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den von Sr. Majestät ernannten Mitglieder» bed StaatSgerichtShofS an schwarz-weißester Hundeloyalität Nichts nachgeben. Die eigentlichen Geschwornen am StaatSgerichtShofe sollen zur Hälfte Grundbesitzer, die die übrigen Erfordernisse, um Geschworne zu werden, besitzen müssen, zur Hälfte „Rechtsverständige", d. h. Standrechts- und Unrechtsverständige sein. Erst mit diesem herrlich verpreußten Institute, vor welchem gewiß kein Hochverräter der verdienten Strafe entgeht, wird sich regieren lassen.
Die bisherigen Konstitutionellen, denen von fern ein Lichtlein aufgeht, daß sie wieder einmal betrogen sind, daß die ganze Union ein „fauler Schwindel" ist, wie der Berliner sagt, daß der deutsche, konstitutionelle, bundesstaatliche, kurz der große Nadowitz sammt seinen Spießgesellen Spitzbuben, schäbige, nicht einmal allzu verschmitzte Spitzbuben sind (denn eS gehört weniger Diebspfiffigkeit dazu, einen Gothaer, als einen blinden Esel aufs Glatteis zu führen), diese Burschen, Hr. Dr. Haym in der „Konstitutionellen Zeitung" voran, schreien Feuer, droben mit Steuerverweigerung und schimpfen auf die »Regierung Sr. Majestät", auf Manteuffel und auf Nadowitz wie die Rohrspatzen. Dabei blasen sie noch immer die Schleswig.Holsteiner Kriegstrompete und betteln nach wie vor Charpie und Geld zusammen, während daS von dem (t'm Unterhandeln) tapfern Willisen angeführte Kriegsherr, statt sich mit den Dänen herumzuschlagen, eâ vorzieht, die eingehenden Gelder bei den sichern Fleischtöpfen der Heimath zu verzehren. Die Leute thun Recht daran; eS wäre ja Schade um manches junge Blut; denn ob sie kämpfen oder nicht, das Resultat bleibt dasselbe: Kein Schleswig, kein Holstein, kein Dänemark, kein Deutschland, sondern ein einiges Rußland!
In der vorgestrigen Sitzung deS Fürstenkollegiumâ verlas Nadowitz die preußische Antwort auf die Aufforderung Oesterreichs , den Bundestag zu beschicken. Sie geht dahin, Preußen werde Theil nehmen an freien Konferenzen, aber den Bundestag nicht beschicken. Nun, das ist im Grunde dieselbe Geschichte.
OW Dresden, 28. Aug. — Die gestrige Nummer der Leipziger Zeitung enthält daS den Kammern vorgelegte Dekret über Auf. Hebung der Schwurgerichte. Die Fassung desselben ist wie alle Gesetze, sehr unbestimmt und vieldeutig. §. 4 bestimmt, daß bereits an- hängige Untersuchungen bei den betreffenden Gerichten in den Formen deS gewöhnlicher, Strafprozesses zu Ende zu führen seien. §. 5 sagt wieder: Ist in dergleichen Untersuchungen ein Erkenntniß der Anklage- Kammer bekannt gemacht, welches freisprechend lautet, so hat eè dabei sein Bewenden. Dagegen sind Erkenntnisse der Anllagekammer, welche auf Versetzung in Anklagestand lauten, nicht weiter zu beachten. Diese beiden Paragraphen widersprechen sich direkt; hat daS Dekret rückwir- kende Kraft oder nicht? wird und muß Jeder fragen. Ich bin von Ersterem überzeugt, und ebenso sicher halte ich die Annahme desselben seitens des f. g. Landtags. DaS ist denn die letzte Errungenschaft, von der wir befreit werden. Eâ wäre lächerlich, darüber noch zu jammern; nur Geduld, wir werden die Buben für ihr heimliches Ge- richt vor daS öffentliche Gericht deS Volkes ziehen. Je frecher diese Burschen werden, desto schneller und sicherer naht der Tag der Ver- geltung. — Unsere Garnison betrug bisher 7 Bataillone Infanterie (zu 900 Mann), ein Regiment Kavallerie und eine dem entsprechende Artillerie, im Ganzen etwa 8000 Mann. Sie können sich denken, welche süße Last die Bürger zu tragen hatten. Jetzt soll jede Compagnie um zwei Drittel, b. h. auf 50 Mann , nach andern Mitthei- lungen blos auf die Hälfte reduzirt und die Uebrigen beurlaubt werden. Dafür werden wir nun 10 Bataillone Infanterie künftig haben, jedenfalls immer noch 4 - 6000 Mann. Diese hohe Gnade haben wir der Betrachtung zu danken, daß eine stabile Armee von 36,000 Mann auf die Länge doch etwaâ zu kostspielig zu ne den droht ui d Sie wissen, wenn unsere Gewaltigen auch Armeen aus der Erde stampfen, so wächst ihnen doch kein Kornfeld in der flachen Hand. Das herrliche KriegSheer hat im letzten Jahre 5 Millionen verschlungen, für ein Land von 270 Ouadratmeilen ein recht niedliches Sümmchen. Rechnet man nun den Arbeitsverlust der durch die Unthätigkeit eines jeden StaatSretterS dem Lande erwächst auf 7| Ngr. oder etwa 80 Thlr. jährlich, so kommt zu den 5 Millionen noch die Kleinigkeit von 3 Millionen, die das arme Volk aufbringen muß, um den morschen Thron zu stützen. Wir können also die Kosten unserer GotteSgnaden- wirthschaft dreist auf 10 Millionen Thlr. jährlich veranschlagen, wenn wir die Civilliste und alle monarchischen Anhängsel noch hinzurechnen. Sachsen ist der fünsundzwanzigste Theil von Deutschland, also kostet unsere monarchisch-konstitutionelle Wirthschaft unS blos die Lumperei von 250 Mill. Thlr. jährlich. WaS weiter? Wir sind ja so reich. Das Volk schwelgt ja im Ueberflusse. Hat es nicht im Nothfall Graâ und Baumrinde genug, um die leckersten Mahlzeiten davon zu halten?
Z- INainz, 28. Aug. — Endlich ist auch unsere großh. Hess. Gtandeversammlung auf den 10. Septbr. einberufen, um — wenn sie
nicht abermals aufgelöst und dann oktroyirt wird — dem auf daS Ministerium „ liberalsten Sinnes" gefolgten Kabinet von entschieden illiberalem Sinn die Steuern zur Fortführung her StaatSgeschäfte zu verwilligen und die alten Sünden „unseres Jaup" mit dem Schleier der Vergessenheit bedeckt in den Archiven zu begraben. Zu dieser Jaup'schen Hinterlassenschaft gehören namentlich die Ansprüche der guten Presse deS Großherzogthumö, gegen welche sich Jaup wirklich als den bis jetzt liberalsten Minister Hessens bewies, indem er die Subventionen aus den geheimen Fonds an die gouvernemen- talen Blätter mit wahrer Liberalität verschwendete. Da ist einmal unsere „Darmstädter Hofzeitung" mit dem Jahrgehalte deS Hofdema- gogen Dr ä r l er-M an fr ed, wobei die Junghauâ'sche Hofbuchhandlung doch auch noch Etwas für sich wird herauâgeschlagen haben; dann daS „Darmstädter Journal", daS außer seinen leitenden Tendenzartikeln auch noch den nervus rerum gerendarum auS dem Ministerium erhält. Auch die obschon nur vom 1. Mai bis 17. Aug. b. J. Hier in Mainz erschienene „rheinhessische Zeitung" war subventionirt und ist eS, trotzdem, daß sie nur 150 Abonnenten und keine Leser hatte, dem Revakteur H. Berthold gelungen, „unserem Jaup" 6 — 800 fl. abzuschwindeln. Sodann ist nicht zu zweifeln, daß die früheren Verträge mit dem Frankf. Journ., der Kölnischen und Ober- Post-AmtS-Ztg. noch fortbestehen, wodurch von denselben gegen eine» jährlichen Geldzuschuß ihr Stillschweigen über gewisse mißliebige Dinge erkauft wurde. Ob und wieviel Unterstützung daS „Mainzer Journal", unser pfäffischeâ Organ, von Darmstadt bezieht, wissen wir zur Zeit nicht. Außerdem deuten mehrere Umstände darauf hin, daß von dem Minister liberalsten SinneS nicht unbeträchtliche Posten für „geheime Polizei" verausgabt worden sein müssen, theils für direkte Spionage, theils für Angebereien an Mouchardü â la Ohm - Gödsche und für agents provocafeurs. Denn eine solche Masse politischer Untersuchungen und Tendenzprozesse, wie wir sie seit Jahr und Tag erlebten, wäre nicht wohl denkbar ohne Aufpasser und bezahlte Denunzianten. Wenn freilich die demokratische Kammermajorität bei Prüfung der StaatSrechnungen oder Vorlage deS Budgets hinter diese Finanzkünste und Spekulationen „unseres Jaup" käme und sie anS Licht der Okffent- lichkeit zöge, so würde daS ein ungeheueres Halloh in der Presse geben; man wird eS aber schwerlich so weit kommen lassen, vielmehr diesen Eklat um jeden Preis zu vermeide» suchen, nöthigenfallS durch wiederholte Auflösung und Oktroyirvng, wenn die guten Lehren der Darm- städter Korrespondenz in der O. P.A.Z. nichts fruchten. — Unser Serenissimus weilt theils in seinem Hoflager zu Auerbach, theils auf Besuch in A chaffenburg, empfängt und macht Visiten, wie denn in der letzten Zeit der Wasserdichter König Ludwig von Baiern und die Herzogin Braganza (Kaiserin Mutter von Brasilien) von Darmstadt als hohe Gäste gemeldet worden.
Schweiz.
— s — Aus der Schweiz, 25. Aug. — Ehren-Druey hat sich abermals ein bleibendes Denkmal für seine Sozial-Demokratie gesetzt. Seiner Ansicht »ach haben die 900 Flüchtlinge, die noch in der Schweiz sind, lange genug die Annehmlichkeit eines bleibenden Wohnsitzes genossen, es ist nun Zeit, sie einmal wieder an andere Orte zu hetzen. Hr. Druey will sich ein Bild vom ewigen Juden verschaffen, der nicht ruhen und rasten durfte, wie einst Kaiser Nero im Brande NomS ein Bild deâ Brandes von Troja genießen wollte. Die Flüchtlinge werden nach der Volkszahl der KantonS vertheilt. Da kommt eâ natürlich nicht darauf an, ob ein Flüchtling irgendwo, nach unsäglicher Noth, nach Hunger und Kummer, endlich einen Platz gefunden hat, der ihm notdürftige Nahrung gewährt, — — Ehren-Druey ist berufen, die Flüchtlinge bis zur Verzweiflung zu treiben, sie sollen nicht leben, sondern sterben. Eine nichtsnutzigere Menschenschinderei hat die Schwe«' zer Geschichte noch nicht aufzuweisen. Der V ert h ei l u n g â b esch k u 8 wird denn auch überall mit Entrüstung gelesen. Ja selbst die konservative Partei, die doch den Flüchtlingen nicht sehr günstig ist, un sie gern über alle Berge sähe, kann nicht verhehlen, daß dieser Beschluß eine Unmenschlichkeit ist. So die „Eidgen. Ztg." in Zürich, ein Blatt, daS bisher allen seinen Haß gegen die Flüchtlinge auS- schüttete und jede Gelegenheit suchte, gegen dieselben in die Schranken zu treten. Mit Recht fragt sie: „Ist man durch die Nothwendrgkei gezwungen? Und warum jetzt erst, nach mehr als einem 3<^fe, "° sich der Einzelne mehr oder weniger eine Existenz gegründet?" Ein je er Verständige hat nur nöthig, sich die Lage eines Flüchtlings zu denken, der mit vieler Noth endlich in einer größeren Stadt sich festgesetzt, hier leben kann — und jetzt in die Urgebirgc soll! Es scheint, die Schweiz sollte noch daS Strafgericht werden, der Henker der Großmächte.
Der verbannte Marillcy spukt wieder im Kanton $rejburg, “ weiß recht gut welche Freunde er und feine Partei im BundeSratY« hat, als daß er auf langes Exil noch zählte.