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bezahlen! O wer noch von Versöhnung und Frieden mit den Feinden der Freiheit, den Geißeln der Menschheit sprechen kann, der ist kein Mann, kein Mensch, der besitzt die Natur eines Hundes oder ist ein Wahnsinniger. Wer in der Freiheit und in der Tugend ein Juste ihiiieu halten will, der liebt weder die Freiheit noch die Tugend oder ist erbärmlicher als ein offener Schurke, und mag er noch so viel von Moral und wahrer Freiheit sprechen. Ein ehrlicher Mann kennt nur ein Für und Wider, aber kein Mittelding davon, ebenso­wenig wie die Gerechtigkeit eine Vermittelung zwischen Recht und Unrecht kennt.

Nachdem unS die hohen Erzherzöge verlassen haben, beglückt unS der Wiener Standrechtöpapa, Hr. F. M. Weiden mit seiner Ge­genwart; wir wissen nicht, waS ihn hierhersührt, vielleicht will er von unserm Regimente etwas prvfitiren.

Vom badischen Neckar, 25. Aug. Mit der De­portation der badischen Truppen nach preußischen Festungen, welche die armen ConscritS sich im Grunde genommen gar nicht gefallen zu lassen brauchten, weil sie die Verfassung nur zum Militärdienste für bad Großherzogthum und innerhalb der Grenzen desselben aufruft, so lange nicht Baden mit einem anderen Staate in einem von den Land­ständen gutgeheißenen Kriegszustand steht, scheint es vor der Hand doch sein Bewenden zu haben, indem Oesterreichs energisches quos ego! und daS Zureden des Königs von Würtemberg und deS Herzogs von Nassau bei unserem Großherzog gefruchtet haben wird. Im Üe- brigen ist unser Ministerium Kl üb er noch fest stockpreußisch und uniorâ- freundlich und vorerst für den frei'hcrrlichen Journalisten und Mitar­beiter der O.P.A. Ztg., Hrn. v. B lit terâ drf, den Unglücksraben deS deutschen Bundestages, noch keine Aussicht auf ein Ministerporte- feuille oder Reaktivirung als Träger einer diplomatischen Mission. Hin und wieder werden noch VermögenSkonfiökationen gegen vor der Rckrutirung außer Landes entwichene Conscribirte, sowie Contumazial- Erkenntnisse gegen politische Flüchtlinge, die längst in Sicherheit in London oder Amerika sind, kundgemacht. Mitunter befindet sich auch eine Freisprechung daneben (v. Jtz stein); am meisten gespannt ist man auf den weiteren Verlauf deS PreßprozesseS gegen den langjäh­rigen Redakteur der radikalenOberrheinischen Zeitung in Freiburg", den vvrm. Obcramtmann Dr. F. Stählen, einen Mann, der seit Dezennien unermüdlich für die Sache deS Volks gewirkt hat, und die Sympathien der Demokratie von ganz Baden, sowie des gesammten Breisgauer Landvolks, zugleich auch die allgemeine Achtung als Ehren­mann besitzt. Gleichzeitig wird auch seinem Verleger Emmerling der Prozeß gemacht. Fortwährend genießen wir nicht nur daâ un- schätzbare Glück, eine angestammte Regierung von Gotteâ Gnaden zu besitzen, sondern wir haben auch eine kön. preußische, hohe und nie­dere, öffentliche und geheime, Orts- und Landes Polizei, ein wahres militärisch-polizeiliches SchreckenS-Regimcnt, mit Bücher-, Zeitungâ-, Theater- und Kirchenpredigt. Cen für, welch' letztere jedoch Haupt- sächlich auf die Deutschkatholiken oder sonst wegen ihrer theolo- gischen Ansichten oder politischen Gesinnung anrüchige Geistliche An- Wendung findet. So hat z. B. neuerdings gegen die Absicht und den Willen unseres erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg der großherz, kathol. Kirchenrath in Karlsruhe verfügt, daß alle in der großen poli­tischen Untersuchungssache irgendwie bethciligten katholischen Pfar- Geistlichen sowohl nach Erstebung der zuerkannten kriegsgerichtlichen Strafe, als bei gänzlicher Freisprechug, nicht sofort in ihr Amt eingesetzt, sondern in daS geistliche Korrektionshaus zur Besserung renitenter oder sonst verwahrloster und sittenloser kath Geist­lichen , auf ein Jahr abgeliefert werden. An Sykophanten und De- nunziantcn (Spitzeln oder Naderern) fehlt eS leider auch nicht, die â la Ohm die harmlosesten WirthâhauS- und Privat-Gespräche ent- stellen, durch Zut ägerei und Ohrenbläserei die achtbarsten und unschul­digsten Leute in Untersuchung und Strafe bringen. Besondcrâ ist na- türlich daS vormärzliche Ausmaßregeln an der Tagesordnung, so zwar, daß nicht uur S ch rift st ell e r - A u S w e isungen, sondern auch solche von deutsch-katholischen Geistlichen, Arbeitern, fremden Hand- werkâ-Burschen , und sonst mißliebigen Personen aller Art stattfinden. Die Polizeistunde wird bei Tage in einer zuvor nie erhörten Weise gehandhabt, indemvor AbendS" schlechterdings keine Gäste in den Wirthshäusern geduldet werden, selbst Fremde nicht, wie denn kürzlich in Mannheim ein solcher nur durch schleunige Entfernung per Eisenbahn mittelst einer Hinterthüre der zum zweitenmal (Vor­mittags 11 Uhr) nachvisitirenden Patrouille entwischte und weiteren Unannehmlichkeiten glücklich entging.

Frankreich.

T Paris, 24. August. Die Schurkenregierung Bonapartes gebährdet sich trefflich. Wegen des kleinen Gedränges auf dem Balle in Besancon wird eine feierliche, jesuitische, blutlechzende Gcrichtsunter-

suchungauf Hochverrath hin" eröffnet; die fünf tausend wackeren schweizer Uhrinachergesellen Besaneonâ, die dort das Geschäft ler­nen und zugleich gute Demokraten sind, werden als Hauptverschwörec gegen Bonaparte angegeben, und mehrere sind arretirt. Sie sollen den Elenden, der Francreich beschimpft und betrügt, wie es noch nie beschimpft und betrogen worden ist, im Saale umringt und geschrieen haben: Amnestie, hoch die Republik! Aus der Arretirung meh­rerer dieser Demokraten, die hoch die Republik gerufen, schließt das berüchtigte russische, in Paris auf französisch gedrukte, Blatt As­semblee Nationale, von jetzt ab würden alle, die die Republik hoch leben lassen, von Rechtswegen ins Loch gesteckt werden. Man hat wohl nicht nöthig, den Leser auf den mephistophelischen Hohn auf­merksam zu macken, der in diesen Worten liegt. Es ist dies Alles bitter, trübe, Wunden, Siechbett, Schaffst und Grab ankündigend. Als Ersatz dafür muß das Gezänke der vielen antirepublikanischen Par­teien, ich möchte sagen, Sekten, gelten, deren jede die andere grimmig anfällt, sobald Ernst gegen die Republik gemacht werden soll. So don­nert und blitzt Hr. Gramer de Cassagnac (der bekannte Gauner, Ver­theidiger des Negerhandels, des Duells und des Zellensistems, derwei- liger Redakteur des bonapartischen HofjournalsPonvoir") gegen die Legitimisten, die schaarenweise nach Wiesbaden gepilgert sind, um Henri V. daselbst zu huldigen. Hat sich doch sogar eine Deputation Hand­werker, eine andere von Bauern u. s. w. vom künftigen Könige Frnk- reichs zu Tische laden lassen. Die demokratische Zeitung Siècle" hat heute ein aus Wiesbaden vom 20. August datirtes, ruhig gehal­tenes Schreiben. Die hiesigen hohen Adeligen Frankreichs, heißt es darin, haben alle einen Sparren, denn sie kennen nicht 1848, noch 1830, noch 1789. Ein Jammer ist es sie anzuschauen. Der Kö­nig von Frankreich, wie alle unsere Landsleute aristokratischen Geblüts den Grafen Chambord nennen, wird stets mit einem vive le roi in seinem Wagen begrüßt, wenn er vor der Kurhalle oder in der Straße fährt. Bis Ein Uhr wird kein Besuch angenommen, Se. Majestät arbeiten. Dann geht die Hyfgalla los, wo man dem armen Mann vorlügt, die Bauernschaft sei für ihn. Daß sie aber in £ Frankreichs nicht für ihn sei, wird dem guten Prinzen verschwiegen. Der elende Witz eines unserer schönen aristo­kratischen Knaben, des Herrn Eduard de Fitzjames, erzählt das Blatt weiter hat viel Skandal unter Deutschlands Arbeitern ge­macht: mehrere derselben schmauchten ruhig ihr Pfeifchen unfern bad prinzlichen Wagens am Theater, als der Prinz herauskam, um fort­zufahren. Die Herren Aristokraten riefen den Deutschen »chapeau bas« (Hut ab) zu, worauf natürlich nichts erfolgte. Da schlug Fitz­james Einem den Hut ab und bekam einen Fausthieb zurück. Es wäre besser gewesen, man hätte dem schönen Jungen seinen Schäkel etwas anders gesetzt.

Belgien.

st Brüssel, 23. Aug. Die s. g. Coalition der Mar- morarbeiter verdankt ihren Ursprung der elenden Denunziation eineâ gewissen Lacroix -Dindal, Meisterâ ; es war keine Coalation, kein Zwang, keine Gewalt. Die Arbeiter hatten ein Statut unter sich ge­macht, daS schon mehrere Meister freiwillig angenommen hatten, aber jener Kerl, dem nicht anstand, denunciirte als Koalition. Und wiewohl alle Indizien feblten, verurtheilten die juristischen Henker einen Arbeiter zu einem Monat Gefängniß, vier zu 10 Tagen, vier zu 5 Tagen, acht zu 10 Fr. Geldbuße. Haben denn die Arbeiter ein Recht, Statute zu machen? gehört dieses Recht nicht ausschließlich den privilegirten Raubrittern? - ES bildet sich jetzt eine Arbeiter- Assoziation für den Konsum, welche die Produkte zum Einkaufspreise liefert. Wenn die Arbeiter der KrämerauSbeutung nicht selbst ein Ende machen, müssen sie ewig die Zwischenhändler füttern. Wir haben in Belgien 16,000 Staatsbeamte mit 2000 Fr., 1200 mit 2 - bis 3000 Fr., 950 mit 3- bis 6000 Fr., 190 mit 6- bis 9000 Fr., 100 mit über 9000 Fr. Gehalt. Die Regierung will die Zahl der Beamten noch vermehren; ohne daS läßt sich daS konstitutionelle Rä­derwerk nicht mehr dirigiren! Pensionäre gibt eS 9500, wovon 5000 Militärs, 3600 Zivilisten, 400 Geistliche. DaS ganze Ländchen hat aber 44 Millionen Einwohner, also auf ca. 250 Menschen ein StaatS- beamter. Dazu kommt noch die ungeheuere Masse städtischer und Ko- munalbeamten.

Italien.

nn Atts Savoyen, 20. Aug. DaS Volk I» Savo beginnt sich geistig zu heben, und Dank sei eS der aufgeklärten ' gierung und ihren mannichfachen Bestrebungen, den Zukrigu 1 fanatischen Geistlichkeit gram zu werden. Savoyen war i l y cy einer ihrer letzten Halte und sie baute fest auf die Versumpfu g Volkes. Santa Rosa's Behandlung hat den Schleyer zerr.ssen, macht-