- 814 -
Dieâ hindert jedoch nicht, daß Sie nächstens den Unsinn gedruckt lesen -werden. Hintennach ging eS denn auS Anlaß deS TageS auch her über die Demokraten, und beifälliges Lächeln des Publikums, vielleicht auS Mitleid mit der vieljährigen Praxis des Redners, verherrlichte den Triumph, den die in der Universität vertretene Intelligenz über «ufere heutige böse Zeit davontragen mußte. Nachdem schließlich der Redner ein zu seinem schlechten Gewäsche vorzüglich paffendes Hoch a«^ den Kurfürste« auSgebracht, waâ jedoch von keiner Seite erwiedert wurde, packte er feinen Tornister. Mittags schossen vollständige 30 Mann Dürgerwehr, die die Strafgelder für daS Ausbleiben nicht hatten erschwingen können, im Hinblick auf daâ bittere Leiden Christi nach der Scheibe, versammelten sich Abends auf dem Markte und ein mißlungenes Hoch, von der Ironie der Gassenjungen auâgebracht, beschloß die erbauliche Feier deS TageS, von dem vielleicht in der Neuhessischen zu lesen sein wird, er sei „geeignet, Veranlassung zu ernsten Betrachtungen zu bieten". — Held Haynau war auch bei unâ zu sehen. Dieselben ironischen Gassenjungen zeigten sich auch bei dieser Gelegenheit und so massenhaft, daß Se. Exzellenz sehr bald verschwanden, noch dazu, da ihm daS schreckliche Omen passirt war, daß das Pferd seiner Droschke zweimal zusammenbrach unter der Blutlast, die eS mit ihm bergauf zu schleppen halte.
R Marburg, 21. Aug. — Gestern kommt hier an den akc- demischen Senat die Nachricht, daß daS Ministerium, rsp. Hr. Vilmar, den für nächstes Semester angekündigten Vorlesungen deâ Prof. Zeller über ncutcstamentliche Exegese die Bestätigung verweigere AlS Grund wird angegeben, daß Zeller nicht zur theologischen Fakultät gehöre. Dagegen liest Prof. Dietrich, der freilich ein Mucker ist, stets dieselben exegetischen Kollegien, obgleich er auch zur philosophischen Fakultät zählt. — Vom Senat ist neulich zum Prorektor gewählt Prof. Nasse, der Ihnen ja wohl alS Mucker bekannt sein wird.
* Marburg, 21. Aug. — Man bezeichnet uns von Marburg auS Hrn. Gymnasialdirektor Münscher als Verfasser des abscheulichen Artikels gegen den verstorbenen Rühl, den neulich der Vilmar'sche „VolkSfreund" hatte. Wir zeigen dies hiermit an, um diesem Herrn Gelegenheit zu geben, sich von dem auf ihm ruhenden Verdacht zu reinigen.
△ Frankenberg, 21. August. — Kund und zu wissen allen guten Kurhesseu, daß die Beglücker der Erde und deS Himmels wieder eine Seele der Hölle überliefert haben. Von Rechtswegen. In dem nahgelegenen Willersdorf hatte sich im Jahr 1848 ein Mann NamenS Paulus Michael amtlich trauen lassen. Er fühlte kein Bedürfniß , eine kirchliche Trauung folgen zu lassen, noch dazu, da der Pfarrer Pflüge! zu Bockendorf ihn nicht umsonst trauen wollte und er arm war. Michael wurde nun in die Kirche zitirt, um sein Urtheil vor der versammelten Gemeinde zu empfahn. AlS er nicht erschien, wurde ihm durch den Schullehrer bekannt gemacht, Kurfürst!. Konsistorium habe verfügt, daß er (Michael) keinen Antheil mehr an der Kirche habe und werde er weder zum Abendmahl gelassen (kann er entbehren!) noch würden seine Kinder von einem Pastor getauft (kann er selber!) und wenn er gestorben, ginge kein Pfarrer zur Leiche (wird nichtâ davon gewahr!). —
Wer gibt dem Konsistorium daS Recht, solche Ausschließungen zu oktroyiren? Die Konsistorialordnuvg vom Landgraf Moritz? — Ist uns aufgezwungen und gilt nicht. Nur die Gemeinde kann ent- scheiden über Aufnahme und Ausschluß Michael ist also nach wie vor Mitglied der Kirche. — Die sonstigen Faxen sind nicht der Rede werth.
L8Hcrsfe!d, 21. August — Wenn man dadurch, daß man gut berathet ist, auch wohl berathen ist, so müssen wir dem Himmel danken für die Freigiebigkeit, mit welcher er uns seit der März- Revolution in dieser Hinsicht bedacht hat. — Während wir im Jahre 1847 nur einen Sta dtra th und einen Landrath besaßen, haben wir jetzt auch einen BezirkSrath, einen R egieru n g S r ath, einen Justizrath und einen simpelen Rath aufzuweisen, gar nicht zu reden von dem mancherlei Unrath, dessen wir und — nicht er- freuen. Außerdem wird bereits ein Medizinalrath für uns gebacken, und ein Baurath, ein Forstrath, ein Kommerz ien- rath und ein O e k o n om i e r a t h sollen auch schon in den Ofen geschossen sein, so daß bald nach deS Kurfürsten Geburtstag die frische Waare hier ankommen würde. Wir warten diese Bescheerung ruhig ab. WaS und werden soll von Gottes Gnaden, wird uns doch. Nur um eins senden wir unser eifriges Gebet zum Himmel und zu Di", Sohn GotteS, o Vilmar, um einen K o n si st o ria l ra th. Ist dieser Wunsch erfüllt, so bleibt und für diese Erde nichts mehr zu wünschen übrig. O Vilmar, erbarme dich unser und unseres geistlichen Oberhirten Pfaff — mache den Stein, den die Bauleute 1848 verworfen, zum Eckstein. Siehe, wie er, ein sehnsüchtiges Fragezeichen, in die Zu- kunft schaut, mit dem stillen, verhaltenen Seufzer: o Herr, wie so lange? Darum erbarme dich Herr unserer lechzenden Seelen, wie
der ©einigen und mach' ihn zum KonsiSton'akrath, auf daß wir onS retten aus unserem Trübsal. Sela!
® Hünfeld, 20. August. — Der Advokat Peterâ zu Wächters- bach erhielt in den Städten Hünfeld, Schlüchtern und Steinau von 389 Stimmen 378. Wie auch die Wahl in den zwei anderen Städten ausgefallen fein mag, PeterS hat eine Majorität von wenigstens 200 Stimmen. In Hünfeld erhielt Hr. Staatsprokurator Morchutt zu Fulda 4, in Schlüchtern Hr. Vilmar zu Kassel 2 und Hr. Eberhard 1 Stimme, was jedoch auf einer irrigen Mittheilung zu berufen scheint. —
* Breslau, 19. August. — Die „Neue Oberleitung" hat in ihrem gestrigen Hauptblatt einen offenen Brief an Manteuffel, worin sie Beschwerde führt, daß man mit Hinweis auf die Gewerbeordnung die Besorgung der Zeitungen durch Kommanditen verbietet. Den Nichtbuchhändlern verbietet man den Vertrieb, weil sie nicht konzes- sionirt sind, und den Buchhändlern droht man mit Entziehung der Konzession, wenn sie den Vertrieb übernehmen. So hat eâ wenigstens die Liegnitzer Regierung gemacht. Die Redaktion verlangt vom Mi- nistcr Schutz, so lange er nicht erkläre, daß die demokratische Presse nicht bestehen dürfe. Manteuffel'S Ideal sei eine starke Regierung, und darin liege, sich offen zu seinem Zwecke bekennen. — Allerdings könnte eS darin liegen, aber in Herrn Manteuffel'S Lügensystem liegt eS sicherlich nicht.
Z- Mainz, 21. August. — Am 18. war an einem Tag Geburtstag dcâ Kaisers von Oesterreich in Mainz mit gräßlichem Svck- takel und RochuSfest in Bingen, wo der Heidenbekehrer Bischof Ket- teler zu Mainz selbst daS Hochamt hielt. Dieser zweite BonifaziuS wird für seinen BekehrungSeifer, den er in seinem Hirtenbrief und in seinen Predigten an Deutschkatholiken und dergl. Heiden dargelegt, mit der bodenlosesten Undankbarkeit belohnt; ja man sieht hier eine Karrikatur bei diesem Sündenvolk, wo der Hochwürdigste in vollem Ornat einen deutschkatholischen Gastwirth als verlorenes Schaaf auf die Schultern ladet und — rettet. — DaS „Mainzer Journal" posaunt mit Posaunen von Jericho gegen daâ moderne Heidevthum. Dieses Blatt zeigt als würdige Schwester Ihres netten Vilmar'schcn „VolköfreundS", daß wenn auch nicht Christus und Belial, doch Belial und Astaroth zusammengehen, d. h. Hengstenberg und Loyola. — Die Opposition gegen Ketteler zu Gunsten deS Dr. Schmidt zu Gießen war aus dem tiefgefühlten Bedürfniß nach Reformen hervorgegangen, war von Seiten des niedern Kleruâ zugleich der Drang nach Emanzipation von dem absoluten Regiment deS bischöflichen Krumm- stabö. Niemals war daher der Zudrang zu der jetzt 6000 Mitglieder zählenden deutschkatholischen Gemeinde größer alö seit der Anwesenheit deS neuen Bischofs.
— s — AuS der Schweiz, 18 Aug. — Ohne Zweifel haben Sie Druey'S Bekenntniß gelesen, welcher sich für einen Sozialisten auSgibt. Die ihm bis dahin anhängenden Blätter, welche sich von den Brosamen, die von seinem Tische abfallen, ernähren, sehen darin natürlich wieder die Größe ihres Ideals und ihre Lobhudeleien haben neue Nahrung bekommen. Welch ein Schrecken für die konservativen Blätter, welche sich schon mit der Hoffnung schmeichelten, der Hr. Bundespräsident, der bis jetzt den Kammerdiener der Großmächte gespielt, werde nun mit ihnen Hand in Hand die auswärtige Politik verfolgen. Doch ach! Auch sie wurden irre an diesem bunten Para- diesvogel, welcher sie narrte und ihnen eine unverdauliche Phrase hinwarf, ach nur eine leere , gedankenlose Champagnerphrase. Die soziale Partei, welche von einem Sozialisten verlangt, daß er feine Grundsätze thatsächlich geltend mache uud welche gerade bei Hr. Drucy noch nicht einen Funken sozialer Ideen fand, legt leinen Worten nur in so weit eine Bedeutung unter, daß sie diese als eine plaisanterie, < barlatanerie oder dergleichen vachwciff er ,, Citoyen “ von Galeer beginnt einen Artikel folgendermaßen: „ " Präsident der Eidgenossenschaft hat sich bei einem Banket in Bern geäußert, daß er Sozialdemokrat sei Daö ist sehr gut. Jeder rech liche Mann ist Demokrat und jeder Gutdenkende Sozialist. Demokra bezeichnet einen Menschen, welcher daS Recht für Alle will und we - cher im Falle des Widerstandes den Muth hat, eS mit Gewalt zu erlangen; Sozialist ein solcher, welcher daS brüderliche Zusammen e bcn verlangt und eS selbst auSübt. ES ist daher sehr ’ Demokrat zu fein und sehr thöricht wenn man eS "v
fern Sinne entwickelt nun Galeer sein System, en ich ehr er Drucy zurück, er nennt seine Aeußerung ein „petit evenement . Sin Man» trägt in fid> s.« »i« höchst- Tn- -°-- ,-m-' »an», langen. äSenn ,- sich am ^rini^rn »an»ell, last er »aj M» * ' »entast, d« Wünsch- ««» ,'•® '',,1'' Sf'T. eit awter [feigen. W-»» R-ch> “"» W-h-h-tt d-s-hle» . »arf er t«»er