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Dritter Jahrgang

pedition (obere Entengaffe Rr. 132) za 6 Hlr Durch alle Postämter zu beziehen, Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlu

M' 200.

Kassel, Dienstag den 27. August

1650.

Rede des Herrn Geheimerath Lometsch bei Eröffnung der auf den 22. August einberufe- neu Ständeversammlnng.

Hochgeehrteste Herren!

Durch allerhöchste Vollmacht Seiner Königlichen Hoheit deS Kur­fürsten bin ich ermächtigt, den neuen Landtag zu eröffnen, zu welchem, nach eingetretener Auflösung der vorigen Ständeversammlung, Sie durch neue Wahlen berufen sind. Im Namen Seiner Königlichen Ho­heit deâ Kurfürsten habe ich hierbei unter der Versicherung der landes­herrlichen Huld und Gnade die zupersichtliche Hoffnung auözusprechen, daß Ihre Thätigkeit eine Segenbringcnde sein werde.

Die schon seit dem Jahre 1848 in große Verwickelung gerathene Finanzlage des Landes ist begreiflicherweise noch die nämliche, wie zur Zeit der Auflösung, nur daß jetzt, nachdem mehr als zwei Monate verflossen sind, und nur durch die außerordentliche Beihülfe Seiner Königlichen Hoheit des Kurfürsten die Erfüllung der dringendsten Ver- bindlichkeiten ermöglicht wurde, die Nothwendigkeit einer unverzüglichen Gewährung der Mittel zur Bestreitung der Staatöauâgaben noch un­abweisbarer sich darstellt. Die Regierung wird Ihnen daher sofort, als den nächsten Gegenstand Ihrer Thätigkeit, einen Gesetz-Entwurf über die einstweilige Fortcrhebung der Steuern bis zum 30. September d. J. zur Berathung und Annahme verlegen, und nach Erledigung dieses Geschäfts eine Vertagung eintreten lassen, um bis zur Mitte deS künftigen Monates ein neues Budget, dessen Vollendung noch von der Erwägung und Feststellung der in den Ausgaben der Rechtspflege und der Kriegüverwaltung möglichen Ersparungen abhängt, nebst Vor- schlägen zur Deckung des auâ der früheren Zeit vo> liegenden bedeu­tenden Desicitâ, sowie sonstige, den Bedürfnissen der Gegenwart ent­sprechende Gesctzeövorschläge zur Vorlage bringen zu können.

Den unläugbaren Schwierigkeiten gegenüber, welche die gegen­wärtige Lage deü StaateS nach Außen und nach Innen darbietet, ist sich die StaatSregierung der ihr deshalb obliegenden Pflichten tief be- wußt, sie kennt die Wege, welche sie einer Sefid mit Vorsicht, an­derer Seitö mit Kraft und Entschiedenheit zu gehen hat, und ist in klarer Auffassung der gegebenen Verhältnisse von dem reinsten Willen beseelt, die dem engeren und weiteren deutschen Vaterlande drohenden Gefahren, soviel an ihr liegt, abzuwehren und für die wahre Wohl­fahrt des StaateS mit allen Kräften thätig zu sein. Soweit sie hier­bei Ihrer verfassungsmäßigen und loyalen Mitwirkung bedarf, glaubt sie darauf um so sicherer rechnen zu dürfen, als auch Sie nicht unter­lassen werden, den Ernst des Augenblicks und die concrcten Verhält­nisse klar und mit Vermeidung jeder Selbsttäuschung in'â Auge zu fassen.

Die StaatSregierung wird in jeder Lage im Auftehen auf den Willen und Beistand des Allmächtigen ihr Amt so auSzuüben trachten, wie sie es in ihrem Gewissen vor Gott und dem Lande zu verant­worten gedenkt.

Von Ihrer Seite, hochgeehrteste Herren! darf sie mit Zuversicht diejenige bereitwillige Unterstützung in Anspruch nehmen, welche die Möglichkeit eineS gemeinschaftlichen gedeihlichen Wirkens auf der Bahn der Verfassung und der regelmäßigen Ordnung bedingt.

Im Namen Seiner Königlichen Hoheit deS Kurfürsten erkläre ich den Landtag für eröffnet.

Schleswig-Holstein.

C Hamburg, 24. Aug. Endlich sind die offiziellen Verlüstli- stcn rem General Ermmando ausgegebe» worden. Danach beträgt der gesammie Verlust etwas über 2000 Mann an Todten, Verwundeten uud

Gefangenen. Der Ersatz hierfür dürfte einerseits durch die Ersatzmann- schaft und die wieder alâ geheilt entlassenen Verwundeten, andererseits durch die seitdem eingetretenen Freiwilligen mehr alâ geboten worden sein. Positive Nachrichten auâ Rendsburg fehlen. Es scheint gewiß zu fein, daß die Dänen für den Winter von einem Angriff auf Rendsburg abstehen, und haben sie ihr Möglichstes gethan, um durch Verschanzungen u. s. w. sich ihre Winterquartiere zu sichern. Soll doch der dänische Oberge- neral von Kropf die Aeußerung gethan haben, daß seine Stellung völlig uneinnehmbar sei. Dennoch sind verschiedene Anzeichen vorhan­den, die darauf schließen lassen, daß von schl. holst. Seite in nächster Zeit vielleicht mit einem Angriff verfahren werden möchte. Maa fürchtet in Rendsburg den Auâbruch der Cholera; den Soldaten dort ist eine bestimmte strenge Diät vorgeschrieben und von hier auâ sind zahlreiche Medikamente angekauft worden. Mehrere plötzliche Todesfälle sind allerdings in jüngster Zeit zu beklagen, doch hat die Fama richtig wieder übertrieben, indem sie gestern den Tod deâ Oberstlieutenants Thalwitzer und deS Advokaten Baudih hierher meldet. Beide lebea noch. Der erste hat nur seine Mutter verloren und der zweite einen Schlaganfall gehabt. Hier hat seit einigen Tagen sich die Herbst­witterung unmittelbar nach einer unerträglichen Hitze Eingestellt.

Deutschland.

** Kassel, 26 August. Heute Morgen um 11 Uhr wurde die auf den 22 d. M einberufene Ständeversammlung durch de» Vorstand deS Finanzministeriums, Hrn. Geheimerath Lometsch, durch die im Eingang mitgctheilte Rede eröffnet.

Nach Beeidigung der in einer Vorversammlung für legitim irt er­klärten Abgeordneten durch Hrn. Lometsch wurde eine weitere Sitzung auf Nachmittags 4 Uhr zur Legitimationâprüfung des Abgeordneten Heß, sowie zur Wahl deS permanenten ständischen Ausschusses und eines AdreßauSschusseS anberaumt. Die Zahl der Mitglieder deâ per­manenten Ausschusses wurde auf 5, die deS AdreßauSschusseS auf 7 festgesetzt, und der in der Vorversammlung provisorisch gewählte Le- gitimationSprüfungSauSschuß als definitiver bestätigt.

** Kassel, 26. Aug.Retten Sie unâ, helfen Sie uns, rette Du unö, allmächtiger Gott, hilf, heilige Polizei denn ohne euch find wir Mucker schmachvoll verloren." Also lautet daS neueste Zetergeschrei deS hessischen VolkSfreundeS " über daS heillose Treiben der Hornisse. O es ist auch zu himmelschreiend.Wenn" ruft der schwarzkuttige Teufel vom Land wenn Seine Königliche Hoheit nicht baldigst ein Einsehens haben und daâ Schandblatt ver­bieten, so allmächtiger Gott! wenn wir keine getreuesten Unterthanen wären, so könnten wir versucht werden, zum König von Preußen zu beten, der dieses Bubeublatt wenigstens verboten hat." Warum nicht? Andere beten zur Madonna, andere auch zu Paul und Peter. Der Teufel vom Lande lebt offenbar uoch in dem Pfaffeuzlau- ben, daß man bei ernstlichem Willen einen todt beten könne. Ver­suche er'ü nur. Lasse er bei dem täglichen Morgen- und Abendgebete, daS Hr. Vilmar â la Muselmann einführen will, den Satz anfügen: Und. Herr, erlöse unâ von der Hornisse, vor allen Dingen, Herr!" Sollte der liebe Gott auf den Antrag nicht eingehen, so bleibt frei­lich nur das eine Mittel, daß Hr. Vilmar in der Note zu jenem Klagelied anbeutet; Andere Gerichtsverfassung zum Nachtheil der Presse, d. h. Aufhebung der Geschworenen und Einführung der Tor­tur. En avant r dummer Teufel!

Schimpfen kann Jeder!" (Vilmarsche Redewendung gegen die Hornisse.) ,

X Vom Nhcinhardswald. Einem wohledlen Bez:rköauS- schuffe hat es gefallen,. die Wildparks Sr königl ^o^ett »n r schirmenden Fittige zu nehmen, (cf. Verfügung vom - '3 Natürlich -zum Schutze der benachbarten Ländereien und W-eseu.