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Dritter Jahrgang.
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Kassel, Mittwoch den 21. August
1^50.
Die nächste Ständekamrner.
ii.
Die demokratische Partei der Kammer soll daS Ministerium Hassenpflog vom Standpunkt der Volkssouveränetät aus zu vernichten suchen.
Diese Forderung war der hauptsächlichste Grund für die schroffe Parteihaltung während der Wahlen. Wo eine solche Forderung gestellt wird, muß man auch bei den Wahlen nichts verdecken und vertuschen, der Halbheit keinen Spielraum lassen, muß man wissen, daß es biegen oder Ir chen soll.
Es soll biegen oder brechen. Neben Hrn. Hassenpflug kaun keine, am wenigsten eine demokratische Kammer cristiren, nach seinem Programm will He. Hassenpflug gegen Nichts Front machen, außer gegen die Volkssouvcränctât.
Wohlan, ein Schatten dieser Bolkösouveränetät sieht unserm Premier jetzt grau leibhaftig gegenüber. Die Zeit der Maßregeln ist also gekommen, de Tage der Okkroyirungen sind da.
Werden die Demokraten der Kammer vor diesen Tagen zurück- schrccken? Schon höre ich das aberwitzige Geschrei der Philister, — — mäßig zu sein, ja recht mäßig, wo möglich so mäßig, wie die Männer der Rechten, oder noch mäßiger, wir die Hunde vom Hofe. Ich höre schon, wie man den demokratischen Deputirten guten Rath und gute Lehren gibt, sie an ihrer staatsmännischen Ambition anfaßt, wie man daS Wohl des Landes heraufbeschwört und sie bittet, nachgiebig zu sein, nicht Hassevxflugs wegen, sondern um des allgemeinen Bestens willen. Ich höre bereits die Forderung, wenigstens die Steuern zu verwilligen, damit endlich dieser unser heillose Fmanz- zustand aufyöre. Mehr, mehr, ich höre auch das Geschrei, daß ja schon ein halbes Jahr vorüber sei, seit der Kurfürst seine Märzverheißung verleugnet habe, daß die Hassenpflug'sche Sache veraltet sei, daß sie k;n Interesse mehr biete.
Die demokratische Partei der Kammer soll das Ministerium Hasseo- pflug vom Standpunkt der Volkssonv.ränetät aus zu vernichten suchen.
Was liegt also zunächst daran, ob der ganze Staat in die Luft fliegt, — — die demokratische Partei wäscht ihre Hände in Unschuld. Was liegt an diesem ehrlosen, nichtsnutzigen Staate, an dieser Gesellschaft, die sich von einem Fälscher lyranuisiren läßt, an diesem faulen, von Luge und Perfidie, von Verrath und JesuitlSmus zerfressenen Staate? Was liegt an einer Verfassung in den Händen der Mucker? WaS liegt an den Märzelrungenschafleu, wenn daS Schwert dcâ DamokleS über ihnen schwebt? Es ist keine besondere H-lten- that, sich selbst mit einem solchen Staat in die Luft zu sprengen, — es ist keine He'tenlhat, sich den Dolch in daS Herz zu stoßen, wo ringsum die Pest grassirt.
Das Blut kommt über sie, über den Herrn und seinen Diener. Oder wäre eâ wirklich so weit gekommen, daß ein Volk sich um deswillen ruhig in'S Gesicht speien lassen soll, ro.il dem Faust schlag in'S Gesicht des Speienden die Folter und daS Gefängniß folgt? Wäre es dahin gekommen, daß sich ein Volk treten, Junten, schänden, von einem Fälscher regieren lassen soll, weil eine Opposition gegen diese Schandthaten mit dem Schaffst endet? Ehrloses Volk, nichtsnutzige Nation! Bei einer Behandlung, die einem im gewöhnlichen Leben den Dolch in die Hand drücken würde, soll das Volk nichts thun, als kalkulircn, wie man am voitheilhaftesien in den Hundrstall kriecht, am praktischsten sich zur Ruhe begibt.
Ehrloses Volk! Wohlan, Herr Hassenpflug, geniren Sie sich nicht. W.un.Sre beim hellen Tage die Verfassung zerreißen, die Märzgesktze an die Lumpensammler verth. ileu ; die Philister werden überlegen, ob ein j’é^r er Nachtheil auS dem Stillschweigen oder
dem Reden erwachse. D.e Ph.l.ster werden sich fürâ Stillschweigen entscheiden Wohlan Herr Premier! Sie sehen, die Dinge haben sich umgekehrt. Je mehr S.e das Volk verlachen, anspeien, mit Füßen treten, je mehr sie eS drängen, torquiren, zur Verzweiflung treiben, ze weniger «.e ihm einen andern Ausweg lassen, als den vulkanischen, - - desto ruhiger wird eS im Interesse des allgemeinen WohleS sich verhalten, um des täglichen BrotS willen. Der Lärm könnte arg werten, der Verlust zu groß. 4
6 et i^to^ ^â' der Kammer hat mit diesem philiströsen Kackul n.ch^s zu fassen. Und wenn eS nur einmal, einmal geschieht einmal noch, soll doch in unsere feige, verfälschte, lügnerische, Hench- leri,che Zeit daS rciue Licht der Soune scheinen, einmal soll doch der B.itz in die?e Stickluft fahren, einmal soll doch Wahrheit und Klarheit zwischen dem Volke und der Fälschung fein, einmal soll doch das empörte Herz deS Volkes aufbraus'en, nicht mit staatSmännnchem An- stände, sondern Mit der ganzen Wildheit der sitilichen Entrüstung
Oder ist es ferner wahr, was die Philister schreien, daß die Begeisterung pur unsere Ehre bereits erloschen sei, daß die Oovositisn gegra Hassenpflug zu spät komme? Wie? Schmach, Schande über dikien Einfall! Der Hund hat ein längeres Gedächtniß für einen Tntt, als Ihr! Die Ruchlosigkeit, die Persisie, r» Meineid wuchern fort, und--Ihr achtet nicht mehr taraaf, weil die Wurzel der Missethaten zehn Meilen weil hinter Euch liegt? S-'e haben ein Echtes Spiel, Hr. Premier, denn der Philister gewöbnt sich an Alles Es bedarf nichts, als daß Sie dem Volke Nicht einmal, daß ~ie’ 15m ein ganzes Jahr lang ins Gesicht schlagen, daß Sie die Faust- schlâge zur Regel machen, daß Sie frech genug sind, ein halbes Jabr lang den Namen des gâlzcherS auf sich sitzen zu lassen. Das Volk gewöhnt sich an Alles. Aber die demokratischen Mitglieder der Kammer 2
Ehre verloren, Alles verloren. Ein Volk, das nicht verhungern' gerben kann, das lieber zur H... wird, ehe es stirbt, das stirbt endlich doch, aber es stirbt in Schimpf und Schande, eS stirbt auf dem Mist. '
Die demokratiiche Partei der Kammer wird die Ehre des Volkes zu retten wisse». Ohne alle Ncbcnrucksichten wird sie das höchste Recht des Zankes, za des Fürsten sogar (wenn eS daranf ankäme) im Auge behalten: Lieber todt als diese langsame 8-rderbniß aller Säfte und «raste des Landes D.e demokratische Partei hat ein besseres Gr- dachtnlß als ihre Gegner.
Heraus been, Herr Premier, mit Jhreu Oktrovirungen. Wenn Ihr Meister «laadrecht :c verlangt, so verhängen Sie Standrecht. «eU,ll die Demokrat«., fifhrpnt werden, so exstirpiren Sie die De- mokraten. «ollen d.e Kenstilatiouclleu den letzten Fußtritt erhallen gcdkll «ie deo legten öußtritt. '
2lb.r berenten S.e, Herr! Das Standrecht und der Gakaen nnd ‘‘£7^ ^.^nen nur um deswillen verfügt, weil "s
^"^ ^" °^' H"r, u°d sagen Sie eS Ihrem Meist».
S ch l e s w i g - H 0 t st e i n. m.-,^ ^ ' '^ ->chl«r, al^ die Wuth vvrddeut'cher demokratischer (v)
-ul uo« d.e Tatenlosigkeit, über die Ruhe Deutschlands gegenüber der «ache Schleswig-Holsteins. - S» re.ht die »Nord- .eutiche freie Presse" geradezu bad beutle Solf der Feigheit, ®ci1 ®j >âs ^igtet ungen nicht nöthigt, für Schleowig Holstein in ben liampf zu ziehe». Wir sehn in tiefen Vorwürfen mit großer Freude r.n Anfaizg ter «eldsterkenntniß. Als ras deutsche Volk im Jahre 1849 sich m Süddeslfchlaov für die ReichSoerfassunz erhob, als eS den Muth zeigte, feine Reg crunge» zwingen zu wollen, feine»