Dritter Jahrgang.
pedition (obere Entengaffe Nr. 1.32) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.
Erscheint täglich, Montags ausgenommen. Bierteljährlicher Lbonnementèpreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Sx-
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Kassel, Sonntag den 1. September
1330.
« Kassel, 3t. August (53 Uhr).
Die heutige Skândcsitzung verhandelt den Gesetzentwurf, die Fortcrhebuvg, beziehungsweise Nacherhebung der Steuern betreffend. Vom radikalsten angefangen lauten die Anträge folgendermaßen:
1) Deputirter Kellner: Er beantrage, mit dem Ministerium sich in gar keine Verhandlungen einzulaffen und deshalb auf den vorgelegten Entwurf nicht einzugehen.
2) Der Ausschuß: Er beantrage, die indirekten Steuern von den Monaten Juli und August im Depositum zu behalten, die vom September erheben, aber ebenfalls deponiren zu lassen; dagegen zur Erhebung der direkten Steuern die Genehmigung zu versagen
3) Deputirter Wippermann: Er beantrage, alle Steuern erheben, aber sämmtliche deponiren zu lassen.
4) Deputirter Gräfe: Er beantrage, die indirekten Steuern dem Ministerium zur Verfügung zu stellen, die direkten aber zu verweigern.
5) Präsident Bayrhoffer: Er beantrage, die indirekten Steuern dem Ministerium zur Verfügung zu stellen, ebenso die direkten Steuern vom Monat September zu verwilligcn, dieselben von den Monaten Juli und August jedoch nicht nacherheben 4u lassen.
Der Antrag Kellners wird gegen 13 Stimmen verworfen. — Der Hr. Landtagskommissar erklärte, die Negierung werde sich auf eine Deponirung der Steuern nicht einlassen, sie lasse sich von den Ständen keinen Kurator setzen.
(56 Uhr.)
Die Ständeversammlung beschloß: die direkten Steuern weder nach-, noch forterheben, die indirekten Steuern dagegen zwar erheben zu lassen, dieselben indessen in der Staatskasse zu deponiren.
Die Versammlung sprach sich von allen Seiten dahin aus, daß es sich hier vorzugsweise um einen politischen, nicht um einen finanziellen Akt handle.
(7 Uhr.)
Die nach den vorhergehenden Beschlüssen abgeänderte Regierungsvorlage ist mit 42 gegen 5 Stimmen angenommen, d. h. die Steuern find verweigert
Schleswig-Holstein-
O Hamburg, 29. August — Es ist eigenthümlich, wie die Statthalterschaft hinter den Begebenheiten gewisse: maßen hinterherläuft. Nachdem sie erst nur gediente Soldaten hat annehmen wollen, trotz aller Aneibictungen, die ihr anch sonst gemacht waren, und nachdem sie diese zahlreichen Anerbietungen selbst zurückgewicsen hatte, hat sie endlich sich entschlossen, auch nicht gediente Mannschaft anfzunehmen. Und jetzt, nachdem sie fünf Wochen lang vergeblich noch energischere Maßregeln nicht hat ergreifen wollen, trotz allen Anraths, hat sie nun endlich auch zu dieser äußersten Maßregel gegriffen: sie hat einen energischen Aufruf an die gesammte waffenfähige Mannschaft und das gesammte Land ergehen lassen, sie hat ge8uffelmaff.cn den Landsturm aufgeboten. Es ließe sich noch ein ganzes Register solcher nachträglich und leider oft zu spät gemachten Schritte anfcrtigen, durch deren rechtzeitige Ergreifung sie eS wahrlich den Dänen unu »glich gewacht hätte, soweit in Schleswig vorzudringen. Hoffentlich sind alle diese Vorkeh- Hingen der Anfang zu entschiedenen Schritten, denn die Zeit dazu ist da, sonst geht das Land an innerer Erschöpfung und an der auswärtigen Diplomatie zu Grunde. Man.will jetzt wissen, daß der bei Duvenstedt gefallene höhere Offizier Gineral de Meza selbst sein soll, wenigstens ist die erwartete Leiche deS französischen Offiziers Latour
du Pin noch nicht kingetroffkn. DaS war ein sehr harter Verlust für die Dänen.
Die Gesammtsumme der eingegangenen Beträge ist jetzt an 180,000 Thlr. — Auch die Hamburger Regierung hat, wie wir jetzt erfahren, sich geweigert, die Schuld an die Herzogthümer zu entrichten und dieser Weigerung haben sich die Senate von Bremen und Lübeck angeschlossen. Wenn in einigen Blättern die Nachricht gebracht wird, die Hamb. Regierung treffe Anstalten, um diese Schuld zu bezahlen, so wird die Ansicht des nunmehr veröffentlichten Budgetan- schlagâ für daS laufende Jahr diese Meinung wohl schon widerlegt haben. Eâ wird darin nämlich ausgesprochen, daß Hamburg die ihm vom Bunde für ReichStruppen-Verpflegung noch schuldige Summe jedenfalls mit andern ihr noch zukommenden Summen compensiren solle. Unser Budget hat aber noch andere interessante Seiten: eö geht daraus hervor, daß wir trotz erhöhter Einnahmen noch ein Defizit von mehreren hunderttausend Mark haben, ungerechnet die Kosten der Cinguartirung. Dieser Ausfall soll nun nach den Vorschlägen, die deofallâ an die Bürgerschaft gerichtet werden, mit einer erhöhten anßer- vrtentlichen Steuer, der sogen. Brandsteuer, gedeckt werden. Wir schwindeln also immerhin dem greulichsten Finanzruin entgegen, denn der Punkt, wo die Steuerlast unerträglich wird, ist schon sehr nahe^
Deutschland.
** Staffel, am 31. Aug. — In der von Sr. rönigl. Hoheid der trrugehorsaincn Demokratie vor die Füße geworfenen Adresse ist bekanntlich folgender Passus enthalten:
„Die Schwierigkeiten und Gefahren, welche die gegenwärtige Lage des Staateâ nach Außen und nach Innen darbietet, sind auch uns nicht entgangen. Wir hegen indessen die feste Ueberzeugung , daff sie zum großen Theil erst durch daS gegenwärtige Ministerium geschaffen sind und halten sie nur dann für übciwintlich, wenn sich Ew. königl. Hoheit mit Männern umgeben, die daS Vertrauen deS Volks genießen."
Die Deutsche Zeitung macht hierzu folgende Bemerkung:
„Es läßt sich nicht verkennen, daß in dieser Stelle die Anerkennung liegt, daß Hassenpflug die Uni o n ö b est r e b un g e n vernichtet oder doch verderblich gehemmt habe und daß hierin ein Unglück für Kurhessen liege. ES ist dieS um so bedeutungsvoller, als selbst die Linke dagegen keine Einwendung erhoben hat."
Wir gratulircn der Linken zu dieser Kritik der HH. Mathy, Basskimann und Marggraff.
** Raffel, 28. Aug. — Ueber die Behandlung Kinkel's in Spandau berichtet der Nürnberger Korrespondent durch einen „konservativen", zuverlässigen Mann: „Er ist in Spandau als Zucht- hauosträfling; der Unterschied zwischen einem Festungsgefangenen und einem Zuchlhaussträfling ist ein grausenhaftcr. DaS Spandauer Zuchthaus ist für Verbrecher schwerster Art bestimmt und nimmt den Abschaum der Hauptstadt auf. Für solche Bewohner ist daâ HauS eingerichtet, bis zu den paffenden Bütteln. Kinkel muß 13 Stunden per Tag Wolle spulen. Er kann nicht soviel Nahrung hinabbringen, als zur Eihaltung seiner Gesundheit nöthig ist. Er war krank und blieb ohne Arzt, ohne Pflege, ohne Theilnahme. Er hat Monate lang dcn Genuß der freien Luft entbehren müssen. Er ist der Willkür eines Vorgesetzten prcißgegeben, der „Frommer" im höchsten Grade ist. Der Besuch seiner Frau wurde verweigert, „weil sie seinem Seelenheil, seiner Bekehrung hinderlich fei." Er ist in Jsolirhaft gekommen, eine largsame Hinrichtung, die ein l.bendiger Geist kaum ein Jahr auS- hâUcn kann. Das ist die wahre Lage Ki
Wir haben dieser'Schilderung nichts König von Preußen sich hüten, daß er Weise begnadigt wird. Shiner deutsch
o Berlin , 29. August. — Um dm
hinzuz« fügen. Möge der nicht dereinst auf ähnliche er Dichter!
ch Etwas zu haben, woran