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M" 201.

Kassel, Mittwoch den 2s. August

185©

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Der Fricdciiscoiigreß zu Frankfurt.

' (Siehe Nr. 19t d. Bl.)

2.

Der berühmte Congreß ist zu Ende. Abgesehen von einigen scheuen Andeutungen, daß die Herstellung deS Weltfriedens an andere Bedingungen geknüpft sei, alS an freundnachbarliche Arrangements und brüderliche Verträge, sowie ferner abgesehen von dem erbrachten Be­weise, daß sich in aller Herren Länder noch immer Menschen mit schönen, gefühlvollen Seelen finden lassen, ist während seineâ Ver- laufes nur der gänzliche Mangel an Einsicht in die sozialen Zustände, die totale Verkennung deS Entwicklungsganges der Menschheit zu Tage gekommen. Wir haben dieses Resultat zum Voraus prophezeit.

Der Völkerkrieg ist dermalen weiter nichts als der flagrante Aus­druck für die moderne Plünderung und Ausbeutung der Menschen durch ihre Mitmenschen. Er ist die letze Vernunft der gekrönten Menschen­besitzer, wie die Knute, das Henkerbeil, der Kerker, daS Standrecht, wie jede StaatSeinrichtung die letzte Zuflucht unserer sozialen Freibeu­ter ist.

WaS bedeutet die Forderung, alle stehenden Heepc abzuschaffen? Damit ist entweder eine Lüge oder zunächst die abermalige Plünderung deS fürstlichen Monopols verlangt, eine Plünderung, die seit dem Bestehen der Bourgeoisie mit immer maßloserer Frechheit betrieben worden ist, die daS Ansehen der alten Dynasten vernichtet, sie ans Kreuz geschlagen und dem Spott der Welt preißgegeben hat. Mit der Vernichtung der stehenden Heere ist der fürstliche Besitz seines Schutzes entblößt, ist er herrenlos geworden. Gibt cs nun auch Schiedsge­richte gegen die Consegnenz des praktischen Verstands, gegen die Re­volution ?

Die Aufhebung der stehenden Heere ist nicht bloß die endliche Beseitign» i deS feudalen Besitzes der Fürsten, sondern auch deâ mo­dernen Besitzes der Bourgeoisie, deS Eigenthums überhaupt. Oder ist der moderne Besitz etwas anderes als der zur Beute gemachte, zerschlagene, in andere Hände gerathene Besitz der Fürsten? Ist er nicht fortwährend gezwungen, seine frühere Geschichte zu studiren, hat er andere Attribute als jener hatte, ist er weniger gewaltthätig, we­niger gefährdet, weniger der Revolution auâgesctzt? Um die Antwort zu geben, bedarf eS nichts alS der Erfahrung, daß die siegreiche Bourgeoisie sofort zu denselben SicherheitSmaßregeln ihres Besitzes schreitet, die sie vor dem Siege verworfen, um deretwillen sie die Re­volution begonnen hatte. -

Der Unterschied zwischen feudalem und modernem Besitz ist nur scheinbar. ES gibt keine Differenz zwischen jenen dynastischen Kriegen, wo Land und Leute erobert wurden, und jenen Kriegen der Concurrenz gegen die Concurrenz, wo mit der Eroberung von Land und Leuten zugleich Herz und Seele gcmcrket werden muß. Wenn hier cin Unter­schied da ist, so ist eS nur der eine, daß der Krieg für den feudalen Besitz weit entfernt war von jener niedrigen, schmutzigen Geldgier, von jener heißhungrigen Leidenschaft, von jenem, alle Gefühle erstickenden Fanatismus der Börsen-Spekulanten.

Der Schrecken, die Rohheit des Kriegs haben nicht ab-, sie haben ziigenommen. Die Wuth der kämpfenden Parteien ist nicht tiger- artig gewesen, sondern erst geworden. Sie ist es erst geworden, seit­dem die Spießbürger eingesehen haben, was die Folge ihres Attentats auf das fürstliche Eigenthum geworden ist, seitdem sie begriffen haben, daß die Sclaverri nothwendig ist für den Besitz, daß man um des Be- sitzeü willen feine Menschenliebe, kein Mitleid und kein Erbarme« Linien darf, seitdem sie wissen, daß der RechtStitel ihres Besitzes die Plünderung nach oben und unt n ist.

Und wenn die Gespenster des Mittelalters, wenn die Füisten die

Absicht hätten, den letzten Lappen ihres PurpurS aufâ Spiel zu fetzen, die stehenden Heere zu beseitigen, die Bourgeoisie würde mit wüthender Verzweiflung vor den Thronen niederfallen und daS Schwert beschwören auS der Scheide zu bleiben. Abgcwiescn, würde sie rasend über die Fürsten herstürzen, und im nächsten Moment dreimal wüthen­der als je zuvor dem aufathmenden, empörten Volke daS Bajonet in die Brust rennen.

Der Weltfrieden ist der Sieg deS Proletariats. Werden die Fürsten diese» Sieg heraufbeschwören? Wird sich die Bourgeoisie, werden die Tiger sich in Lämmer verwandeln? Nein, nein! Aberdas Proletariat wird dennoch siegen, und das siegreiche Proletariat wird Euch den Weltfrieden als Morgengabe überreichen. Nicht Ihr werdet die Welt erlösen, deren blutiges Wucherregiment den Alp der ganzen Menschheit bildet, sondern Jene werden eS thun, deren offene Ver­schwörung gegen daS Schwert deS Kriegs und deS Friedens, gegen Galgen und Kerker, gegen Standrecht und Latten ebenfalls über die ganze Erde geht.

Wir wiederholen: Die Einführung dcâ Weltfriedens ist der letzte, aber auch der heißeste Krieg, den die Welt gesehen hat. Sollen Eure Congrcsse für diesen Krieg die Rousseau'â und Voltaire'â ersetzen? Wir haben nichts dagegen, diâkutircu wir doch nur die Revolution herbei.__

Deutschland.

Kassel, 28. Aug. Warum erzählen Sie unS denn nichts von der tiefen Trauer der Neuhessischcn über die neulichen Präsidenten­wahlen? Glauben Sie denn, cs amüsire uns nicht, daß die Herre» Oetker, Pfaff und Pinhas im traulichen Verein die Wahl BayrhofferS für eineCalamität" halten? Glauben Sie denn, es mache unS der wahrhaft tolle Hochmuth dieser Leute kein Plaisir, welche sich allein die Befähigung und Kraft zutraucn, der Kammer daSung et heilte Ansehen" zu erhalten, und welche so gnädig waren, durch die HH. Henkel, Mannö, Eberhard. Oetker, Wippermann, Nebelthau :c. der diesmaligen Ständeversammlung eine Intelligenz und Autorität zuführen zu wollen, wie sic keine frü­here besaß?" WaS denken Sie denn? Es ist freilich richtig, daß wir gar nicht begreifen können, woher daS diesmalige PluS der kon­stitutionellen Intelligenz kommen soll, da doch bekanntlich die vorige Kammer noch einige dieser intelligenten Großmoguls mehr als die jetzige in sich faßte, zumal auch nicht nrchzuw.isco steht, daß mehrere dieser Herren erst jetzt daS Schwabcnaltcr erreicht hätten,--eS ist frei­lich ferner auch klar, daß, wenn eS eine Calamität ist, Hrn. Bayr- Hoffer an der Spitze zuschen, dieses Malheur nur auf Conto deS Re» präsentativsystcmâ fällt, die Neuhessische also ihren eigenen Rücken klopft,--aber daö AlleS durfte Sie nicht abhalten, unS wc- nigstenS mitzutheilen, daß die Herren Pfaff und PinhaS burlesk ge- rug sind, in ihrer Jeremiade den Demokraten zuzumuthen, sie hätten eigentlich von HauS auS die Größe ihresIrrthums" einsehcn und lauter Konstitutionelle wählen müssen, damit die bezeichneten Groß­moguls doch wenigstens auch das große M..l Hütten führen können, und sich nicht demüthiglich unter die demokratischen Stümper hätten zu beugen brauchen. Hub am meisten mußten Sie unS berichten, daß nach der Meinung der Herren von Intelligenz und Autorität die Demokraten ihren sündhaften Irrthum auch richtig eingesehen haben würden, wenn, wenn--wenn sie nämlich nicht eine v erz w c i fel te Fa c t i o n " wären. Ja, das mußten Sie unS berichten, geehrte Redaktion, so einen antik pyramidalen Blödsinn durften Sie uns nicht rorentbat. n. Und am allermeisten mußten Sie uns berichten, daâ die Herre« } und Oetker trotz unseres heillosen Irrthums ihre Hand nicht von uns zurückzichen, sondern doch noch versuchen wollen, der Kammer UJ