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Dritter Jahrgang.
pedition i obere Emengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 £lt
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Kassel, Sonnabend den 21. August
1650
Ihr wolltets so!
Die schleâwig- holsteinische Regierung behandelt die Demokraten alâ räudige Hunde. Auf Befehl derselben Männer, welche jede Bewegung deS Volkes, auch die reinste, berechtigtste, todtgeschlagen, ihr eigenes Wort, daS sie für Deutschlands Erhebung eingesetzt, gebrochen, welche Schleswig-Holstein selbst geopfert, heimtückisch verrathen haben, auf Befehl eben dieser Männer werden die Demokraten, die ihren Arm dem letzten Kampfe für Deutschlands Einheit leihen wollen, auö den Herzogtümern auSgewiesen, wie giftiges Unkraut bei Seite geworfen. Hier, wo kein Vernünftiger an einen glücklichen AuSgang des Krieges denkt, wo im Gegentheil Jeder weiß, daß eS sich nur um eine letzte Manifestation des VolkSwillenS handelt, daß am Ende alles nur auf eine feierliche Demonstration gegen fürstlichen Verrath hinauS- lauft, daß das deutsche Volk nur seine letzten Thränen um die ihm abermals geraubten Träume von seiner Größe weint, daß eö im Grunde genommen nur Angesichts des Himmels und der Erde ein großes Todtenamt begehen, auf dem Grab seiner Hoffnungen das Blut vergießen will, daraus einst die flammende Rache hervorschlagen soll, — -— hier in die er stummen, bangen, herzbrechenden Feier scheut sich die schleSwig - holsteinische Regierung nicht, einer ganzen Partei, einer großen, sich aufopfernden, mit Wunden und Narben bedeckten Partei, Schmähungen und Lästerungen ins Gesicht zu schleudern, die ganze deutsche Demokratie für aussätzig zu erklären, die ganze Zukunft deS Vaterlandes zu brandmarken. Das ist Profanatiou, daâ ist Tcmpel- s chändung-
Armsei ,i$ Menschen! Und daS ist eure nationale Begeisterung, daS sind die re ^en Flammen, die zum Himmel lodern, das ist die tiefe heilige Bewegung eurer „deutschen" Herzen? Kleinliche Seelen, die ihr seid! Und wenn die Demokratie Alles verbrochen hätte, was ihr derselben nachsagt, wenn sie weniger groß dastände, alS sie da- steht, wenn sie nicht zwei lange Jahre lang für deutsche Freiheit gelitten, gestritten und geblutet hätte, wenn sie auch weniger stolz darauf sein könnte, von Anfang an den Kreuzzug gegen die alte Lüge, den alten Trug, gegen fürstliche» Meineid gepredigt zu haben,-- dort, in jenem Kampfe hättet ihr die Demokratie nicht verwerfen, ihr hättet sie nicht also behandeln dürfen. Und wenn ein Verbrecher herkäme, um seinen Pfennig auf euren Altar, auf unsern Altar, den Altar im deutschen Tempel, niederzulegcn, — wer wäre roh und herzlos, wer wäre verblendet und rachsüchtig , wer wäre kalt und be- geisterungölvâ genug, um die Gaben deS Verbrechers ihm vor die Füße zu werfen? Und hat die Demokratie in SchleSwig-Holstein etwas Anderes gewollt, als auch ihr Scherflein beitragen, auch ihr Opfer brin.eu? Die Demokratie hätte fern bleiben können, sie hätte es vielleicht sogar gesollt, aber nun, da sie kommt, da sic ihre Dienste anbietet, da sie auch in euren Reihen einmal ihr Blut vergießen will, vergießen ohne alle Hoffnung auf Sieg, vergießen um deS Vaterlands, um der sterbenden Geliebten willen, nun durftet ihr sie nicht zurückweisen, nun durftet ihr eurer falschen Freunde wegen den ehrlichen Feind nicht für der Waffen unwürdig erklären-
Jhr habl'ü gethan. Ihr habt dem letzten Aufzucken deâ nationalen Lebens in Deutschland den Todesstoß gegeben, ihr habt nicht uns, ihr habt euch selbst, eure eigne Sache in den Staub gezogen. Die heilige Begeisterung ist geschändet. In den Rausch dieser Begeiste- ruug habt ihr den ersttu M-ßklang gebracht, ihr habt verrathen, daß eure Begeisterung nur eine Lüge ist, daß ihr diure, kleinliche Krämerseelen seid.
Glaubt ihr, die Demokratie sei nichtâ, sie trage nichts auS tu b?r großen Bewegung? Und wären unserer nur zehn, wie ihrer M-l- liouru sind, an diesen zehn hättet ihr euch dennoch zu Tode ge
frevelt. Oder kennt ihr das Geheimniß der nationalen Begeisterung nicht? Wißt ihr nicht, daß sie zarter ist, feiner, empfindlicher, alS die Unschuld eines Mädchenâ?
Der schönste Blüthenduft eurer Erhebung ist nun vorüber, vorüber, unwiederbringlich vorüber. Ihr wäret mit uns untergegange», ihr werdet ohne unS untergehn, ohne uns und ohne Liebe und Freude.
Wißt aber, waS ihr weiter gethan habt. Mit jenem schrille» Mißton, der auf einmal an das Ohr^er Demokratie schlug, ist der klaffende Riß zwischen uuâ und euch"noch weiter gerissen, so weit, daß er zum Abgrund geworden ist, den ihr nicht, den Niemand in der Welt auszufüllen vermag. Verstoßen von euch, verstoßen von Allem, verletzt in tiefster Seele, in ihren heiligsten Gedanken, verletzt um ihrer Liebe, ihrer Aufopferung, ihres EdelmutheS willen, wird die Demokratie nie wieder die Hand nach euch auöstrecken, nie wieder mit euch in einen Tempel treten, nie wie^ mit euch beten und weinen.
Wir sind geschieden auf ewig. Wenn ihr die Zeit verständet, so müßtet ihr die Folgen eurer Lieblosigkeit besser bedacht haben. Ihr habt eine nationale Erhebung Deutschlands inâ Reich der Unmöglichkeiten, der Tollheiten verwiesen, ihr habt nur einer Revolution noch Berechtigung zugesprochen, der Revolution deS Proletariers gegen den Besitz, ihr habt den Bürgerkrieg provocirt, mehr, ihr habt ihn bereits begonnen.
Ihr wolllet'S so! Die Demokratie wird in dem Kampf der beiden Herzogtümer einen Markstein ihrer Geschichte haben.
S ch l c s w i g - H o°l st--e i n.
6 Hamburg, 21. Aug. — „ Nichts Neues?" so heißt eS täglich, Morgens und Abendâ auf dem Altonaer Bahnbof. Natür» lich, daß daâ Publikum sich langweilt und vor lauter Langweile nach ganz besonderen Motiven dieses ihm unbegreiflichen Stillstandes sucht. Und wenn eS nur dabei bliebe! Aber da werden denn Kcllergeschich^ ten fabrizirt, in denen begreiflicher Weise der Urheber dieser langwei- ligcn Stille, General Williscn, am ^^schlechtesten fortkommt. Das Geringste was man wittert, sind Unterhandlungen, und endlich schreit man Verrath! Ich habe indessen Mittheilungen auS dem Lager erhalten, die sehr geeignet sind, daâ Wunderbare an dem Stillstand aufzuheben. Ich meine auch, daß derselbe sehr bald aufhören wird. (?) Freilich sind nicht allein die Dänen zu täuschen, sondern auch jene unberufenen Correspondenten, die jeden Bissen Neuigkeit von hier auS in die Welt hinein schreiben. Nach ihnen war gestern wie- der daâ ganze Heer aus Rendsburg gerückt, ob zur Schlacht oder zur Inspektion, daS wissen sie indeß nicht. (Es war eine telegraph Corr., die auch wir mitgctheil thaben. Die Red.) Die Dänen treiben indessen auâ Schleswig Borräthe aller Art zusammen, um sie für den Winter auf Alsen zusammenzuspeichern. Das arme Land leidet fürchterlich an dieser Plünderung. Hätte die Statthalterschaft vor Ausbruch des Krieges nicht eine unnöthige Sparsamkeit bewiesen sie hätte höchstwahrscheinlich dem Lande die jetzigen enormen Verluste gespart. — In Rendsburg ist vorgestern der Festungökommandant Oberst Lesser gestorben, ein vorzüglicher Artillerie-Offizier und ein Mann, der für. daS Land fühlte. Der Verlust wird schwer zu ersetzen sein. — Die Schl. - Holst. haben Tö nnin g e rr wieder geräumt und die Däne» Hausen abermals dort wie in Friedrichsstadt. - 3» Hamburg sind seit den letzten drei Wochen fünf große Bankerotte zum Ee- fammibelaufe von ungefähr drei viertel Mill Thlr auögebrocheo. ES liegt daâ weniger an den ungünstigen Handels - Conjunktureo, als an verfehlten Spekulationen. Der eine der Clienten -st der schon früher einmal Bankerott gewesene, in Deutschland hinlänglich bekannte F. Hivck.