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ganz samoS, ^am Küssen. Es seien Trete charmante Leute, Bescheiden rind höflich und gar keine Rothe. Namentlich betrage sich Hr. Bayr- besser zur allgemeinen Zufriedenheit. WaS geschah? Der kleine Hr. Pfaff drückt sich bescheidentlich zur Thür hinaus — bildlich zu neh- men! — erfindet aber dann einen achilleischen Racbeplau. „Die Welt soll zittern, wenn ich — gerüffelt bin." „Also die Linke ist zahm", — grollt Pfaff-Achilleus — „ sehr zahm?" Und darauf schwört er, daß nunmehr die Zahmheit ihr Tod sein solle, denn todt müsse sie gemacht werden, oder eS sei der Tod deS grimmigen Helden. Der grimmige Held vor Troja ändert schleunigst seinen Schlachtplan und fällt nun die Linke also an: „Zahm — ruft er — zahm seid ihr? Nicht allein zahm, — feige, weitschweifig, albern seid ihr. Wir haben euch für wilde Parlamentâstürmer gehalten, ihr seid aber Maulhelden, Diplomaten, Staatsmänner, honette Leute, ihr seid Bieder-, Basser-, Wipper-, Hansemänner. Lumpenkerls seid ihr!" Also denkt Pfaff Achilleus und schreibt dann in die Neuhessische nieder -also: „Was die Adresse (auf die Eröffnungsrede) betrifft, so haben einzelne Mitgliederder Rechten darin die der Negierung gegenüber wünschenöwerthe Kürze, Schärfe und Präcision vermißt. Der Ent­wurf ist ihnen deshalb nicht etwa zu stark, sondern, wohl verstanden, nicht stark genug gewesen." Pfaff- Achilleus hat sich für die Verwegenheit der Linken, in sein Fach zu pfuschen, gerächt. Seine ganze Kraft ist entladen. Ohnmächtig sinkt er hin, noch im Fallen sin­gend: „Wer niemals hat Verstand gehabt, der ist ein braver Mann."

— Schwerin, 24. Ang. — Ich habe Ihnen lange nichts be­richtet. Um so mehr freut eS mich, Ihnen endlich einmal ein inter­essantes Aktenstück rufenden zu können. Hier:

„Friedrich Franz: In Betracht, daß der sch ie d s r i ch t er - liche Ausspruch über den Rechtsbestand der am l0. Oktober v. I. chublizirten Verfassung nahe bevorsteht, unter diesen Umständen aber nicht für rathsam erachtet werden kann, die durch unsere Verordnung vom 1. Juli d. I. ungeordneten Wahlen gegenwärtig stattfinden zu lassen, so finden wir uns bewogen zu verordnen wie kolgt:

1) Die auf den 26. August d. J. anberaumten Wahlen für eine neu zu berufende Abgeordnetenkammer finden nicht Statt.

2) Weitere Verfügung über die Ausführung derselben bleibt bis nach ergangenem Schiedssprüche vorbehalten.

Gegeben durch unser Gesammtministerium, Schwerin am 22sten August 1850. Friedrich Franz. Graf v. Bülow, v. Schröter, v. Brock."

DaS ist kurz und bündig. Friedrich Franz fühlt sich nicht bewo- gen, seine Verfassung zu halten und kommt deshalb mit einem salto mortale über dieselbe hinaus DaS ist so Brauch in deutschen Lan­den, d. h. der neue Brauch, denn der alte machte wenigstens vor je- der Ohrfeige, die das Volk erhalten sollte, ein paar blöde Faxen, um die Ohrfeige auf dem „Rechtswege" auszutbeilen. Man muß ge- sitehen, die Fortschritte unserer Fürsten in der Offenheit und Ehrlich- keit sind ungeheuer. Man fühlt sich einfach nicht „bewogen".

Die Verfolgungen der Demokratie werden nicht suöpcndirt. Da daâ aber natür ich ist, so berichte ich Ihnen nur, daß man jetzt sogar die „fliegenden Blätter" verboten hat.

= Schwerin , 26. August. — Das war zu erwarten. Die Proteste gegen die Verordnung, wodurch sich unser „Herr" nicht be­wogen fühlt, für jetzt die Stände zu berufen, regnen bereits vom Himmel. Wir sind mitten in einer jener herzerhebenden Bewegungen, deren wir feit zwei Jahren die lieblichsten Pröbchen genossen haben, in einer jener furchtbaren Agitationen der „besten Männer", der „erproben Charak­tere". Die „Mcklenburgische Zeitung" kann nicht umhin, auf das Ent- fchicdcnste gegen die großherzogliche Virfassungsverletzung zu protcsti-en und die wohlerworbenen Rechte der Meklenburger Unterthanen zu wah- reu. Ja, diese tressliche Zeitung versteigt sich in ihrer sittlichen Ent- rüstung bis zur ungeheueren Drohung mit einer Ministeranklage. Harren wir daher der schrecklichen Dinge, die da kommen werden.

Unsere Demokratie ist sehr vergnügt über diese ritterliche Non­chalance unseres GroßherzogS. So regiert man jetzt, — waâ ist also Besonderes dabei?

□ □ ^om SÖZatit , 27. Aug. — Der europäische Friedens­kongreß hat in Frankfurt a. M. vom 22 bis 25. d. M. in dem ^anustempel der Paulskirche getagt, ohne für den Welt - und Völ­kerfrieden irgend eine Wahrscheinlichkeit, Hoffnung, Aussicht oder Muthmaßung, ja ohne auch nur die Möglichkeit eines ewigen Friedens nachgewiesen zu haben. Warum haben diese Apostel des Friedens nicht in Kiel gesessen, um am langen Gagern und tapfern Willisen Proselyten zu gewinnen und von da eine Missionöreisc nach Kopen- Hagen unternommen, um dort für ihre Ideen Propaganda zu machen, wo gleich Gelegenheit zur praktischen Anwendung zu finden ist? Zwar haben wir durch die feierliche Uebergabe von Elihu Burrit'S (des L000 Meilen bergereisten Indianers) Friedenspfeife ar. die „Ex­

cellenz von Jaup" die schöne Zuversicht erbalten, daß das Größ- herzogthum Hessen und bei Rhein vorerst keine Razzia oder feind- liehen Ueberfall der wilden Jndianerstämme, der Rothhäute aus den nordamerikanischen Urwäldern zu befürchten hat. Dieseâ freundschaft­liche Verhältniß ist jedoch, da „Ehren-Jaup" nicht in Aktivität alS Minister ist, nur eine halboffizielle oder offizieufe enfente eordiale, welche wohl schwerlich in Nordamerika respektirt werden und den vom Ministerium „liberalsten Sinncâ" überS Meer in die neue Welt ver­triebenen , hier mit Tendenzprozessen politisch Verfolgten, zahlrei­chen großherzoglich - hessischen Staatsbürgern zu Gute kommen dürfte. Auch gewährt uns dieser ultramarine Pfeifenstiel höchsten- Schutz vor transatlantischen Kriegserklärungen, involvirt aber noch kein gegenseitiges Schutz- und Trutzbündniß; wir besitzen daher lediglich keine Bürgschaft dafür, daß unâ die indianischen Roth häute zu Hülfe kommen, wenn etwa, was so unwahrscheinlich nicht wäre, inâ Großherzogthum Hessen ein Korps Nothmäntel oder Granzer (von der f. k. österr. - siebenbürgischen Militärgränze, Szeklcr, Wal­lachen, Slovaken, Kroaten, Tschechen, Slavonier und Albanesen) al- ungebetene Gäste sich einquartirten. — Eâ ist wahr, die stehenden Heere sind ein Pfahl im Fleische deS Volkes und eâ ist unerhört, diese Masse von privilegirten Müßiggängern und Tagedieben in Eu-opa daS Mark der Länder aussaugen und des Landmannâ sauren Schweiß ver­prassen zu sehen. Empörend ist eS, daS Militär alâ Schmarotzer­pflanze an dem gesunden Baum des Staatcs alle Lebenssäfte verzeh­ren zu lassen, bis der Stamm zuletzt entnervt und entkräftet abstirbt, währenddem sich die rohen Kriegöknechte zu Schergen der brutale» Gewalt und Willkür hergeben, und gleich gehetzten Hunden auf ihre eigenen Brüder, Landsleute und Mitbürger loSgelassen, die auf'â bloße Kommandowort niedermetzeln, stechen, hauen oder schießen. — Deutschland kann aber jetzt keinen Frieden brauchen, denn es wäre nur ein schmachvoller, fauler Frieden unter entehrenden, schnöden und schmählichen Bedingungen; wünschen ja doch sogar die Gothaer „einen gesunden Bürgerkrieg" alS Aderlaß für Deutschland!

* ^arniftiibf , 26- Aug. — Durch ein Edict vom 22. Aug. sind die Kammern auf den 10. Sept, einberufen. Da die Demokratie die Majorität hat und gesonnen ist, dieselbe „ ohne alle Nebenrücksich» ten", d. h. im entschiedensten Sinne zu benutzen, so wird die Auflö­sung nicht lange auf sich warten lassen.

* ff* Bom badische» Neckar, 26. Aug. — Man spricht von demnächstiger Einberufung unserer Land stände, welche natür­lich unter diesen Umständen äußerst zahm und willfährig sind. Doch hat die demokratische Partei diesmal bei den Wahlen in einigen Be­zirken etwas Rührigkeit gezeigt und sind neben sehr vielen Servilen auch einige Kandidaten der Opposition durchgesetzt worden. Indessen wird bisse Opposition nicht sehr energisch auftreten können, sintemal unser guter Großherzog kürzlich die Segnungen des Belagerungszu­standes, wie üblich, seinem Laude auf weitere 4 Wochen zu Theil werden zu lassen beschlossen hat. Was den Belagerungszustand anbe­trifft, so müßte eigentlich bei einer so achtunggebührenden Polizei­macht wie unsere königlich preußische Besatzung ist, die Moralität des Landes nahe zu auf der Stufe der Vollkommenheit sein, sofern diese fremden Gäste sich den Anschein geben, nicht nur Ruhe, Sicher­heit und Ordnung , sondern auch die öffentliche Sittlichkeit und Privat­aufführung der Badenser zu überwachen, unglücklicher Weise aber trä^t daS herrliche Kriegsherr selbst nicht wenig zur Demoralisation bei, wovon unsere außerehelichen Gebnrtâlisten ein unumstößliches Zeug­niß abgeben. Auch sonst fehlt eS nicht an gelegentlichen militärischen Exzessen, Raufereien und Handgemengen Betrunkener und anderen Brutalitäten, sogar der kleine Krieg zwischen schwarz-weiß und schwarz- gelb fand hier einen Ausdruck, als unlängst ein kleines Kommando östcrreich. Artillerie durch Mannheim (nach Bregenz) ziehend, dort halt machte und Sonntags rastend auf der Insel Mühlau sich per' gnügte und dort Gelegenheit nahm, die Arroganz der ihr Tanzver­gnügen störenden königl. preußischen KriegSknechte verdientermaßen derb zu züchtigen.— Man spricht stark von einem Ministerium And la«, welches entschieden die großdeutsch - österreichische Richtung einschlagc« würde, allein noch hat man für die einzelnen Portefeuilles keine taug­lichen Contrasignir-Maschinen gefunden, so daß die Ministerliste biS jetzt nicht zu Stande kam; übrigens steht unS unzweifelhaft eine Kalu- netskrisis bevor, wenigstens scheint es dem gegenwärtig noch beim Großherzog in Baten auf Besuch weilenden König von Württemberg gelungen zu sein, ibn auf andere Gedanken und Ansichten (d. h. groß­deutsche) in der deutschen Frage zu bringen. Wir glauben übrigens schwerlich, daß das Land viel dabei gewinnen wird, wenn wir, statt unter preußische Fuchtel, nun unter den österreichischen Korporal,lock gestellt werden, und unser Großberzog auâ einem Preußischen Satrapen oder Pascha künftig k. k. österreichischer Vasall sein wird. ~ Sn^aben- Baden w rd auch die Großfürstin Helene von Rußland auf Besuch er-