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Erscheint tii-Ilch, Montags auègenom^ men. Vierteljährlicher Abonneinenlspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

P ritUr Jahrgang.

pedition (obere Entengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 ^lr.

orNiss e.

Mr: 197* Kassel, Freitag den 23. August 1850,

Angesichts der neueren Ereignisse in Schleswig-Holstein, durch welche die Regierung der Herzogthiimer der Demokratie entschieden den Krieg erklärte, hielten wir es für unsere Pflichtdie demokratische Commission zur Empfangnahme für Unterstützungsgelder rc. auzu lösen" und erklären, daß wir von heute an keinerlei Gaben mehr entgegennehmen.

I. Schönfeld. W. Erdmann. Dcincrsdorf. Richter. A. L. Raabe. Trautmann.

Schwarz gewinnt, Noth verliert???

In Nr. 74 deSVolkSfrenndö" spricht sich Hr. Konsistorialrath Vilmar durch den Mund eines schlichtenOberhessen" über die nächste Zukunft KurhessenS aus. Hr. Vilmar faßt und freilich nichts NeueS, aber daS Neue besteht darin, daß Hr. Vilmar sich überhaupt auâ- spricht.

Es handelt sich um die Landstände. Daâ ministerielle Organ be- arbeitet seinen Gegenstand nach allen Seiten hin, es stellt die Frage auf, was die Stände hätten leisten müssen, was sie dermalen zu thun hätten und was die Folge der Unfolgsamkeit sein werde.

Aufgabe der Stände war: Verwilligung der Steuern. Aufgabe der nächsten Stände ist: Verwilligung der Steuern. Die Folge der Unfolgsamkeit ist: Beseitigung deS landständischen Instituts, oder wenigstens sofortige Auflösung der diesmaligen Kammer.

Das ist verständlich. Hr. Haffenpflug will mit den Volksver­tretern gar nichts weiter zu thun haben, als daß sie ihm Geld geben sollen Sobald sie die Steuern verwilligt haben, erhalten sie einen Fußtritt und werden als unnütze Dienstmagd heimgeschickt. Verwilligen sie die Steuern nicht, so erhalten sie gleichfalls einen Fußtritt und werden ebenfalls fortgesagt.

Die Herren Volksvertreter haben nun die Wahl. Angesichts der Hassenpflug'jchen Drohung mit dem WunscheVieler", daßdie Land- stände zum Kukuk gingen", der Drohung mit einemrecht ansehnlichen Erecutionskorpâ", daS für den Fall der Steuerverweigerung in unser Land gelegt werden dürfte, wird cs sich nun zeigen, wieweit die Mandate der Volksvertreter gehen, ob bei der letzten Wahlagitation die mögliche Katastrophe den Wählern zum Bewußtsein gebracht worden ist oder ob man sich begnügt hat, Majoritäten zusammenzutromnieln.

Hr. Vilmar zeigt uns im Hintergrund den Belagerungszustand. Wir zweifeln gar nicht, daß gewisse Herren schon lange mit sehnsüch­tigen Augen nach jenem Zustand geschaut haben, eS handelte sich nur um einen anständigen Vorwand für denselben. Hr. Vilmar hat den Vorwand sinken lassen. Wenn die Landstände keine Steuern verwil- ligen, so wird beyPreuße oder Baier" gewisseRückstände auS den Jahren der Freiheit und Gleichheit" betreiben, d. h. Kurhcsscn wird militärisch besetzt werden.

Hr. Vilmar zeigt unS nicht blos den Belagerungszustand in der Ferne, er zeigt auch die totale Aufhebung der Verfassung, aller seit dem Jahre 1848 erlassenen Gesetze, die Vernichtung der Geschwornen- gerichte, der Preßfreiheit rc. rc.

Werden die Stände trotz dieser deutlichen Winke die Steuern verweigern? Oder werden sie durch Verwilligung der Steuern daS Land vor dem allgemeinen deutschen Unglück zu bewahren suchen? Werden sie fest bei ihrem Rechte stehen, mag da kommen, waS da will oder werden sie auS Angst vor dem Zorn ihres GegnerS vom Rechte zur angeblichen Zweckmäßigkeit abfallen?

In einem Lande wie Kurhessen läßt sich keine Geschichte machen. Hr. Hassenpflug existirt, das ist der Beweis für diese Behauptung. Und wenn ihr noch so sorgsam daS Staatöschiff zu lenken suchtet, wenn ihr noch so fein den großen Politiker, den klugen Diplomaten spiel­tet, wenn ihr noch so schlau die Manövers und Pläne Hrn. Haffen- Pflugs vereiteln wolltet,---es kommt doch alles, wie es kom­

men soll, denn die Existenz HassenpflugS bürgt dafür. Der Greifs­walder Fälscher, geächtet und verflucht vom ganzen Volke, steht außer­halb eurer Einwirkung, er thut, waS ihm zu thun befohlen ward.

In einem Lande wie Kurhessen läßt sich keine Geschichte machen, aber eS läßt sich doch zeigen, daß Frechheit und Ehrlosigkeit, daß Mein­eid und Verrath nicht die landläufigen Sünden und Verbrechen sind. ES läßt sich doch zeigen, daß man dem Trotz der Unehre den Trotz deS Rechts, der frechen Herausforderung daS Schwert der ernsten Ueberzeugung gegenüberstellen kann. ES läßt sich doch zeigen, daß man auch der brutalen Gewalt gegenüber noch andere Mittel hat, als immer und ewig zu Kreuze kriechen, immer wieder die Hand der Ge­waltigen lecken, nämlich den Muth deS letzten Kampfes, deö Kampfes auf Leben und Tod.

Wie schlau die Steuerverwilliger rechnen! Daâ wissen sie alle, daß sie keine Einwirkung auf die Zukunft haben, daß alles präparirt und fertig ist, aber sie wollen Hrn. Haffenpflug keinen Vor­wand geben, die Schuld der Zukunft auf sie zu wälzen, sie wollen, daß Hassenpflugâ Attentate die reine Gewaltthat zum Grunde haben. Wie? Ihr wollt euch todtschlagen lassen, um den Mörder in seiner ganzen Abscheulichkeit zu zeigen? Protest auS den Gräbern, vom Friedhof!

DaS Schlimmste, was dem Volke widerfahren kann, ist eine freiwillige Unterwerfung unter den Willen deS Stärkeren, ist die Anerkennung des Rechtes der Brutalität durch Verzicht auf den gesetzlich erlaubten Widerstand. DaS Schlimmste, waS noch geschehen kann, ist die weitere Fortsetzung der alten Lüge, der alten Heuchelei, der alten Halbheit und der alten Feigheit. Das deutsche Volk hat nichts mehr zu retten, als den letzten Rest von Ehre und Manneö- stolz, den ihm die Schurken und Bösewichter, die man dieGroßen der Welt" nennt, in den letzten Jahren noch gelassen haben.

Ob Steuerverweigerung oder nicht! Die Herren Volksvertreter müssen ihr Mandat kennen. Fest steht aber, daß eine Steuerverwei­gerung gerade dieseömal am wenigsten vom finanziellen Standpunkte aus betrachtet werden darf, sondern lediglich vom sittlichen. Die Steuerverweigerung ist im idealen Staate überflüssig, in gewöhnlichen Staaten ohne Effekt, in Kurhessen ist sie zur Ehrensache geworden. Hr. Vilmar droht mit der Aufhebung der Stände, wenn die Stände sich vermessen sollten, die Steuern zu verweigern, und Hr. Hassenpflug fordert die Steuern als Anerkennung seiner Greifswalder Verdienste. Wollt ihr die Steuern verwilligen?

Deutschland.

II Marburg, 21. Aug. Lassen Sie sich von den Feierlich­keiten berichten, welche am GeburtSfeste Sr. kön. Hoh. unsere Stadt erfüllten. Die Zopfakademie that redlich daS Ihrige, sie versammelte sich und cntfallctete bei sehr düsterem Himmel den von der Reforma- tion her ererbten Pomp. Da kann man lernen, waS Errungenschaften sind! Die Anzahl der Neugierigen war, wie immer, nicht groß, den Sermon hielt ein akademischer HanSwurst, längst bekannt durch seine vielen Witze schlechtester Qualität. Wie Mährchen einer längst ver­gangenen Zeit klangen die alten Witze deS würdigen Mannes immer wieder von Neuem an daö sich ennupirende Ohr, sie alle waren dura- mehr alS dreißigjähriges permanentes Vorbringen liebe und gute De- kannte, alt wie Methusalem und hinfällig wie der geduldige Jod.