerdings darf man die Aufklärung nicht mit jener in Frankreich und Deutschland vergleichen, wo man in der Religion selbst den äußeren Prunk verbannt und die Mährchen der Ueberlieferung auf die Vernunft zurückführt. Der streng -katholische Sinn, diese Anhänglichkeit an den äußeren Schimmer, dieser blinde Glaube an die Versprechungen der alleinseligmachenden Geistlichkeit wurzelt ungemein tief, und die klare, nackte Wirklichkeit sticht zu sehr davon ab, als daß ein Uebergang so schnell vor sich gehen kann. Daher auch die pomphaften Feierlichkeiten. Die Regierung scheint von dem richtigen Grundsatz auSzugehen, zuerst die Bel.-üger deâ Volkes zu entfernen, ihnen jeden Einfluß zu nehmen, ehe sie zu sehr den Schleier lüftet. Erst kürzlich wurden mehrere Geistliche entsetzt, von Schulen entfernt und an ihrer Stelle neue Lehrer ernannt. Der nächste Gegenstand, auf den VolkSmänner Hinweisen, ist die Errichtung einer Handelsschule, eines der dringendsten Bedürfnisse in einem Lande, daS bis jetzt den Handel fast gar nicht kannte. Von einem Bürger Fontaine wurde dieser Gegenstand lebhaft in der „Patr. sar." angeregt. — Weniger erfreulich alS die Angelegenheiten in Savoyen sind jene in Piemont selbst, wo die Angst vor Intervention zu manchen Milderungen Anlaß geben dürfte, die den begonnenen Verbesserungen nur neue Hindernisse entgegenthürmen würden. So knüpft man an die Entsendung Pinelli'ö nach Civita Becchia, noch mehr, da ihm von dem Ministerrathe selbst ein Begleiter und quasi Defensor der Regierung brigegeben worden , manche Vermuthung über Modisi- kationen in den ministeriellen Entschließungen. Und waâ sind hier Modistkationen, namentlich jetzt in kirchlichen Dingen? Daâ geringste Schwanken der Regierung, daS geringste Nachgeben einer fanatisiren- den, klugen Geistlichkeit gegenüber, wird jener neue Nahrung gebe», um daS Volk für sich zu gewinnen, ihm vorzufpiegeln, wie die Regierung ihren Irrthum eingesehen und dergl. mehr. Ein ungebildetes Volt, dessen Bewußtsein noch nicht vollständig erwacht ist, daS noch taumelt vor dem glänzenden Lichte einer neuen Zeit, daS bis jetzt nur ein unbewußter, mächtiger Drang ergriffen, darf nicht in diesem Zustande gelassen werden, eS darf nicht selbst seine neuen Führer wanke» sehen, es muß sich an ihrer Stärke, an ihrer Entschlossenheit ermannen. Ist der König von Sardinien, ist daS Ministerium dieser Aufgabe gewachsen? An diesen beiden hängt daâ Schick al Sardiniens, hängt früh oder spät die Unabhängigkeit, die Freiheit Italiens. Und — wir müssen râ gestehen — diese Stützen allein erscheinen und zu schwach, zu unhaltbar. Lassen wir den König auS dem Spiele, einen Mann , welcher geleitet wird von seinen Ministern, welcher die Konstitution ftsthielt, um ein Regent zu fein, ein Volk selbstständig regieren zu können, welcher aber selbst zu schwach ist, um sich aui die Höhe der Freiheit zu erheben. Er ist und keine Stütze durch sich selbst, er ist eine Stütze deshalb, weil er legitim ist und dadurch die Legitimität einer Invasion verhindert. Allein daü Ministerium sollte der Halt sein, td sollte felsenfest gegen alle Stürme stehen, unberührt von den brechenden Wellen, ed sollte sich nicht kehren an die Forderungen deS päpstlichen Stuhles, der zertrümmeit zu- sanimensank und nur noch auf österreichischen Bajonetten sich mühsam stützt, nicht an Radetzky'S Zürnen, welcher dennoch Blanchi-Giovini'S Verbannung durchsetzte durch seine Drohungen. (Die „Opinionc" wird aber wie bisher forterscheincn). Hier liegt nun der kranke Fleck, hier liegt der Anfang zu den Modifikationen, welche schwerlich auSblcibcn werden und ohne Zweifel auch cer Sache Franzoni S eine andere Wendung zu geben drohen. DaS ganze italienische Volk sieht auf Lardinieu wie einen rettenden Anker, wir zu einer rächenden Göttin. Heute r^