Dritter Jahrgang.
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Erscheint tä-Mch , Montags auègenom- men. Bierteljävelicher AbonnementspreiS 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Er-
orniss e.
M" 202.
Kassel, Donnerstag ten 29. August
1850,
Beantwortung der Eröffnungsrede der Ständeversammlung *)♦
Königliche Hoheit!
Durch den mit der Eröffnung deS Landtags beauftragten Kommissar haben Ew. König!. Hoheit die zuversichtliche Hoffnung auâspre- chen lassen, daß unsere Thätigkeit eine segenbringende sein werde. Auch wir hegen diese Hoffnung und wünschen nichts sehnlicher, als der Staatöregierung die Unterstützung gewähren zu können, welche die Möglichkeit eines gemeinschaftlichen gedeihlichen Wirkens auf der Bahn der Verfassung und der regelmäßigen Ordnung bedingt. Wir können und dürfen aber nicht verhehlen, daß daS unmöglich ist, so lange Ew. Königl. Hoheit von Männern berathen sind, welche daS allgemeine Vertrauen entbehren.
Es ist unsere heiligste Pflicht, Ew. Königl. Hoheit im Namen deâ Volkes, daS wir vertreten, offen zu erklären, daß dasselbe in der Berufung dcâ gegenwärtigen Ministeriums eine Erfüllung der Zusage vom 11. März 1848 nicht erblickt, einer Zusage, durch welche daS Volk die längst ersehnte Beendigung der seit 1832 zwischen Negierung und Ständeversammlung vorgekommcncn Verwickelungen hcrbeigesührt glaubte. Wir wiederholen daher daâ von der vorigen Ständever- sammlung gegen daS fetzige Ministerium ausgesprochene Mißtrauensvotum und billigen, was der bleibende Ausschuß Ew. Königl. Hoheit darüber vorgestellt hat.
Wäre über das Urtheil deâ Landes nach den Auösprüchen der vorigen aufgelösten Ständeversammlung irgend ein Zweifel geblieben, so wird und muß derselbe im Hinblick auf die dermaligc Siändever- sammlung, in welcher sich nicht eine Stimme für daS jetzige Ministerium erhebt, geschwunden sein. DaS Volk sieht in der Beibehaltung deS dermaligen Ministeriums die Rückkehr zu einer RegierungSweife, die weit hinter seinem Wünschen und Wollen liegt, und eS wird in dieser Ansicht noch dadurch bestärkt, daß daS Ministerium eine Wiederherstellung deS Bundestags anstrcbt. Wir protestiren feierlich gegen die Herstellung deS vom deutschen Volk verworfenen und rechtsgültig aufge- hobenen Bundestags, sowie gegen alle darauf gerichteten Bestrebungen.
Wir beklagen die große Verwickelung der Finanzlage deö Landes, aber wenn wir mit Vermeidung jeder Sclbsttäu chung nach dem Grund derselben forschen, so finden wir diesen eben in dem Bestehen deS dermaligen Ministeriums und dessen Handlungsweise gegen die vorige Ständeversammlung.
Den Gesetzentwurf über die einstweilige Fortcrhebung der Steuern bis zum 30. September d. I. werden wir einer gewissenhaften Prüfung unterwerfen und je nach dem Ergebniß derselben unsere Zustimmung ertheilen oder versagen.
Die Schwierigkeiten und Gefahren, welche die gegenwärtige Lage deS SlaateS nach Außen und nach Innen darbictet, sind auch und nicht entgangen. Wir hegen indessen die feste Ueberzeugung, daß sie zum großen Theil erst durch das gegenwärtige Ministerium geschaffen sind und halten sie nur dann für überwindlich, wenn sich Ew. K. Hoheit mit Männern umgeben, tue das Vertrauen deö Volks genießen.
Möge der Allmächtige Ew. K. Hoheit die Stimme deö Volks nicht überhören lassen!
EherbietungSvoll verharret Ew. Königl. Hoheit trcugehorsamste Ständeversammlung.
Namens derselben: deren Präsident.
Kassel, am 29. August 1850.
*) Im Interesse der deutschen Demckcatie wird es unsere Aufaabe fein, demnächst eine umfassende Kritik der Sfatiateit unserer dermaligen demokratischen Kammer in diesen Blättern zu liefern. Wir holten es hoher für unsere Schuldigkeit, das betreffende Material, zu dem auch dieses eigemhümliche Aktenstück gehört, in aller Voll- ständigki.r unsere» Lesern vcrzu'egeN. ' Die Lied,
Schleswig-Holstein.
Altona, 2G. Aug., 12 Uhr Mittags. (Telegr. Depesche.) — Auch nicht gediente waffenfähige Männer werden jetzt zum Eintritt in die Armee aufgesordert.
* Altona, 24. Aug. — Die Ostseezeitung berichtet, daß nachträglich 26 Ungarn, die von London gekommen, in schleâwig-holstein- sche Dienste genommen worden seien. Wir theilen diese Nachricht mit, ohne dieselbe im Mindesten verbürgen zu wollen. Wenigstens glauben wir noch an keine gründliche Besserung unserer Statthalter- schaft. Vielleicht haben hier „besondere Gründe" obzewaltet.
OVambttrq, 26. August. — Immer trüber gestalten sich die Zustände im Herzogthum Schleswig. Absetzungen, Gewaltthätigkeiten gegen Personen und Eigenthum und Erpressungen gehen dort Hand in Hand Es ist fast, als wollten die Dänen selbst nicht daran glauben, daß ihnen das Herzogthum nicht bald wieder entrissen werden könne und die kurze Frist benutzen, um den Deutschen ein auöge- sogencS Land zu hinterlassen. Und neben solchen Zuständen tritt wieder die ganze Immoralität deö vormärzlichen Regiments heran. Der berüchtigte Kammerherr v. Scheel kommandirt Sack und Pack nach der Stadt Schleswig, vielleicht, um dort wieder alâ Selbstherrscher aufzutreten, und noch andere ähnliche Hassenpflug'sche Subjekte gelangen zu Amt und Würden. Sie können sich denken, mit welcher Sehnsucht die zahlreichen Flüchtlinge aud dem unglücklichen Lande daâ „Herr, erlöse uns vom Uebel" alltäglich beten. Eine wahrhaft musterhafte Haltung bewahrt dort bad weibliche Geschlecht, bad tröstend und helfend, so weit es bad vermag, dem Ungemach die schärfsten Spitzen abzubrechen sucht.
Das schseöwig holsteinsche Heer wie bad dänische verharren in ihrer rein passiven Stellung; sie gemahnen an jene Karrikatur der fliegenden Blätter, wo zwei Weiber, die sich Nachts treffen, sich gegenseitig für Gespenster ansehen, bis daâ Morgenlicht die vorerst Festgebannten wieder erlöst. Wer aber wird zuerst in Schleswig rufen: es werde Licht! Willisen muß indeß wohl eingesehen haben, daß er größere Hindernisse zu überwältigen hat, als er Anfangs dachte, denn cö ist nun die Bekanntmachung ergangen, daß auch nicht gediente Freiwillige inS Heer cintreten können. Oder lag die Schuld an der Statthalterschaft? Manche Sympathie wäre nicht erkaltet und vielleicht stände jetzt in Schleswig ein bedeutendes Heer, wenn dies Zu- geständniß vor drei Wochen gemacht worden wäre. Schon vor einiger Zeil hat sich ein Major Klapproth angeboten, ein eigenes Korpâ von Freiwilligen zu bilden; man ist begierig, ob daS Anerbieten angenommen wird.
Von der jüngsten Heirath deS Dänenkönigâ gehen fabelhafte Erzählungen um, und die öffentlichen Blätter bringen nur das am min- besten Anstößige. Es ist gewißlich dankbar anzuerkennen, daß die Thron Inhaber unserer Zeit der Reihe nach ihren Beitrag zur Herabwürdigung deö Monarchismus liefern.
Deutschland.
** Kastel, 28. August. — In der heutigen geheimen Sitzung wurden zu Mitgliedern des Eingabeauöschusscâ gewählt: Rempe, Wen- bcivth, Malkmus, Berlit, Heisen, Heß und Hasselbach.
^ Kassel, 29. August. - Der Neuhessischen ist Heidenpech widerfahren. Während wir gestern über die „Calamität" benchte cu, welche Hr. Pfaff und Pinhas in der Wahl Bayrhoffers zum 'Jia,t ‘” ten erblickten, müssen wir heute über die Calamität berichte», in w tie Neuhessische selbst durch jene ihre „Calamität^ "i . In der vorgestrigen Sitzung des Bürgerverernö bat «am l^. "M hin. W mH f««- ’ÄÄ auf die Linke einen gehöngiu Rüssel enhult. 1 j