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Erscheint tätlich, Montags auègenom^ men. Vierteljährlicher AbonnementspreiS 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

Dritter Jahrgang.

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Mr* 2«L Kassel, Sonnabend den 31. August 1S@O,

DaS Ende in Frankreich.

Die Reaktion verschlingt ihre eigenen Kinder. Sie kämpft ben letzten großen Verzweiflungskampf und muß tabula rasa machen, wenigstens zu machen versuchen. Auch die letzte revolutionäre Erinne­rung muß ausgelöscht, auch die letzte Form zerbrochen werden, welche den sündhaften Sieg deS Volkes, wenn auch in noch so verkümmerter Gestalt, bewahren könnte. So lange der Gegner nicht vollständig vernichtet ist, wird es den gekrönten Häuptern nie wieder möglich sein, inS verlorene Paradies jener olympischen Ruhe zu gelangen, wo nicht regiert, sondern nur genossen und gcstockprügclt zu werde» braucht. Sie werden ihre Ruhe nicht wieder erhalten, denn sie können den Feind nicht vernichten. Dieser Feind ist die demokratische Idee, die sich beim besten Willen nicht standrechten laßt; - aber versucht muß werden.

Daâ leichteste Spiel hat die Reaktion bei Beseitigung derjenigen halbrevolutionären Werkzeuge, welche sie selbst benutzt hat, um die Revolution zu paralysiren und zu dem Punkte zu gelangen, auf wel­chem sie bereits steht. Diese wird man daher zunächst berücksichtigen. Auch Louis Napoleon muß fallen sammt dem zu einer Scheinexistenz galvanisirten Bonapartiömus; beide haben ihre Schuldigkeit gethan.

Se. präsidentschaftliche Dummheit waren im besten Zuge, sie hatten eben Geschmack am Regieren gefunden, und man muß gestehen, daß sich dieselben gar nicht übel anstellten. Sie leisteten bereits etwaâ im Civillistenvertilgen, in der Handhabung der Ordnung" und im Umgänge mit Lola Montez und Louise Aston; ja man kann nicht ver­kennen, sie hatten es schon zu recht noblen fürstlichen Passionen ge­bracht. Die Kaiserkrone hing bereits vor Dero Nase, die demnächst eine allerhöchste Nase werden sollte; sie brauchten nur zuzugreifen. Da erhielt plötzlich ter Graf von Cbambord Befehl, sein legitimes Hof- lager von Frohüdorf an den Rhein nach Wiesbaden zu verlegen, um den bonapartistischen Parvenü an sein nahes Ende zu erinnern und in sein canaillöseö Nichts zurückzuführen. Viele fürstliche Lakaien mit glänzenden Livreen und Namen versammelten sitz allda, fielen in den Staub nieder und versicherten, daß sie tie allerhöchsten Fußtritte nicht länger entbehren konnten. Sie erhielten die feste Zusicherung der demnächstigen Gewährung, und der Graf von Chambord wußte stich­haltige Auctoritäten für seine Worte zu citiren.

So bornirt war Louis Napoleon denn doch nicht, daß er die gefährliche Bedeutung dieses Legitimistenscandalâ nicht gemerkt hätte. Er sah sich düpirt und verrathen. Der große Kaiser spukte im klei­nen Gehirn und riß dasselbe zu einer kolossalen Dummheit hin, zu jener Rundreise, welche eine Demonstration gegen Wiesbaden und die Intentionen der europäischen Reaktion sein sollte, und eine Demon­stration gegen den Bonapartiömus geworden ist. Die Aufnahme deâ Präsidenten in Lyon, Besancon, Colmar, Mühlhausen u s. w. ist um so wichtiger, da sie die Kaiserschwindclei geradezu lächerlich gemacht hat und den in der Nähe befindlichen Legitimisten in die Hände ar­beitete. >

Während so die Verhandlungen im besten Gange sind, hat LouiS Philipp ein Einsehen und stirbt. Wer darin nicht eine Fügung GotteS erblickt, der verdient ohne Orden und Pfaffensegen in die Grube zu fahren. Was steht jetzt noch einerFusion der faktischen und der be- rechtiglen Legitimität" entgegen? Hr. Berryer, der die Ingredienzien der allerhöchsten Blüter und sonstigen Flüssigkeiten so genau stucirt hat, kann nun mit gutem Gewissen die Adoption deS Grafen v. Pa­ris für chrmi'ch zulässig erklären. Das Bürgerkönigthum ist todt, ter Konstitutionalismus im Exil gestorben: lebe Henri V! Und glaubt nur nicht, daß der LegitimiömuS in seiner alten, verwelkten Podagra- gestalt erscheinen wird! Behüte, man wird ihn kvquett herauöpuxes

mit lieberalen Phrasen und Konzessionen. Dafür laßt nur Hrn. La- rochejaquelin sorgen. Man muß die Wahl stellen: Hier Legitimität mit liberalen Institutionen", dort die Republik mit Barroche'sche« Ge­setzen und Civillisten. Wählet!

Und Louis Napoleon? Der wird eS von nun an wahrscheinlich einmal mit der honetten Republik versuchen, so sehr ihn auch kaisern mag. Seine Illusionen sind verschwunden, aber der prosaisch­spießbürgerliche Cavaignac ist nicht der Mann dazu, um neue herbei­zuzaubern. La republique est morte, vive Ja republique! B.

Deutschland.

** Kassel, 30. August. Die Ansichten sind denn doch ver­schieden. Nach derDeutschen Zeitung", bekanntlich der Pythia der konstitutionellen Partei, ist derselbe Adreßentwurf unserer Stände, der den Maulhelden der Neuhessischen nicht starkgenug war, stellen­weise etwaâ zu scharf. Wir theilen daâ zur Notiz mit.

Kassel, 30. August. - Wir theilen eine Nachricht mit, die nun bereits alle Zeitungen durchlaufen hat, an die wir aber erst jetzt glauben können, nachdem sie von keiner Seite widerlegt worden ist. Die konstitutionelle Partei unserer Kammer soll näm­lich die Frechheit gehabt haben, Hrn. Bayrhoffer im Namen deâ Volkswohls zu ersuchen, die Präsident»! in der Kammer abzulehnen. Wir wissen nicht, ob die Frech­heit größer ist, oder die Sottise, die eine solche Aufforde- rung gegen Hrn. Bayrhoffer enthält. Wir überlassen dem Letzteren die Entscheidung.

^Kassel, 30. August. In der heutigen Ständesitzung kam der Rechenschaftsbericht deâ permanenten Ausschusses zur Berathung. Seitens deS zur Begutachtung desselben niedergesetzten Ausschusses wurde beantragt, die vom permanenten Ausschüsse geschehene Bewil­ligung eines Theiles der Steuern für verfassungswidrig zu erklären re. Die Versammlung beschloß: der Instruktion deâ permanenten Aus­schusses noch einen Paragraph zuzufügen, wodurch demselben alle und jede Steuerverwilligung abgeschnitten werde.

Auf einen Bericht deS EingabeauSschuffes beschloß die Kamme-, ihre Sympathie für Schleswig-Holstein an den Tag zu legen und die Frage wegen der kurhessischen Schuld an die Herzogthümer dem Finanz­ausschuß zu überweisen.

Kassel, 30. August. Seine Königliche Hoheit haben heute durch den Mund Dero Landtagâkommissar den Ständen verkün­den lassen, daß Sie die gewählte Deputation zur Ueberreichung der Adresse nicht vor Dero Angesicht treten lassen würden. Seine König!. Hoheit haben darin Ihren freien Willen, dürften aber damit wieder einen Schritt dem letzten Ziel näher gekommen sein, wo Königliche Hoheit weder beadrcßt, noch bedeputirt werden.

G Berlin, 28. Aug. Obgleich Hr. v. Hinkeldey die Ge- schwvrnenliste entwirft, sind doch unsere Geschworenen, durchgängig der wohlhäbigc» und besitzenden Klasse angehörig und daher natürlich mehr oder weniger konservativ, unserer Reaktion noch immer nicht schwarz- weiß genug, und seitdem der furchtbare Handgranateuattentäter und Todtenbündler Hätzcl frcigesprochen worden, denkt man wirklich daran, den Kammern einen Gesetzentwurf über Errichtung eines StaatSgerichts- hofâ für politische Verbrecher" vorzulegen. Was man von diesem famösen Entwürfe hört, ist wirklich spaßhaft. Die Mitglieder des eigent­lichen StaalSgerichtühofs werden zur Hälfte vom Könige ernannt, zur Hälfte von den Kammern gewählt. Diejenigen Herren, welche dieje Kammer oder vielmehr tieft Klubâ von beliebigen Leuten zur Ver­tretung der Interessen deS Grundbesitzes, f. h. der Voiksjchmeerer, und zu sogenannter Bewilligung der für das herrliche Kriegsherr und an ^e christlich-germanische Institutionen nöthige» Geldsummen waylen, werden