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zu sage«, daß kein Mensch größere Theilnahme für die Hèrzogthümer hege» und Niemand sanguinischere Hoffnungen auf den Sieg derselben setzen kann als dieser Berichterstatter, Isidor Heller. Er hatte unbe- dingt Recht, wen« er meinte, daß die Herzogthümer zu Grunde gehen müßten, wenn Niemand ihnen zu Hülfe käme, und Niemand würde diese Ansicht auffallend gefunden haben, wenn sie nicht in derDeutschen Reform" gestanden hätte, für deren Leser sie übrigen« gerade berech. riet war. Es sind auch nur die Gothaer, die Geschrei darüber erho- ben, weil sie denken, nachdem Heinrich v. Gagern Major dort ge­worden, müßten die Schleâwig-Holsteiner innerhalb 8 Tagen vor Kopenhagen stehen. Soviel zur Steuer der Wahrheit für einen sehr gutmüthigen Literaten, dem bei seiner Korrespondenz für das mini­sterielle Blatt nichts ferner lag, alö böswillige Absicht für die Her- zogthümer. Und doch arretirt!

OW Dresden, 21. August. In der gestrigen Sitzung der ersten Kammer ist der auf ministeriellen Befehl bevollmächtigte Mino­ritäts-Abgeordnete der Universität, Dr. Tuch, in die Kammer ein­getreten und von dieser freudig ausgenommen worden. Sodann hat die edle Kammer daS Gesetz vom 3. Juni über daâ Vereins- und Versammlungsrecht einstimmig angenommen. Die zweite Kammer berathet gegenwärtig über ein von der Regierung vorgelegtes Dekret über die Ablösung der Lehngelder-Verbindlichkeit zu Gunsten der edlen Raubritterschaft. Die demokratische Presse ist vernichtet, die Ver­eine sind todt, die Ruhe ist wieder hergestellt, und doch wollen Han- del und Gewerbe nicht blühen, doch ist daS Elend im Wachsen und Niemand zufrieden. ES mögen nun im Ganzen ein Dutzend Dank­adressen mit 2 3000 Unterschriften durch eine dreimonatliche An- strengung der Junker- und Pfaffenpartei zusammengebracht worden sein. Diese einzige Thatsache zeigt die Schwäche unserer starken Regierung deutlich genug, so unverschämt auch ihre Organe daS Ge­gentheil behaupten. Die s. g. RegierungS-Partei" sind jene paar hundert Krautjunker, Hofbedienten. ES sind die Schmarotzergewächse, die sich um den Thron schlingen, weil sie ihre Nahrung auS der Ci- villiste saugen, ein bettelhafteS und bettelstolzes Lumpenpack, daS von dem Teller ihres Königs ißt, aber für diesen selbst in Zeiten der Noth keinen Finger rührt, am allerwenigsten aber Lust hat, sich für den Thron zu opfern. Ein großer Theil deS Volks liegt in ohnmäch­tiger Apathie. Aber selbst unter dieser ist ein tiefer, verbissener Groll verborgen. Wir leben in einer drückenden Atmosphäre. Bald ist der Winter wieder da und die wohlhabenden Klaffen werden in rauschen­den Vergnügungen die Noth der Zeit zu vergessen sich bestreben, eS wird eine glänzende Wintersaison werden in den höheren Regionen der Gesellschaft. Aber unten, tief unten, wie steht es da? Hat der Arme auch Aussichten auf eine brillante Saison, auf Bälle, Konzerte und Feste aller Art? Die Erndte ist nicht nach Wunsch ausgefallen, der Scheffel Korn kostet bereits 3 Thlr. und die Kartoffelkrankheit fängt an, sich in vielen Gegenden eiuzustellen. Das sind keine glänzenden Aussichten. Dazu die steigende Last der Steuern; der Finanzminister hat sich auS guten Gründen gegen Einführung einer Einkommensteuer ausgesprochen, der einzigen Steuer, die das Volk nicht drücken würde. Soll man es noch mit den Reichen verderben? Wer soll die nöthigen 20 Millionen verschaffen, wenn nicht diese edlen Kapita­listen? Wie aber sollen die Steuern in dem Maaße geschafft werden, wie sie nöthig sind? Das ist die Hauptsorge des Ministeriums und seines sogenannten Landtags. Wie scheint, werden nach einander alle Steuern um fast das Doppelte erhöht werden. Lassen Sie den Winter dauern so lang er will, mit seinem grenzen­losen Elend den moralischen Winter meine ich der Frühling, der März muß und wird darauf folgen.

(I Vom Rbein, 21. August. Die Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich, welche die Blätter längst als angebahnt verkündeten, ist in einer Weise erfolgt, wie wir dies längst vorhersagten, Preußen verzichtet zwar nicht formell, sondern nur materiell, zwar nicht als Staat, doch bezüglich seiner Politik, auf selbständiges Han­deln, läßt Oesterreich freie Hand und sich selbst quasi mediatisiren. ES gibt die Berufung der Bevollmächtigten der deutschen Einzelstaaten (oder Bundestagögesandten) nach Frankfurt zu und unterwirft sich in der Differenz wegen Deportation der badischen Truppen dem Auâspruch eineS Schiedsgerichts. Wir sind zurückversetzt in die glückselige vor­märzliche Zeit, in die goldene Zeit der Bäder-Konferenzen, der Reisen hoher, höchster und allerhöchster Herrschaften und diplomatischer Tou­risten. So konferirt in Kissingen der baierische Minister v. d. Pfordten mit dem russischen Graf Nesselrode, in Baden-Baden der König von Würtemberg und die Königin von Holland mit dem Großberzog, in Aschaffenburg König Ludwig von Baiern mit dem Großherzog von Hessen, in Bad EmS und Schwalbach der Herzog v. Nassau mit der russischen Großfürstin Helene und der Prinzessin Peter von Oldenburg, in Hohenschwangau König Mar von Baiern mit Kö­

nig Otto von Griechenland, und in Ischl der österr. Kaiser Franz Joseph I. mit dem Herzog von Mecklenburg und anderen Düs mi- norum gentium, die sich allda Raths erholen; in Wiesbaden hält Heinrich V. von Frankreich Hoflager, in Brüssel steckt König Leopold von Belgien mit Metternich den Kopf zusammen, nach­dem sie dem von Aachen herübergepilgerten König Mar von Baiern guten Ratb mit auf den Weg gegeben. In London und Claremont macht Prinz Peter von Oldenburg bei Louiâ Philipp Egalitc und der Königin Victoria Visite. Kurz, fast sämmtliche hohe gekrönte Häupter Europas geben sich Rendezvous. Nur der Czaar aller Reußen, Nikolaus I., liest dabeim in ZarSkoe Selo im Testament Peter des Großen, und Friedrich Wilhelm IV. sitzt zu Hause in Charlottenburg und läßt sich statt daS Testament seines Vorgängers zu fludire» auS dem neuen Testament vorlesen, da er und sein HauS dem Herrn (?) dienen wollen. Vor Schlafen­gehen muß ihm Hengstenberg oder Hub^r auS dem 67 Bogen starken Berichte über die Geisteszerrüttung des Attentäters Sefeloge vortragen: daS wirkt wie der beste Schlaftrunk. In Bregenz soll demnächst der Kaiser von Oesterreich mit den Königen von Baiern und Würtem­berg zusammentreffen, und bereits hat sich alldort die Königin von Würtemberg, die in Friedrichshafen weilt, einstweilen die k. k. österreichischen Truppen in der Nähe betrachtet, welche an Schwabens Gränze im Vorarlberg stehen. Unsere süddeutschen Zustände gestalten sich nach und nach so ziemlich homogen und adäquat; in Kassel wie in Darmstadt wird daS Ministerium der rettenden That in Kurzem die Landstände um den Thron versammeln, und entsetzt über die bei dem demokratischen Wahlresultat unzweifelhafte radikale Kammermajorität werden die Räthe der Krone die Vertreter der Nation in Bälde wieder mit Protest nach Hause schicken. Dann treten beide Hessen in das glückliche Stadium der Oktroyirung, Steuer- Verweigerung, Tendenzprozeffe, Haussuchung, Fahndung und gefäng­liche Einziehungen :c. Der würtembergischen verfassungrevidirenden LandeSversammlung, die demnächst in Stuttgart zusammentritt, mit ihrem ministeranklagtndeu Ausschüsse, steht wahrscheinlich ganz daS nämliche Schicksal bevor und die cause celèbre des Prozesses vor dem StaatSgerichtSbofe wird wohl ad calendas graecas vertagt werden. Nur in Baden ist eS stille. Das herrliche Kriegâheer, welches dem Großherzog die schweren Regierungssorgen, namentlich die Verwaltung der Staatsfinanzen, sehr erleichtert, hat die Zügel in seine eiserne Faust genommen und zensirt sogar noch Zeitungen da- bei. In Baiern ist daS Vereinsrecht nur noch in den Brauhäu­sern, oder im PiuS- und konstitutionell»monarchischen Verein unter polizeilicher Aufsicht verstattet. Im Uebrigen, da daS Bier gut und billig ist und die kolossale Figur der feisten Bavaria auf den Oktober­wiesen etwas zu bewundern und Augenlust gibt, so ist die Bevölke­rung zufrieden; sie haben panem unb circenses. Nun herrscht Ruhe und Ordnung.Schlafet, waS wollt ihr mehr?"

Schweiz.

8 A»s der Schweiz, 18. Ang. Noch immer Herr Druey Sozial - Demokrat! DaS Thema ist bei den Schweizerblättern noch Mode. Daß sich übrigens jetzt die sogenannten besseren Organe so schmeichelnd gegen ihn benehmen, ihn plötzlich lobpreisen und in den Himmel beben, beweist, daß ihnen jede politische Bildung und jedeâ Bewußtsein fehlt. Ein Wort, daS dieser Herr im weinseligen Zustand sprach, macht ihn plötzlich zu einem Hero«, während vorher alle seine Handlungen diesem übereilten Worte direkt widersprachen und keine einzige seiner jetzigen Handlungen nur eine Audeutuizg gibt, daß er seine Gesinnungen ändern wolle. Der Schweizer macht höchst gemüthlich in Politik! Die Flüchtlinge sollen nun gleichmäßig vertheilt, die Versteckten entdeckt rc. werden. Man will Ordnung in diese Verwirrung bringen. Kein Flüchtling wird von der Schweiz m^r unterhalten, sie leben kümmerlich von ihrem Verdienste und auS eige­nen Mitteln an den Orten, wo sie am Besten vermögen; nun will also der Bundesratb diölociren, ihnen somit den Unterhalt vernichten und den Platz bestimmen, wo sie verkümmern sollen. Warum? Weil sich der Stand Zürich beklagt, die Flüchtlingslasten fast allein tragen zu müssen. Waâ sind dies für Lasten? Ich brauche Sie nur auf die für Zürich so blamable Affaire wegen Daniel Krebs von Mann- beiw binzuwcisen, so werden wir eine dieser Lasten gefunden haben. Auch bestehen dort Sittenregister, deren Führung schwer ist, ferner müssen sich in den Wirthshäusern , wo sich Flüchtlinge befinden, komman- dirte Polizeidiener aufhalten, um sie zu überwachen, ihre Gesprächs zu belauschen und zu berichten. Sie werden begreifen, wieser l' ch diese Republik" die Flüchtlinge angelegen sein läßt! bungen nach Neapel werden mit solch geheimer Offenhei 6- '

daß man im Publikum die Namen der Seelenverkäu.er off.n nenn, fast täglich ihre i Aufenthalt kennt, stets weiß, wo und wieviel ste